Richter 20

B. Die übrigen Stämme fordern von Benjamin die Auslieferung der Schuldigen. (V. 13) Da Benjamin sich dessen weigert, wird der Stamm mit Krieg überzogen, infolge dessen er fast gänzlich ausgerottet wird.

Da zogen alle Söhne Israels aus und versammelten sich allzumal, wie ein einziger Mann, Dies erklärt die Vulgata V. 11: einer Gesinnung und eines Entschlusses. - von Dan bis Bersabee, Alle Israeliten diesseits des Jordans. - dazu das Land Galaad, Galaad: das Land jenseits des Jordans. - vor dem Herrn in Maspha. In Benjamin. [Jos 15,38] Dorthin kam der Hohepriester mit Urim und Thummim. - Und alle Fürsten Eigentlich: Stämme. - des Volkes und alle Stämme Israels kamen zur Versammlung des Volkes Gottes zusammen, vierhunderttausend Streitbare zu Fuß. (Den Söhnen Benjamins aber blieb es nicht verborgen, dass die Söhne Israels nach Maspha hinaufgezogen waren.) Aber es machte ihnen keinen Kummer. Die Benjamiten werden hier genannt, weil bald ihre Vorladung zur Verantwortung berichtet wird. - Und Hebr.: Und die Kinder Israel sprachen: Saget an, wie ein solches Verbrechen usw. Die Aufforderung ist an die Ankläger gerichtet, wohl den ganzen Stamm Levi, der wohl auch die Körperteile der Ermordeten umhergesendet. - der Levit, der Mann des ermordeten Weibes, befragt, wie eine so schändliche Tat geschehen wäre, antwortete: Ich kam mit meinem Weibe nach Gabaa im Stamme Benjamin und Hebr.: um zu übernachten. - kehrte dort ein. Da, siehe, umgaben die Leute dieser Stadt des Nachts das Haus, in dem ich weilte, und wollten mich töten und schändeten, rasend vor Lust, auf unglaubliche Weise mein Weib, so dass es zuletzt starb. Die Rede des Leviten ist nur im Auszuge gegeben. - Da nahm ich sie, schnitt sie in Stücke und sandte die Stücke in alle Gaue eures Landes herum, denn Hebr.: denn sie haben eine Schandtat und eine Verruchtheit in Israel getan. Auch V. 7 ist in der Vulgata freier wiedergegeben. - niemals ist eine so große Missetat und eine so furchtbare Verruchtheit in Israel verübt worden. Ihr seid hier alle zugegen, ihr Söhne Israels, so entscheidet, was ihr tun sollt. Da erhob sich das ganze Volk und sprach wie mit einer Stimme: Wir werden nicht in unsere Zelte zurückkehren, und keiner soll in sein Haus gehen, Nämlich bevor wir diesen Frevel gerächt haben. Ehebruch wurde mit dem Tode bestraft, umso mehr, wenn das Weib überwältigt war. Die gleiche Strafe traf die Teilnehmer und die Beschützer vor der Bestrafung. - sondern Dazu. - dies wollen wir gemeinsam Kaum richtig. Besser mit Sept. Chald. Syr.: Werfen wir das Los über die Stadt! Nämlich wer sie angreifen und wer für Lebensmittel sorgen soll. - gegen Gabaa vornehmen: Zehn Männer mögen von je hundert aus allen Stämmen Israels, und hundert aus je tausend, und tausend aus je zehntausend ausgewählt werden, Also 40000 von 400000. - dass sie für das Heer Lebensmittel herbeischaffen, damit wir gegen Gabaa (im Stamme) Benjamin kämpfen und ihm vergelten, was dies für seine Schandtat verdient. Da versammelte sich ganz Israel bei der Stadt, Bei Maspha, nicht bei Gabaa. Entweder fasst man diesen Satz als Abschluss der vorhergehenden Erzählung, dann ist die Zusammenkunft V. 11 die gleiche wie V. 1 und V. 12 – 17 gehen zeitlich dem Verse 11 voraus und sind im Plusquamp. zu übersetzen oder in V. 11 wird die Ausführung des Beschlusses V. 8 erzählt (V. 17), alsdann ist die Tatsache V. 11 mit der V. 19 erzählten gleich oder enthält eine zwischen 1 und 19 liegende Versammlung. - wie ein einziger Mann, einer Gesinnung und eines Entschlusses. Und sie sandten Boten an den ganzen Stamm Benjamin, um zu sagen: Warum ist eine solche Verruchtheit unter euch gefunden worden? Sinn: Was soll es bedeuten, dass eine solche Freveltat unter euch stets ungestraft bleibt? Beseitigt sie auf das schnellste. - Liefert die Hebr.: ruchlosen. - Männer von Gabaa aus, welche diese Schandtat begangen haben, dass sie sterben und das Böse aus Israel weggeschafft werde. Doch sie wollten dem Befehle ihrer Brüder, der Söhne Israels, nicht gehorchen, sondern sammelten sich aus allen [Jos 18,20] wird das Gebiet Benjamins nach den Städten beschrieben. - Städten, welche in ihrem Anteile lagen, in Gabaa, um diesen Hilfe zu bringen und gegen das ganze Volk Israel zu kämpfen. Und es fanden sich fünfundzwanzigtausend von Benjamin ein, welche das Schwert führten, ungerechnet die Bewohner von Gabaa, deren siebenhundert waren, sehr tapfere Männer, die mit der linken wie mit der rechten Hand kämpften und mit ihren Schleudern die Steine so sicher warfen, dass sie auch ein Haar treffen konnten und der Wurf des Steines nie auf die andere Seite abirrte. Übertriebene Redeweise. - Aus Israel fanden sich, ohne die Söhne Benjamins, vierhunderttausend Mann ein, die das Schwert führten und kriegstüchtig waren. Vergl. diese Zahlen mit [4Mos 2,23.32]. Nach dem Hebr.: V. 15 stehen Israel aus Benjamin 26000 Mann entgegen. - Diese machten sich auf und kamen zum Hause Gottes, das ist nach Silo, So Hier. nach dem Rabb. gegen Sept. Chald. Syr., welche an Bethel festhalten. - und befragten Gott Durch den Hohenpriester. - und sprachen: Wer soll in unserm Kriegsheere im Kampfe wider die Söhne Benjamins der Anführer sein? An erster Stelle die Schlacht eröffnen. - Der Herr antwortete ihnen: Juda soll euer Führer sein! Als erster Kämpfer. - Da machten sich die Söhne Israels alsbald des Morgens auf und lagerten sich bei Gabaa. Von da aus rückten dann sie weiter zum Kampfe gegen Benjamin vor und begannen die Stadt anzugreifen. Die Söhne Benjamins aber machten aus Gabaa einen Ausfall und töteten an jenem Tage zweiundzwanzigtausend Mann von den Söhnen Israels. Doch die Söhne Israels fassten wieder Mut wegen ihrer Stärke und Zahl und stellten sich an demselben Orte, wo sie vordem gekämpft, in Schlachtordnung auf. Zuvor aber waren sie hinaufgezogen und hatten vor dem Herrn bis in die Nacht geweint und ihn befragt und gesprochen: Soll ich noch fürder zum Kampfe gegen die Söhne Benjamins, meine Brüder, ziehen oder nicht? Er antwortete ihnen: Ziehet hin gegen sie und beginnet den Kampf! Als nun die Söhne Israels des andern Tages Am Tage des zweiten Kampfes. So heißt der dritte Kampftag dritter Tag (Hebr.) V. 30. - gegen die Söhne Benjamins zum Kampfe auszogen, brachen die Söhne Benjamins aus den Toren von Gabaa hervor, stürzten sich auf sie und richteten unter ihnen ein solches Blutbad an, dass sie achtzehntausend Krieger erschlugen. Warum ließ Gott die Niederlage der Israeliten zu? Gott verheißt V. 23 zuvor den Sieg, aber nicht bei dem ersten Zusammenstoße. Vergl. [1Sam 3,21-4,1]. Eine Strafe aber leiden die Israeliten wegen der Gleichgültigkeit, mit welcher sie Michas Götzendienst ertragen. [Rich 17] enthält die Schuld, [Rich 19] die Strafe. Doch die Schuld erscheint erst im rechten Lichte, wenn man bedenkt, dass die Daniten durch das Gebiet mehrerer Stämme mit ihrem Bilde ziehen, ohne dass man sich ihnen widersetzt, dass sie ihr Heiligtum während der ganzen Zeit der Richter wahren und dass dies jedenfalls nur eines der vielen nicht überlieferten Beispiele ist. Michas Schicksale fallen in die Zeit nach dem Tode Josues, in diese Zeit etwa fällt also auch das Ereignis in Gabaa, während Phinees Hoherpriester ist. Götzendienst und Verunehrung des Götzendienstes sind beide vom Gebirge Ephraim, gleichsam von dem Vorhofe der Stiftshütte her gekommen [Rich 17,1, Rich 19,1], beide durch Leviten. Während [Rich 17] einen Frevel ohne Strafe erzählt, schildert [Rich 19] die Strafe, welche weiter greift als das geschilderte Verbrechen, das aber gleichsam nur ein Zweig am Baume des Bösen war. Alle Stämme sollten daraus lernen. - Deshalb begaben sich alle Söhne Israels zum Hause Gottes; Richtiger: Nach Bethel. - dort saßen sie und weinten vor dem Herrn und fasteten an jenem Tage bis zum Abend Sie saßen, weinten und fasteten bis zum Abend. - und brachten ihm Brandopfer und Friedopfer dar Dieses Mal flehen sie inständiger und demütiger als V. 18, V. 23, obwohl sie auch wohl damals Opfer dargebracht. - und befragten ihn wegen ihrer Lage. Damals Entweder erst jetzt oder schon vorher auch. - war dort die Lade des Bundes Gottes, und Phinees, der Sohn Eleazars, des Sohnes Aarons, Der [2Mos 6,25] erwähnte. - war Vorsteher des Hauses. Sie befragten also den Herrn und sprachen: Sollen wir nochmals zum Kampfe ausziehen gegen die Söhne Benjamins, unsere Brüder, oder abstehen? Der Herr sprach zu ihnen: Ziehet hin; denn morgen werde ich sie in eure Gewalt geben. Jetzt wird der Sieg klar verheißen. - Da nahmen die Söhne Israels eine verdeckte Stellung rings um die Stadt Gabaa ein Alle Streiter, auch das V. 30 genannte Heer. - und rückten zum dritten Male, wie das erste und zweite Mal, gegen Benjamin heran. Aber auch die Söhne Benjamins brachen kühn aus der Stadt hervor und setzten ihren Feinden, die vor ihnen flohen, weit nach, so dass sie ihrer, wie am ersten und zweiten Tage, mehrere verwundeten und niederhieben auf den beiden Wegen, auf denen jene nach Bethel und nach Gabaa flohen, und ungefähr dreißig Mann töteten. Sie meinten nämlich, dass jene, wie sie vorher getan, flohen. Diese aber stellten sich nur so, als flüchteten sie, weil sie den Plan gefasst hatten, sie von der Stadt abzuziehen und durch scheinbare Flucht auf die obengenannten Wege hinzulocken. Frei übersetzt, wie auch das Folgende. - Alle Söhne Israels also brachen von ihren Standorten auf Die Flucht heuchelnd? - und stellten sich in Schlachtordnung an dem Orte, welcher Baalthamar heißt, auf; zugleich fingen die, welche im Hinterhalte in der Umgebung der Stadt aufgestellt waren, an, allmählich hervorzukommen und auf der Westseite der Stadt vorzugehen. Eine Abteilung kommt vom Westen, die andere von Süden gegen Gabaa aus dem Hinterhalt, während die Benjamiten ganz Israel zwischen Gabaa und Bethel aufgestellt glauben, da die scheinbar Fliehenden sich nach Bethel wenden. - Zudem forderten andere zehntausend Mann aus ganz Israel die Bewohner der Stadt zum Kampfe heraus. Im Folgenden wird indes das Schicksal der verfolgenden Benjamiter weiter erzählt, V. 34, V. 35 allgemein, von V. 36 an im Einzelnen. - Und der Kampf wider die Söhne Benjamins ward heißer; aber sie wussten nicht, dass von allen Seiten ihnen das Verderben nahe sei. So schlug der Herr sie angesichts der Söhne Israels, und diese töteten von ihnen an jenem Tage fünfundzwanzigtausend und hundert Mann, lauter kriegstüchtige und kampfgeübte Männer. V. 36, V. 37 Schluss der Erzählung von V. 32. V. 38-41: Einnahme der Stadt durch den Hinterhalt, auf die hin die scheinbar fliehenden Israeliten Halt machen. Die durch die Einnahme ihrer Stadt erschreckten und von den Israeliten bedrängten Benjamiten fliehen und fallen so in den Hinterhalt, der von Osten (von dem Wege der Wüste) her und vom Süden (nach Einnahme der Stadt) kommt, während die vorher fliehenden Israeliten sie von Norden umfassen. - Als aber die Söhne Benjamins sahen, dass sie unterlagen, fingen sie an zu fliehen. Da die Söhne Israels dies sahen, ließen sie ihnen Raum zur Flucht, Die Benjamiten (V. 32) fliehen nach Gabaa zu. Die Israeliten lassen dies zu, um sie auf für jene ungünstigerem Terrain am Fuße des Hügels zu überwältigen. Nach anderen berichtet V. 36 im Hebr. nicht die Flucht der Benjamiten, sondern erst V. 41, vielmehr wiederholte er das V. 31 von der scheinbaren Flucht Gesagte. - damit sie zu dem ihnen nahe bei der Stadt gelegten Hinterhalte kämen. Plötzlich brachen die im Hinterhalte Liegenden hervor, V. 37, V. 38 sind eine Paraphrase, wie auch das ganze übrige Kapitel freier übersetzt ist. - drangen, da Benjamin den Siegern den Rücken kehrte, in die Stadt und schlugen dieselbe mit der Schärfe des Schwertes. Die Söhne Israels aber hatten mit denen, welche sie in den Hinterhalt gelegt hatten, als Zeichen verabredet, dass sie Feuer anlegen sollten, wenn sie die Stadt eingenommen hätten, damit sie durch den emporsteigenden Rauch zu erkennen gäben, dass die Stadt genommen sei. Als nun die Söhne Israels, welche in den Kampf verwickelt waren, sich umsahen (denn die Söhne Benjamins meinten, dass sie flüchteten, und verfolgten sie hitziger und erschlugen von ihrem Heere dreißig Mann), und eine Rauchsäule von der Stadt aufsteigen sahen, blickte auch Benjamin hinter sich und nahm wahr, dass die Stadt eingenommen war und die Flammen emporschlugen. Da wandten sich die, welche sich zuvor gestellt, als ob sie flüchteten, und leisteten tapfern Widerstand. Als dies die Söhne Benjamins sahen, ergriffen sie die Flucht V. 41 Anfang entspricht im Hebr. V. 39. Anfang, und was zwischen beiden liegt, ist eine Paranthese, welche das V. 31, V. 38 gesagte wiederholt. Die 30 getöteten, von denen V. 31 spricht, fielen also hier erst, als die Israeliten aufhörten zu fliehen, im Kampfe, bis die Benjamiten rückwärts blicken, ihre Stadt genommen sehen und die Flucht ergreifen. - und schlugen den Weg zur Wüste ein. Dieser Weg geht von Jericho nach Bethel. [Jos 16,1] - Aber ihre Feinde folgten ihnen auch dahin; überdies zogen die, welche die Stadt verbrannt hatten, ihnen entgegen. Hebr.: Auch die, welche in den Städten wohnten (in die sie sich etwa flüchteten), vernichteten sie. - Und so geschah es, dass sie von den Feinden auf beiden Seiten niedergehauen wurden, und es war des Gemetzels kein Ende. Sie fielen und wurden niedergestreckt auf der östlichen Seite der Stadt Gabaa. Die Zahl derer aber, welche an dieser Stelle getötet wurden, betrug achtzehntausend Mann, lauter tapfere Streiter. Als dies jene sahen, die von Benjamin übriggeblieben waren, flohen sie nach der Wüste zu und kamen bis zu dem Felsen, dessen Namen Remmon Im Gebiete Benjamins. ist. Auch hier irrten sie auf der Flucht umher und schlugen verschiedene Wege ein, und es wurden ihrer fünftausend Mann getötet. Und als sie noch weiter flohen, setzten jene ihnen nach und töteten noch andere zweitausend. So geschah es, dass die Gesamtzahl derer, welche von Benjamin an verschiedenen Orten gefallen waren, fünfundzwanzigtausend Mann betrug, alle kampfestüchtige Krieger. Und es blieben von der ganzen Zahl Benjamins solche, die in die Wüste fliehen und entkommen konnten, sechshundert Mann übrig; diese blieben vier Monate auf der Felsenhöhe von Remmon. Die Söhne Israels aber kehrten zurück und erschlugen alles, was in der Stadt übrig war, Menschen und Vieh mit dem Schwerte, und alle Städte und Flecken Benjamins vernichtete verzehrendes Feuer.

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