Richter 19

2. Wegen seiner Sittenverderbnis wird fast der gesamte Stamm Benjamin ausgerottet. (19,1 – 21,24) A. Die Einwohner von Gabaa verüben eine schwere Freveltat gegen das Weib eines Leviten und erregen dadurch den gerechten Zorn von ganz Israel.

Es war ein Levit, der wohnte an der Grenze des Gebirges Ephraim. Dieser nahm sich ein Weib Ein Nebenweib. Mithin hatte er schon ein Weib. - von Bethlehem in Juda; sie aber verließ ihn Euphemismus für: ward ihm untreu. - und kehrte in das Haus ihres Vaters nach Bethlehem zurück, und blieb bei diesem vier Monate. Da zog ihr Mann ihr nach, um sich mit ihr zu versöhnen, und ihr zu Herzen zu reden, und sie wieder mit sich zurückzubringen; und er hatte einen Diener und zwei Esel Einen für das Nebenweib. - bei sich. Sie nahm ihn auf Sei es aus Furcht vor der Strafe, sei es durch sein Zureden bewogen. - und führte ihn in das Haus ihres Vaters. Als sein Schwiegervater dies hörte und ihn sah, ging er ihm erfreut Der Vater musste sonst die Mitgift zurückgeben. - entgegen. und fiel ihm um den Hals. Besser: Behielt ihn bei sich. Einleitung zur Erzählung V. 4-9. - Und der Schwiegersohn blieb drei Tage in dem Hause seines Schwiegervaters und aß und trank mit ihm als Freund. Hebr.: Und sie aßen und tranken und blieben daselbst über Nacht. - Am vierten Tage aber stand er am frühen Morgen auf und wollte sich auf den Weg machen. Da hielt ihn sein Schwiegervater und sprach zu ihm: Genieße zuvor einen Bissen Brot und stärke deinen Magen, nachher magst du ziehen! So setzten sie Hebr.: beide. Der Schwiegervater will ihn wieder ganz für seine Tochter gewinnen. - sich denn zusammen und aßen und tranken. Dann sprach der Vater des Mädchens zu seinem Schwiegersohne: Ich bitte dich, bleibe heute hier und lass uns zusammen fröhlich sein. Hebr.: und sei guter Dinge. - Aber er stand auf und schickte sich an, fortzuziehen. Er weiß aber, dass es noch nicht zugelassen wird. Es entsprach der orientalischen Höflichkeit, der Nötigung nachzugeben. - Desungeachtet hielt ihn sein Schwiegervater dringend zurück und nötigte ihn, bei ihm zu bleiben. Am andern Morgen aber rüstete sich der Levit zur Reise. Da sagte sein Schwiegervater wieder zu ihm: Ich bitte dich, nimm ein wenig Speise zu dir und sammele Kräfte, bis der Tag vorgerückt ist, dann magst du reisen. So aßen sie denn zusammen. Als nun der Jüngling aufstand, um mit seinem Weibe und seinem Diener wegzuziehen, sprach sein Schwiegervater wiederum zu ihm: Siehe doch, der Tag neigt sich dem Untergange zu Es ist bereits Nachmittag. Da der Weg etwa 7 Stunden betrug, war er bis zum Abend nicht zurückzulegen. - und nähert sich dem Abende; bleibe auch heute bei mir und halte einen fröhlichen Tag und morgen magst du ziehen, um nach Hause zu kommen. Aber der Schwiegersohn wollte nicht auf sein Zureden hören, sondern machte sich sogleich auf und kam bis vor Jebus, das mit anderm Namen auch Jerusalem heißt, und führte zwei beladene Esel und seine Nebenfrau mit sich. Schon waren sie nahe bei Jebus, während der Tag in Nacht überging, da sprach der Diener zu seinem Herrn: Komm, ich bitte, lass uns in die Stadt der Jebusiter einkehren und darin bleiben. Der Herr antwortete ihm: Ich will nicht in die Stadt eines fremden Volkes, das nicht zu den Söhnen Israels gehört, Die Stadt war also noch nicht im Besitze Judas oder Benjamins. - eintreten, sondern bis Gabaa Im Stamme Benjamin. - weiterziehen, und wenn ich dorthin gekommen, so werden wir daselbst bleiben oder doch in der Stadt Rama. So zogen sie denn bei Jebus vorüber und setzten ihre angefangene Reise fort, und die Sonne ging ihnen unter, als sie nahe bei Gabaa waren, welches im Stamme Benjamin liegt. Gegensatz zu Jebus. - Da wendeten sie sich dorthin, um daselbst zu bleiben. Als sie hineingekommen waren, ließen sie sich auf der Straße der Stadt nieder, Vergl. [1Mos 19,1ff]. - denn niemand wollte sie gastfreundlich aufnehmen. Wie Gott doch befohlen. [5Mos 10,19] - Siehe, da kam ein Greis Ähnlich den [Rich 2,7] Genannten. - des Weges, welcher am Abend von seiner Arbeit vom Felde zurückkehrte, der ebenfalls vom Gebirge Ephraim war und als Fremdling in Gabaa wohnte, während die Leute dieser Gegend Söhne Jeminis Benjamiten. - waren. Als der Greis seine Augen erhob, sah er einen Mann Das Folgende hebr.: Einen Wanderer. Die Vulg. gibt das Kennzeichen eines solchen an. - mit seinem Reisegepäck in der Straße der Stadt sitzen und sprach zu ihm: Woher kommst du und wohin gehst du? Er antwortete ihm: Wir kommen von Bethlehem in Juda und ziehen in unsere Heimat, die an der Seite des Gebirges Ephraim liegt, von wo wir nach Bethlehem gezogen waren; und jetzt gehen wir zum Hause Gottes hin, Hebr.: Wir ziehen von Bethlehem Juda nach den hinteren Teilen des Gebirges Ephraim hinüber; von dort stamme ich und war nach Bethlehem Juda gereist und bin im Begriffe, zum Hause Jahves zu gehen. - und niemand will uns unter sein Dach aufnehmen, obwohl wir Stroh und Heu zum Futter für die Esel haben, und Brot und Wein für mich und deine Magd, Mein Weib. - und den Diener, der bei mir ist; wir brauchen nichts als Unterkunft. Da antwortete ihm der Greis: Friede sei mit dir! Alles, was notwendig ist, will ich dir reichen; nur, bitte ich, bleibe nicht auf der Straße. Der Greis, der bis zum Abend gearbeitet, war nicht reich, aber freigebig. - Hierauf führte er ihn in sein Haus und gab den Eseln Futter; und nachdem sie ihre Füße gewaschen, lud er sie zum Mahle. Während sie nun bei Tisch waren und sich nach den Beschwerden der Reise mit Speise und Trank erquickten, kamen die Leute jener Stadt, Belialssöhne (das ist zügellose Leute), umgaben das Haus des Greises, begannen an die Tür zu klopfen und riefen dem Herrn des Hauses zu und sprachen: Bringe den Mann heraus, der in dein Haus eingekehrt ist, damit wir ihn missbrauchen! Dem Erzähler steht [1Mos 19] vor Augen, wo Ähnliches erzählt wird, weshalb er vielfach die gleichen Ausdrücke wählt. - Da ging der Greis zu ihnen hinaus und sprach: Nicht doch, meine Brüder! tuet doch diese Sünde nicht, denn der Mann ist als Gast zu mir eingetreten; lasset ab von dieser Torheit! Ich habe eine Tochter, die noch Jungfrau ist, und dieser Mann hat eine Nebenfrau, diese will ich zu euch herausführen, dass ihr ihnen Gewalt antuet und eure Lust an ihnen kühlet; Der Wille, die Gastfreunde vor allem Bösen zu bewahren, ist ebenso bei Loth wie bei diesem Greise lobenswert, wenngleich beide ein nicht gebührendes und unerlaubtes Mittel wählen. - nur verübet doch, ich bitte, diese widernatürliche Missetat an dem Manne nicht! Aber sie wollten auf seine Rede nicht hören. Als der Mann dies sah, brachte er seine Des Leviten. - Nebenfrau zu ihnen heraus Vieles andere liegt dazwischen, wie dass sie den Leviten töten wollten. - und überließ sie ihrem Mutwillen; sie missbrauchten dieselbe die ganze Nacht und ließen sie erst am Morgen gehen. Vergl. [Hos 9,9]. -
Ein Levit findet den Leichnam einer Frau
Als nun das Dunkel wich, kam das Weib zur Tür des Hauses, in dem ihr Herr übernachtete, und brach daselbst zusammen. Nach dem Hebr. kam das Weib um die Morgenröte und starb, als es hell war. - Da nun der Mann am Morgen aufstand und die Türe aufmachte, um die angefangene Reise zu vollenden: siehe, da lag sein Nebenweib vor der Türe mit ausgestreckten Händen auf der Schwelle.
Der Levit trägt den Leichnam der Frau fort
Er sprach zu ihr, weil er meinte, sie ruhe: Stehe auf, und lass uns fortgehen! Da sie aber nicht antwortete, erkannte er, dass sie tot war; er hob sie auf, lud sie auf seinen Esel und kehrte heim in sein Haus. Dort angekommen, nahm er ein Schwert, zerhieb den Leichnam seines Weibes samt den Gebeinen Richtiger: Den Gebeinen entsprechend, nämlich ohne die Knochen zu brechen. - in zwölf Stücke und sandte sie in alle Gaue Israels umher. Eine ähnliche Tat [1Sam 11,7]. Er musste an alle Stämme senden (also auch an Benjamin, dem zunächst die Rache oblag), weil kein König war. Die zerrissenen Stücke sind eine Drohung. Niemand durfte einen Leichnam berühren, wurden aber nun gar Leichenteile umhergetragen, so musste jeder fragen, was dies bedeute, und in Zorn gegen die Missetäter entflammen. - Da riefen alle, die es sahen: Eine solche Tat ist noch niemals geschehen in Israel von dem Tage an, wo unsere Väter aus Ägypten heraufgezogen sind, bis auf diesen Tag; urteilet und beschließet gemeinsam, was zu tun ist. Hebr.: Nehmet das in acht, beratet euch und beschließt.

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