3. Dritte Reihe der Prophezeiungen. Prophezeiungen gegen die Heiden. (Kap. 13 – 27) A. Prophezeiung über Babel. (13,1 – 14,27) a. Gott ruft seine Streiter zusammen. (V. 5) b. Der Tag Gottes voll des Schreckens. (V. 13) c. Der Sturz Babylons. (V. 22)
1Last über Babylon,Achaz will sich an die Weltmacht anschließen. Dem gegenüber verkündet der Seher, dass alle gottwidrige Weltmacht vernichtet werden soll und Größe und Heil einzig bei Jahve und seinem Gesalbten ist. Vergl. [Dan 2,44]. Demnach ist Babel nicht so fast individuelle Weltmacht als weit mehr Inbegriff und Typus der gesamten gottwidrigen Macht mit ihrem diabolischen Untergrunde. Babylon ist gewählt, weil Nimrod es als gottfeindliches Weltreich gegründet [1Mos 10,10] und es sich als solches gegen das Volk, besonders durch Zerstörung der Stadt und des Tempels gezeigt hat. – Last: Gewöhnlich vom richterlichen Gottesspruch gebraucht. - welche Isaias, der Sohn des Amos, schaute.2 Auf dunkelm Berge pflanzet ein Zeichen auf, erhebet eure Stimmen, schwinget die Hand, und einziehen sollen durch die Tore die Fürsten!Nach der latein. Übersetzung ist an ein zur Nachtzeit weithin sichtbares Signalfeuer zu denken, das die Scharen zum Kampfe zusammenrufen soll. Alsdann soll ihnen mit lauthallendem Rufe und dringlichen Gesten der Angriff befohlen werden, und zwar, weil man des Erfolges sicher sein soll, gleich als ein Einziehen in die Tore. Hebr.: Auf kahlem (entwaldetem) Berge erhebet Panier. Es ist Zeit, an Babel Rache zu üben. -3 Ich habe meine GeweihtenMeinen hierzu besonders auserlesenen und berufenen und somit geweihten Kriegern. Die dreifache Charakteristik besagt: sie sind unwiderstehlich. - entboten und meine Tapferen in meinem Zorne gerufen, die frohlocken durch meine Herrlichkeit.4 Geschrei einer Menge auf den BergenVon den Gebirgen im Nordosten Babyloniens, besonders vom Zagrus her, dringt schon ein dumpfes, mehr und mehr anschwellendes Völkergebrause heran. Die Wiederholungen und Steigerungen sollen das Furchtbare und Erdrückende des feindlichen Anstürmens zeichnen. - wie von vielen Völkern, Schall des Getümmels von Königen, von versammelten Völkern;Hebr.: Horch, Gedröhn von Königreichen versammelter Völker. - der Herr der Heerscharen hat der Kriegsmacht Befehl erteilt,5 denen, die aus fernen Landen kommen,Das Ferne und Unbekannte steigert den Eindruck des Schreckens, daher noch „von der Grenze des Himmels“, den entlegensten und höchsten Bergen, auf denen die Himmelswölbung aufzuliegen scheint. - vom äußersten Orte unter dem Himmel; der Herr ist es und die Werkzeuge seines Grimmes, um die ganze Erde zu verderben.6 Heulet, denn nahe ist der Tag des Herrn! als eine Verheerung von dem Herrn wird er kommen.Ein Aufschrei der Angst und des Entsetzens. Dies ist das naturgemäße Echo jenes Getümmels. Der Gerichtstag naht als „Zerstörungsgewalt vom Allgewaltigen.“ -7 Darum werden alle Hände lass und jedes Menschenherz wird verzagt8 und zermalmt werden. Krämpfe und Wehen ergreifen sie, wie eine Gebärende leiden sie Schmerz,Die Schmerzen der Gebärerin brechen oft plötzlich herein und sind die schärfsten und durchdringendsten. - mit Entsetzen starrt einer den andern an,Ratlos. - angstglühend sind ihre Gesichter.9 Siehe, der Tag des Herrn kommt, der schreckliche, voll von Unwillen und Zorn und Grimm, um die Erde in eine Wüste zu verwandeln und ihre Sünder von ihr hinwegzutilgen.Diese Einleitung zu der V. 14 folgenden speziellen Schilderung bekundet durch die Allgemeinheit ihres Charakters und den Umfang der bezeichneten Wirkungen, dass der Seher das spezielle Gericht als einen Teil des allgemeinen Weltgerichtes auffasst und daher im Rahmen des letzteren das erstere einführt. -10 Denn die Sterne des Himmels und ihr GlanzHebr.: Ihre Orione, Sternbilder. - werden ihr Licht nicht ausstrahlen, die Sonne wird verdunkelt bei ihrem Aufgange und der Mond wird sein Licht nicht glänzen lassen.Alle Himmelsleuchten sind ausgelöscht, daher umschattet tiefe Finsternis die Welt. Wie Licht das Bild des Glückes, so ist Dunkel das Bild des Unglückes. Wenn der Herr das Licht seiner Huld verbirgt, verschwindet billig auch das geschöpfliche Licht, der Abglanz des göttlichen. -11 Und ich werde die Bosheit des Erdbodens heimsuchen und an den Frevlern ihre Gottlosigkeit und werde dem Stolze der Ungläubigen ein Ende machen und den Übermut der Gewaltigen niederwerfen.Gegenstand des Gerichtes ist die Sünde und zwar in der besonderen Form der stolzen Erhebung gegen Gott und Menschen. Das Gericht bringt ja den Ausgleich, daher muss Stolz und Übermut, der Missbrauch der Macht, am schärfsten getroffen werden. -12 Kostbarer als GoldHebr.: Seltener als das seltenste Feingold aus Ophir. - wird ein Mann sein und der Mensch mehr als das reinste Feingold.13 Dazu will ich den Himmel erschütternWährend Gott so Frevel und Übermut heimsucht, bekunden Himmel und Erde die Furchtbarkeit seines Gerichtes, indem der Zorn des Weltenrichters mit dem Menschen auch die Natur trifft. - und die Erde von ihrer Stätte verrücken, weil der Herr der Heerscharen grollt und der Tag seines grimmen Zornes gekommen ist.14 Und es wird geschehen, gleich einem flüchtigen Reh und gleich einem Schafe; und es ist niemand, der sammelt, ein jeder wird zu seinem Volke sich wenden und alle werden in ihr Land fliehen.Wie eine hirtenlose Herde werden alle Bewunderer Babylons auseinander stieben. Die Vergleiche geben das Eilige und Angstvolle in der Flucht. -15 Jeder, auf den man trifft, wird getötet und jeder, der hinzukommt, wird durch das Schwert fallen.16 Ihre Kinder werden vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen entehrt.Kein Alter, kein Geschlecht wird verschont, überall Mord und zwar in seiner grässlichsten Form. -17 Siehe,Die Verse 17-20 entwickeln das Bild des Mordens und der Verwüstung weiter. - ich werde über sie die Meder anreizen, die auf Silber nicht achten und nach Gold nicht begierig sind,So können also die Babylonier nicht hoffen, durch Hingabe ihrer Reichtümer sich und den Ihrigen das Leben zu retten. -18 sondern mit Pfeilen die Kinder töten; die der säugenden Mütter sich nicht erbarmen und deren Auge der Kinder nicht schont.Hebr.: Und Bogen schmettern Jünglinge dahin und über Leibesfrucht haben sie kein Erbarmen. – Meder stürzten mit den Persern vereint das Babylonische Reich. -19 Und Babylon, das glorreiche unter den Königreichen, der Ruhmesstolz der Chaldäer,Hebr.: Die Zierde von Königreichen, die Pracht des Stolzes der Chaldäer. - wird sein wie Sodoma und Gomorrha,Sodoma und Gomorrha sind der Inbegriff der furchtbar zerstörenden Strafgerechtigkeit Gottes. Statt alles Prunkes ein stinkender Schwefelpfuhl. - die der Herr von Grund aus zerstört hat.Die Vision des Isaias von der Zerstörung Babylons
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.20 Nicht soll es hinfort bewohnt werden bis ans Ende und nicht mehr aufgebaut werden von Geschlecht zu Geschlecht, nicht wird der Araber dort seine Zelte aufschlagen noch werden die Hirten sich daselbst lagern,Der Fluch steigert sich dadurch, dass die Stadt niemals mehr, weder bleibend noch vorübergehend, bewohnt werden soll. -21 sondern wilde Tiere werden dort ihr Lager haben und ihre Häuser werden von DrachenHebr.: Von Heulenden d.i. Eulen. - angefüllt sein, Strauße werden dort hausen und ZottigeHebr.: Böcke, griech.: Waldteufel. - dort hüpfen22 und Eulen werden sich da antworten in ihren Palästen und Sirenen in den Hallen der Wollust.Hebr.: Und Schakale heulen in ihren Schlössern und Goldhunde in den Palästen der Wollust. – Der Ort wird ein Tummelplatz der Teufel und verschiedener Spukgestalten.