Isaias 64
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
d. Wie glühend das Verlangen nach der Hilfe Gottes sein muss. (V. 5) e. Wie demütig und reuevoll Vergebung erbeten werden muss.
1 O dass du die Himmel zerrissest und herabstiegest! Vor deinem Antlitze würden die Berge zergehen, wie vom Feuer verzehrt schwänden sie dahin, die Wasser wallten auf in der Glut, damit dein Name deinen Feinden kund würde, vor deinem Antlitze erbebten die Völker! Wenn Gott zum Gerichte zur Erde herniedersteigt, erbebt die gesamte Kreatur: die Berge zittern, zerfließen, die Meere wallen auf vor dem Zornesfeuer des Herrn, die Nationen erbeben. Die unvernünftige und die vernunftbegabte Schöpfung fühlt in ihrer Weise Gottes Majestät und gibt ihr Zeugnis. Die Schilderung ist teils der Geschichte der Offenbarungen Gottes entlehnt, teils einzelnen Strafgerichten, teils werden diese Ereignisse nach Christi Vorhersagung bei Jüngsten Gerichte in die Wirklichkeit treten. Aus diesem dreifachen Grunde kann jede Gerichtsoffenbarung Gottes in diesen Farben und mit diesen Emblemen gezeichnet werden. Die partiellen Gerichte Gottes ergehen ja al seine Folge des sinaitischen Bundes über die Bedränger Israels; sie sind als partielle Gerichte Vorläufer und Anbahnungen der allgemeinen Weltabrechnung und bilden mit dieser das eine große Gottesgericht, deshalb kann der Seher sie in der Beleuchtung des jüngsten Tages vorführen. - 2 Wenn du Wunderbares wirkst, ertragen wir es nicht; Anspielung auf [2Mos 20,19]. Das Hebräische kann als Fortsetzung des Wunsches gefasst werden: Möchtest du, vollbringend furchtbare Taten, die wir nicht erwarteten, herniedersteigen. In der Vulgata ist V. 3 als Zwischenbemerkung zu fassen, so dass V. 4 die Begründung des Wunsches folgt. - du bist herabgestiegen und vor deinem Antlitze zerflossen die Berge! 3 Von alters her hörte man nicht und vernahm nicht mit den Ohren; das Auge sah es nicht, o Gott! außer dir, was du denen bereitest, die auf dich harren. Gott allein kennt dessen Umfang, Tiefe und Höhe. Augen und Ohren bringen dem Menschen Kunde von den natürlichen Dingen, das Heil ist Gegenstand übernatürlicher Offenbarung. Vergl. [1Kor 2,9]. - 4 Du kamst dem, der freudig Gerechtigkeit übt, entgegen, auf deinen Wegen gedenken sie deiner. Solchen, die auf den Wegen des Herrn wandeln und seiner in Liebe und Gehorsam eingedenk bleiben, pflegt Gott Erhörung und Hilfe zu gewähren. Diese Erwähnung ruft in dem Betenden die schmerzliche Erinnerung an das Sündenelend wach. - Siehe, du zürntest, weil wir gesündigt haben, und darin In den Sünden. - verharren wir seit langem; Darum kommst du uns nicht entgegen und antwortest uns nicht. - werden wir wohl gerettet werden? Wenn der Herr sich seiner Getreuen annimmt, dürfen dann wir, die Sünder, denen er zürnt und die noch den Zustand der Sünde an sich tragen, auf Heil hoffen? Demütige Selbstanklage, die sich der Gnade in banger Furcht für unwürdig erklärt, dennoch aber auf dieselbe hofft. - 5 Wir alle sind gleich dem Unreinen geworden und wie das Tuch einer Blutflüssigen ist all unsere Gerechtigkeit; wir fielen dem Laube gleich allesamt und unsere Vergehungen rafften uns dahin wie ein Sturm. Durch die Sünde welkten wir dahin, verloren allen Lebenssaft und alles Lebensglück; es kam der Sturm und die Nacht der Verstörung. Die Feinde hatten leichtes Spiel mit uns, wie der Wind mit den abgefallenen Blättern. - 6 Niemand ist, der deinen Namen anriefe, der aufstünde und an dir festhielte; Hebr.: Keiner, der sich erweckte (sich beeiferte), an dir festzuhalten, d.i. der imstande wäre, sich aufzuraffen, sich den Banden der Sünde zu entziehen. - du hast dein Angesicht vor uns verborgen und uns zermalmt durch die Wucht unseres Frevels. 7 Und nun, Die wahre Reue verzweifelt nicht. - Herr! bist du unser Vater, wir aber sind Ton; du bist unser Bildner Gott liebt als Schöpfer alles, was er geschaffen, insbesondere den Menschen, den er durch die Art seiner Erschaffung so ausgezeichnet hat. Noch mehr, Gott ist Vater, hat also ein fühlendes Herz, wir sind Ton, arme, gebrechliche Menschen, deren Elend eher Mitleid als Zorn einflößt. - und Werke deiner Hände sind wir alle. 8 Zürne, o Herr! nicht so sehr Auch dies ist ein Motiv des Mitleids, dass der arme Mensch bei der Züchtigung der Hand Gottes alsogleich das „so gewaltig“, das „so sehr“ fühlt. - und gedenke nicht ferner mehr unserer Missetat; siehe, blicke her, dein Volk sind wir alle. Das Elend und die Schmach deines Volkes wirft einen Schatten auch auf deine Ehre. - 9 Die Stadt deines Heiligtums ist verödet, Hebr.: Deine heiligen Städte sind zur Wüste geworden, d.i. die Städte des theokratischen Reiches, das für ihn ausgesondert (heilig) ist aus allen Reichen, sodann steigernd Sion selbst, die theokratische Königsburg, an welche sich so herrliche Zusagen knüpfen, und Jerusalem der Mittelpunkt, des Reiches, an dem der Herr seine Wohnung aufschlug. Schließlich auch das Juwel von Jerusalem, der Tempel. (V. 11) - Sion ist verödet, Jerusalem verwüstet. 10 Das Haus unserer Heiligung Die Stätte der Sühne. - und unserer Verherrlichung, Der Ort, zu dem auch fremde Könige Weihegaben brachten [2Chr 32,23], der geheiligt ist durch so viele Erinnerungen, ist durch Feuer zerstört. - in dem dir unsere Väter lobsangen, ist mit Feuer verbrannt und alles, was unsere Lust war, liegt in Trümmern. 11 Wirst du bei solchem dich zurückhalten, Herr! Du kannst dich nicht teilnahmslos zurückhalten! So endet das Gebet mit dem Ausdrucke sichersten Vertrauens, nachdem es den kräftigsten Appell an Gottes Vaterherz erhoben hat. wirst du ruhig bleiben und uns gewaltig niederdrücken?
Zitiert in 4
- V. 3 Summa (EN)(II-II 175.3
III 55.1) - V. 5 Summa (EN)(II-II 162.6
Suppl 64.3)