Isaias 8

B. Zweiter Abschnitt. (8,1 – 9,7) a. Es wird ein Zeichen in dem Sohne des Isaias gegeben. (V. 4) b. Die Überflutung der Feinde und Emanuel. (V. 10) c. Darausfolgende Lehre für die Zeit des Unglücks.

Und der Herr sprach zu mir: Gegensatz zu [Jes 7,14]. Dort wird die Empfängnis Emanuels, hier die Empfängnis und Geburt des Sohnes Isaias beschrieben. An beiden Stellen ist von der Empfängnis eines Sohnes die Rede, doch der Unterschied der Schilderung lässt das Göttliche in [Jes 7,14] desto besser hervortreten. Dort handelt es sich um ein dem Hause Davids um seiner selbst willen gegebenes Zeichen [Jes 7,13], hier um ein Zeichen für das Volk. Dort wird kein Vater erwähnt, nur die Jungfrau als Empfangende und Gebärende, hier der gewöhnliche Akt der Zeugung genannt und V. 3 der Vater nachdrucksvoll erwähnt. Auch der Name des Sohnes wie die Zeit (hier Gegenwart, dort Zukunft) werden unterschieden, so dass der Prophet nachdrucksvoll auf eine andere Ordnung der Dinge und andere Ereignisse hinweist. - Nimm dir eine große Tafel Die Veranstaltung und Ankündigung soll auffällig und recht deutlich sein. - und schreibe darauf mit Menschengriffel: Mit gewöhnlicher, für jedermann lesbarer Schrift. - Nimm eilends Beute, raube geschwind! Hebr.: Eilend Beute, jagend Raub. Die Aufschrift soll zur Belehrung und zum Wahrzeichen dienen, dass Gott die Zukunft verkündet habe. - Und ich nahm mir zuverlässige Zeugen: Urias, den Priester, Wohl den [2Koe 16,10] erwähnten, der sich später am Götzendienste des Achaz beteiligte. Der Prophet nimmt Männer, deren Aussage Geltung hat. - und Zacharias, den Sohn Barachias'. Alsdann nahte ich der Prophetin So heißt sie als Frau des Propheten. - und sie empfing und gebar einen Sohn. Wie verschieden ist diese Stelle in der Bezeichnung der Bedingungen der Empfängnis von [Jes 7,14]! - Und der Herr sprach zu mir: Nenne seinen Namen: Nimm eilends Beute, raube geschwind! Hebr.: Maherschalal, Chasbaz. Er soll wie der andere, Schnarjaschul, eine prophetische Verkündigung, ein lebendiges Unterpfand sein. - Denn bevor der Knabe seinen Vater und seine Mutter zu nennen weiß, Die Bedeutung des Namens wird in ähnlicher Weise wie [Jes 7,14] verkündet. Mit Nachdruck wird hier der Vater hervorgehoben, doch nicht [Jes 7,16]. In kurzer Frist, ehe das Kind noch Ab und Em wird rufen können (Hebr.), die ersten Worte, mit denen es zu reden beginnt. - wird man die Reichtümer von Damaskus und die Beute von Samaria vor dem Könige von Assyrien dahertragen. Die geschichtliche Erfüllung für Israel [2Koe 15,29]; für Syrien [2Koe 16,9]. - Und der Herr fuhr fort, abermals zu mir zu reden und sprach: Deshalb weil dies Volk Die Zehnstämme. - das stillfließende Wasser von Siloe verschmäht und sich lieber den Rasin und den Sohn Romelias erwählt hat, Die Quelle Siloe ist nach Lage und Beschaffenheit ein liebliches Bild für den Charakter des theokratischen Königtums es Hauses David. Der Abfall von diesem ist auch der Abfall vom wahren Quell des ewigen Lebens, dem Messias. Der Herr tadelt die Grundsünde Israels, den Abfall von dem von ihm eingesetzten Königshause. Dafür haben sie sich an Ausländer, an den Sohn eines gewöhnlichen Mannes ohne göttlichen Beruf hingegeben. - darum, siehe, wird der Herr die starken und großen Wasser des Stromes über sie hereinbrechen lassen, den König von Assyrien und seine ganze Herrlichkeit; Der gewaltige Strom ist das Bild der vernichtenden, gottabgewandten und daher fluchbringenden Weltmacht, die hier durch Assur dargestellt ist. In dieser Überschwemmung wird Israel, das sich an die gottesfeindliche Weltmacht angelehnt hat, untergehen. Dies ist zugleich Einleitung und Vorbereitung für Juda, das sich gleichfalls, die stillen Wasser Siloes verschmähend, dem großen Strome, Assur, zugewendet hat. - und er wird über alle Bäche desselben emporsteigen und sich über alle Ufer desselben ergießen und wird durch Juda hinströmen, es überschwemmend und durchflutend, so dass er bis an den Hals reicht, Die unheilvollen Fluten wälzen sich heran, aber reichen, im Gegensatz zu Ephraim, ihm nur bis zum Halse, bringen äußerste Bedrängnis, aber nicht den völligen Untergang. - und die Ausspannung seiner Schwingen wird die Breite deines Landes überdecken, o Emanuel! Juda kann nicht untergehen. Feierlicher Appell an die Verheißung. Dein Land, o Emanuel! Juda ist das Land Jahves, also ist Emanuel Gott. - Scharet euch zusammen, o Völker! und werdet doch überwunden! Höret es, all ihr Länder fernhin! Rüstet euch in Kraft und werdet doch überwunden; gürtet euch und werdet doch überwunden! Fasset einen Ratschluss, er wird vereitelt werden; sprechet einen Beschluss aus, er wird nicht vollzogen werden; denn Gott ist mit uns! In wenig Worten ein herrlicher Triumphgesang, der die ganze Weltgeschichte in ihrem tiefsten Grunde, in ihrer göttlichen Bedeutung und Lenkung enthält! Die beiden Verse 9, 10 in der erhabene Gedanke, den Isaias von Kap. 13-27 durchführt. In dreifacher Steigerung schildert er hier das Aufgebot aller physischen Macht: Scharet euch zusammen, rüstet euch in Kraft, gürtet euch – und dreimal klingt der Siegesruf dazwischen: Werdet überwunden! Vereiniget mit der physischen Kraft alle Überlegung, Klugheit und Tatkraft des menschlichen Geistes, alle Erfindungsgabe, Intelligenz (Ratschluss) und Energie (Beschluss), alles soll zerschellen. Warum? Weil Emanuel. (Hebr.) Am Lande des Emanuel muss jede feindliche Macht scheitern. Der hebr. Text V. 9 lautet: Erbost euch Völker und brechet zusammen vor Entsetzen; rüstet euch und brechet zusammen. – Welchen Trost bietet diese Stelle den Katholiken bei den Verfolgungen und Angriffen von Heiden und Irrgläubigen! - Denn also sprach der Herr zu mir, da er mich mit kräftiger Hand Einfluss Gottes, durch den er den Propheten zu gewissen Handlungen und Reden bestimmt. - warnte, nicht auf dem Wege dieses Volkes Dieser Weg ist durch die übermäßige Furcht vor den Heiden und das Bittgesuch Achaz an die Assyrier gekennzeichnet. Sie betrachten die Ereignisse nicht mit den Augen des Glaubens. - zu wandeln, indem er sprach: Saget nicht: Verschwörung! denn alles, was dieses Volk spricht, ist Verschwörung; fürchtet nicht, was es fürchtet, und bebet nicht davor! Hebr.: Nennet nicht Verschwörung alles, was dieses Volk Verschwörung nennt. In den Vorfällen, in denen das Volk eine Verschwörung, einen von feindlichen Königen auf das Haus David geplanten Angriff sieht, erkennt die höhere Hand des Herrn, der die Feinde als Strafrute schickt, und erbebet nicht vor den drohenden Gefahren. Das richtige Urteil zeigen [2Koe 15,37; 2Chr 28,5]. - Den Herrn der Heerscharen, ihn haltet heilig; Erkennet als heilig an und bekennet und nehmet daher die Züchtigungen im Geiste der Buße an, doch an den Verheißungen des Heiligen Israels mit vollem Vertrauen festhaltend. - er sei eure Furcht und er sei euer Schrecken! Dann wird er euch zur Heiligung gereichen, Gott tritt dem Menschen so gegenüber, wie der Mensch sich zu Gott stellt. - zum Stein des Anstoßes aber den beiden Häusern Israels Die Reiche Juda und Samaria. - und zum Fels des Ärgernisses und zum Fallstrick und zum Verderben den Bewohnern von Jerusalem. Und sehr viele von ihnen werden anstoßen und fallen und zerschmettert werden, sich verstricken und gefangen werden. Die drei ersten Verba gehören zu dem Bilde des Steines und Felsens, die beiden letzten zu dem anderen Bilde der Schlinge und des Netzes. (Hebr.) - Binde das Zeugnis zusammen, versiegle das Gesetz bei meinen Jüngern! In Gegenwart gläubiger Verehrer des Herrn soll er das göttliche Zeugnis über die Zukunft versiegeln, damit die Schar der Getreuen einen Leitstern habe bei den kommenden Trübsalen und den Schlüssel zum Verständnis der Zukunft. Ähnlich [Dan 12,4; Dan 8,26]. - Ich aber werde auf den Herrn vertrauen, der sein Angesicht vor dem Hause Jakobs verbirgt, und werde auf ihn harren. Die Frommen sollen den Glauben üben, die Erwartung und Sehnsucht, dass der Herr, der das Licht seines Angesichtes, seine Gnade, für eine Zeit dem sündigen Volke entzogen hat, sich getreu seinen Verheißungen dem Hause Jakob wieder zuwenden werde. - Siehe, ich und meine Söhne, die mir der Herr gegeben, sind zum Zeichen und zur Vorbedeutung für Israel vom Herrn der Heerscharen, der auf dem Berge Sion wohnt! Diese drei Personen, Isaias (das Heil Jahves) und seine Knaben „der Rest bekehrt sich“ und „Schnell Beute, bald Raub“ sind lebendige Zeugen der Pläne Gottes. - Und wenn sie zu euch sagen: Anwendung, wie der lebendige Gott von den Seinen bekannt werden muss. - Fraget die Beschwörer und Wahrsager, Die Wahrsagerei blüht besonders in trüben Zeiten. - die bei ihren Zaubersprüchen murmeln; soll das Volk nicht seinen Gott, Soll nicht das Volk bei seinem Gotte sich Rats erholen? - soll es die Toten für die Lebendigen befragen? Soll man bei Toten für die Lebenden Rat und Hilfe suchen durch Totenbeschwörung? Hebr.: Befragt euch bei den Totenbeschwörern und Wahrsagern, den zirpenden und flüsternden. - Zum Gesetz vielmehr und zum Zeugnis! Erkennet vielmehr die Unterweisung der Propheten und das Gesetz des Herrn als Richtschnur an. Das Folgende schildert (V. 21, 22) die aussichtslose Leidensnacht für die Ungläubigen, und im herrlichen Gegensatze dazu [Jes 9,1-7] das mitten in der Erniedrigung und Trübsal den Gläubigen aufstrahlende Licht. - Wenn sie nicht diesem Worte gemäß sprechen, wird ihnen kein Morgenlicht aufgehen. Man wird durch das Land umherirren, zu Boden stürzen und hungern; und da man schon hungert, wird man ergrimmen und seinem König und Gott fluchen. Ohnmächtig fluchen sie in ihrem Elende allem, was Menschen heilig, der göttlichen und menschlichen Ordnung. - Und schaut man aufwärts und blickt man zur Erde, siehe, da ist Bedrängnis und Finsternis, Zerrüttung, Drangsal und anhaltende Finsternis und man wird seiner Bedrängnis nicht entfliehen. Die Ausdrücke sind gehäuft, damit der Gegensatz sich desto schärfer abhebe. In der früheren Zeit Im Gegensatz zur letzten, der messianischen Zeit, die vormessianische Zeit, insbesondere hier die Zeit des Propheten. - war das Land Zabulon und das Land Nephthali verachtet, in der letzten Zeit aber ist der Weg am Meere An der Westseite des See Genesareth. - jenseits des Jordans Das Land jenseits, im Osten des Jordans, der Bezirk der Heiden. - in Galiläa der Heiden hochgeehrt. Das Hebr. lautet entsprechend der Mahnung [Jes 8,12]: Er (Jahve) hat in Schmach gebracht das Land Zabulon… und in der letzten Zeit bringt er zu Ehren. -

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