Isaias 38

II. Teil. (Kap. 38 – 66) 1. Umstände der Verkündigung des Babylonischen Exils (Kap. 38, 39) A. Ezechias Krankheit und Genesung. (V. 8) B. Ezechias Klage in seiner Krankheit. (V. 17) C. Ezechias Danksagung nach seiner Genesung.

In jenen Tagen Vergl. Vers 6 und [Jes 39,1]. Der Ausdruck ist unbestimmt genug, um eine dem assyrischen Einfall vorhergehende kürzere oder längere Zeit bezeichnen zu können. - erkrankte Ezechias bis zum Tode. Da kam Isaias, der Sohn des Amos, der Prophet, zu ihm und sprach zu ihm: So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, Hebr.: Befiehl deinem Hause. - denn du wirst sterben und nicht leben! Ezechias aber wandte sein Angesicht zur Wand Nicht wie Achaz aus Unmut [1Koe 21,4], sondern um ungestörter zu beten. - und betete zu dem Herrn und sprach: Ich flehe dich an, Herr! gedenke doch, wie ich vor dir in Wahrheit und mit ganzem Herzen wandelte und tat, was in deinen Augen gut ist. Er bittet den Herrn wohl, die im Bunde niedergelegten Verheißungen eines langen und segensvolle Lebens an ihm zu verwirklichen. Sein Schmerz ist umso größer, als er ohne Thronerben sterben soll. - Und Ezechias brach in lautes Weinen aus. Da erging das Wort des Herrn an Isaias, also: Gehe hin und sage zu Ezechias: Also spricht der Herr, der Gott Davids, deines Vaters: Vergl. [Jes 37,35]. - Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen; siehe, ich will zu deinen Tagen noch fünfzehn Jahre hinzufügen Ausführlicher ist die Erzählung [2Koe 20,4.8]. - und dich samt dieser Stadt aus der Hand des Königs von Assyrien erretten und sie beschirmen. Also war die Stadt bedrängt. Mithin liegt Krankheit und Genesung des Ezechias vor der in [Jes 37,36] erzählten Katastrophe. - Das aber soll dir zum Zeichen sein von dem Herrn, dass der Herr das Wort tun wird, welches er geredet: Siehe, ich werde den Schatten um zehn Linien, welche er an der Uhr des Achaz durch die Sonne hinabgegangen ist, zurückgehen lassen. Und die Sonne kehrte zehn Linien an den Graden Hebr.: Siehe, ich lasse zurückkehren den Schatten der Grade (Stufen?), welche er herabgegangen ist an den Graden (Stufen) des Achaz durch die Sonne, zurück zehn Grade (Stufen), und es kehrte die Sonne zurück an den Graden zehn Grade (Stufen), welche sie herabgegangen war. – Grade (Stufen) sind wohl die einzelnen Einschnitte, gleichsam Stufen, welche der Schatten auf dem Zifferblatte einer Sonnenuhr zu durchlaufe hat. Die Uhr selbst heißt darnach Grade. Aus der Erzählung [2Koe 20,10] erhellt, dass die einzelnen Linien weniger als eine Stunde bezeichneten, da es mehr als zwanzig waren. - zurück, die sie heruntergegangen war. Gott gewährt ein Wunderzeichen zur Bekräftigung des Glaubens, zur Erhöhung der Freudigkeit und Gewissheit der Hoffnung und um seinen Getreuen die Überschwenglichkeit seiner Liebe und Gnade zu zeigen. Zugleich diente es dazu, dem Amte des Propheten und seiner Person das Siegel göttlicher Bestätigung zu verleihen. Das Wunder besteht darin, dass auf das Geheiß des Sehers der Schatten allen sichtbar an der Sonnenuhr zurückging. Natürlicherweise war die Lebensuhr des Königs abgelaufen, Gott schenkte ihm fünfzehn Jahre, dies wird passend durch das Zeichen des rückkehrenden Schattens an der Sonnenuhr bestätigt. - Schrift des Ezechias, des Königs von Juda, als er krank geworden und von seiner Krankheit wieder genesen war. Das folgende Lied schildert die Gedanken und den Schmerz des Königs in seiner Krankheit und den Dank für die erlangte Rettung. Dadurch tritt die Größe der Wohltat in das rechte Licht und ebenso die Größe der späteren Verschuldung. [Jes 39] - Ich sprach: In der Mitte meiner Tage Der König war etwa 39 Jahre alt, also beraubt der Verheißungen Gottes, die ihn noch auf viele Jahre rechnen ließen. Hebr.: Ich bin gestraft um den Rest meiner Jahre. - soll ich zu des Totenreiches Pforten Die Unterwelt ist als große Behausung der Toten gedacht, daher die „Pforten.“ - gehen. Ich misse den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Nicht schauen soll ich den Herrn, Gott, im Lande der Lebendigen, nicht ferner erblicken Menschen und Bewohner der Ruhe. Auf der Erde, im Lande der Lebenden; während des Lebens erfährt man Gottes Huld und Gnade. Hebr.: Ich werde nicht erblicken Menschen fürder bei den Bewohnern der Unterwelt – für mich hört in der Unterwelt das fröhliche Treiben der Menschen auf. - Meine Lebenszeit wird hinweggenommen und zusammengerollt vor mir wie ein Hirtenzelt, Die Hirten wandern von Ort zu Ort; rasch und leicht ist das Zelt abgebrochen und zusammengerollt. Der Tod macht mit dem Leben des Königs, das diesem so teuer, keine Umstände. - abgeschnitten wie vom Weber wird mein Leben; da ich noch am Weben bin, schneidet er mich ab, Im plötzlichen Wechsel des Bildes ist er nun selbst der Weber, der am Gewebe seiner Taten usw. webt, sich selbst, den Inhalt seines Denkens und Wollens auswebt, und der in dieser seiner Auswirkung (Entfaltung) plötzlich unversehens abgeschnitten wird. - vom Morgen bis zum Abend bringst du mich zu Ende. Am Abend angelangt, sieht er sehnsuchtsvoll dem Morgen entgegen, ob dieser vielleicht Hilfe bringt; aber die Krankheit wütet unablässig fort, so dass er neuerdings den Tod nächster Nähe erwartet. (V. 13) - Ich hoffte Hebr.: Ich geduldete mich. - bis zum Morgen, aber wie ein Löwe, so zermalmt er alle meine Gebeine; Der Vergleich mit dem Löwen drückt die heftig an- und eindringende, wühlende und den ganzen Menschen wie zermalmende Kraft der Krankheit aus. Er oder Gott: die Krankheit. - vom Morgen bis zum Abend bringst du mich zu Ende. Wie eine junge Schwalbe seufze ich, girre wie eine Taube; Sein schmerzliches Seufzen isst ein sanftes. - meine Augen sind ermattet, aufblickend zur Höhe. Während der wimmernden Klage blickt sein Auge zu Gott empor. - Herr! ich leide Gewalt, tritt für mich ein! Tritt bürgend für mich ein. Nur Gott kann sich als Helfer zwischen ihn und die Krankheit stellen, ihn schützen. - Was soll ich sagen? Bei dem Stoßgebete selbst stellt sich das Bewusstsein ein, dass gerade der Herr dieses Leid über ihn verhängt. - oder was wird er mir entgegnen, hat er es doch selbst getan? Ist nicht also mein Seufzen vergebens, da Gott selbst dieses Leid gesendet? - Ich will vor dir alle meine Jahre überdenken in der Bitterkeit meiner Seele. Dem Gotte, der ihn mit Leiden überhäuft, will und kann er nur entgegentreten mit dem bitteren Schmerze seiner Seele, mit dem er auf die rasch entschwundenen Jahre zurückschaut. Dieser Schmerz ist die Bitte, die er vorträgt, der Anspruch auf Erhörung, den er geltend macht, die Waffe, mit der er Gottes Heimsuchung abzuwenden sucht. - Herr! lebt man so und ist darin meines Geistes Leben? du mögest mich züchtigen und mich neu beleben. Siehe, im Frieden ward mir meine bitterste Bitterkeit; Das Unglück kam unerwartet in sein schönstes Lebensglück, ist also doppelt herb und schmerzvoll. Er ist sich bewusst, als treuer Diener des Herrn gelebt und gewirkt zu haben, jetzt soll er plötzlich, wie ein schuldbeladener Frevler, vom Gottesgericht des zu frühen Todes ereilt werden? Jetzt leuchtet die göttliche Gnadenzusage in seine Schmerzensnacht hinein. - du aber hast meine Seele errettet, dass sie nicht umkomme, hast alle meine Sünden hinter dich geworfen. Hierzu gehörte wohl auch das Bündnis mit Ägypten, gegen das der Prophet so geeifert. - Denn nicht die Unterwelt preist dich noch lobsingt dir der Tod; und die in die Grube hinabsteigen, harren nicht auf deine Treue. Hat der Mensch die Schwelle des Todes überschritten, so ist er am Ziele, die verdienstvolle und Gottes Ehre unter den Menschen fördernde Arbeit hört auf. Für ihn ist die Nacht hereingebrochen, in der niemand mehr wirken kann. Den Gerechten des Alten Testamentes stand nur die Vorhölle bevor; die Lehre über die Seligkeit aber, die erst der Messias vermitteln sollte, war im Alten Testamente noch unentwickelt. Sie fehlt aber keineswegs, wie selbst rationalistische Ausleger zugeben. Vergl. [Ps 15,10; Ps 48,16; Ps 72,23; Dan 12,2.3; Ez 33,9; Jes 24,23; Jes 26,19; Jes 57,1.2] u.a. Auch [Hebr 11,13-16] gibt über den Glauben der Patriarchen Aufschluss. - Wer lebt, wer lebt, der preist dich, wie ich heute; der Vater tut den Kindern deine Treue kund. Herr! schaffe mir Heil, so wollen wir unsere Danklieder singen alle Tage unseres Lebens im Hause des Herrn. Der König spricht in seinem und seines Volkes Namen. - Und Isaias befahl, einen Feigenkuchen zu bringen und auf die Wunde zu legen, damit er gesund würde. Ezechias aber sprach: Was wird das Zeichen sein, dass ich hinaufgehen werde in das Haus des Herrn? Diese beiden Verse 21, 22 sind an eine falsche Stelle geraten, da sie vor dem Wunderzeichen stehen mussten, wie [2Koe 20] zeigt. (Hier.) – Wie Abraham und Gedeon bittet er um ein Zeichen, was umso mehr zur Festigung des Glaubens dienlich war, als der Prophet binnen kurzer Zeit zwei so entgegengesetzte Bescheide gegeben, und beide im Namen des Herrn.

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