Richter 1

Einleitung (1,1 – 3,6) Politischer und religiöser Zustand der Israeliten. Absicht des Verfassers. 1. Politischer Zustand des israelitischen Landes nach dem Tode Josues. (1,1-36) A. Fortsetzung des von Josue gegen die Chananiter begonnenen Krieges unter Vorangehen Judas. (V. 7) Erinnerung an frühere Großtaten dieses Stammes. (V. 20) B. Die Lässigkeit der Stämme Benjamin (V. 21), Ephraim und Manasse (V. 22-29), Zabulon, Aser, Nephthali (V. 30-33) und Dan (V. 34-36) verschuldet es, dass die Chananiter nicht gänzlich ausgerottet werden.

Nach dem Tode Josues Vergl. [Jos 23]. - befragten die Söhne Israels den Herrn Während Moses und Josue sich unmittelbarer göttlicher Offenbarungen erfreut hatten. - und sprachen: Wer Welcher Stamm? - soll uns voran gegen die Chananiter hinaufziehen und unser Anführer im Kriege sein? Den Krieg eröffnend, nicht durch Oberbefehl. - Der Herr sprach: Judas soll hinaufziehen: In dem Judas zugewiesenen Teile lagen die meisten feindlichen Städte. Judas, durch den Segen Jakobs [1Mos 49,8ff] schon zum Vorkämpfer bestimmt, ist das Bild Christi, wie Chanaan das der geistlichen Feinde. - sehet, ich habe das Land in seine Hand gegeben. Da sprach Judas zu Simeon, seinem Bruder: Da das Erbteil Simeons innerhalb des Gebietes von Judas lag [Jos 19,1], war Simeon mit dem Stamme Judas enger verbunden als die anderen Stämme. - Ziehe mit mir hinauf in meinen Anteil und kämpfe gegen die Chananiter; so will auch ich dann mit dir in deinen Anteil ziehen. Da zog Simeon mit ihm. Als nun Judas hinaufzog, gab der Herr die Chananiter und Phereziter in ihre Hand; Kurze Zusammenfassung des Ergebnisses des Krieges, dessen wichtigstes Ereignis im Folgenden noch besonders erzählt wird. - und sie schlugen in Bezek Vergl. [1Sam 11,8]. - zehntausend Mann. Auch trafen sie Adonibezek in Bezek Herr von Bezek ist der Titel dieses Königs, den sie auf der Flucht ergreifen. - und kämpften mit ihm und schlugen die Chananiter und Phereziter. Adonibezek aber floh und sie verfolgten ihn und ergriffen ihn und hieben ihm die Spitzen von Händen und Füßen Die Daumen. So konnte er weder kämpfen noch fliehen. - ab. Da sprach Adonibezek: Siebenzig Septuag: 72 = sehr viele. - Könige, denen ich die Spitzen von Händen und Füßen abgehauen hatte, lasen den Abfall der Speisen unter meinem Tische auf; Die Hunde sammeln Brotsamen unter dem Tische. [Mt 15,27]; die Menschen nur in höchster Not. [Lk 16,21] Bild der schmachvollsten Erniedrigung. - wie ich getan habe, so hat Gott mir vergolten. Die ihm feindliche Gottheit. - Hierauf brachten sie ihn nach Jerusalem Dessen Unterstadt sie eroberten und zerstörten. - und daselbst starb er. Die Söhne Judas belagerten alsbald Jerusalem und nahmen es ein und schlugen es mit der Schärfe des Schwertes Bezeichnung grausamer Kriegsführung. - und gaben die ganze Stadt dem Feuer preis. Darnach zogen sie hinab, um gegen die Chananiter zu kämpfen, welche auf dem Gebirge und gegen Süden und in den Ebenen wohnten. Südpalästina zerfiel in drei Landschaften: Das Gebirge [Lk 1,39], Negeb nach Ägypten zu, und Sephala, die Ebene der Philister [1Mak 12,38], diese Gegenden hatte Josue schon durchzogen. [Jos 11,16] - Und Judas zog weiter gegen die Chananiter, welche in Hebron wohnten (welches vordem Kariath-Arbe hieß), und schlug Sesai, Ahiman und Tholmai; Dieser Zug ist der gleiche mit dem [Jos 15,13-19] Erzählten. - von dort brach er auf und zog gegen die Bewohner von Dabir, dessen alter Name Kariath-Sepher, das ist Schriftstadt, war. Da sprach Kaleb: Wer Kariath-Sepher erobert und zerstört, dem will ich meine Tochter Axa zur Frau geben. Das Höchste und Liebste. Vergl. [1Sam 17,25] und [1Chr 11,6]. - Da nun Othoniel, der Sohn des Kenez, der jüngere Bruder Kalebs, Ein jüngerer Verwandter Kalebs. - sie einnahm, gab er diesem seine Tochter Axa zur Frau. Als diese eben fortziehen wollte, trieb ihr Mann sie an, von ihrem Vater ein Stück Feldes Besseres Feld als das bei Dabir. - zu verlangen. Da seufzte sie, auf dem Esel sitzend, und Kaleb sprach zu ihr: Was hast du? Sie antwortete: Gib mir einen Segen; Der Segen ist das Zeichen des Wohlwollens. Wer nichts zu geben vermag, begnügt sich mit einem Segenswunsche. - denn du hast mir dürres Land gegeben, gib mir nun auch wasserreiches. Da gab ihr Kaleb ein Land, das in der Höhe und in der Tiefe wasserreich war. Die Söhne des Kiniters aber, des Schwagers Moses, Die Kiniter waren die Führer des Volkes durch die Wüste gewesen und hatten in Jericho ihren Lohn erwartet [4Mos 10,32], vielleicht bis zu dieser Zeit dort weilend. - zogen aus der Palmenstadt Jericho [5Mos 34,3, 2Chr 28,15] - mit den Söhnen Judas nach der Wüste, die in ihrem Anteile südlich von Arad In Negeb. - liegt, Wahrscheinlich ist mit Septuag zu lesen: Wüste, die im Süden Judas ist (zum Unterschiede von der Wüste Juda am Toten Meere [2Sam 15,28, 2Sam 17,16].) - hinauf und ließen sich bei ihnen nieder. Judas aber zog mit Simeon, seinem Bruder, aus und sie schlugen miteinander die Chananiter, welche in Sephaath wohnten und töteten sie. Richtiger: bannten die Stadt. (Hebr.) - Und man nannte den Namen der Stadt: Horma, das ist Bann. Vergl. [Jos 12,14]. Horma lag im äußersten Süden. - Und Judas nahm Gaza samt seinem Gebiete, und Askalon und Akkaron mit ihrem Gebiete ein. Kurze Zusammenfassung. Der Besitz dieser Städte war kein beständiger. Dass sie nicht in den Händen der Israeliten blieben und dass die übrigen Städte der Chananäer und Philister nicht erobert wurden, hatte seinen Grund in der Feigheit und Habsucht der Israeliten (V. 28, 30, 33, 35), sowie in der Verehrung der fremden Götter. (Theodor. Vergl. [Rich 2,20, Rich 3,3]) - Der Herr aber war mit Judas, so dass er das Bergland in Besitz nahm; die Talbewohner jedoch konnte er nicht vertilgen, weil sie sehr viele Sichelwagen Richtiger: Eisenbeschlagene Wagen. - hatten. Und sie gaben dem Kaleb Hebron, wie Moses gesagt hatte, [4Mos 14,24, 5Mos 1,36, Jos 14,13] und [Jos 21,11]. - und er vertilgte daraus die drei Enakssöhne. Die Jebusiter aber, die in Jerusalem wohnten, vertilgten die Söhne Benjamins nicht Was hier an Benjamin getadelt wird, wird [Jos 15,63] auch an Judas gerügt. - und so blieben die Jebusiter mit den Söhnen Benjamins in Jerusalem bis auf diesen Tag wohnen. Da zog das Haus Joseph ebenfalls hinauf nach Bethel Der einzige gemeinsame Zug. - und der Herr war mit ihnen. Denn als sie die Stadt belagerten, Sie sandten Kundschafter. (Sept. Chald.) - welche zuvor Luza hieß, sahen sie einen Mann aus der Stadt kommen und sprachen zu ihm: Zeige uns einen Zugang in die Stadt, so wollen wir an dir Barmherzigkeit üben. Als dieser ihnen nun einen Zugang gezeigt hatte, schlugen sie die Stadt mit der Schärfe des Schwertes; Nach der Vorschrift [5Mos 20,16ff]. - jenen Mann aber und seine ganze Verwandtschaft ließen sie abziehen. Nach dem Vorbilde [Jos 6,22]. Dieser Mann bleibt indes Heide. - Als er nun frei war, zog er in das Land der Hethiter und erbaute daselbst eine Stadt, die er Luza nannte; so heißt sie noch bis auf diesen Tag. Auch Manasses zerstörte Bethsan und Thanak mit ihren Dörfern nicht, noch vernichtete er die Bewohner von Dor, Jeblaam und Mageddo mit ihren Dörfern Diese Städte wurden von den Chananitern besonders hartnäckig verteidigt, weil sie am Wege von Ägypten nach Damaskus lagen und so für den Handel eine große Wichtigkeit hatten. - und so begannen die Chananiter bei ihnen zu wohnen. Als aber Israel mächtig geworden war, machte es sie zinsbar, Wann dies geschah, wird nicht angegeben, jedenfalls nur allmählich im Verlaufe der Richterzeit. - aber vertilgen wollte es sie nicht. Auch Ephraim tötete die Chananiter nicht, die in Gazer wohnten, sondern wohnte bei ihnen. Zabulon vertilgte die Bewohner von Cetron und Naalol nicht, sondern die Chananiter blieben in seiner Mitte wohnen und wurden ihm zinsbar. Auch Aser vertilgte die Bewohner von Akcho, Sidon, Ahalab, Achazib, Helba, Aphek und Rohob nicht, sondern nahm mitten unter den Chananitern, den Bewohnern jenes Landes, Wohnung und tötete sie nicht. Die Chananiter behielten die Oberhand, die Israeliten waren nur geduldet und wurden vielleicht selbst tributpflichtig. Von den [Jos 19] erwähnten 22 Städten waren die Israeliten nur in 7 zugelassen. - Auch Nephthali vernichtete die Bewohner von Bethsames und Bethanath nicht und ließ sich unter den Chananitern nieder, welche im Lande wohnten, und die Bethsamiter und Bethaniter wurden ihm zinsbar. Die Amorrhiter aber drängten die Söhne Dans in das Gebirge und ließen sie nicht in die Ebene hinabsteigen; Damit waren die Daniten fast gänzlich von dem ihnen zugewiesenen Gebiete ausgeschlossen. - so blieben sie im Gebirge Hares, Har Cheres, auch Ir semes = Sonnenstadt. - was übersetzt Scherbenberg heißt, in Ajalon und Salebim wohnen. Da aber die Hand des Hauses Joseph schwer auf ihnen lastete, wurden sie ihm zinsbar. Das Gebiet der Amorrhiter aber erstreckte sich von dem Skorpionensteige und der Felsenstadt weiter aufwärts. Die Macht der Amorrhiter wird nach dem Gebiete geschildert, über das sie sich ausdehnte: nördlich bis zum Gebirge Dan und weiter, südlich bis zur äußersten Grenze des heiligen Landes. [4Mos 34,4] Die Felsenstadt, Stadt in Idumäa.

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