Die Berufungsvision. (Kap. 6) A. Beschreibung der Theophanie. (V. 4) B. Isaias Einführung ins Prophetenamt. (V. 7) C. Gegenstand und Erfolg der Sendung.
1Im Jahre, in dem der König Ozias starb,757 v. Chr. (nach anderen anders). - sah ich den Herrn auf einem hohen und erhabenen Throne sitzenAls König des Weltalls. - und das, was unter ihm war,Hebr.: Seine Schleppen. Das Prachtgewand Gottes wallte hernieder und bedeckte die Stufen des Thrones und, soweit der Prophet schaute, den Boden des Heiligtums. - erfüllte den Tempel.Während Isaias im Tempel betet, schaut er den himmlischen Palast Gottes, dessen Abbild jener ist. -2 Seraphim standen oberhalb desselben; sechs Flügel hatte ein jeder; mit zweien verhüllten sie ihr Angesicht, mit zweien verhüllten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie.Dies ist die einzige Stelle der Heiligen Schrift, in welcher die Seraphim erwähnt werden. Die etymologische Bedeutung von Seraphim ist nicht sicher; wahrscheinlich: die Hohen, Erhabenen. Sie schweben über dem Gewande Gottes. Die Engel erscheinen in menschlicher Gestalt, da diese die würdigste ist für Geister. Die Flügel zeigen an, dass sie als Geister über die Gesetze der Materie erhaben sind. Ihre Haltung ist die der größten Ehrfurcht von der göttlichen Majestät. Zwei Flügel schwingen sie zum Zeichen ihres Geisteslebens, das sich auch durch den Preis Gottes kundgibt, und zum Ausdruck ihrer Bereitwilligkeit gegen Gottes Befehle. -3 Und sie riefen einer dem andern zuNicht etwa nur zwei Seraphim, sondern viele, wohl in zwei Chören. - und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen; die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit!Der Lobgesang schildert Gott in sich und in seinem Verhältnisse zur Welt. Als heiliger Gott will er Gerechtigkeit üben. Das dreimalig Heilig ist ein Hinweis auf die göttliche Dreifaltigkeit (hl. Väter, griech. wie latein.); damit ist indes nicht gemeint, dass Isaias dies erkannte. -4 Da erbebten die Oberschwellen der TürangelnHebr.: Die Grundfesten der Schwellen, d.i. der Tempel bis in seine Grundfesten. - vor ihrem lauten Rufen und der Tempel ward von RauchZeichen der Gotteserscheinung [1Mos 15,17; 2Mos 19,9.16.18; 2Mos 20,18; 2Mos 24,16] und [1Koe 8,10]. Ebenso musste der Hohepriester, wenn er das Allerheiligste betrat, die Bundeslade mit einer Rauchwolke einhüllen. - erfüllt.5 Da sprach ich: Wehe mir,Ähnlich [Dan 7,15; Dan 8,18; Dan 10,7] und Johannes [Offenb 1,17]. - dass ich geschwiegen habe;Hebr. besser: Ich bin ein Kind des Todes. Vergl. [2Mos 33,20]. Das Lateinische hat den Sinn: Weil ich es geschehen ließ, d.i. meine Augen nicht abwandte. - denn ich bin ein Mann unrein von LippenUnd vermag nicht in den Gesang der Seraphim einzustimmen. - und wohne inmitten eines Volkes, das unreine Lippen hat,Dem demütigen Bekenntnisse folgt die Erhöhung von Seiten Gottes; was Isaias beklagt hat, wird geheilt. - und ich habe den König, den Herrn der Heerscharen, mit meinen Augen geschaut!6 Da flog einer von den Seraphim zu mir, einen glühenden Stein in seiner Hand, den er mit der Zange vom Altare genommen hatte.Auf dem Rauchopferaltare wurde das Räucherwerk durch Ausschütten auf Kohlen und erhitzte Steine verbrannt. Die Vision schließt sich auch hier an die gegebenen Verhältnisse an. Feuer ist das Element der Reinigung und Läuterung. Einen ähnlichen Akt wie hier der Seraph nimmt Gott selbst bei der Berufung des Jeremias vor. [Jer 1,19] -7 Und er berührte meinen Mund und sprach: Siehe, dies hat deine Lippen berührt, so wird deine Ungerechtigkeit hinweggenommen und deine Sünde gesühnt.Der Prophet Isaias
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.8 Und ich hörte die Stimme des Herrn, welcher sprach: Wen soll ich senden?Die Frage des Herrn trägt der Freiheit des Menschen Rechnung. - und wer wird für unsUns – Andeutung der Mehrpersönlichkeit Gottes. - gehen? Da sprach ich: Siehe, hier bin ich, sende mich!Der Seher ist bereit zu gehen, doch weiß er, dass er der Sendung bedarf, will er der unterstützenden Gnade Gottes sicher sein. Die Sendung macht den Propheten. Vergl. [5Mos 18,18]. -9 Er sprach: Gehe hin und sage diesem Volke: Höret immerfort und verstehet nicht! Sehet immerfort und erkennet nicht!Damit wird dem Propheten die Art seines Berufes gekennzeichnet. Seine Predigt wird bei dem weitgrößten Teil des Volkes Verstockung bewirken: Sie sollen hören, doch der Wirkung des Wortes schieben sie stets einen Riegel vor. Der Misserfolg soll den Propheten nicht in seinem Amte lässig machen. Gott will, dass der Mensch frei sei zum Guten und zum Bösen, und soweit liegt das Böse auch innerhalb der Absichten Gottes; dies ist es, was die Heilige Schrift sagen will, wenn sie den üblen Erfolg als gewollten und beabsichtigten hinstellt. Was für die Zeit des Isaias, gilt auch für die Predigt des Herrn: sie treibt die Ungläubigen noch tiefer in den Unglauben. Vergl. [Apg 28,25]. -10 Verblende das Herz dieses Volkes, verhärte seine Ohren und schließ ihm die Augen, dass es nicht etwa mit seinen Augen sehe und mit seinen Ohren höre und mit seinem Herzen verstehe und sich bekehre, und ich es heile.11 Da sprach ich: Bis wann, Herr?Der Prophet weiß, dass dieses Gericht der Strafe und Verstockung nur ein vorübergehendes sein kann. - Er entgegnete: Bis die Städte verödet sind ohne Bewohner und die Häuser ohne Menschen und das Land verödet und verlassen.12 Und der Herr wird die Menschen wegführen in die Ferne und groß wird die Verlassenheit sein inmitten des Landes.Das Volk ist reif für das [3Mos 26,31] angedrohte Gericht. -13 Und ist daselbst noch ein Zehnteil, so wird es wiederkehrenDer lateinische Text ist hier aus der alten Übersetzung beibehalten. Den Sinn gibt die Übersetzung in Übereinstimmung mit dem Hebr. und Griech. wieder. - und zur Schau sein wie eine Terebinthe und wie eine Eiche, die ihre ÄsteIhre abgestorbenen Äste. Hebr.: Und ist darin noch ein Zehnteil, so fällt auch dieses der Vernichtung anheim, gleich der Terebinthe und gleich der Eiche, von welcher beim Fällen ein Wurzelstumpf bleibt – ein heiliger Same ist sein Wurzelstock. Sion wird durch Gericht erlöst. [Jes 1,27] ausbreitet; ein heiliger Same wird sein, was daselbst übrigbleibt.