Isaias 26

d. Jubel der Gerechten über die Erhöhung. (V. 11) Jubel der Gerechten über Gottes Machterweisung. (V. 19) e. Praktischer Schluss: Der Weg zum Heile. (26,20 – 27,6)

An jenem Tage wird man im Lande Juda Hier in messianischer, ideeller, nicht geographischer Bedeutung. Die ganze Erde soll ja ein Land des Herrn, also nach alttestamentlicher Anschauung ein Land Juda werden. - dies Lied singen: Die Stadt unserer Stärke ist Sion, der Heiland steht in ihr da als Mauer und Vormauer. Der Ausruf ist die Antwort auf die Siegesverheißung Gottes [Jes 25,10] der Ausdruck des Bewusstseins der Rettung und des über die Gottesstadt waltenden Schutzes. Der Beisatz Sion ist eine Glosse, die im Hebräischen, Griechischen, Syrischen und im Kommentar des heiligen Hieronymus fehlt. Hebr.: Eine feste Stadt ist uns, Heil setzt er als Mauer und Bollwerk. - Öffnet die Tore, dass ein gerechtes Volk einziehe, das an der Treue festhält! Zum Berge des Herrn sollen ja alle Völker wallen [Jes 2] und die getreuen des Herrn verlangen sehnlichst nach dieser Erfüllung. Im neuen (messianischen) Sion wohnt Gerechtigkeit und Treue (hebr.: Treue bewahrendes Volk), und so strahlt Sion endlich als wahres Abbild des Bundesgottes, der deshalb auch mit unwandelbarer Liebe das neue Sion umfängt. - Der alte Irrtum Der alte Irrwahn, nicht auf den Bundesgott, sondern auf die Weltmacht zu hoffen und dieser zu folgen. - ist geschwunden; du wirst Frieden wahren, Frieden, weil wir auf dich gehofft. Hebr.: Festgegründeten Sinn erhältst du in Frieden. - Ihr hofftet Hebr.: Selbstermunterung: vertrauet. - auf den Herrn ewiglich, auf den Herrn, den starken Gott, Hebr.: Auf Jahve, den Fels. Diese Namen bezeichnen die Grundlage der Hoffnung. - zu aller Zeit. Denn er hat niedergebeugt, die in der Höhe wohnen, und die hochragende Stadt Die feindliche Weltmacht. Vergl. [Jes 24; Jes 25]. - erniedrigt er. Er erniedrigt sie bis zum Boden, stößt sie herab bis in den Staub. Vergl. [Lk 1,52] und [1Kor 1,27]. - Es zertritt sie der Fuß, die Füße des Armen, die Tritte der Dürftigen. Der Pfad des Gerechten ist gerade, Den Gerechten leitet der Herr auf ebenem Pfade. Hebr.: Zu einem ebenen (Wege) ebnest du den Pfad des Gerechten. - gerade zum Wandeln der Pfad des Gerechten. Und auf dem Wege deiner Gerichte, Herr! haben wir auf dich geharrt; Sie wussten, dass durch das Gericht Heil kommen werde, und so harrten sie in dieser bestimmten Richtung. - nach deinem Namen und deinem Andenken verlangte die Seele. Meine Seele Individualisierend im Namen der Gerechten des Alten Bundes. - sehnte sich nach dir in der Nacht, ja auch mit meinem Geiste wache ich in meinem Innern am frühen Morgen Die bestimmten Zeiten veranschaulichen das Beständige und Intensive der Sehnsucht. Die Nacht ist die Zeit des stillen Nachdenkens, der Sehnsucht, des Gebetes, der frühe Morgen, ohnehin ein Bild des Eifers und der lebhaftigen Tätigkeit, findet den Gerechten schon wachend in der gleichen, die ganze Seele ergreifenden Sehnsucht. - zu dir. Wenn du auf Erden Gericht hältst, werden die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit lernen. Der Beweggrund der Sehnsucht ist das herrliche Ziel, das die Gerichte Gottes herbeiführen. - Erweist man dem Gottlosen Nachsicht, so lernt er nicht Gerechtigkeit; im Lande der Heiligen tut er Böses und achtet nicht auf die Herrlichkeit des Herrn. Mit Recht sehne ich mich nach deinem Gerichte und der Bestrafung der Gottlosen, denn so lange du ihrer schonest, werden sie schlimmer. - Herr! deine Hand werde erhöht Das Treiben der Gottlosen fordert Gottes Strafgerichte heraus, deshalb wünschen die Betenden, dass Gottes Gerichte jene ereile. - und sie mögen es nicht achten; Sie mögen in ihrer Blindheit die Anfänge des Gerichtes nicht erkennen. Dadurch werden sie der ganzen Strenge desselben verfallen. - achten sollen sie es und zuschanden werden die Eiferer gegen dein Volk und Feuer möge deine Feinde verzehren! Ist das Gericht gekommen, so sollen ihnen die Augen aufgehen, um den Abgrund des Elendes und der Schande zu sehen, in den sie aus Missgunst und Hass gegen das Volk Gottes, die Gerechten, gefallen sind. Es spricht sich in dieser Anwünschung die tiefe Entrüstung der Gerechten aus beim Anblick der Frevel und schnöden Gottesverachtung. Weil diese auf Gottes Majestät nicht achtet, möge sie auch auf den heranziehenden Richter nicht achten, dafür aber die eigene Züchtigung umso mehr fühlen. Hebr.: Hocherhaben ist deine Hand gewesen, aber sie schauten nicht; schauen werden sie, mit Schande übergossen, den Eifer um das Volk. – Das ist: Gottes Hand war immer sichtbar in der Geschichte, aber die Frevler kümmerten sich nicht darum, jetzt werden sie erfahren, wie sehr der Herr für sein Volk eifert. - Herr! du wirst uns Frieden gewähren, denn all unser Tun hast du für uns vollbracht. Gesinnung und Los der Feinde erinnert die Betenden, wie sie selbst im Gegensatze zu jenen den Ereignissen entgegensahen. Sie hofften auf das schließliche Geschenk ungetrübten Friedens, denn sie kannten die Verheißungen Gottes und sahen mit dem Auge des Glaubens, wie sich deren Verwirklichung durch Gottes Eingreifen anbahnt. Bitte und Begründung weist auf die eben gemachte Erfahrung. - Herr, unser Gott! es hatten uns zu eigen Herren außer dir, nur durch dich gedenken wir deines Namens. Es ist Gottes eigenstes Werk, dass das Volk jetzt jubelnd und frei des Namens Gottes gedenken kann. - Die Toten leben nicht, die Riesen erstehen nicht; Echo der V. 12 ausgesprochenen Bitte. Die Bedränger sind ins Totenreich hinabgestiegen, so sind die Feinde Gottes vergessen. Vergl. [Ez 32,18-32]. - so hast du sie denn heimgesucht und zermalmt und jedes Andenken an sie vertilgt. Du hast, o Herr, Gnade, ja Gnade dem Volke erwiesen, hast du dich nicht verherrlicht? du hast alle Grenzen des Landes hinausgerückt. Herr! in der Bedrängnis suchten sie dich Die überstandene Mühsal war eine Schule des Leidens, die Gott suchen und seine unverdiente Heilsgnade schätzen lehrte. - und in der Angst dumpfen Stöhnens wurde ihnen deine Belehrung. Hebr.: Sie ergossen Flehen, leises Flehen, da du sie züchtigtest. - Wie eine Schwangere, wenn sie dem Gebären nahe kommt, schmerzlich aufschreit in ihren Wehen, so waren wir vor deinem Angesichte, o Herr! Aus dem Zustande der Not und Bedrückung sollte eine neue Geburt, ein heiliges Volk, erstehen. Aber gerade zu dieser Neugeburt des Heiles konnten sie es aus sich heraus nicht bringen. - Wir waren schwanger und wie in den Wehen, aber gebaren Nichtigkeit; denn wir taten nichts Heilsames im Lande, darum stürzten die Bewohner der Erde Die Gewalthaber des Landes. - nicht. Aufleben werden deine Toten wieder, meine Erschlagenen Was sie selbst nicht vermochten, kann Gott bewirken; er ist mächtig genug, Tote zu erwecken; er ruft auch das unterdrückte Volk zu neuem Leben. - auferstehen. Die in der Leidensperiode dahingeraffte Gerechten sind nicht für die Herrlichkeit des Reiches verloren. Auch in das Totenreich wird der Glanz des Messianischen Reiches hineinstrahlen und dem Tode die Beute entreißen. - Wachet auf und lobsinget, die ihr im Staube wohnt! denn ein Tau des Lichtes ist dein Tau und das Land der Riesen wirst du der Zerstörung anheimgeben. Nach dem Hebr.: Gott ist Licht und Inbegriff alles Lichtes, der Tod ist Finsternis. Wegen der Lichtfülle Gottes, die selbst das Dunkel des Todes erhellt, werden die Toten zum Lichte erwachen, sobald sich Gottes Lichtstrahlen, gleich dem Tau, zu den Gräbern herabsenken… Nach der Vulg.: Während die Heiligen am Lichte und Leben Gottes teilnehmen, wird die Macht und das Gebiet der gegen Gott sich aufbäumenden Gottlosen der Vernichtung anheimgegeben. [Mt 25,46] - Gehe, mein Volk! tritt in deine Kammern, schließe deine Türen hinter dir zu, verbirg dich eine kleine Weile, auf einen Augenblick, bis das Zorngericht vorübergeht. Praktischer Rat für die Zeit der Bedrängnisse. Das Bild ist vom Sturme entlehnt, in dem man sich in das schützende Haus zurückzieht. In stiller Gebetseinsamkeit [Mt 6,6] sollen sie mit Demut und Vertrauen auf den Herrn harren. Die Redeweise erinnert an Noe, hinter dem der Herr die Türe der Arche schloss, oder an das Verweilen der Israeliten im Hause, während der Zornengel Ägypten durchschritt. [2Mos 12,12] Die Zeit des Zorngerichtes wird als ein Augenblick bezeichnet, freilich bemessen mit dem Maßstabe der Ewigkeit oder mit Hinsicht auf die gesamte Entwicklung des Reiches Gottes in der Weltgeschichte. - Denn siehe, der Herr wird ausziehen von seiner Stätte, um die Bosheit der Erdenbewohner gegen ihn zu strafen; und die Erde wird ihr Blut aufdecken und nicht fernerhin ihre Getöteten bergen. Das richterliche Einschreiten Gottes wird oft als das Sicherheben, ein Herabsteigen usw. bezeichnet. Gegenstand des Gerichtes ist die „Bosheit der Erdenbewohner“, zunächst wie V. 18 (nach der Vulg.) aber auch mit Hinweis auf das sündige Volk Israel, an dem freilich die Weltmacht als Strafrute Gottes zuerst Gericht zu üben hat. Gegen ihn: Hebr. an ihnen. Sünde und Unrecht schlagen den eigenen Herrn. Die Erde selbst, der Schauplatz der Verbrechen, stellt an den Herrn diese Forderung, indem sie das Blut, das sie trinken musste, offen darlegt und Strafe heischt. Vergl. [1Mos 4,10.11]. Das zweite Glied besagt, dass die Erde die schuldlos Gemordeten gleichsam aus ihrem Schoße entsendet als Zeugen und Ankläger der Mörder. (Hier.)

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