Isaias 62

E. Fünfte Rede. (Kap. 62) a. Erneute Verheißung herrlichen Heiles. (V. 5) b. Dieses Heil ist mit Sehnsucht zu erflehen.

Um Sions willen Zeugnis des warmen Interesses, das der Prophet an seinem Volke nimmt. - will ich nicht schweigen Ich – wie [Jes 59,9ff]. Der Seher zeigt durch sein eigenes Beispiel am Volke den Weg. - und um Jerusalems willen nicht rasten, bis wie Sonnenglanz sein Gerechter aufgeht, und sein Heiland Hebr. Griech. abstrakter: Gerechtigkeit, Heil. Doch die konkrete Fassung der Vulgata ist berechtigt, weil der Bringer und Vermittler des Heiles schon oft noch besonders [Jes 61] genannt ist; ebenso tritt er persönlich in [Jes 63] auf. - wie eine Fackel leuchtet. Dann werden die Völker deinen Gerechten sehen und alle Könige deinen Herrlichen Im Hebr. und Griech. Abstrakte. - und man wird dich mit einem neuen Namen Der Name dient als Bezeichnung des Wesens; Sion wird neugeschaffen, denn wenn Gott einen Namen gibt, macht er zu dem, was der Name besagt. Und dieser Name? Siehe V. 4. Die Namengebung ist wie [Jes 7,14; Jes 9,6] u.a. zu verstehen. - nennen, welchen des Herrn Mund aussprechen wird. Und du wirst eine Ehrenkrone in der Hand des Herrn Der Inhalt des neuen Namens wird nun dargelegt und zugleich, warum Sions Herrlichkeit weltbekannt werden und warum diese Offenbarung sehnsüchtig zu erflehen ist. - sein und ein Diadem des Königtums in der Hand deines Gottes. Durch Gottes Huld und Macht wird Sion ein königliches Priestertum sein. Daher sind die Insignien beider Würden, Krone der Zier, Priestertiara der Königswürde (hebr.) hier vereint. Sion wird also in dieser Würde strahlend und herrlich sein, wie ein mit Edelsteinen geschmücktes Diadem. So ist erfüllt, was der Messias [Jes 61,3] ankündigte. Die Zusage [Jes 28,5] ist erfüllt, Sion soll das Strahlenbild Gottes in sich widerspiegeln. Als Diadem ist Sion auch kostbar in den Augen des Herrn. Dieses Diadem ist wohl die Ehrenkrone für den Messias, der Ehrenschmuck zu seiner Verherrlichung, der durch Gottes Schutz und Machtwillen gefertigt ward. Diese Benennung wird auch in jeder heiligen Seele Wahrheit (Hier.), denn Sion ist die Kirche, die der Kirche gegebenen Zusagen aber verwirklichen sich je nach ihrer Natur in den einzelnen Gliedern oder in den integrierenden Teilen ihres Organismus. - Und fernerhin wirst du nicht mehr Verlassene heißen und dein Land nicht mehr Verwüstetes, sondern man wird dich nennen: „Meine Wonne an ihr“ Ein wirklicher Frauenname, vergl. [2Koe 21,1] Haphsiba. - und dein Land: „Das bewohnte“, Hebr.: Deine Heimat heißt Vermählte. Nach alttestamentlicher Anschauung drückt sich die Liebe Gottes zum Volke auch im Segen und ungestörten Besitze des Landes aus. Darum erscheint auch das Land selbst als dem Herrn angetraut, über das er sorglich eine schützende Hand ausbreiten wird. Der lateinische Wortlaut weist auf die ununterbrochene Fruchtbarkeit der neuen Braut des Herrn hin. - denn der Herr hat sein Wohlgefallen an dir und dein Land wird bewohnt sein. Denn wie der Jüngling mit der Jungfrau wohnt, so werden deine Kinder in dir wohnen; Hebr.: Denn der Jüngling vermählt sich der Jungfrau, es vermählen sich dir deine Kinder: Versinnbildlichung der innigen Liebe der Kinder der Kirche zu ihr und des trautesten Glückes wie der süßesten Freude, die sie an ihr finden. – Auch im Hebräischen ist ein Vergleich, doch ohne Vergleichungspartikel. - und wie sich der Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen. Der Schlussvergleich schildert die zärtlichste Liebe, mit der der Herr seine Kirche umfängt. - Über deine Mauern, Jerusalem! habe ich Der Herr redet jetzt. Er wünscht gleichfalls die Verwirklichung herbei und zum Beweise dessen will er Wächter aufstellen in Jerusalem, die an der Erfüllung der notwendigen Vorbedingungen des Heiles beständig arbeiten, die Sehnsucht darnach und das Gebet beständig wach und lebendig erhalten und den Herrn um die Verwirklichung bestürmen. - Wächter bestellt; den ganzen Tag, die ganze Nacht, nimmer werden sie schweigen! Die ihr des Herrn gedenket, Hebr.: die ihr den Herrn erinnert. Die Propheten und Priester oder die Männer, die Gott zu diesem Berufe in Juda erwecken wird. Da gesagt ist: „über deine Mauern“, deutet der Prophet an, dass zwischen der ersten Befreiung durch Cyrus und der damit verbundenen Wiederherstellung der Stadt und zwischen der messianischen Wiederherstellung ein längerer Zwischenraum ist, obwohl er sonst oft beide Taten Gottes zusammen schaut. - schweiget nicht und lasset ihm keine Ruhe, bis Gegenstand der Sehnsucht und deren Ziel. - er Jerusalem festgründe und zum Lobpreise mache auf Erden! Da an der Verwirklichung zu arbeiten ist bis an das Ende der Weltzeit, bleibt auch die Bestellung der Wächter und die Mahnung an sie für die ganze Erdenzeit in Kraft. - Der Herr hat geschworen bei seiner Rechten und bei dem Arme seiner Macht: Gott hat keinen Höheren, bei dem er schwören könnte; er schwört bei sich selbst, hier bei seiner Allmacht, die alles ins Werk setzen kann, bei seiner rechten, die schon so viele Wunder für das Volk gewirkt. Der Eid Gottes stärkt die Zuversicht und Gottesfreudigkeit. - Nicht will ich fernerhin deinen Weizen deinen Feinden zur Speise geben und nicht sollen Fremdlinge den Wein trinken, um den du gearbeitet hast. Kein Feind soll imstande sein, dem neuen Sion den Genuss der vom Herrn bescherten Güter zu rauben. In alttestamentlicher Weise sind Weizen und Wein als die hervorragendsten Erzeugnisse Palästinas und die Hauptnahrungsmittel genannt. Dass gerade Weizen und Wein die (entfernte) Materie der Eucharistie und so die geistige Lebensnahrung bilden, ist sicher nicht zufällig, wenn auch in dieser Stelle keine prophetische Andeutung der Eucharistie zu finden ist. - Denn die ihn einernten, sollen ihn auch essen und den Herrn loben; und die den Wein einlesen, sollen ihn auch in meinen heiligen Vorhöfen Dieser Zusatz gibt der irdisch lautenden Aussage die höhere geistige Form. Er enthält eine Anspielung auf [5Mos 14,23] und auf die Opfermahlzeiten [3Mos 6,16] u.a.: Alles im neuen Sion ist dem Herrn geweiht, ganz Israel ist ein königliches Priestertum, stets verweilend im Heiligtum des Herrn. Und da das ganze Land das „Vermählte“ heißt (V. 4), ist es auch das Heiligtum, der Vorhof des Herrn. - trinken. Ziehet fort, ziehet fort durch die Tore, bereitet dem Volke den Weg, machet den Pfad eben, entfernet die Steine und richtet ein Panier auf den Völkern zu! In dramatischer Lebhaftigkeit ergeht der Zuruf an Israel, dann im raschen Wechsel an die Heiden, die dem Volke die Pfade ebnen sollen, schließlich an beide, weithin zu allen Nationen ein Zeichen zu geben, dass die Stunde der Rettung geschlagen. Zunächst ist vom Fortziehen aus Babylon und seinen Städten die Rede. Sonst errichtet der Herr das Panier, hier sollen alle, die von der eingetretenen Heilstat Kunde haben, diese weiterbefördern bis zu den Enden der Erde. Diese Schlusswendung zeigt zugleich, dass der Seher auch hier die erste und zweite Befreiung eng zusammenschaut, oder vielmehr, dass die erste Befreiung sich ihm zu ihrer typischen Bedeutung vertieft und dass er die damals beginnende Bewegung alsbald im Zusammenhange mit ihrem schließlichen Ziele erfasst. So wird das Panier den Ruf für die Völker zum Wallen nach dem Berge Sion und die Heilskunde für Israel ist auch die Friedensbotschaft für die Heiden. - Sehet, der Herr lässt es kund werden an den Grenzen der Erde. Hier liegt der Übergang von der ersten Befreiung zu ihrer Vollendung, der zweiten, offen da: der Blick des Sehers beschränkt sich nicht auf die Diaspora in Babylon, er dringt vor bis an die Grenzen der Erde. - Saget der Tochter Sion: Siehe, dein Heiland kommt; Ermahnung an Juden und Heiden, sich von den heidnischen Hemmnissen loszumachen und an Sion anzuschließen. - siehe, sein Lohn ist mit ihm und sein Werk vor ihm! Und man wird sie Heilig als Heiligtum des Herrn, das er sich ausgeschieden aus den Völkern, damit er, der Heilige Israels, sich in ihm verherrliche. Wie er einst die Erlösten aus Ägypten zu seinem Erbteile auserwählte und sie ein heiliges Volk wurden, so führt er jetzt eine zweite und dritte Befreiung herbei, infolge deren sie wieder Eigentum des Herrn werden und heilig, wenngleich in höherem Sinne. - heiliges Volk, Erlöste des Herrn nennen; Zum Zeichen der ihm innewohnenden Heiligkeit als Unterpfand der unverlierbaren Huld Gottes. Das innere Wesen tut sich im Namen kund. - du aber wirst die gesuchte Stadt und die Nichtverlassene heißen. Weil der Herr seine Gunst Sion zuwendet, ist die Stadt auch von den Völkern gesucht; alle strömen dorthin, um des Heiles und Segens teilhaftig zu werden.

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