Leviticus 19

C. Heiligkeit im Verkehre mit Gott und dem Nächsten. (19,1 – 20,27) a. Alle Israeliten sollen heilig sein, wie der Herr selbst heilig ist. (V. 2) Anempfehlung treuer Erfüllung der Pflichten gegen die Eltern und gegen Gott (V. 8) und Einschärfung der Liebe des Nächsten, besonders der Armen. (V. 18) b. Verbot, Verschiedenartiges zu vereinen (V. 19), mit der Magd zu verkehren (V. 22), die ersten an einem jungen Baume wachsenden Früchte zu genießen (V. 25), Aberglauben zu hegen. (V. 31) Vorschriften über die Achtung gegen Greise, die Liebe gegen Ankömmlinge, Gerechtigkeit gegen alle in allem (V. 36) und besondere Anempfehlung einiger Vorschriften.

Der Herr redete zu Moses und sprach: Rede zu der ganzen Gemeinde der Söhne Israels und sage ihnen: Im Folgenden werden verschiedene Vorschriften geboten, wie sie durch das Gebot der Vorfahren geheiligt in aller Munde waren, hier zusammengestellt werden. Manche davon sind bereits im Exodus oder Leviticus erwähnt und werden dem Volke von neuem eingeprägt. - Ihr sollt heilig sein: denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott. Die Heiligkeit Gottes ist das Fundament aller Tugenden. Vergl. [3Mos 11,44]. - Ein jeder hege Ehrfurcht vor seinem Vater und seiner Mutter. Haltet meine Sabbate. Ich bin der Herr, euer Gott. Wiederholung der zwei Gebote des Zweitafelgesetzes, welche nicht negative sind. - Wendet euch nicht den Götzen zu und machet euch keine gegossenen Götter. Ich bin der Herr, euer Gott. Wenn ihr dem Herrn ein Friedopfer schlachtet, dass er euch geneigt sein möge, Wiederholung der Vorschriften über das Friedopfer, in welchem Laien sich leichter verfehlen. - so sollt ihr es an dem Tage essen, an dem es geschlachtet Hebr.: Geopfert. - ward, und am Tage darauf; alles aber, was bis zum dritten Tage übrigbleibt, sollt ihr mit Feuer verbrennen. Diese Frist gilt aber für Gelübde- und freiwillige Opfer. - Wenn jemand nach Verlauf der zwei Tage davon isst, so soll er unrein und eines Frevels schuldig sein. Er soll seine Schuld tragen, weil er das Heilige des Herrn entweiht hat, Die Opferspeise wie eine gewöhnliche Speise genossen hat. - und diese Seele soll ausgetilgt werden aus ihrem Volke. Wenn du die Saaten deines Landes erntest, sollst du sie nicht bis zum Erdboden abschneiden Hebr.: Wenn ihr die Ernte eures Landes einerntet, sollst du den Rand deines Feldes nicht völlig abernten. - und sollst die überbleibenden Ähren nicht auflesen. Auch in deinem Weinberge Der hebräische Ausdruck umfasst auch Ölgärten. - sollst du die abgefallenen Trauben und Beeren nicht aufsammeln, sondern den Armen und Fremden zur Lese überlassen. Vergl. [5Mos 24,20.22]. - Ich bin der Herr, euer Gott. Ihr sollt nicht stehlen. Ihr sollt nicht lügen, und keiner soll seinen Nächsten Dies Wort gehört zu allen drei Verboten. Der Nächste ist zunächst der Volksgenosse. - betrügen. Du sollst bei meinem Namen nicht falsch schwören, und den Namen deines Gottes nicht beflecken. Ich bin der Herr. Du sollst deinem Nächsten Ganz allgemein. - kein Unrecht tun und ihn nicht mit Gewalt unterdrücken. Besonders durch Verlangen von Arbeit über den Lohn hinaus. - Der Lohn des Lohnarbeiters soll bei dir nicht bis zum Morgen bleiben. Du sollst einem Tauben nicht fluchen und einem Blinden nicht einen Anstoß in den Weg legen, sondern den Herrn, deinen Gott, fürchten; Der das Unrecht rächen wird. - denn ich bin der Herr. Du sollst nichts tun, was ungerecht ist, und kein ungerechtes Urteil fällen. Dies gilt für den Richter; die folgenden Verse für Ankläger und zeugen. - Du sollst für einen Armen nicht Partei ergreifen und das Angesicht des Gewaltigen nicht bevorzugen. Du sollst deinem Nächsten gerechtes Gericht sprechen. Du sollst kein Verleumder, noch Ohrenbläser unter dem Volke sein. Hebr.: Du sollst unter deinen Volksgenossen nicht als Verleumder umhergehen. - Du sollst dich wider deines Nächsten Blut Leben. - nicht erheben. Ich bin der Herr. Du sollst deinen Bruder nicht in deinem Herzen hassen, sondern ihn offen zurechtweisen, damit du keine Sünde seinethalben auf dich ladest. Du sollst nicht Rache suchen, noch des Unrechts seitens deiner Mitbürger gedenken. Du sollst deinen Freund Hebr.: Nächsten. - lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr. Haltet meine Satzungen. Dein Vieh sollst du nicht sich begatten lassen mit Tieren anderer Art. Deinen Acker sollst du nicht mit verschiedenartigem Samen besäen. Ein Kleid, das aus zweierlei Fäden gewebt ist, sollst du nicht anziehen. Vergl. [5Mos 22,9-11]. Gott hat die Tiere wie die Pflanzen je nach ihrer Art [1Mos 1] geschaffen, diese in der Natur bestehende Ordnung muss geachtet werden. Solche Achtung diente dazu, vor Sünden zu bewahren, wie die [Roem 1,26ff] genannte. - Wenn ein Mann einem Weibe, welche eine Leibeigene und einem Manne bestimmt, aber noch nicht losgekauft oder freigelassen ist, Vergl. [2Mos 21,7ff]. Es handelt sich um eine Sklavin, die von ihrem Herrn, dessen Weib sie war, verstoßen, aber noch nicht freigelassen ist, und die deshalb noch keine andere Ehe schließen kann. Eine Versündigung mit ihr wird nicht so hart bestraft wie ein Ehebruch. - beiwohnt, und sich mit einer solchen fleischlich vermischt, so sollen beide gezüchtigt werden, Nach der Tradition der Juden erhielt die Frau vierzig Schläge. - aber nicht sterben; denn sie war keine Freie. Und der Mann soll dem Herrn als Schuldopfer einen Widder Hebr.: Zur Buße. - an dem Eingange des Zeltes des Zeugnisses darbringen, aber der Priester soll für ihn und für seine Sünde vor dem Herrn beten, Hebr.: Soll ihm mit dem Schuldopfer-Widder Sühne schaffen. - und so wird dieser ihm wieder gnädig und die Sünde vergeben sein. Wenn ihr in das Land kommt und darin Fruchtbäume pflanzt, so sollt ihr ihre Vorhaut wegnehmen; Wie die Knaben unrein sind, bis die Vorhaut weggenommen wird, so die Früchte der Bäume, bis drei Jahre vergangen sind. - die Früchte nämlich, welche darauf wachsen, sollen euch als unrein gelten, und ihr sollt nicht von denselben essen. Im vierten Jahre aber sollen alle ihre Früchte zum Lobe für den Herrn geweiht werden. Zu Dankfesten, Opferfesten verwendet werden, an denen die Leviten, Armen, Witwen und Waisen Anteil nehmen. - Im fünften Jahre dürft ihr die Früchte essen und den Ertrag einsammeln, den die Bäume tragen. Hebr.: Dürft ihr ihre Frucht essen, nach ihren Ertrag zu vermehren. Die Zweckbestimmung geht auf das ganze Gebot. Der Lohn für die Beobachtung desselben soll das hier Gesagte sein. - Ich bin der Herr, euer Gott! Ihr sollt nichts mit dem Blute essen. Ihr sollt nicht wahrsagen, noch auf Träume achten. Hebr.: Ihr sollt nicht wahrsagen, noch Zauberei treiben. - Ihr sollt euer Haar nicht rundum abschneiden, So dass nur ein Schopf in der Mitte stehen bleibt. Dies taten nach Herodot gewisse arabische Volksstämme zu Ehren ihren Gottes Orotal, den jener bei dem Dionysos der Griechen vergleicht. - noch den Bart abscheren. Den Rand abschneidend. - Und wegen eines Toten sollt ihr keine Einschnitte in euer Fleisch machen, Zwei Verbote widernatürlicher Entstellung des leibes. Das erste bezieht sich auf die Weise der Totentrauer bei orientalischen Völkern, sich Arme Hände und Gesicht zu zerkratzen oder zu ritzen. Das Verbot der Tätowierung, welches an zweiter Stelle gegeben wird, soll die Achtung vor Gottes Schöpfung einprägen. - noch euch Figuren oder Zeichen einritzen. Ich bin der Herr. Gib deine Tochter nicht preis, Manche Heidenvölker hielten dies sogar für verdienstlich. Das Verbot hat besonders die bleibende Prostituierung im Auge. - damit das Land nicht verunreinigt und mit Fluchwürdigem erfüllt werde. Haltet meine Ruhetage und habet Ehrfurcht vor meinem Heiligtum. Die dem Heiligtum gebührende Ehrfurcht wird verletzt durch Verehrung der Götzen [3Mos 20,3], durch physische Unreinheit [3Mos 15,31] und durch Fehlen der rechten Vorbereitung. [3Mos 16,2ff] - Ich bin der Herr. Ihr sollt euch nicht an die Zauberer Hebr.: Totenbeschwörer. Vergl. [1Sam 28,7ff]. - wenden, noch die Wahrsager um etwas befragen, so dass ihr durch sie verunreinigt werdet. Ich bin der Herr, euer Gott. Vor einem grauen Haupte stehe auf, und ehre die Person des Greises, und den Herrn, deinen Gott, fürchte. In dem Greise wird Gott geehrt. - Ich bin der Herr. Wenn ein Fremdling in eurem Lande wohnt und unter euch weilt, so seid nicht hart gegen ihn, sondern er sei wie ein Eingeborner unter euch, und ihr sollt ihn lieben wie euch selbst; denn auch ihr seid Fremdlinge im Lande Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott. Ihr sollt kein Unrecht verüben im Gerichte, mit Messschnur, Gewicht, Maß. Es sei die Waage recht, die Gewichte genau, der Scheffel richtig, das Maß entsprechend. Scheffel: Epha, das gewöhnliche Getreidemaß. (Gegen 39 Liter, nach anderen [3Mos 20,1]). Maß: Hin (für flüssige Sachen), gegen 6,49 Liter. Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus dem Lande Ägypten geführt hat. Haltet alle meine Gebote und alle Satzungen, und tuet sie. Ich bin der Herr.

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