B. Samson nimmt eine Philisterin zum Weibe (V. 9), legt bei der Hochzeitsfeier ein Rätsel vor (V. 14) und tötet 30 Philister, um deren Kleider den Jünglingen zu geben, welche das Rätsel gelöst. (V. 19) C. Sein Weib nimmt einen andern Mann. (V. 20)
1Da nun Samson nach Thamnatha ging,Eine Ursache, weshalb die Israeliten zu den Philistern gingen, siehe [1Sam 13,20ff]. - sah er daselbst ein Weib von den Töchtern der Philister.Aus Dankbarkeit für die ihm ohne sein Verdienst von Gott zu teil gewordene Wohltat hatte Samson sich nicht allein von bestimmten Speisen enthalten, sondern noch mehr durch das Fernhalten von aller Sünde auszeichnen sollen. Indes hatte Gott die Heiligkeit des Lebens nicht zur Bedingung der Erwählung gemacht, weshalb Samson auch durch Sünden nicht seine außernatürliche Stärke verlieren durfte, zumal Gott ihn durch die Entziehung der Gnade strafen konnte, welche ihn in stand setzte, sein Nasiräat treu zu beobachten und so des Beistandes Gottes sicher zu sein. Wenn [Hebr 11,32ff], sein Glaube und seine Gerechtigkeit gelobt wird, so zeigt sich sein Glaube, wenngleich derselbe noch ohne die Rechtfertigung ist, zwar schon in dem Mute, mit dem er zahlreiche Feinde angreift, doch voll und ganz erst, so dass er die Menge der Sünden bedeckte und mit der Gerechtigkeit verbunden war, erst im Gebete vor seinem Tode. In dem Buhlen mit den Töchtern der Heiden offenbart sich seine Schwäche, ein Spiegelbild des natürlichen Charakters seines Volkes, das beständig zu den Heiden neigte. -2 Und er kehrte zurück, erzählte es seinem Vater und seiner Mutter und sprach: Ich habe ein Weib in Thamnatha unter den Töchtern der Philister gesehen, ich bitte euch, nehmet mir diese zum Weibe.Sündigte Samson damit? Nicht gegen [2Mos 34,16] oder [5Mos 7,2], da die an diesen Stellen erlassenen Verbote nur die Ehen mit Chananitern betreffen. Der Geist Gottes [Rich 13,25] bewegt ihn dazu und Samson ist sich dessen bewusst. -3 Da antwortete ihm sein Vater und seine Mutter: Gibt es unter den Töchtern deiner Brüder und in meinem ganzen Volke kein Weib, warum willstHebr.: gehst. - du also von den Philistern, den Unbeschnittenen, ein Weib nehmen? Samson sprach zu seinem Vater: Diese nimm mir; denn sie gefiel meinen Augen.4 Aber seine Eltern wussten nicht, dass die Sache von dem Herrn kam undZu streichen. - dass er einen Anlass wider die Philister suchte; denn zu jener Zeit herrschten die Philister über Israel.Samson erschlägt einen Löwen
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.5 Samson ging nun mit seinem Vater und mit seiner Mutter nach Thamnatha hinab.Zur Verlobung. (V. 7) - Als sie zu den Weinbergen der Stadt kamen, zeigte sich ein junger Löwe, grimmig und brüllend, und ging auf ihn zu.6 Da kam der Geist des HerrnDer Geist der Stärke. - über Samson, und er zerriss den Löwen, als ob er ein Böckchen in Stücke risse, ohne dass er etwas in seiner Hand hatte;Die Philister ließen den Israeliten keine Waffen. [1Sam 13,20] - seinem Vater und seiner Mutter aber wollte er nichts davon sagen.Er war also von dem Wege, den seine Eltern gingen, abgewichen. -7 Und er ging hinab und redete mit dem Weibe, die seinen Augen gefallen hatte.8 Als er nun nach einiger Zeit wieder dahin kam, um sie zum Weibe zu nehmen, bog er vom Wege ab, um die Leiche des Löwen zu sehen, und siehe, da war ein Bienenschwarm in dem Rachen des Löwen und Honigseim.9 Diese nahm er in die Hand und aß davon auf dem Wege; und als er zu seinem Vater und zu seiner Mutter kam, gab er ihnen einen Teil, und sie aßen auch davon; er wollte ihnen aber nicht sagen,Hebr.: Er teilte ihnen aber nicht mit. - dass er den Honig aus dem Leichname des Löwen genommen hatte.10 Darauf ging sein VaterDem Vater kam die Hauptrolle zu, darum wird er allein genannt. - zu dem Weibe hinab und bereitete seinem Sohne Samson ein Mahl;Hebr.: Und Samson bereitete dort ein Mahl; jedenfalls auf Kosten seines Vaters. - so nämlich pflegten die jungen Männer zu tun.Zur Zeit des Verfassers war also die Gewohnheit eine andere: das Mahl fand nicht mehr im Hause der Braut statt. Durch die von den Philistern geübte Gewohnheit wurden die Hebräer, welche Philisterinnen nahmen, bewogen, zu den Philistern zu ziehen, so dass ihre Kinder oft bereits zu deren Volk gehörten. -11 Als ihn nun die Bürger des Ortes sahen, gaben sie ihm dreißig Genossen,Ehrenhalber. So entsagte der Bräutigam gleichsam seinem Volke. Die Genossen des Bräutigams heißen [Mt 9,15] die Söhne des Bräutigams. - die bei ihm sein sollten.12 Zu diesen sprach Samson: Ich will euch ein Rätsel aufgeben; wenn ihr mir dasselbe innerhalb der sieben Tage des Mahles löset, will ich euch dreißig Unterkleider und ebenso viele Gewänder geben;13 wo ihr es aber nicht lösen könnt, so sollt ihr mir dreißig Unterkleider und ebensoviele Gewänder geben. Sie antworteten ihm: Gib dein Rätsel auf, dass wir es hören.14 Da sprach er zu ihnen: Vom Fresser ging Speise aus, und vom Starken Süßigkeit. Sie konnten aber das Rätsel drei Tage lang nicht lösen.15 Als nun der siebte TagSo Hebr. Chald., die Sept. liest: Der vierte Tag. Indes die Schwierigkeit löst sich besser so, dass die folgenden Worte V. 15, V. 16 als Paranthese gefasst worden sind und V. 17b auf den siebten Tag zurückkommt. - herankam, sprachen sie zu dem Weibe Samsons: Schmeichle deinem Manne und berede ihn, dass er dir angibt, was das Rätsel bedeutet. Willst du das aber nicht tun, so werden wir dich und das Haus deines Vaters verbrennen. Oder habt ihr uns deshalb zur Hochzeit geladen, um uns zu berauben?Durch Einschüchterung und durch Appell an das Ehrgefühl suchen sie zum Ziele zu kommen. -16 Da weinte sie vor Samson und klagte und sprach: Du bist mirHebr.: Nur Abneigung hast du für mich, nicht Liebe. - gram und hast mich nicht lieb; darum willst du mir das Rätsel, welches du den Söhnen meines Volkes aufgegeben hast, nicht lösen. Er aber antwortete: Meinem Vater und meiner Mutter habe ich es nicht sagen wollen, und dir sollte ich es kundtun können?Die Eltern haben wohl nach der Lösung des Rätsels nicht gefragt. Samson ist bereits schwankend. -17 Da weinte sie die sieben Tage des Mahls vor ihm; endlich am siebten Tag, da sie ihm allzu lästig ward, sagte er ihr die Lösung. Sofort teilte sie dieselbe ihren Mitbürgern mit.18 Diese sagten am siebten Tage, noch ehe die Sonne unterging, zu ihm: Was ist süßer als Honig, und was ist stärker als der Löwe? Er antwortete ihnen: Hättet ihr nicht mit meinem Kalbe gepflügt,Mein Weib dazu missbrauchend, um mir das Geheimnis zu entlocken. - so hättet ihr mein Rätsel nicht erraten!19 Da kam der Geist des Herrn über ihn,Der Geist des Herrn leitete ihn nicht, als er sein Rätsel selbst verriet. - und er ging nach Askalon hinab und erschlug daselbst dreißig Männer;Die beständigen Unterdrückungen seines Volkes gaben ihm dazu nicht ungerechten weiteren Anlass. - diesen nahm er die KleiderHebr.: Und nahm ihre Rüstungen. - und gab sieDie Kleider. Es waren wohl Landleute, die er nacheinander tötete, so dass das Gerücht davon sich nicht alsobald verbreitete. Vergl. [1Sam 27]. - denen, welche das Rätsel gelöst hatten. Hierauf ging er in großem ZorneÜber sein Weib und seine Genossen. - hinauf in das Haus seines Vaters;20 sein Weib aber nahm sich einen von seinen Freunden und Hochzeitsgenossen zum Manne.Hebr.: Wurde das Weib Simsons seinem Genossen zu eigen, den er sich selbst beigesellt hatte – dem Brautführer. (Sept.)