Richter 8

Die Ephraimiten klagen, dass sie zu spät zu Hilfe gerufen seien und werden von Gedeon besänftigt. (V. 3) Die Männer von Sokkoth und Phanuel, welche Gedeons Streitern Brot versagt, werden nach dem Siege gestraft (V. 17) und die Fürsten der Madianiter getötet. (V. 21) E. Gedeon wird von den Israeliten aufgefordert, ihr König zu werden. Er lehnt es ab (V. 23) und wählt sich aus der Beute das Kostbarste, um daraus ein Ephod zu machen, eine Tat, welche ihm und dem Volke zum Verderben wird. F. Ruhe durch 40 Jahre unter Gedeon als Richter. 2. Trauriges Los des Sohnes Gedeons, Abimelech, der sich die Richtergewalt als Erbe anmaßt. (8,29 – 9,57) A. Gedeon hinterlässt 70 Söhne (V. 32); die Israeliten geben sich von neuem dem Götzendienste hin.

Und es sprachen die Männer von Ephraim zu ihm: Was hast du uns da angetan, dass du uns nicht gerufen hast, als du in den Kampf gegen Madian zogst? Und sie zankten heftig und wurden fast gewalttätig. Diese Verhandlung fällt zeitlich hinter den Übergang Gedeons über den Jordan. - Er antwortete ihnen: Was konnte ich wohl derartiges tun, wie ihr getan habt? Konnte ich so große Taten vollbringen wie ihr? - Ist nicht ein Rebzweig Ephraims Hebr.: Nachlese. - besser als die ganze Weinlese Abiezers? Die Ephraimiten klagten leicht. Vergl. [Rich 12,1]. Die Verfolgung und Gefangennahme der Fürsten übertrifft meinen Sieg. - In eure Hand hat der Herr die Fürsten von Madian, Oreb und Zeb, gegeben; was konnte ich derartiges tun, wie ihr getan habt? Als er so redete, besänftigte sich ihr Zorn, der sie gegen ihn erfüllte. Als nun Gedeon an den Jordan kam, zog er mit den dreihundert Mann, die bei ihm waren, hinüber; und vor Erschöpfung vermochten sie die Fliehenden nicht zu verfolgen. Da sprach er zu den Männern von Sokkoth: Sokkoth lag, wie es scheint, auf der entgegengesetzten Seite des Jordans, Sichem gegenüber. - Gebet, ich bitte, dem Volke, das bei mir ist, Brot, denn sie sind sehr ermattet; damit wir Zebee und Salmana, die Könige von Madian, verfolgen können. Die Fürsten von Sokkoth aber antworteten: Sind die Hände Zebees und Salmanas denn schon in deiner Hand, dass du von uns forderst, wir sollen deinem Heer Brot geben? Sie fürchten sich vor den fliehenden Feinden, dass sie Gedeon verspotten. Dieser Mangel an Glaube war an den Bewohnern von Sokkoth und Phanuel umso trauriger, als diese Orte an den Patriarchen Jakob erinnerten. [1Mos 32,32] - Er sprach zu ihnen: Wohlan, So mag Gott richten. Gedeon war durch den nächtlichen Sieg genugsam als Streiter Gottes erwiesen; also hatte jeder Israelit die Pflicht, ihm zu helfen, und er das Recht, eine Weigerung zu bestrafen. - wenn der Herr Zebee und Salmana in meine Hände gibt, werde ich euer Fleisch mit den Dornen und Disteln der Wüste zergeißeln. Zerschlagen lassen. Nach anderen: durch Wagen mit spitzigen Steinen oder Eisenschienen zermalmen. - Von da zog er weiter nach Phanuel hinauf und redete zu den Männern dieses Ortes in gleicher Weise. Aber auch sie antworteten ihm, wie die Männer von Sokkoth geantwortet hatten. Da sprach er auch zu ihnen: Wenn ich in Frieden als Sieger zurückkomme, so werde ich diesen Turm Den zu ihrer Verteidigung erbauten Turm, in dem sie auch vor Gedeon sicher zu sein hoffen. - zerstören. Zebee und Salmana aber rasteten mit ihrem ganzen Heere; denn fünfzehntausend Mann waren von allen Scharen der Völker aus dem Osten übriggeblieben, hundertzwanzigtausend Krieger hingegen, die das Schwert führten, waren erschlagen worden. Da zog Gedeon auf dem Wege der Zeltbewohner Dem Wege, der zu den Nomaden führt. - heran, östlich von Nobe und Jegbaa und schlug das Lager der Feinde, die sich sicher wähnten und nichts Widriges ahnten. Es war wohl wieder ein nächtlicher Überfall, wie V. 13 zeigt. - Und Zebee und Salmana flohen; doch Gedeon verfolgte sie und nahm sie gefangen und brachte ihr ganzes Heer in Verwirrung. Als er nun aus dem Kampfe zurückkam, noch vor Aufgang der Sonne, ergriff er einen Jüngling von den Leuten zu Sokkoth und fragte ihn nach den Namen der Fürsten und Ältesten zu Sokkoth Die ihn beschimpft. (V. 6) - und schrieb siebenundsiebzig Männer auf. Dann kam er nach Sokkoth und sprach zu ihnen: Sehet da Zebee und Salmana, derenthalben ihr mich verspottet und gesagt habt: Sind denn die Hände Zebee und Salmanas schon in deiner Hand, dass du von uns forderst, wir sollen den Leuten, die müde und matt sind, Brot geben? Der Hohn über Gedeon fiel auf den Herrn zurück, der ihm den Sieg verliehen. - Da nahm er die Ältesten der Stadt und Wüstendornen und Disteln und zergeißelte und zerschlug damit die Männer von Sokkoth. Auch den Turm Phanuel zerstörte er, nachdem er die Bewohner der Stadt erschlagen. Und zu Zebee und Salmana sprach er: Was waren das für Männer, die ihr am Thabor erschlagen habt? Ungerechter- und grausamer Weise, Hierauf stand als Strafe selbst für Israeliten der Tod [1Mos 9,6, 2Sam 14,7], wie viel mehr für Madianiter. - Sie antworteten: Sie waren dir ähnlich, und ein jeder von ihnen wie eines Königs Sohn. Er antwortete ihnen: Es waren meine Brüder, die Söhne meiner Mutter. So wahr der Herr lebt, hättet ihr sie am Leben gelassen, so würde ich euch nicht töten! Sodann sprach er zu Jether, seinem Erstgebornen: Auf, töte sie! Vielleicht war Jether zugegen, als der Mord stattfand. Durch die Tötung jener Könige soll auch ihm Ruhm zu teil werden. - Dieser aber zog das Schwert nicht; denn er fürchtete sich, weil er noch ein Knabe war. Da sprachen Zebee und Salmana: Erhebe du dich und stürze dich auf uns; denn wie das Alter des Menschen, so ist seine Kraft. Und Gedeon erhob sich und tötete Zebee und Salmana; und er nahm die Zieraten und Gehänge, Halbmonde (Sept., Syr.) von Silber und Gold. - mit denen man die Hälse der königlichen Kamele zu zieren pflegt. Hierauf sprachen alle Männer Israels Wohl nur alle Männer der [Rich 6,35] ernannten nördlichen Stämme des Westjordanlandes, die am schwersten von der Bedrückung durch die Madianiter heimgesucht waren. - zu Gedeon: Herrsche über uns, du und dein Sohn und deines Sohnes Sohn; Das Königtum sollte erblich sein, wie diese Stelle zeigt, eine dauernde Institution begründen, oder nach [5Mos 17] allgemein sein. - denn du hast uns aus der Hand Madians befreit. Er aber sprach zu ihnen: Ich werde nicht über euch herrschen und auch mein Sohn soll nicht über euch herrschen, sondern der Herr soll über euch herrschen. Das Königtum sollte etwas Vollkommenes sein. [Rich 2] Die Richter hatten mit den Völkern zu kämpfen, welche durch Gottes Zulassung noch im heiligen Land übrig waren. Vergl. [Rich 2,23]. Gott herrschte durch sie, die er berief, und so lange er nicht die Einsetzung des Königtums bestimmte, hieß einen solchen wählen, sich seiner Herrschaft entziehen. - Und weiter sprach er zu ihnen: Der Versuchung, eine Königskrone auf sein Haupt zu setzen, widerstand Gedeon: einer andern indes, welche in diesem Antrage des Volkes verborgen war, erlag er, der Versuchung, sich die Stellung, zu welcher der Herr ihn berufen und erhoben, für die Zukunft zu sichern. - Eine Bitte stelle ich an euch: Gebet mir die Ohrgehänge von eurer Beute; denn die Ismaeliten Allgemeiner Name für die Nomadenvölker Arabiens, der auch Madian und Amalek einbegreift. - pflegten goldene Ohrgehänge Ringe, die in den Ohren oder der Nase getragen wurden. - zu tragen. Sie antworteten: Sehr gern wollen wir sie geben. Und sie breiteten einen Mantel auf die Erde und warfen die Ohrgehänge von der Beute darauf; und das Gewicht der Ohrgehänge, die er gefordert hatte, betrug tausend und siebenhundert Sekel Etwa 27830 Kilogramm. - Goldes, nicht gerechnet die Zieraten Die Halbmonde. - und die Halsgehänge und das Purpurkleid, welches Das Relativum scheint eher auf alle Schmucksachen zu gehen, so dass diese alle Gedeon zu teil wurden. - die Könige Madians zu tragen pflegten, und ungerechnet die goldenen Halsketten der Kamele. Gedeon ließ daraus ein Ephod Siehe [2Mos 28]. Ein hohepriesterliches Ephod, da es ein Weihegeschenk sein soll. So auch konnte es Gelegenheit werden zum Götzendienste. Was nicht zum Ephod gebraucht ward, wurde zu gottesdienstlichen Dingen verwendet. - machen und stellte es in seiner Stadt Ephra auf. Und ganz Israel trieb damit Ob auch Gedeon dadurch gesündigt hat? Die Rabbinen und Theodoretus verneinen die Frage. In der Tat scheint nach V. 28 diese Ansicht der Wahrheit zu entsprechen, da zu Lebzeiten Gedeons die Ruhe erhalten blieb, er ferner zahlreiche Kinder hatte, den Lohn der Frömmigkeit im A. T., und endlich V. 33 ausdrücklich gesagt wird, die Israeliten seien nach seinem Tode wieder in Götzendienst zurückgefallen. - Abgötterei, und es ward für Gedeon und sein ganzes Haus zum Falle. Die Madianiter aber waren von den Söhnen Israels gebeugt Die Erzählung der Niederlage der Madianiter wird wieder aufgenommen. - und konnten fortan ihr Haupt nicht mehr erheben; sondern das Land hatte vierzig Jahre lang Ruhe, solange Gedeon an der Spitze stand. Jerobaal, der Sohn Joas, ging nun hin Stellte den Krieg ein. - und wohnte in seinem Hause. Als Privatmann, wenn auch mit höherem Ansehen. - Und er hatte siebzig Eine runde Zahl, wie oft. Nach dem Tode der „70“ wird deshalb noch einer als lebend bezeichnet. Diese Zahl scheint bei den Hebräern auch für eine unbestimmte große genommen zu werden. Vergl. [Mt 18,22]. - Söhne, die aus seinen Lenden entsprossen waren; denn er hatte mehrere Frauen. Seine Nebenfrau, [Rich 9,18] als Magd bezeichnet. - die er in Sichem hatte, gebar ihm gleichfalls einen Sohn, namens Abimelech. Königsvater. - Endlich starb Gedeon, der Sohn Joas, in hohem Alter und ward im Grabe Joas, seines Vaters, der aus der Familie Ezri war, zu Ephra begraben. Gedeon wird vor anderen Richtern durch eine besonders genaue Erzählung ausgezeichnet. Seine Taten wie sein Herz und seine Worte sind fürstlich. In ihm prägt sich auch besonders klar der Beruf als Richter aus, da er nicht nur ein tapferer Streiter, sondern auch ein Vernichter der Götzen ist. Doch wie David fiel und Salomon töricht ward, so verfehlte sich Gedeon in seinem Alter, allzu sehr auf seinen Altar bedacht und bemüht, diesen dem göttlich geweihten voranzustellen und durch das Ephod auszuzeichnen. Seine Zeitgenossen waren Gedeons nicht würdig gewesen. Überall herrscht Streit und Neid. Diesseits des Jordans trifft Gedeon Aufrührer, die er kaum besänftigen kann, jenseits wird er von den Städten ausgeschlossen und erhält keine Lebensmittel. Durch die Bestrafung der Schuldigen wurde die Zwietracht eher gemehrt als beseitigt, und der große Sieg bedeckte die Wunde einzig, aber heilte sie nicht. - Nachdem aber Gedeon gestorben war, wandten sich die Söhne Israels ab und trieben Abgötterei mit den Baalen. Und sie schlossen mit Baal einen Bund, dass er ihr Gott sein solle, Der Sinn entspricht dem hebräischen voll. Wie die Israeliten Jahve als wahren Bundesgott hatten, so setzten jene Baal an Stelle des wahren Gottes. und gedachten des Herrn, ihres Gottes, nicht, der sie aus der Hand aller ihrer Feinde ringsum befreit hatte, und erwiesen dem Hause Jerobaal Gedeons keine Liebe für alles Gute, das er Israel getan hatte.

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