Isaias 9

Das Volk, das in Finsternis wandelte, sah ein großes Licht; über den Bewohnern der Landschaft des Todesschattens strahlte ein Licht auf. Wie Gott dereinst aus der Finsternis das Licht hervorstrahlen ließ, so soll in der dichten Finsternis des Elendes, zu dem sich der Todesschatten des geistigen und moralischen Jammers gesellt, das messianische Licht aufleuchten. Das große Licht ist die volle Entfaltung des Morgenlichtes, das der Seher [Jes 8,20] den Gläubigen als Hoffnung vorgehalten, der Zustand, den Emanuel herbeiführen wird. Emanuel selbst ist dieses Licht [Jes 42,6, Jes 49,6, Jes 60,1-3] die Sonne der Gerechtigkeit [Mal 4,2], das Licht der Welt [Joh 1,9, Joh 8,12]. Das gläubige Israel versteht diese Sprache, denn in lichter Wolke zog Gott einst seinem Volke voraus. Die folgenden Verse 3-7 entwickeln den Begriff dieses großen Lichtes und schildern seine Wirkungen. Das Licht strahlt auf in Galiläa: Parallelismus zu [Jes 7,15.16]. Vergl. [Mt 4,14-16]. - Du hast das Volk vermehrt und nicht Hebr.: Keri: und ihm, was besser in den Zusammenhang passt. In der Vulgata ist der Gegensatz zwischen der früheren und der messianischen Zeit betont, das Mangelhafte der ersteren dem vollen Jubel der messianischen Zeit entgegengestellt: Einst waren auch die herrlichsten Siege nicht frei von Trauer, anders das Reich, das Christus empfangen soll. - die Freude erhöht, aber jetzt werden sie sich vor dir Die Freude wird als heilig charakterisiert. - freuen, wie man sich in der Ernte freut, wie Sieger frohlocken über die gewonnene Beute, wenn sie die Beute austeilen. Beide Bilder kennzeichnen die vorangegangene Not und Bedrängnis und den jetzigen Überfluss an Gütern. Wie wahr ist dies auch, wenn wir es weiter ausdenken! Wir ernten, was der Heiland in Tränen und Blut gesät; wir teilen Beute, nachdem er einen so schweren Kampf der Leiden gefochten und den Sieg errungen. - Denn das Joch seiner Bürde und die Rute seines Rückens und den Herrscherstab seines Bedrängers zerbrichst du wie am Tage Madians. Das Joch, das wie eine schwere Last auf dem Volke lag, die Rute und den Stab, mit denen fremde Dränger das Volk züchtigten, hat der Herr plötzlich zerbrochen, wie in Gedeons Zeit. [Rich 7] Da die Sünde dieses Joch über sie gebracht, sehen die heiligen Väter hier mit Recht die Herrschaft Satans über die sündige Welt abgebildet (Cyr. U., Hier., Theod.), bis Christus den Fürsten dieser Welt hinauswarf. - Denn jede gewaltsame und im Getümmel eroberte Beute und jedes blutgetränkte Gewand wird dann verbrannt und dem Feuer als Speise überliefert. Das messianische Läuterungsfeuer wird die Feinde und ihre Trophäen und die Zeugen ihrer Tyrannei vertilgen. Hebr.: denn jegliche Rüstung des sich Rüstenden im Getümmel und das im Blut gewälzte Gewand… - Denn Realparallelismus mit [Jes 8,9.10]. - ein Kind ist uns geboren, Es herrscht Jubel, weil das Joch gebrochen, der Sieg ist herrlich, und all dies, weil Emanuel dem Volke geboren wird. Vers 6 gibt den tiefsten Grund und die Quelle aller geschilderten Güter. - ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ist auf seine Schulter gelegt; [2Sam 7] ist die ewige Herrschaft verheißen. Vergl. [Ps 88,38]. Wem also diese Herrschaft zugesprochen wird, der ist als der große Nachkomme Davids bezeichnet. Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, entweder weil man die Herrschaft einer Bürde gleich trägt, oder weil die Insignien der Herrschaft, Königsmantel, Zepter, auf der Schulter ruhen. Tatsächlich gründete sich die Herrschaft des Herrn auf sein Kreuz, auf dieses also ist der Gedanke gleichfalls anzuwenden. (Basil., Cyr. U., Hier.) - sein Name wird genannt werden: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Vater der Zukunft, Friedensfürst. Wie viele Namen sind? Fünf. Wunderbarer: (hebr.: Wunder) Emanuel ist der Sammelpunkt aller Großtaten Gottes, Wunder ganz und gar, besonders in seinem Eintritt in das Menschengeschlecht. Vergl. [Jes 7,14]. Ratgeber: der die besten Ratschläge erteilt, weil alle Schätze der Weisheit in ihm vereint sind. Starker Gott: So heißt Jahve [5Mos 10,17] und so nennt ihn Jeremia im Gebet [Jes 32,18]. Und Isaias selbst nennt [Jes 10,21] Jahve so. Vater der Zukunft: Er ist seinem Volke Vater und dies in Ewigkeit. Friedensfürst: Er breitet sein Reich in Frieden aus und bringt überallhin Frieden. Vergl. [Lk 2,14; Joh 14,27]. - Seine Herrschaft wird sich mehren Alle sonst zerstreuten messianischen Merkmale sind hier wie in einem Brennpunkte vereinigt. Hebr. zu Mehrung der Herrschaft und des Friedens ist kein Ende, auf Davids Thron und über sein Reich. - und Friede wird ohne Ende sein; auf dem Throne Davids und über dessen Reich wird er herrschen, dass er es festige und stütze durch Recht und Gerechtigkeit, Recht und Gerechtigkeit sind die Grundpfeiler dieses Reiches. Das Recht, die Idee Gottes von der Menschheit in ihren vielfachen Beziehungen, soll und wird sich im Reiche des Messias verwirklichen und in der Gerechtigkeit konkrete Gestalt gewinnen, in den Mitgliedern des Reiches Wahrheit werden. - von nun an bis in Ewigkeit! Das Volk des alten Gottesreiches ward seiner Sünden wegen in die Verbannung verstoßen und der Bund aufgehoben, für das Messiasreich ist solches nicht möglich. Daher wird von der Zeit an, wo der Messias in das Menschengeschlecht eintritt, bis in die Ewigkeit, wo die Krone und Vollendung hinterlegt ist, des Friedens kein Ende sein. - Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies vollbringen. Dieser Zusatz weist auf die Machtfülle, die Gott zu Gebote steht und durch die er zur Verwirklichung durchdringt. Dieser Eifer ist deren Ursache, nicht das Verdienst des Volkes. - Der Herr hat ein Wort Eine Prophezeiung, eine Drohung, die sich verwirklichen wird. - wider Jakob Das Zehnstämmereich. Das Gleiche wird Juda, das sich der gleichen Sünde wie jenes schuldig gemacht, als Warnung und Tadel vorgeworfen. - ausgesandt und es fällt nieder auf Israel. Das ganze Volk Ephraim wird es erfahren und die Bewohner von Samaria, welche in Stolz und Hochmut des Herzens sprachen: Ziegelbauten sind eingestürzt, aber mit Quadersteinen werden wir wieder aufbauen; wilde Feigenbäume haben sie umgehauen, aber Zedern werden wir an ihre Stelle setzen. Die Assyrier haben Häuser aus Backsteinen zerstört, wir sind reich und mächtig genug, dafür mit Quadern zu bauen und sind dann jedem Angriff gewachsen. Ebenso wollen sie an die Stelle des Sykomorengebälkes Zederngebälk setzen. Das Hebräische kann noch nachdrucksvoller gefasst werden: Sykomoren sind umgehauen worden und Zedern lassen wir dafür wachsen. Diese trotzige Gesinnung mag sich wohl während der [2Koe 15,29] berichteten Ereignisse kundgetan haben. - Der Herr wird über dasselbe die Feinde Rasins erheben und ihre Feinde wird er aufreizen: Die Assyrier werden als Feinde Rasins, des Königs von Damaskus, und Verbündeten Ephraims, bezeichnet, um damit Ephraim anzudeuten, dass diese Bundesgenossenschaft nicht zu seinem Heile dienen werde. Die Assyrier eroberten Damaskus, verwüsteten das Land und führten einen Teil der Bewohner in die Gefangenschaft. Diese Feinde und schließlichen Besieger Rasins wird der Herr erhöhen auch über Israel. - die Syrer im Osten und die Philister im Westen, und sie werden Israel mit vollem Rachen verschlingen. Gott stachelt Rasins Feinde, die Assyrier, auf, infolge dessen sie Aram, Philisthäa und zuletzt Israel schädigen. - Bei alledem wendet sich sein Zorn nicht ab, sondern seine Hand bleibt noch ausgestreckt. Und das Volk bekehrte sich nicht zu dem, der es schlug, und fragte nicht nach dem Herrn der Heerscharen. In hilfesuchendem Gebete als dem Anfange er Bekehrung. - Darum wird der Herr von Israel Haupt und Schweif abhauen, den sich Beugenden und Gebietenden Hebr.: Kopf und Zweig, Palmzweig und Binse, d.i. Vornehme und Geringe. - an einem Tag. Die Betagten und Angesehenen sind das Haupt und die Propheten, welche Lügen lehren, sind der Schweif. Und die, welche dieses Volk glücklich preisen, sind Verführer; Hebr.: Die Leiter dieses Volkes sind zu Verführern geworden: Geistliche und weltliche Obrigkeit und Asterpropheten. Die Vulgata spricht nur von diesen. - und die glücklich gepriesen werden, fallen dem Verderben anheim. Darum Hinweisend auf das folgende denn. - wird der Herr an des Volkes Jünglingen keine Freude haben Wie sonst, wenn sie auszogen, die Schlachten des Herrn zu schlagen. - und seiner Waisen und Witwen Die er sonst so nachdrücklich in Schutz nimmt. - sich nicht erbarmen; denn alle sind Heuchler und Nichtswürdige und jeder Mund redet Torheit. So heißen in der heiligen Schrift Schandtaten und Laster, besonders die Unzucht. - Bei alledem wendet sich sein Zorn nicht ab, sondern seine Hand bleibt noch ausgestreckt. Denn wie Feuer lodert die Bosheit auf und verzehrt Dornen und Disteln, Die Sünde ist ein Feuer; in Israel macht sich die Sünde breit, daher müssen sie, die selbst dies ungestüme Element entfesselt haben, an der eigenen Bosheit zugrunde gehen. Wie das Eisen den Rost erzeugt und von ihm verzehrt wird, so bringt der gesetzwidrig Lebende die Sünde hervor, von der er aufgerieben wird. (Theod.) - es lodert auf im Dickicht des Waldes und es wirbelt hoch empor die Säule des Rauches. Das Dorngestrüpp sind wohl (vergl. V. 14, 15) das gemeine Volk, das Dickicht die Führer. Hebr.: Das Feuer zündet in den Dickichten des Waldes und sie qualmen empor als eine Erhebung des Rauches (gehen in Rauch auf). - Durch den Zorn des Herrn der Heerscharen ist das Land verstört und das Volk ist die Speise des Feuers geworden, Oben ist die Sünde, hier der Zorn des Herrn als Ursache des verzehrenden Brandes bezeichnet. - keiner schont seines Bruders. Bruders im eigentlichen Sinne. - Man wendet sich zur Rechten Hebr.: Man beißt zur Rechten. Die unruhige, planlose Parteilandschaft wird charakterisiert. - und hungert, man isst zur Linken und wird doch nicht satt, ein jeder verschlingt das Fleisch seines Armes, Der Arm ist die natürliche Stütze, die Familiengenossen. Indem sie ihre Brüder schädigen, kämpfen sie gegen ihren eigenen Vorteil und nehmen sich selbst Kraft und Wehr. - Manasses den Ephraim, Ephraim den Manasses, Die Namen bezeichnen innige Verwandtschaft; es sind die beiden Söhne des Lieblingssohnes Jakobs, Joseph. - beide zugleich wider Juda. Die Feindschaft gegen Juda und das rechtmäßige Herrscherhaus ist die Grundsünde. - Bei alledem wendet sich sein Zorn nicht ab, sondern seine Hand bleibt noch ausgestreckt. Dieses Parteigetriebe im Reiche Israel war zweifelsohne in besonderer Weise tätig, als Osee auf dieselbe Weise den Phakee tötete und sich des Thrones bemächtigte, wie Phakee es seinem Vorgänger Phakeia getan hatte. [2Koe 15,30]

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