Isaias 63
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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F. Sechste Rede. (Kap. 63,1 – 64,12) a. Der messianische Sieger kommt aus Edom. (V. 6) b. Danksagung für die erwiesenen Wohltaten. (V. 14) c. Inniges Flehen um Gottes Erbarmen.
1 Wer ist dieser, Die Frage regt die Aufmerksamkeit an und gibt zugleich der Bewunderung und dem entzückenden Staunen Ausdruck, von denen der Seher beim geistigen Schauen der erhabenen Gestalt des Messias erfüllt ist. - der von Edom kommt, Der messianische Sieger kommt von Edom; hier wie [Jes 34] ist Edom als Repräsentant aller feindlichen Völker, aller Gottesfeinde gesetzt. (Vergl. V. 3, V. 6) - in geröteten Kleidern von Bosra? Bosra liegt zwischen Petra und dem Roten Meere. - Dieser, prangend Dieser Herrliche, Ausdruck der wonnevollen Freude, mit der des Sehers Auge und Herz bei dem Anblick der Majestät des nahenden Triumphators erfüllt ist. - in seinem Gewande, einherschreitend in der Fülle seiner Kraft? Ich bin es, Antwort des Siegers selbst. Hebr.: Ich bin es, der redet in Gerechtigkeit, mächtig zu helfen; d.i. er ist mächtig und heilig in Wort und Tat, sein Wort ist Gerechtigkeit und sein Wille Allmacht; beides aber ist er, um zu helfen, um Heiland zu sein. Die [Jes 11,3.4; Jes 42,3.6] gegebene Charakteristik wird wieder aufgenommen. Gerechtigkeit ist jener Zustand, den Gott unter den Menschen will hergestellt wissen, diesem gilt Wort und Macht des Messias, er ist aber nichts anderes als das Heil. - der ich Gerechtigkeit rede und Vorkämpfer bin zum Heile. 2 Warum aber ist dein Gewand rot Zusammenklang: Edom – adom (rot). Vielleicht sind um des Zusammenhanges der Bedeutung gerade Edom und Bosra als Stätten des Keltertretens und des Völkergerichtes genannt. Hebr.: Warum ist Rot an deinem Gewand? Ist dein Gewand bespritzt wie das Kleid des Keltertreters mit Traubenblut. - und sind deine Kleider wie die der Keltertreter? Wie vereint sich mit deinem Berufe und deiner Macht als Heilsbringer die Spur der Mühe und der Arbeit, die Spur der stattgefundenen Zerstampfung, Vernichtung? – Völkergericht und Erlösung sind so unmittelbar als möglich miteinander verbunden, der Messias hat, indem er Rache übte, Heil gebracht. - 3 Die Kelter habe ich allein getreten und von den Völkern war niemand bei mir. Er hat diese mühsame Arbeit allein, ohne Hilfe, verlassen von allen, auf sich genommen. - Ich trat sie Die Völker, die Feinde Gottes, also die Verkörperung der gottfeindlichen Macht. Wie aber bereits [Jes 13; Jes 14] die Weltmacht mit dem dämonischen Untergrunde gemeint ist, so auch hier die in den Gottesfeinden sich offenbarende Satansmacht. Diese wurde im Tode Christi bezwungen. Durch das Leiden erwarb sich Christus seine Verherrlichung und somit auch das Recht, Richter der Welt zu sein. Die Einzelsiege der Kirche und endlich der Abschluss aller, das Weltgericht am jüngsten Tage, sind nur Folgen und Entfaltungen des einen großen Sieges und Gerichtes in der Passion. Der Messias hat die Kelter allein getreten, weil alle Sünder waren, er war auch allein, da niemand ihm helfend und tröstend zur Seite stand. – Ist dies die Bedeutung des Keltertretens, so ist das Nahen des Messias V. 1 sein Triumphzug; vielleicht die Himmelfahrt, der Abschluss und die Krönung seiner erlösenden Tätigkeit. Vergl. [Hebr 1,3; Hebr 7,17]. Die heiligen Wundmale sind die Spuren des Kampfes, die er mit sich bringt. Im Bilde ist freilich das Blut seiner Feinde an seinen Kleidern sichtbar, doch ist dies nur zur Darstellung des Gedankens gesagt, dass die Zeichen des Sieges an ihm sichtbar sind. Diese sind hier im Einklang mit dem gebrauchten Bilde gewählt. Ohne Bild ist Kampf und Sieg des Messias [Jes 53] beschrieben, ebenso [Sach 9,11; Sach 12,10] dort aber ist auch von seinem Blute und seiner Durchbohrung die Rede. - in meinem Grimm und zerstampfte sie in meinem Zorne und ihr Blut spritzte über meine Kleider und ich befleckte alle meine Gewänder. 4 Denn Die folgenden Verse schildern noch eingehender die Anstrengung des Messias und deren Erfolg in der Vernichtung der Feinde. - ein Tag der Rache ist von mir beschlossen und das Jahr der Erlösung durch mich ist gekommen. 5 Ich blickte umher und da war kein Helfer; ich suchte und da war niemand, der mir beistand; da brachte mein Arm mir Heil zuwege und meine Eifersglut, diese ward mir Stütze. 6 Und ich zertrat die Völker in meinem Grimme und machte sie trunken in meiner Eifersglut und warf ihre Kraft zu Boden. Hebr.: Ich machte niederrinnen zur Erde ihren Lebenssaft, ihr Blut. Der Schlussvers bringt in dreifacher Wendung den vollen Sieg des Messias zum Ausdruck, gleichsam ein Jubellied, dass die Macht des Bösen gebrochen. Die wiederholte Erwähnung der Völker zeigt, dass Edom nur Emblem ist. - 7 Der Erbarmungen des Herrn will ich gedenken, den Herrn preisen wegen alles dessen, was der Herr uns gespendet, und wegen der Fülle der Güter für das Haus Israel, die er ihnen verliehen hat seiner Herablassung und der Menge seiner Erbarmungen gemäß. Wie steht diesem als Richter kommenden Messias Israel gegenüber? Muss es auch das Gericht der Zertretung befürchten? Wie muss es sich für den Messias vorbereiten? Dies drängt sich dem Seher wie von selbst auf und er kleidet seine Belehrung in ein inniges Gebet. - 8 Und er sprach: Sie sind ja mein Volk, Kinder, die nicht treulos sein werden; Er gedachte der den Patriarchen gegebenen Verheißungen, des mit dem Volke auf Sinai geschlossenen Bundes, der Bereitwilligkeit und Freudigkeit, wie es dort seinem Gott den Eid der Treue schwor, [2Mos 19,8] vergl. [Jer 2,2], und hoffte, menschlich gesprochen, dass sie in der angeboten Liebe und Treue beharren würden. Diese ursprüngliche Liebe bewog ihn, sich als deren Retter zu erweisen. - und er ward ihr Heiland. 9 Bei all ihren Bedrängnissen wurde er nicht müde Erbarmend und helfend einzugreifen. - und der Engel seines Antlitzes Das Antlitz Gottes heißt öfter die Bundeslade, das Heiligtum, in dem der Herr wohnt, die Glanzwolke, das Symbol der gnadenreichen Gegenwart Gottes unter seinem Volke, aber auch das Wesen Gottes selbst, Gott in klarer, unverhüllter Majestät. Demnach ist hier entweder der bei der Bundeslade und in der Glanzwolke gegenwärtige und Gottes Stelle vertretende Engel gemeint, oder der Engel, der vor Gottes Angesicht steht, d.i. Gott zum Dienste bereitsteht und Gottes Antlitz und Herrlichkeit schaut. - rettete sie, in seiner Liebe und seiner Erbarmung erlöste er sie und trug sie Hebr.: Er hob sie empor (auf seine Arme) und trug sie: Der Herr hatte Mitleid mit ihrer Bedrängnis und trug Sorge um sie. - und erhöhte sie alle Tage der Vorzeit. 10 Sie aber Leider entsprach Israel nicht der Gnade des Herrn. Das Dankgebet der Anerkennung für Gottes Wohltaten geht in demütige Selbstanklage über. - reizten den Geist seines Heiligen zum Zorne und betrübten ihn und er ward ihnen zum Feind und kämpfte selbst wider sie. Die Sünde fordert Gottes Zorn und Strafgerechtigkeit heraus, verwundert und betrübt seinen Geist der Heiligkeit, der als solcher nur Heiligkeit will und zur Erreichung derselben den Menschen alle Hilfe und Gnade gewährt. Dieser Schmerz des Heiligen wird verhängnisvoll, er verwandelt sich in einen Gegner, führt Krieg gegen sie, und wer kann ihm widerstehen? Wie er sich zuvor freute, Huld zu erweisen, so muss er jetzt zur Züchtigung schreiten. - 11 Und Kann Israel bei seiner Bestimmung unter feindlichem Joche bleiben? Wozu waren da die Großtaten der Vergangenheit? - man Das Volk, welches auch die folgenden Fragen stellt. - gedachte der Tage der Vorzeit, des Moses und seines Volkes. Wo ist der, der sie herausführte aus dem Meere mit den Hirten seiner Herde? Soll dies umsonst geschehen sein? - Wo ist, der in ihrer Mitte seinen heiligen Geist gab? 12 Der Moses bei der Rechten mit dem Arme seiner Herrlichkeit herausführte, Hebr.: Der Moses zur Rechten des Armes seiner Herrlichkeit wandeln ließ – er begleitete Moses mit seiner Macht und stand ihm wunderkräftig bei. - der die Gewässer vor ihnen zerteilte, um sich einen ewigen Namen zu machen? Vor den Bewohnern des Landes. - 13 Der sie hindurchführte durch Abgründe wie ein Ross in der Wüste, In der Ebene. - das nicht strauchelt? Hebr.: Wie das Vieh ins Tal hinabsteigt, brachte sie der Herr zur Ruhe, d.i. wie die Herde, die ins fruchtbare Tal hinabsteigt, um da reichlich zu weiden, führte sie der Herr aus der Wüste in die Ruhe und den Überfluss des gelobten Landes ein. - 14 Wie ein Tier, das im Felde einhergeht, leitete sie der Geist des Herrn. So hast du dein Volk geleitet, um dir einen herrlichen Namen zu machen. Diese Erwähnung bereitet die Bitte vor, der Herr wolle um seiner Verherrlichung willen gnädig sein. - 15 Blicke herab vom Himmel und schau hernieder von der Wohnung deiner Heiligkeit und deiner Herrlichkeit! Wo ist dein Eifer und deine Kraft? Hebr.: deine Machterweise. - die Menge deiner Barmherzigkeit und deiner Erbarmungen? Sie haben sich gegen mich verschlossen. Innige Bitte und wehmutsvolle Klage sind vereint. Früher zeigte Gott einen heiligen Liebeseifer für sein Volk, setzte seine Macht für dasselbe ein und erwies sich barmherzig; jetzt hat es den Anschein, als ob sein mitleidsvolles Herz verschlossen, erstarrt wäre. - 16 Du bist ja Empfangene Wohltaten erhöhen die Zuversicht einer neuen Bitte. - unser Der Seher betet im Namen aller und für alle. - Vater und Abraham kannte uns nicht und Israel wusste nichts um uns, Abraham und Jakob sind nicht unsere Väter, sondern du allein. Wenn wir dich um Hilfe anflehen, berufen wir uns nicht darauf, dass wir Kinder Abrahams, sondern dass wir deine Kinder sind. Die Form der Vergangenheit fordert indes wohl den Sinn der Vergangenheit, also: Weder Abraham hat uns geholfen noch Israel und Rettung geschafft. - du, Herr! bist unser Vater, unser Erlöser ist von alters her dein Name. Weil Gottes Name ewig, unveränderlich ist, wird er das Verheißene, dessen Unterpfand der Gottesname „der Seiende“ ist, auch verwirklichen. - 17 Warum, o Herr! hast du uns abirren lassen von deinen Wegen, hast unser Herz sich verhärten lassen, dass wir dich nicht fürchteten? Die Zulassung Gottes und der Spielraum, den er der menschlichen Freiheit und Bosheit gestattet, hat oft etwas dem Menschen schwer Begreifliches. Es gehört in Gottes Pläne, dem Bösen manchmal längere Zeit Entwicklung und Fortwuchern zu gestatten. - Wende dich uns zu um deiner Knechte willen, der Stämme deines Erbes! Da das Verderben so tief ist, ist auch Hoffnung da, der Herr wird sein Erbe nicht auf immer preisgeben. - 18 Wie ein Nichts nahmen sie dein heiliges Volk in Besitz, Als wären wir ein wertloses Nichts in deinen Augen, so haben die Feinde uns unterjocht. Hebr.: Nur kurze Zeit besaß dein heiliges Volk (das Erbe, das du ihm gegeben). - unsere Feinde zertraten dein Heiligtum. Das Land und die Stätte der Wohnung des Herrn. - 19 Wir sind geworden wie im Anfange, da du nicht unser Herr warst Wie einst in Ägypten vor dem Bundesschlusse. noch dein Name über uns angerufen ward.
Zitiert in 10
- V. 1 Summa (EN)(I 57.5
II-II 2.7 III 30.2 III 57.3) - V. 7 Summa (EN)(II-II 91.1)
- V. 9 Dives In Misericordia(§4)
- V. 14 Summa (EN)(II-II 173.2)
- V. 16 Summa (EN)(I 89.8
Suppl 94.1) Dives In Misericordia(§4)