Isaias 48
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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8) Achte Rede. (Kap. 48) a. Warum hat Gott Weissagungen gegeben und gibt solche? (V. 11) b. Der Herr ist gütig und erlöst.
1 Höret dies, Haus Jakobs! Die Titel und Namen sind zugleich die Begründung der Aufforderung. Als Söhne des glaubensstarken Jakob, des Gotteskämpfers, als Nachkommen Judas, dem das Herrscherzepter zugesagt ist [1Mos 49,10] als ein königliches Geschlecht, das sich der Herr auserwählt hat, sollen sie wohl mit Fug und Recht auf die Stimme der Prophetie hören und den Inhalt und Gehalt des Vorgelegten, das alleinige Heil im Herrn, sich zu eigen machen. Dies umso mehr, da sie ja den Herrn anerkennen, seiner preisend gedenken, ob auch nur mit den Lippen, nicht in wahrer Herzensgesinnung, nicht in gerechter, dem Bekenntnisse entsprechender und das Leben normierender Handlungsweise. - die ihr genannt werdet nach dem Namen Israels und aus den Quellen Judas Der Stammvater wird mit einer Quelle verglichen, die Rede geht also besonders an den herrschenden Stamm Juda und in ihm an das Reich Juda. - geflossen seid, die ihr schwöret bei dem Namen des Herrn und den des Gottes Israels bekennt, Um daraus eine Stütze falschen Vertrauens zu gewinnen, als könnte Gott sein Volk nicht den Heiden preisgeben. - aber nicht in Wahrheit und Gerechtigkeit. 2 Denn Weitere Begründung zu: „Höret dies.“ - von der heiligen Stadt nennen sie sich und auf den Gott Israels sind sie gegründet, Herr der Heerscharen ist sein Name. 3 Das Frühere Das Folgende erörtert, was zu beachten ist und welchen Nutzen die Angeredeten aus den Verkündigungen schöpfen sollen. - habe ich vorlängst verkündet und aus meinem Munde ist es ergangen und ich gab es kund, plötzlich habe ich es vollzogen und es ist eingetroffen. Die dreifache Wendung bezeichnet die längst gegebenen Weissagungen als klar und deutlich und zu aller Kenntnisnahme ergangene, die Erfüllung fand statt ohne Zögerung und vollständig. Es ist wohl insbesondere an die Ereignisse der Befreiung aus Ägypten und der Besitznahme des heiligen Landes zu denken. Der immerwährenden lebendigen Bezeugung Gottes ging aber auch des Volkes Widerspenstigkeit und Hartnäckigkeit zur Seite; diese durch jene zu überwinden, war Gottes Gnadenwille. - 4 Denn ich wusste, Nach dem Hebräischen gibt V. 4 den Grund an für V. 5: Weil ich wusste…, so verkündigte ich. - dass du hart bist und dein Nacken eine Eisenstange und deine Stirne von Erz ist. Sie wollen ihren Nacken nicht unter das Joch beugen, wie steifhalsige und unlenkbare Tiere. Seine eherne Stirne ist das Zeichen unbesiegbarer Ausdauer, hier im schlimmen Sinne. - 5 Darum sagte ich es dir vorlängst vorher; ehe es eintrat, machte ich es dir kund, dass du nicht etwa sagtest: Meine Götzen haben dies getan und meine Schnitz- und Gussbilder es angeordnet. 6 Schaue nun alles, was du gehört hast! Ihr aber, habt ihr es angekündigt? Die eingestreute Frage soll die Aufmerksamkeit auf die Tatsache der Prophezeiung lebhaft hinlenken. Hebr.: Und ihr sollt und wollt es nicht anerkennen und so dem Zeugnisse Gottes bestimmen? - Ich gebe dir Neues Das Neue ist, wie [Jes 42,9; Jes 43,19] die jetzt gegebene Weissagung der Befreiung und der Großtaten des Befreiers. - von nun an Der Satz betont die jetzt ergehende Weissagung, deren Inhalt vordem unbekannt war. Darauf soll man achten, damit die Weissagung nicht als ein Ergebnis menschlichen Nachdenkens erscheine. - kund und verborgene Dinge sind es, die du nicht weißt. Großes, überraschendes lässt der Herr ihnen verkünden, ob er etwa ihre Treulosigkeit besiege. - 7 Nun wird es hervorgebracht und nicht vorlängst; und vor dem heutigen Tage hörtest du nichts davon, Der Vers ist in seiner ersten Hälfte eine Erläuterung des vorhergehenden: „vor dem heutigen Tage hörtest du nichts davon“. Damit ist die Prophezeiung als eine überraschende bezeichnet. - damit du nicht etwa sagest: Siehe, ich habe es gewusst! 8 Du hörtest es nicht und wusstest es nicht, auch vorlängst war es nicht zu deinen Ohren gekommen; denn ich weiß, dass du treulos abtrünnig bist, und Übertreter nannte ich dich vom Mutterleibe an. Wegen der Frevel der Söhne der Patriarchen, in Ägypten usw. - 9 Wegen meines Namens werde ich meinen Grimm entfernen und um meines Ruhmes willen dich am Zügel leiten, dass du nicht zugrunde gehest. Die Sünden des Volkes hätten den Untergang desselben verdient. Der Herr aber erweist sich langmütig (hebr.), er zähmt seinen Grimm, hält ihn zurück (hebr.), dass Israel nicht zugrunde gehe. Er ist es, der das Volk zurückhält vom Verderben (Vulg.), weil er seinen Namen Jahve (der Seiende) für die Verwirklichung der Bundesverheißungen verpfändet hat. - 10 Siehe, ich habe dich geläutert, aber nicht als Silber, Israel ist Gottes Volk, daher ist dessen Heil und Glanz ein Ruhm für den Herrn. Damit aber das Volk zu diesem Ziele herangebildet werde, muss es den Weg der Läuterung und Bedrängnis durchmachen. Reines Silber wurde beim Läuterungsprozesse noch nicht erzielt, obgleich der Herr das Volk im Schmelzofen des Elendes schon mehrmals prüfte. (Hebr.) - dich ausgeschieden Das Lateinische betont mehr den Entschluss des Herrn, sich durch den Schmelzofen des Elends ein reines und heiliges Volk darzustellen. (hebr.) - im Schmelzofen des Elendes. 11 Um meinetwillen, um meinetwillen vollbringe ich es, dass ich nicht gelästert werde, Im hebr. Zwischensatz: denn wie soll er entweiht werden? (wie sollte ich dies zulassen?) Gäbe der Herr sein Volk dem Drängen der Feinde für immer preis, so gewänne es den Anschein, als ob die Götzen mächtiger wären als er. - und meine Ehre gebe ich keinem andern! 12 Höre mich, Jakob und Israel, den ich rufe! Hebr.: Israel, mein Berufener, das heißt zum Volke Gottes berufen und erwählt, an das ein neuer Ruf jetzt ergeht. Darin liegt die Pflicht, auf Gott zu hören. - Ich bin es, ich der Erste und ich der Letzte. Dieser Gott ist zugleich Anfang und Ziel aller Dinge, der eine, in sich unveränderliche, der seine Macht und Gottheit in der sichtbaren Schöpfung offenbart; Erde und Himmel, die er trägt und genau kennt, bekunden seine Majestät, sie gehorchen seinem Rufe unweigerlich alsbald. Sind Gottes Wesen, Macht und Werke nicht Gründe genug, auf ihn zu hören? Das Folgende gibt speziellere Gründe. - 13 Auch hat meine Hand die Erde gegründet und meine Rechte die Himmel gemessen, ich rufe sie und sie stehen zumal da. 14 Versammelt euch ihr alle und höret: Wer von ihnen hat dies verkündet? In der Tatsache der Weissagung, betreffs derer kein Götze und kein Zauberer aufkommen kann, haben sie einen weiteren Grund, auf den lebendigen Gott zu hören. - Der Herr liebt ihn, Cyrus ist, weil erwählt, auch von Gott bevorzugt, geliebt; er wird Gottes Machterweis an Babel vollbringen. - er wird seinen Willen vollbringen an Babylon und seine Macht zeigen an den Chaldäern. Auf dieses Ereignis sollen sie besonders achten. - 15 Ich, ich habe geredet und ihn gerufen und habe ihn herbeigeführt und sein Weg ist geebnet. Hebr.: Es glückt sein Weg, sein Unternehmen hat glücklichen Erfolg. Darin soll man das besondere Walten Gottes anerkennen. - 16 Tretet her zu mir Zu Gott. - und höret dies: Nicht habe ich von Anfang her Seit dem Bestande Israels. [Jes 46,9.10] - im Verborgenen geredet; von der Zeit an, noch ehe es geschah, war ich dabei Hebr.: Von der Zeit seines Seins her bin ich dort. – Der Herr hat sich bei der jedesmaligen Verwirklichung der früheren Weissagungen tätig und eingreifend gezeigt, d.i. sobald die Zeit kam, dass das Verkündete geschehen sollte, war im Eintreffen selbst die Hand und Macht des Herrn wieder erkennbar. Die Vulgata stimmt damit überein, nur hebt sie die Tätigkeit Gottes vor dem Geschehen hervor, da vor der Wirkung stets die bewegende Ursache da ist und wirkt. - und jetzt hat der Herr, Gott, mich gesendet und sein Geist. 17 So spricht der Herr, dein Erlöser, Das Exil ist eine Läuterung, ein Schmelzofen. Der Heilige Israels muss die Sünden züchtigen, aber züchtigt als Erlöser. Das ist das Grundgesetz für Israels Geschichte und gilt auch für das Exil. - der Heilige Israels: Ich, der Herr, dein Gott, bin es, der dich Heilsames lehrt und dich leitet auf dem Wege, den du wandelst. 18 O dass du doch meine Gebote wahrgenommen hättest! wie ein Strom wäre dein Friede geworden und deine Gerechtigkeit wie Meereswogen 19 und wie Sand deine Nachkommenschaft und die Kinder deines Leibes wie dessen Körner, Die Vergleiche schildern die Fülle des Segens und den Anfang der Gottwohlgefälligkeit, d.i. die Mannigfaltigkeit und Ausdehnung wahrer Tugenden, des wahren, von Gott gewollten Zustandes, sodann den Segen zahlreicher Nachkommenschaft und das Glück ungestörter Sicherheit, Vorzüge, die dem Volke als herrliches Los zugefallen wären. - nicht wäre dein Name untergegangen und nicht zertreten worden vor meinem Angesichte. Passender Hinweis für jene, die das Leid des Exils fühlen, und wirksame Vorbereitung für das Gebot von V. 20, Babylon zu verlassen. Die Rede geht direkt an die Exulanten. - 20 Ziehet aus von Babylon, Wenn die Weissagung durch Cyrus sich erfüllt, sollen sie, die Zeichen der Zeit verstehend und Gottes Einladung folgend, heimziehen aus der Verbannung freudigen Herzens, voll Sehnsucht nach dem heiligen Lande. Die Aufforderung kehrt zum Anfange des Abschnittes zurück. [Jes 40,3] - fliehet von den Chaldäern, verkündet es mit Jubelschalle, machet es kund und bringt es aus bis an die Enden der Erde! Sprechet: Der Herr hat seinen Knecht Jakob erlöst. 21 Sie haben nicht Durst gelitten in der Wüste, da er sie herausführte; Wie ihnen damals nichts mangelte und Gottes Macht und Liebe sie leitete, so soll es auch jetzt bei dem Auszuge aus Babel sein. - Wasser aus dem Felsen ließ er ihnen hervorströmen, er spaltete den Felsen und Wasser flossen hervor! 22 Aber die Frevler haben keinen Frieden, Friede ist ein anderer Ausdruck für das Heil, insbesondere das messianische. - spricht der Herr. Es gibt keinen Mittelweg: entweder unermessliches Heil auf dem Wege des Herrn oder ungemessenes Unglück und Verderben. – Blicken wir zurück, so stellt sich uns der letzte Abschnitt 43,3 – 49,22 in drei Gruppen dar: 1. Gott kann die Befreiung herbeiführen, er hat die Macht dazu. [Jes 40] 2. Zwei Befreier, zwei Arten von Befreiung werden mit den entsprechenden Folgen geschildert. (41 – 44,23) 3. Der Befreier und sein im Auftrage Gottes zu vollziehendes Werk und dessen Folgen für die Ungläubigen und Gläubigen. (44,24 – 48,22)