Klagelieder
Einleitungen zu den Büchern
Einleitung
Wie man Verstorbenen eine Totenklage nachsandte, vergl. [2Sam 1,17ff] und [2Sam 3,33; 2Chr 35,24.25], so stimmt der Verfasser der Klagelieder eine Klage in fünf Gesängen über den Fall Jerusalems und des Tempels durch die Chaldäer an. Möchten doch alle, die der Feind am Leben gelassen, erkennen, dass Gottes strafende Hand sie getroffen, und Priester, falsche Propheten und Volk umkehren von ihren bösen Wegen! Der erste Klagegesang betrauert die Stadt Jerusalem, die freilich die Strafe für ihre Sünden erlitten hat [Klagel 1,5.8.14], aber nicht aller Hoffnung beraubt ist. [Klagel 1,9.20] und [Klagel 1,22] Der zweite Klagegesang weist auf Gott als Urheber des schweren Unglückes hin und bietet eine genaue Aufzählung aller Heimsuchungen. Falsche Propheten haben das Unglück Sions herbeigeführt [Klagel 2,14], so sollen jetzt alle sich zu Gott wenden mit Tränen und Flehen. [Klagel 2,18ff] Der dritte Klagegesang stellt in ergreifender Weise noch einmal das Unglück wie den Schmerz des Sehers vor Augen und mahnt zur Hoffnung auf Gott. [Klagel 3,19ff] Nach Aufzählung der Unbilden schildert der Seher im vierten Klagegesange die Schuld des Volkes [Klagel 4,6] und die Sünden der falschen Propheten und Priester [Klagel 4,3], wie das falsche Vertrauen auf die Menschen. Wie der Herr anzuflehen, die Schuld anzuerkennen und auf Gott allein die Hoffnung zu setzen ist, lehrt der fünfte Klagegesang. – Die Klagelieder sind gleichsam ein Vorbild heiliger Trauer und Buße, deshalb bedient sich die Kirche derselben in der Karwoche, ihren Schmerz und ihre Trauer auszudrücken über das furchtbare Strafgericht, das Gott über den Heiligen der Heiligen für die Sünder verhängt. Mit Recht haben alle Erklärer auch die Klagelieder auf die streitende Kirche, deren Bild Jerusalem ist, ja auf die einzelnen Seelen, die jene bilden, angewendet.
Die vier ersten Klagelieder sind in alphabetischer Form kunstvoll geordnet, das fünfte entspricht nur in der Verszahl dem ersten, zweiten und vierten. Der erste und zweite Klagegesang enthält je drei Versteile unter einem Buchstaben des Alphabetes (ausgenommen [Klagel 1,7] und [Klagel 2,19]). Im dritten Klageliede beginnen je drei Verse einer Abteilung mit dem gleichen Buchstaben, im vierten bilden je zwei Verse eine Periode, das fünfte Klagelied weist keine alphabetische Ordnung auf, die einzelnen Verse bestehen aus je zwei Gliedern.
Wenngleich Jeremias in der Heiligen Schrift nicht ausdrücklich als Verfasser der Klagelieder bezeichnet wird, nennt ihn dennoch die Überlieferung, unterstützt durch zahlreiche aus den Klageliedern selbst entnommene Gründe, wohl mit Recht als Verfasser. Als solchen bezeichnet ihn schon die kurze (in die Vulgata übergegangene und anscheinend hebräischen Ursprung verratende) Vorrede.
Die Klagelieder sind kurz nach der Eroberung und Zerstörung der Stadt Jerusalem verfasst.
Prolog
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
Und es geschah, nachdem Israel In Gefangenschaft gebracht worden war und Jerusalem verödet lag, setzte sich Jeremias, der Prophet, nieder und weinte und trauerte in dieser Klage um Jerusalem und sprach, bitteren Herzens, aufseufzend und weherufend: Das Vorwort steht nicht im Hebräischen, Chaldäischen und Syrischen, auch nicht bei Aquilas, Symmachus, Theodotion. Selbst in den lateinischen Ausgaben fand es früher nicht durchgehends Platz, wie es auch in den besten Handschriften fehlt und sicher den heiligen Hieronymus nicht zum Urheber hat. Einige Ausleger verneinen die Kanonizität des Vorwortes.