Abimelech tötet mit Hilfe der Bewohner von Sichem alle seine Brüder, mit Ausnahme des jüngsten, Joatham (V. 6) und erlangt trotz der Abmahnung Joathams die Herrschaft. [Rich 20,21] B. Doch bald empören sich die Sichemiten gegen Abimelech (V. 29), der die Stadt erobert und zerstört (V. 45) und den Turm von Sichem verbrennt. (V. 49) C. Nicht lange darauf wird Abimelech bei der Belagerung der Stadt Thebes von einem Weibe getötet. So werden Sichem und Abimelech für ihre Freveltaten von Gott gestraft.
1AbimelechAbimelech war ein Richter, doch nicht im Sinne der früheren, sondern ein Tyrann, dessen Geschichte an die seines Vaters angeschlossen wird und die allgemeinen im Buche der Richter nachgewiesenen Wahrheiten bestätigt. Hatte Gedeon auch die Nachfolge in der Richterwürde für seine Söhne abgelehnt, so hatten dieselben dennoch stets ein gewisses Ansehen (vergl. Jairs Nachkommen [Rich 10,4] Abesans [Rich 12,9] Abdons [Rich 12,14]) derart, dass Abimelech die Herrschaft nicht erhoffen konnte, so lange jene lebten. - nämlich, der Sohn Jerobaals, begab sich nach Sichem zu den Brüdern seiner Mutter und redete mit ihnen und mit der ganzen Verwandtschaft des Vaterhauses seiner Mutter und sprach:2 Saget zu allen Männern von Sichem: Was ist besser für euch, dass siebzig Männer, alle Söhne Jerobaals,Dieser Name musste die alten Anhänger des Götzendienstes alsbald gegen sie einnehmen. - über euch herrschen, oder dass ein Mann herrsche? Dazu bedenket auch, dass ich euer Fleisch und Bein bin.3 Als nun die Brüder seiner Mutter alle diese Worte in seinem Namen vor allen Männern von Sichem wiederholten, gewannen sie ihr Herz für Abimelech, indem sie sprachen: Er ist unser Bruder!4 Und sie gaben ihm siebzig PfundSekel, etwa 145 M. Tempelschätze wurden bisweilen zu politischen Zwecken verwendet. Vergl. [1Koe 15,18]. Diese Summe war nur ein Angeld für die Mörder. - Silber aus dem Tempel Baalberiths. Da dingte er sich damit besitzlose und unstäte Leute, die sich ihm anschlossen,Der Tod der Söhne Gedeons
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.5 und kam nach Ephra in das Haus seines Vaters und ermordete seine Brüder, die Söhne Jerobaals, siebzig Männer,Eigentlich 69, da einer entkam. - auf einem Steine;Vielleicht: auf der Stelle. - nur Joatham, der jüngste Sohn Jerobaals, blieb übrig, da er sich versteckt hatte.6 Darauf versammelten sich alle Männer von Sichem und alle Familien der Stadt MelloHebr.: und alle Familien des Mello. Mello ist wohl der Turm von Sichem. (V. 46) - und gingen hin und machten Abimelech zum KönigeEr breitete seine Herrschaft jedenfalls weiter aus, da er Zebul (V. 28) als seinen Vertreter in Sichem zurückließ. Viele wünschten damals die Herrschaft eines Königs [Rich 8,32] und Ephraim freute sich vielleicht, einen der Mutter nach aus ihm entstammenden an der Spitze zu sehen, während die Götzendiener jetzt von Gedeons lästigem Zwange frei sich jenem gern zuwendeten. - bei der Eiche, welche bei Sichem stand.Es ist wohl die gleiche Eiche, die [Jos 24,26ff] und schon [1Mos 35,4] erwähnt wird. Dort war der Tempel des Baal-Berith. -7 Als Joatham hiervon Kunde erhielt, ging er hin und stellte sich auf den Gipfel des Berges Garizim und erhob seine Stimme und rief und sprach: Höret mich, ihr Männer von Sichem, wie auch Gott euch hören möge!8 Die Bäume gingen hin, um einen König über sich zu salben,Der Garizim erhebt sich im Süden von Sichem steil bis zu einer Höhe von 311 Meter, wie der Hebal im Norden 350 Meter hoch ist. Vergl. [5Mos 27,12] und [Jos 8,33ff]. - und sprachen zu dem Ölbaume: Herrsche über uns!9 Er antwortete: Könnte ich etwa meine Fettigkeit aufgeben, die Gott und den Menschen dient,So war also auch Abimelech von den Sichemiten gesalbt. - und sollte kommen, um mich über die Bäume erheben zu lassen?Hebr.: Preisen. Das Öl dient Gott in den Opfern, den Menschen zur Nahrung. -10 Da sprachen die Bäume zu dem Feigenbaume: Komm und nimm die Herrschaft über uns an!11 Er antwortete ihnen: Könnte ich etwa meine Süßigkeit und meine so köstlichen Früchte aufgeben und hingehen, um mich über die übrigen Bäume erheben zu lassen?12 Da sprachen die Bäume zum Weinstocke: Komm und herrsche über uns!13 Er antwortete ihnen: Könnte ich etwa meinen Wein im Stich lassen, welcher Gott und Menschen erfreut, um mich über die übrigen Bäume erheben zu lassen?14 Da sprachen alleDieselben wie in V. 8 und 10. - Bäume zu dem Dornbusche: Komm und herrsche über uns!15 Dieser antwortete ihnen: Wollt ihr mich in WahrheitEr kann es selbst fast nicht glauben. - zu euerm Könige machen, so kommet und ruhet in meinem Schatten; wollt ihr dies aber nicht, so gehe Feuer vom Dornbusche aus und verschlinge die Zedern des Libanon!Öl, Feigen und Wein sind die kostbarsten Früchte des Landes, wogegen der Dornbusch zu nichts taugt als zum Verbrennen. Die Worte: „Suchet Zuflucht in meinem Schatten!“ sind eine Ironie, deren Wahrheit die Sichemiten bald erfahren sollen: Findet ihr bei mir nicht den erwarteten Schutz, so wird Feuer vom leicht Feuer fangenden Dornbusch ausgehen und die Zedern des Libanon, die größten und herrlichsten Bäume, verzehren. -16 Nun also,Damit beginnt der erste Teil des Vordersatzes, den V. 19 aufnimmt und schließt. V. 20 bildet den zweiten Teil des Vordersatzes, während V. 17-19 eine Paranthese ist. - wenn ihr Abimelech mit Recht und ohne Sünde zu eurem Könige gemacht habt und an Jerobaal und seinem ganzen Hause recht gehandelt und ihm seine Wohltaten vergolten habt, der für euch gekämpft17 und sein Leben der Gefahr ausgesetzt hat, um euch aus der Hand Madians zu retten,18 indem ihr euch jetzt gegen das Haus meines Vaters erhoben und seine siebzig Söhne auf einem Steine ermordet,Indem ihr Abimelech Geld gabet, Mörder zu bringen. - und Abimelech, den Sohn seiner Magd, zum Könige über die Bewohner von Sichem gesetzt habt, weil er euer Bruder ist:Wegen der Verwandtschaft haben sie den Sohn der Magd den Söhnen der Frauen, den Dornstrauch den Ölbäumen undankbar vorgezogen. -19 wenn ihr also recht und ohne Sünde an Jerobaal und seinem Hause gehandelt habt, so freuet euch heuteGehört nach Hebr. Syr. und einigen latein. Codd. zu „gehandelt habt“. - Abimelechs und er freue sich euer!20 Habt ihr aber Unrecht getan, so gehe Feuer von ihm aus und verzehre die Einwohner von Sichem und die Stadt Mello; und es gehe Feuer aus von den Männern Sichems und von der Stadt Mello und verzehre Abimelech!Nicht allein von Abimelech wir Feuer ausgehen und die Herren von Sichem mit den Bewohnern Mellos verzehren, sondern auch von ihnen wird Feuer ausgehen und Abimelech treffen. -21 Als er so gesprochen, floh er und begab sich nach Bera und wohnte dort aus Furcht vor seinem Bruder Abimelech.22 Abimelech also herrschteDas hebr. Wort deutet auf die Herrschaft als im Sinne des Erzählers unrechtmäßig hin. Die Sichemiten bleiben bei ihrem Entschlusse. (V. 6) - drei Jahre über Israel.Wohl nur über Ephraim und halb Manasse. -23 Und der Herr sandte einen bösen GeistDen Geist der Zwietracht. - zwischen Abimelech und die Einwohner von Sichem, so dass sie anfingen, ihn zu verwünschen24 und die Mordtat an den siebzig Söhnen Jerobaals und die an ihnen begangene Bluttat auf Abimelech, deren Bruder, und auf die übrigen Fürsten Sichems, die ihm geholfen, zu wälzen.25 Deshalb stellten sie sich gegen ihn auf den Höhen der BergeHebal und Garizim, um die Stadt zu schützen. In das freie Feld wagen sie sich erst nach Gaals Ankunft. - auf; und während sie seiner Ankunft harrten, übten sie Räubereien aus und beraubten die Vorüberziehenden; dies ward Abimelech berichtet.26 Es kam aber Gaal, der Sohn Obeds, mit seinen Brüdern und zog nach Sichem;Dort scheinen schwere Parteiungen gewesen zu sein. Während die meisten Bürger Abimelech feindlich gesinnt waren, hielten es andere, wie Zebul, mit ihm. Die Feinde Abimelechs beriefen Gaal, einen Freibeuter. - bei seiner Ankunft wuchs den Einwohnern Sichems der Mut,27 und sie zogen auf die Äcker hinaus und hielten in den Weinbergen Lese und kelterten die Trauben und hielten Tanz und Sang, zogen in den Tempel ihres Götzen und aßen und tranken und fluchten dabei dem Abimelech.28 Und Gaal, der Sohn Obeds, rief: Wer ist Abimelech, und was ist Sichem,Wie unbedeutend ist Abimelech als Sohn des Feindes Baals, und wie groß und mächtig dagegen Sichem! Dem Zebul, einem Manne, den Abimelech, die Stadt geringschätzend, zu seinem Stellvertreter gemacht hat, stellt er dann die edlen Männer von Sichem gegenüber. - dass wir ihm dienen sollten? Ist er nicht Jerobaals SohnNicht-Sichemit. - und hat Zebul, seinen Diener, über die Männer Emors,Über die berühmten Sichemiten, die einst Hemor zum Fürsten hatten. - des Stammvaters von Sichem, zum Fürsten gesetzt? Warum sollen wir ihm also dienen?29 Gäbe doch jemand dieses Volk unter meine Hand, um Abimelech aus dem Wege zu schaffen.Da er die Bürger Abimelech schmähen hört, offenbart er seinen Ehrgeiz. Die Feinde Abimelechs hatten bis dahin noch keinen Führer. - Da wurde Abimelech gesagt: Ziehe ein starkes Heer zusammen und komm!So redet Gaal im Übermute den abwesenden Abimelech an. -30 DennBesser: aber. - Zebul, als Oberhaupt der Stadt, geriet, als er die Rede Gaals, des Sohnes Obeds, hörte, in gewaltigen ZornEr wollte selbst gern an Stelle des Abimelech die Herrschaft über Sichem erlangen. -31 und sandte heimlichBesser: mit List. Diese richtet sich in erster Linie gegen Abimelech, um diesen durch den Kampf mit Gaal zu schwächen und alsdann gegen ihn die Stadt halten zu können. Doch es kam anders als er hoffte. - Boten an Abimelech und ließ ihm sagen: Siehe, Gaal, der Sohn Obeds, ist mit seinen Brüdern nach Sichem gekommen und reizt die Stadt wider dich auf.32 Mache dich also bei der Nacht mit dem Volke, das bei dir ist, auf und halte dich im Felde verborgen;33 am frühen Morgen aber bei Sonnenaufgang überfalle die Stadt. Wenn er dann mit seinem Heere gegen dich ausfällt, so tue ihm, was du kannst.34 Da machte sich Abimelech des Nachts mit seinem ganzen Heere auf und stellte sich bei Sichem an vier Orten auf.In vier Abteilungen. -35 Als nun Gaal, der Sohn Obeds, herauszog und am Tore der Stadt stehenUm zu sehen, ob alles in Ordnung sei. - blieb, brach Abimelech und sein ganzesGanzes zu streichen. Nur eine Abteilung bricht mit ihm auf, damit Gaal, durch die geringe Zahl getäuscht, den Kampf wage. - Heer mit ihm aus seiner verdeckten Stellung hervor.36 Da sah Gaal das Heer und sprach zu Zebul: Siehe, da kommt eine Menschenmenge von den Bergen herab!Zebul hatte also die sonst dort befindliche Besatzung zurückgezogen. - Dieser antwortete ihm: Die Schatten der Berge siehst du für Menschen an; und so irrst du dich und wirst getäuscht.37 Gaal sprach wiederum: Siehe, da kommt eine Schar vom höchsten Punkte des Landes herab, und ein anderer Heerhaufe kommt auf dem Wege, der zurZur Eiche Meonenim, zur Zaubereiche. - Eiche führt.38 Da sprach Zebul zu ihm: Wo ist nun dein Maul, mit dem du sprachest: Wer ist Abimelech, dass wir ihm dienen sollten? Ist dies nicht das Volk, das du verachtetest? Ziehe nun aus und kämpfe mit ihm!Er stachelt unter dem Scheine der Freundschaft die Eitelkeit Gaals auf. -39 Da zog Gaal hinaus, während das Volk von Sichem zuschaute,Oder: vor dem Volke her. - und kämpfte gegen Abimelech;40 doch er musste fliehen, und Abimelech setzte ihm nach und drängte ihn in die Stadt zurück,Drängte… Zusatz der Vulgata. Vielleicht wurde er bis zur Stadt zurückgedrängt. - und es fielen auf seiner Seite sehr viele bis vor das Stadttor.41 Und Abimelech blieb in Ruma; Zebul aber vertrieb Gaal und dessen Genossen aus der Stadt und ließ sie nicht darin wohnen bleiben.42 So ging das Volk am andern Tage auf das Feld hinaus.Zum Kampfe. - Als dies Abimelech gemeldet wurde,43 sammelte er sein Heer und teilte es in drei Haufen und stellte sie auf dem Felde auf. Als er sah, dass das Volk aus der Stadt herauskam, erhob er sich, fiel über sie her44 mit seinem Haufen, griff die Stadt an und schloss sie ein,Hebr.: Abimelech breitete sich mit seiner Schar aus und nahm Stellung am Stadttor, um den Sichemiten die Rückkehr abzuschneiden. - während die beiden andern Haufen das Feld durchstreiften und die Feinde verfolgten.45 Und Abimelech bestürmte die Stadt jenen ganzen Tag lang, alsdann nahm er sie ein, tötete ihre Einwohner und zerstörte die Stadt, so dass er Salz darauf streute.Diese symbolische Handlung soll die zukünftige ewige Unfruchtbarkeit des Landes versinnbildlichen (Vergl. [Zeph 2,9].) und den Wunsch andeuten, die zerstörte Stadt möge nie wieder aufblühen. Ob auch das Salz an das Bündnis erinnern sollte, welches Abimelech mit der Stadt geschlossen und das sie gebrochen? -46 Als dies die Leute, welche in der Burg von Sichem wohnten, hörten, begaben sie sich in den Tempel ihres Gottes Berith,Die folgende Satzhälfte ist von der Vulgata frei beigefügt. Nicht glücklich, insofern es sich nicht um eine Befestigung, sondern um ein Heiligtum handelt. - wo sie ihren Bund mit ihm geschlossen hatten, und von welchem der Ort, der sehr fest war, seinen Namen erhalten hatte.47 Da Abimelech vernahm, dass die Männer von Sichem sich in der Burg zusammengeschart hatten,48 zog er mit seinem gesamten Volke auf den Berg Selmon; ergriff ein Beil, hieb einen Baumast ab, hob ihn auf, legte ihn auf seine Schulter und sprach zu seinen Genossen: Was ihr mich tun sehet, das tuet eilig auch!49 Da hieben sie wetteifernd Äste von den Bäumen und folgten ihrem Führer. Und sie lagerten sich um die Feste und zündeten sie an;Wörtlich: Und sie legten es auf das Gewölbe und steckten dies über ihnen in Brand. - und so geschah es, dass durch das Feuer und den Rauch tausend Menschen von den Bewohnern der Burg zu Sichem getötet wurden, Männer wie Frauen.50 Von da zog Abimelech weiter und kam zu der Stadt Thebes,Vier Stunden von Sichem auf dem Wege nach Bethsan. - welche er einschloss und mit seinem Heere belagerte.51 Nun war mitten in der Stadt ein hoherHebr.: starker. - Turm; dorthin waren Männer und Frauen und alle AngesehenenBesser: Einwohner. - der Stadt geflüchtet und hatten das Tor fest verschlossen und standen auf dem Dache des TurmesDas Folgende ist Ergänzung der Vulgata. - hinter der Brustwehr.52 Da rückte Abimelech bis an den Turm heran und kämpfte tapfer; als er aber an das Tor herantrat und Feuer daran zu legen suchte,53 siehe, da warf eine Frau ein Stück von einem Mühlstein herunterBesser: von einem oberen Mühlstein, dem Läufer. und traf damit Abimelechs Haupt und zerschmetterte ihm die Hirnschale.Der Tod Abimelechs
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.54 Da rief er eilends seinem Waffenträger und sprach zu ihm: Ziehe dein Schwert und töte mich, damit man nicht etwa sage, ich sei von einem Weibe getötet worden! Dieser tat, wie ihm befohlen war, und tötete ihn.55 Als er nun tot war, kehrten alle Israeliten, die bei ihm waren, in ihre Heimat zurück.56 So vergalt Gott das Böse, das Abimelech an seinem Vater begangen, indem er seine siebzig Brüder tötete.57 Und auch den Sichemiten wurde vergolten, was sie getan, und der Fluch Joathams, des Sohnes Jerobaals, kam über sie.