Isaias 50
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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B. Zweite Rede. (Kap. 50) a. Der Ungehorsam des Volkes. (V. 3) b. Der Gehorsam des Knechtes Gottes. (V. 7) c. Der Sieg des Knechtes Gottes.
1 So spricht der Herr: Die Rede beginnt, wie [Jes 49,14] geschah, mit der über Israel verhängten Strafe. Diese trat ein wegen Israels Ungehorsam und Halsstarrigkeit. Im Gegensatze zu diesem Volke tritt nun der Messias auf, seinen Gehorsam und seine vertrauensvolle Hingabe an Gott schildernd. Er sühnt jene Schuld durch seine Willfährigkeit und seinen Gehorsam, mit dem er sich dem Leiden unterzieht. (V. 1-6) In diesem Bewusstsein ist er stark und siegesgewiss. (V. 7-9) Wohl denen, die ihn hören und ihm folgen, aber Wehe seinen Widersachern. (V. 10, 11) - Welches ist dieser Scheidebrief eurer Mutter, mit dem ich sie entlassen habe? Oder wer ist mein Gläubiger, dem ich euch verkauft habe? Das Volk klagt, als hätte der Herr es verstoßen. Der Herr aber antwortet: Nicht ich habe euch und eure Mutter, die Synagoge, verstoßen, durch eure Sünden seid ihr selbst ins Elend gekommen. Ein Mann konnte sich von der Frau durch einen Scheidebrief trennen oder sie aus Not dem Gläubiger zum Ersatze überlassen. Die Juden können keinen Scheidebrief aufweisen, und wo wäre der Gläubiger, dem Gott etwas schuldete? (Cyr., Hieron.) - Sehet, Nachdrücklicher Hinweis darauf, dass sie sich selbst in Sklaverei verkauft haben durch ihre Vergehen und dass die Verstoßung der Mutter nicht Schuld der Laune Gottes ist, sondern Folge ihrer Frevel; also haben sie selbst eigenwillig das Verhältnis mit Gott abgebrochen. - um eurer Missetaten willen seid ihr verkauft worden und um eurer Frevel willen habe ich eure Mutter verstoßen. Ich habe sie gehen lassen, da sie es wollte. - 2 Denn ich kam und da war kein Mann, ich rief und niemand war, der hörte! Die Grundsünde war Ungehorsam, halsstarrige Widerspenstigkeit. Der Herr kam zu seinem Volke in der Gesetzgebung, in ununterbrochenen Lehramte der Propheten, er kommt auch [Jes 49,4] im Messias; doch das Volk lässt sich in seinen verkehrten Wegen nicht aufhalten. Daher kann er sie trotz aller Macht nicht befreien. Dass ihre Sünde das einzige Hindernis war, wird durch die Fragen in V. 2 und durch die Hinweise auf die ehedem in Ägypten gewirkten Machttaten des Herrn nachdrücklich eingeschärft. - Ist etwa meine Hand verkürzt und zu klein geworden, dass ich nicht erlösen könnte? Oder habe ich keine Kraft zum befreien? Sehet, durch mein Dräuen trockne ich das Meer aus, wandle Flüsse in trockenes Land und es faulen die Fische aus Mangel an Wasser und sterben vor Durst. 3 Ich kleide die Himmel in Finsternis und mache ein Trauerkleid zu ihrer Hülle! Bei der Befreiung aus Ägypten folgte Israel gehorsam dem Rufe des Herrn, aber diese Willfährigkeit behielt es nicht lange bei und so wuchs ihre Sünde zu einem Hindernisse heran, das der Macht Gottes selbst gewissermaßen wehrt. Wer soll dieses Hindernis beseitigen, diese Sünde sühnen? Darauf gibt im Folgenden der Messias durch seinen Leidensgehorsam die sachliche Antwort. Die Befreiung aus Ägypten war möglich durch Gottes Macht; um die geistige Befreiung von der Sünde zu bewirken, muss der leidende und sühnende Messias als Mittler eintreten. - 4 Der Herr gab mir Der Messias selbst ergreift das Wort und antwortet auf Gottes Klage V. 2. Der Widerspenstigkeit des Volkes setzt er seinen Gehorsam entgegen, er heilt jene Grundsünde durch Lehre und Beispiel. - eine beredte Zunge, dass ich den, der müde ist, durch das Wort zu stärken wisse; Des Messias Wort, seine Lehre, stärkt, tröstet, richtet den Matten auf, der die Wege Gottes nicht mehr geht und in Mutlosigkeit oder Verzweiflung darniederliegt. Sein Beruf ist heilen, retten, und mit Hingebung waltet er desselben. - er weckt morgens, morgens weckt er mein Ohr, Die Wiederholung drückt das Fortwährende aus. Das Ohr wecken heißt innerlich belehren, aufmerksam machen, dass man die Ansprache Gottes aufnehme. - dass ich auf ihn aufmerke wie auf einen Lehrer. 5 Der Herr, Gott, erschloss mir das Ohr, ich aber widerstrebte nicht und wich nicht rückwärts. Christus setzt seinen gehorsam der Widerspenstigkeit der Juden entgegen. (Cyr.) Wie weit dieser Gehorsam ging, zeigt V. 6. - 6 Meinen Leib gab In dem „gab“ spiegelt sich die willige Übernahme des Leidens schön und bezeichnend ab. - ich den Schlagenden hin und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht wandte ich nicht ab von denen, die mich beschimpften und anspien. Der Herr weicht vor den gegen ihn sich erhebenden Schmähungen nicht zurück (V. 5), er bewährt in heroischem Grade Gehorsam und Ausdauer. - 7 Der Herr, Gott, ist mein Helfer, darum wurde ich nicht zuschanden; darum machte ich mein Angesicht wie zum härtesten Felsen und ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Inmitten des bittersten Leidens wankt er nicht, sinkt sein Mut nicht; unerschrocken, unbeugsam mit unbesieglicher Festigkeit und Ausdauer, wie ein Fels, stellt er sich dem Andrange und Wüten seiner Feinde entgegen, des herrlichen Sieges gewiss. - 8 Nahe ist, der mir Recht verschafft, Der ihn, den schuldlos Angeklagten und Verurteilten, als seinen Heiligen vor der ganzen Welt darstellt. - wer will mir widersprechen? Lasset uns zusammen auftreten, wer ist mein Gegner? Er trete heran zu mir! Gott steht ihm zur Seite und wird ihn in Bälde verherrlichen. Darum fordert der Messias seine Gegner auf, nur ihre Macht und Wut zu gebrauchen, um gegen ihn auszutoben. - 9 Sehet, der Herr, Gott, ist mein Helfer! Wer ist, der mich verurteilt? Sehet, alle werden aufgerieben wie ein Kleid, die Motte verzehrt sie. Der messianische Sieg ist sicher; wenn auch die Überwindung der Feinde nur allmählich und geräuschlos vor sich geht, sie wird eine gründliche und unabwendbare sein. Gottes Pläne wirken ruhig, allmählich, aber sicher; mit den kleinsten Mitteln (Motte) erreicht und vollbringt er das Größte. - 10 Wer von euch fürchtet den Herrn und hört auf die Stimme seines Knechtes? Wer im Finstern wandelt und kein Licht hat, der hoffe auf den Namen des Herrn und stütze sich auf seinen Gott. Lehre und Beispiel des Messias soll ihnen in der Nacht der Bedrängnis Leuchte sein; wie er, sollen auch sie auf den Namen Jahves und auf das in diesem Namen gegebene Unterpfand der unwandelbaren Treue Gottes und der Verwirklichung seiner Verheißungen bauen und so sich mit dem Messias ganz und gar auf Gott verlassen. Hiermit macht der Prophet das eben entrollte Zukunftsbild nutzreich und fruchtbar für die Zeitgenossen und zeigt ihnen die aus der mitgeteilten Offenbarung zu ziehende praktische Anwendung. - 11 Sehet, ihr alle, die ihr Feuer anzündet und euch mit Flammen umgürtet, Hebr.: Mit Brandpfeilen umgürtet. - wandelt nur in der Glut eures Feuers und in den Flammen, die ihr entfacht habt! Die Widersacher trifft eine ihrer Bosheit und ihren schmählichen Angriffen auf den Messias entsprechende Strafe. Feuerbrandpfeile dienen zur Bezeichnung der Verfolgungen, Lästerungen, mit denen sie dem Messias zusetzen (ebenso wie seinen Angehörigen). Sie müssen die Folgen des eigenen Gebahrens tragen: Fort in die Glut eures Feuers! Die Hand des Herrn trifft sie, das Zornesfeuer, mit welchem sie den Knecht des Herrn verfolgten, kehrt sich wider sie als Feuer göttlicher Rache und bettet sie in Qualen. Eine Weissagung für die Feinde des Messias: wie hat sie sich schon hier auf Erden am Volke und der Stadt Jerusalem verwirklicht! Von meiner Hand widerfährt euch dieses, in Qualen sollt ihr gebettet sein.