Richter 6

II. Befreiung von dem Joch der Madianiter durch Gedeon. Trauriges Ende Abimelechs, der sich selbst zum Herrscher gemacht. (6,1 – 10,5) 1. Befreiung von dem Joche der Madianiter durch Gedeon. (6,1 – 8,28) A. Wegen neuer Versündigungen werden die Israeliten sieben Jahre von den Madianitern bedrückt. (V. 6) Da sie zu Gott rufen, hielt ein Prophet ihnen ihren beständigen Undank vor. (V. 10) B. Dennoch beruft Gott Gedeon durch einen Engel, die Israeliten von Madian zu befreien (V. 16) und versichert ihn durch verschiedene Zeichen der göttlichen Hilfe. (V. 17-24, 25, 32, 33-40)

Als aber die Söhne Israels taten, was in den Augen des Herrn böse war, Gedeons Geschichte enthält viel, was der Verfasser nur von ihm selbst wissen konnte, wie die Genauigkeit und Lebhaftigkeit der Erzählung zeigt. Er war ihm also gleichzeitig. - gab er sie in die Hand Madians Die Madianiter waren die Hauptfeinde. Diese stammte durch Ketura von Abraham. Sie trieben zwischen Palästina und Ägypten Handel. Auch Ismaeliten genannt, wohnten sie am Berge Horeb und waren Verbündete der Moabiter. - sieben Jahre, und sie wurden von diesen hart bedrückt. Da machten sie sich Höhlen und Klüfte in den Bergen und feste Plätze, um Widerstand zu leisten. Und so oft Israel gesät hatte, zogen die Madianiter und Amalekiter und andere Völker aus dem Osten Die Araber. Die Amalekiter wohnten südlich vom heiligen Lande bis nach Ägypten und der Halbinsel Sinai hin, doch auch innerhalb des Landes. [Rich 12,15] - herbei, und schlugen ihr Lager bei ihnen auf und vernichteten alles, was grün war, Nicht die Ernte. (V. 11) - bis nach Gaza hin; auch ließen sie keinerlei Lebensmittel in Israel übrig, weder Schafe, noch Rinder, noch Esel. Denn sie zogen mit all ihrem Vieh und ihren Zelten heran und erfüllten alles wie Heuschrecken, Der Zahl und Wirkung nach. - eine unzählbare Menge von Menschen und Kamelen und verheerten alles, was sie berührten. So ward Israel sehr vor Madian erniedrigt. Geschwächt. - Da rief es zu dem Herrn und flehte um Hilfe gegen die Madianiter. Und er sandte einen Propheten Bevor der Herr half, ließ er durch einen Propheten dem Volke seine Sünden vorhalten, damit es Gottes Züchtigung erkannte und durch die Erinnerung an die früheren göttlichen Gnadenwunder sich zu aufrichtiger Buße und Umkehr bestimmen ließe. - zu ihnen, welcher sprach: So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe euch aus Ägypten hergebracht und euch aus dem Hause der Knechtschaft geführt und aus der Hand der Ägypter und aller Feinde errettet, die euch bedrückten; und ich habe sie vor euch vertrieben bei eurem Einzuge und euch ihr Land gegeben. Und ich sprach: Ich bin der Herr, euer Gott, verehret die Götter der Amorrhiter nicht, in deren Land ihr wohnt. Da die Amorrhiter Chananiter waren, hatten sie dieselben Götter wie Chanaan. - Aber ihr habt nicht auf meine Stimme hören wollen. Da kam der Engel des Herrn und setzte sich unter die Eiche Wohl Terebinthe. - in Ephra, welche Joas, dem Vater der Familie Ezri, gehörte. Und während Gedeon, sein Sohn, das Getreide in der Kelter ausklopfte und reinigte, Nur Arme klopften das wenige Getreide, das sie aufgelesen hatten, mit dem Stocke aus. [Rut 2,17] Gedeon tat dies aus Not in einer ausgemauerten Vertiefung oder einem ausgehauenen Felsen. - um es vor den Madianitern zu retten, erschien ihm der Engel des Herrn Die Berufung Gedeons erfolgte in zwei Offenbarungen Gottes. Zuerst erscheint ihm der Herr in jener Gestalt eines Engels, in welcher er sich einst den Patriarchen kundgetan (V. 11-24) und bekennt sich zu Gedeon. Alsdann befiehlt er ihm in einer nächtlichen Traumoffenbarung, den Baalsaltar seines Vaters zu zerstören und Jahve ein Brandopfer auf einem dazu erbauten Altare darzubringen. (V. 25-32), damit sich Gedeon seinerseits zu ihm bekenne. - und sprach: Der Herr sei mit dir, du tapferer Held! Gedeon sprach zu ihm: Ich bitte, mein Gebieter, Ausdruck der Ehrfurcht. - wenn der Herr mit uns Er fühlt das allgemeine Unglück. - ist, Er glaubt. - warum hat uns dies alles getroffen? Nicht Zweifel, sondern Demut redet so aus ihm. (Theodor) - Wo sind seine Wundertaten, von denen unsere Väter erzählt haben, indem sie sprachen: Aus Ägypten hat uns der Herr herausgeführt? Nun aber hat uns der Herr verlassen und in die Hand der Madianiter gegeben. Da sah der Herr ihn an und sprach: Gehe hin in dieser deiner Kraft, und du wirst Israel aus der Hand Madians befreien; wisse, dass ich dich sende. Er aber antwortete und sprach: Ich bitte dich, Herr! wodurch In der Rede V. 13 hat Gedeon noch nicht erkannt, dass Gott selbst gegenwärtig ist. Jetzt ahnt er, dass Gott mit ihm redet, wie mit Moses am Horeb. [2Mos 3,10.11] Freilich wird er erst V. 22 ganz sicher, dass nicht ein bloßer Bote Gottes zu ihm spricht. - soll ich Israel befreien? Siehe, meine Familie ist die geringste in Manasse und ich bin der Geringste im Hause meines Vaters. Der Herr sprach zu ihm: Ich werde mit dir sein und du wirst Madian schlagen wie einen einzigen Mann. Er antwortete ihm: Habe ich Gnade vor dir gefunden, so gib mir ein Zeichen, Mit der Sept. ist wohl zu lesen: Habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden und gewährst du mir ein Zeichen usw. so weiche nicht… - dass du es bist, der zu mir redet. Gehe doch nicht von hinnen, bis ich zu dir zurückkomme und ein Opfer Besser mit Geld. Spr. eine Gabe oder Speise. Gedeon will den Engel so ehren, wie er wusste, dass die Patriarchen einst die Engel geehrt. - hole und dir darbringe. Er antwortete: Ich werde deine Ankunft erwarten. Da ging Gedeon hinein und bereitete ein Böcklein und ungesäuerte Brote aus einem Maße Das Maß, ein Epha, enthielt 39,31 Liter. Er machte ungesäuertes Brot, weil dies wenige Zeit erforderte. 1/10 Epha reichte in der Wüste für den einzelnen. [2Mos 16] Die Fülle ist bei den Hebräern eine Ehrenbezeigung für den Gast. - Mehl und legte das Fleisch in einen Korb Sonst wurden Brote in einen Korb gelegt. Er hatte wohl kein anderes Gefäß zur Hand. - und goss die Fleischbrühe in einen Topf und trug alles unter die Eiche und brachte es ihm dar. Der Engel des Herrn aber sprach zu ihm: Nimm das Fleisch und die ungesäuerten Brote, und lege es auf jenen Felsen und gieße die Brühe darüber. Dies musste die Größe des Wunders mehren. [1Koe 18] - Als er dies getan hatte, streckte der Engel des Herrn den Stab, den er in der Hand hielt, Wie ein Wanderer. So war auch einst der Stab Moses wundertätig. - aus und berührte mit dessen Spitze das Fleisch und die ungesäuerten Brote; Der Engel weiht die Speise zum Opfer. - da fuhr Feuer aus dem Felsen hervor und verzehrte das Fleisch und die ungesäuerten Brote; der Engel des Herrn aber verschwand aus seinen Augen. Vielleicht (wie [Rich 13,20]) indem er die V. 23 angeführten Worte spricht. - Als nun Gedeon sah, dass es der Engel des Herrn war, Jetzt erkennt Gedeon, dass er kein Mensch war. Die Juden meinten, dass, wer einen Engel sehe, sterben müsse [Rich 13,21, 1Mos 32,30, 1Mos 16,14]. Bei Abraham hatte Gott die Bewirtung angenommen, weil er den Gnadenbund durch seinen Besuch versiegeln wollte; Gedeon hingegen wollte er nur die Wahrheit seiner Verheißung zeigen, dass Gott mit ihm sein und seinem Volke Rettung schaffen werde. Dass der Herr aber das Opfer selbst durch Feuer wunderbar verzehren lässt, weist darauf hin, dass der Herr auch jetzt noch die Gebete und Opfer Israels gnädig erhören werde, wenn sich das Volk wieder von ganzem Herzen zu ihm wende. - sprach er: Wehe, mein Herr und Gott! ich habe den Engel des Herrn von Angesicht zu Angesicht gesehen! Der ich doch ein sündiger Mensch bin! - Der Herr sprach zu ihm: Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht; du wirst nicht sterben. Darauf baute Gedeon dem Herrn daselbst einen Altar und nannte ihn Friede des Herrn, Dies entsprach der Sitte der Patriarchen. Auch jenen Stätten, von denen dies nicht berichtet wird, wie [2Mos 17,15] und [1Mos 35,7] gaben sie wohl Namen. - bis auf den heutigen Tag. Dieser Altar ist bis auf den heutigen Tag in Ephra. So ist besser zu verbinden: Ein anderer ist der V. 26 genannte, der erstere ward erst errichtet, als der Friede eingetreten war. [Rich 8,28] Samuel erwähnt denselben schon hier, weil es allgemein seine Gewohnheit ist, die Denkmäler, Sprichwörter usw., welche sich an ein Ereignis knüpfen, beizufügen. - Als er nun noch in Ephra war, welches der Familie Ezri gehört, sprach der Herr in jener Nacht Wohl in der folgenden Nacht, also im Traum. - zu ihm: Nimm einen Stier von deinem Vater und einen andern Stier von sieben Jahren In V. 26, 28 ist nur von einem Stier die Rede, also auch hier. Es ist wohl der zweite dem Alter nach. Das Alter von sieben Jahren steht wohl in Beziehung auf die siebenjährige Unterdrückung durch Madian. - und zerstöre den Altar Baals, der deinem Vater gehört und haue den Hain Vielleicht ein einzelner Baum. Der Baalsaltar war ein öffentlicher, wie V. 28 zeigt, wenn er auch auf dem Eigentume des Joas lag. - um, der rings um den Altar steht; und baue dem Herrn, deinem Gott, einen Altar auf dem Gipfel dieses Felsens, auf dem du zuvor das Opfer niedergelegt hast; und nimm den andern Stier und bringe ihn als Brandopfer auf einem Holzstoße dar, welchen du aus dem Haine fällest. Da nahm Gedeon zehn Männer von seinen Knechten und tat, wie ihm der Herr geboten hatte. Weil er sich aber vor dem Hause seines Vaters und den Leuten der Stadt fürchtete, wollte er es nicht bei Tage tun, sondern vollbrachte alles bei der Nacht. Als nun die Leute der Stadt am Morgen aufstanden, sahen sie den Altar Baals niedergerissen, den Hain umgehauen und den zweiten Stier auf den Altar gelegt, der damals erbaut worden war. Und das Feuer wohl schon angezündet. - Da sprachen sie zueinander: Wer hat dies getan? Und als sie nach dem Urheber der Tat forschten, sagte man: Gedeon, der Sohn Joas, hat dies alles getan. Da sprachen sie zu Joas: Führe deinen Sohn herbei, An den Ort des Gerichtes. Joas richtete wohl. - dass er sterbe; denn er hat den Altar Baals zerstört und den Hain umgehauen. Jener antwortete ihnen: Seid ihr etwa die Rächer des Baal, dass ihr für ihn kämpfen wollt? Was geht Baal die Israeliten an? Joas beginnt bereits sich zu bekehren. - Wer wider Baal ist, möge sterben, noch ehe der morgige Tag kommt; Baal zeige alsbald deine Macht. Hebr.: Wer für Baal ist. - ist er Gott, so räche er sich an dem, der seinen Altar umgestürzt hat. Von jenem Tage an nannte man den Gedeon Jerobaal, Hebr.: Jerubbaal: Baal rechte, streite, räche sich. Da nun bald dem Volke offenbar ward, dass Baal dem Gedeon kein Leid zufügen konnte, ward Gedeon ein Baalstreiter, einer, der gegen Baal gestritten hat. - weil Joas gesagt hatte: Baal räche sich an dem, der seinen Altar umgestürzt hat. Da Gedeons Familie sich vom Götzendienst losgesagt hat, kann er nun Israel befreien. - Nun sammelten sich alle Madianiter und Amalekiter und die Völker aus dem Osten allzumal und zogen über den Jordan und lagerten im Tale Jezrael. Wo auch Deborra gekämpft. - Der Geist des Herrn aber erfasste Gedeon und er blies in die Posaune und rief das Haus Abiezers zusammen, dass es ihm folge. Und er sandte Boten durch ganz Manasse umher Wohl zu dem Teile des Stammes, der diesseits des Jordans ansässig war. - und dieses folgte ihm gleichfalls und andere Boten zu Aser, Zabulon und Nephthali und auch diese zogen ihm entgegen. Da sprach Gedeon zu Gott: Willst du Israel durch meine Hand retten, wie du gesagt hast, so lege ich Zur Forderung beider Zeichen trieb ihn Gottes Geist. - dieses Wollvlies auf die Tenne: Wenn auf dem Vliese allein Tau und auf dem ganzen Boden Trockenheit ist, so will ich daran erkennen, dass du Israel durch meine Hand befreien willst, wie du gesagt hast. Dieses Zeichen war für andere vielleicht nicht ganz einwandfrei, da Wolle selbst den Tau anzuziehen pflegt, wenn andere Gegenstände trocken bleiben. - Und es geschah also. Als er nachts aufstand und das Vlies ausdrückte, füllte er eine Schale mit Tau. Und er sprach noch einmal zu Gott: Lass deinen Zorn nicht über mich ergrimmen, Gedeons Glaube wird [Hebr 11,32] gelobt. [Rich 6,34] heißt es: dass Gottes Geist ihn erfüllte, also sündigte er nicht durch die wiederholte Bitte. (Orig., Ambros., Beda., Isid.) So glaubte auch Abraham [1Mos 15] und bat doch um ein Zeichen; so Ezechias [2Koe 20]. Und andererseits wird Achaz getadelt, weil er meint, es heiße Gott versuchen, wenn er dessen Befehle gehorchend, ein Zeichen fordert. Gedeon fordert es besonders zur Stärkung seiner Mitstreiter, deren Glauben und Hoffnung zu mehren. Dass sie dessen bedurften, zeigt [Rich 7,2]. Sie sollen erkennen, dass alles von Gott abhängt und nichts an menschlichen Mitteln liegt, und dass sie dies nicht genug erwägen, beweist [Rich 7,1-7]. - wenn ich noch einmal versuche und ein Zeichen an dem Vlies verlange. Ich bitte, lass das Vlies allein trocken und den ganzen Boden mit Tau befeuchtet sein. Da tat Gott in jener Nacht, wie er verlangt hatte; das Vlies allein blieb trocken und Tau bedeckte den ganzen Boden. Warum wählte Gott dies Zeichen und gab es Gedeon ein? Das nächste Ziel war, wie bereits bemerkt, die Stärkung der Zuversicht. Doch Wasser und Tau sind Bilder der göttlichen Gnade. Das von Wasser durchtränkte Vlies, während alles ringsumher trocken ist, bedeutet die göttliche Hilfe, welche der Herr Israel vor allen anderen gewährt. Das zweite Zeichen stellt Israel selbst dar. (Theodor) Einst hatte es reiche Gnaden, wie das Vlies Tau, doch nachher empfängt die ganze Menschheit jene geistliche Gnade, deren Israel beraubt ward. Da nun Gottes Gnade sich besonders in der Menschwerdung offenbart hat, ist der Tau auch das Bild des göttlichen Wortes (Ambros.), das Vlies aber ist das Bild der heiligen Jungfrau, welche diesen Himmelstau auf das vollkommenste in sich aufnahm. (Chrysost.)

Zitiert in 23