Lukas 13

Ohne Buße ist der Fall Jerusalems nicht abzuwenden. (V. 9) Heilung eines gekrümmten Weibes am Sabbate (V. 17) und Beschreibung des Reiches Gottes (V. 22). 3. Ereignisse nach dem Laubhüttenfeste. (13,23 – 17,10) Die enge Pforte. (30.) Versuch der Pharisäer und des Herodes den Heiland aus Galiläa zu entfernen.

Es waren aber zu derselben Zeit Zur Zeit der vorstehenden Reden. - einige gegenwärtig, die ihm von den Galiläern Nachricht gaben, welche Pilatus eben, da sie opferten, hatte niedermetzeln lassen. Es ist nicht bekannt, wer diese waren. - Und er antwortete, und sprach zu ihnen: Meinet ihr, diese Galiläer seien größere Sünder gewesen als alle andern Galiläer, weil sie solches erlitten haben? Sie urteilen wie die Freunde Jobs [Job 4,7]. - Nein, sage ich euch; sondern Der Heiland nimmt daraus Veranlassung zur Warnung. - wenn ihr nicht Buße tuet, werdet ihr alle auf gleiche Weise Ihr Tod war ein Vorspiel der Zerstörung des Tempels und Jerusalems, ja der ewigen Verdammnis. - umkommen. Oder meinet ihr, dass jene achtzehn, auf welche der Turm in Siloe fiel und die er tötete, schuldiger gewesen seien als alle Bewohner Jerusalems? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tuet, so werdet ihr alle auf gleiche Weise Eine Steigerung gegen V. 3. Wer von euch nicht Buße tut, kommt um, und die Mauern Jerusalems fallen (Bed., Theoph., Euth.). - umkommen. Er sagte aber auch dieses Gleichnis: Jemand hatte einen Feigenbaum, der in seinem Weinberge gepflanzt war. Und er kam, und suchte Früchte an demselben, fand aber keine. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, schon drei Jahre sind es, dass ich komme, und an diesem Feigenbaume Frucht suche, und ich finde keine; haue ihn also um! Was soll er noch den Platz einnehmen? Diese Strafe ist verdient. Vielleicht bedeutet der Baum im Weinberge die Stadt Jerusalem in der Mitte des Gottesreiches Israel. - Er aber antwortete, und sprach zu ihm: Herr! lass ihn auch noch dieses Jahr, bis ich um ihn her aufgegraben, und Dünger eingelegt habe, vielleicht bringt er Frucht; wenn nicht, so magst du ihn auf das kommende Jahr umhauen. Der Herr kommt zum dritten Male, doch seine Nachsicht und Geduld ist umsonst gewesen. Das Wort: auf das kommende Jahr bezieht sich nach dem Griech. auch auf die erste Satzhälfte. Noch wird dem jüdischen Volke Zeit zur Buße gewährt: bis zur Zerstörung der Stadt. Der Gärtner ist nach dem heil. Hieronymus der Schutzengel des jüdischen Volkes, nach Ambros. und Theoph. sind es die Apostel. Die meisten Erklärer sehen in demselben den Heiland. Das Gleichnis lässt sich auf jeden einzelnen Menschen anwenden. - Am Sabbate aber lehrte er in ihrer Synagoge. Siehe, da war ein Weib, das schon achtzehn Jahre einen Geist der Krankheit Nicht natürliche Schwachheit, sondern ein böser Geist ist der Urheber ihrer Unfähigkeit aufwärts zu blicken. - hatte; sie war zusammengekrümmt, und konnte durchaus nicht aufwärts blicken. Da nun Jesus sie sah, rief er sie zu sich, und sprach zu ihr: Weib, du bist von deiner Krankheit befreit! Und er legte ihr die Hände auf, Seine heiligste Menschheit ist mit der Gottheit vereint. – und sie richtete sich sogleich auf, und pries Gott. Da nahm der Synagogen-Vorsteher das Wort, entrüstet, dass Jesus am Sabbate geheilt hatte, und sprach zu dem Volke: Er wagt es nicht, den Heiland zur Rede zu stellen. Er führt [5Mos 5,13] an, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen. – Sechs Tage sind es, an welchen man arbeiten soll; an diesen also kommet, und lasset euch heilen, Das Weib hatte nicht um Heilung gebeten, so treffen also die Worte den Heiland, wie [Joh 9,16]. – aber nicht am Tage des Sabbats! Der Herr aber antwortete, und sprach zu ihm: Ihr Heuchler! Aus V. 17 erhellt, dass mehrere zugegen waren. Was sie aus Hass gegen Christus tun, bedecken sie mit dem Mantel des Eifers. - bindet nicht jeder von euch am Sabbate seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los, und führt ihn zur Tränke? Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan siehe, achtzehn Jahre gebunden hielt, sollte nicht von dieser Fessel gelöset werden am Tage des Sabbats? Jedes einzelne Wort ist mit Nachdruck gesagt. Sie rühmen sich Abrahams: eine Tochter Abrahams wird zwei Tieren gegenübergestellt. Diese zu lösen und zur Tränke zu führen ist eine viel größere Arbeit, als die Hand auflegen und sagen: Du bist geheilt. Wäre die Frau ferner von natürlichen Ursachen, nicht vom Satan gebunden gewesen, so wäre weniger Veranlassung gewesen, sie am Sabbat zu heilen; aber sie von einem solchen Feinde zu befreien, war kein anderer Tag geeigneter als der Gott geweihte. Endlich stehen 18 Jahre gegen wenige Stunden. Die Frau ist das Bild der Menschheit unter der Herrschaft Satans (Euth.), ja eines jeden Sünders (Greg.). - Und als er dieses sagte, schämten sich alle seine Widersacher; das ganze Volk aber freute sich über alle die herrlichen Taten, die durch ihn geschahen. Und er sprach: Wem ist das Reich Gottes gleich, und womit soll ich es vergleichen? Trotz aller Hindernisse wird das Reich Gottes siegen. Die Form der Frage erregt die Aufmerksamkeit. - Es ist gleich einem Senfkörnlein, welches ein Mensch nahm, und in seinen Garten säete. Es wuchs, und ward zu einem großen Baume, und die Vögel des Himmels ruhten auf seinen Zweigen. Vergl. [Ez 17,23]. - Abermals sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist gleich einem Sauerteige, den ein Weib nahm, und unter drei Maß Mehl einmengte, bis das Ganze durchsäuert war. Und er ging durch die Städte und Flecken, und lehrte, und nahm seinen Weg nach Jerusalem. Vielleicht zur Tempelweihe im Dezember. - Einer aber sprach zu ihm: Herr! sind es wenige, die selig werden? Die Frage trägt nicht zum Heile der Hörer bei, deshalb antwortet Christus in anderer Weise auf dieselbe. - Da sprach er zu ihnen: Bemühet euch mit aller Anstrengung durch die enge Pforte Diese Pforte ist [Lk 13,3.5] als Buße gekennzeichnet. So hatte Johannes [Joh 3,8] gelehrt, so auch Christus seine Lehrtätigkeit begonnen [Mt 4,17] und eben dies seinen Jüngern als Gegenstand der Predigt bestimmt [Mk 6,12]. - einzugehen, denn ich sage euch: Viele werden suchen einzugehen, und werden es nicht vermögen. Wenn der Hausvater hineingegangen ist, und die Türe verschlossen hat, dann werdet ihr draußen stehen, und anfangen, an die Türe zu klopfen, und sagen: Herr, tue uns auf! Ähnlich [Mt 25,10]. Diese Zeit ist für den einzelnen der Tod, für die ganze Welt das Gericht. Der Heiland sitzt gleichsam im offenen Himmelssaale und wartet, dass alle eintreten, jedem die notwendige Gnade gewährend (Bed., Theoph., Euth.). - Und er wird antworten, und zu euch sprechen: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Meine Freunde und Hausgenossen seid ihr nicht. - Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und du hast auf unsern Straßen gelehrt. Anwendung auf die Juden. Mit den Pharisäern speisend, hat der Heiland gleichfalls einen Teil des Gleichnisses erfüllt. - Und er wird zu euch sagen: Ich weiß nicht, woher ihr seid; weichet von mir alle ihr Übeltäter! Vergl. [Weish 5,6ff]. - Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reiche Gottes sehet, euch aber hinausgestoßen. Und sie werden kommen von Aufgang und Niedergang, von Mitternacht und Mittag, und zu Tische sitzen im Reiche Gottes. Und siehe, es sind jetzt Letzte, welche die Ersten sein werden, und Erste, welche die Letzten sein werden. Diejenigen, welche ihr als die letzten Sünder angesehen habt, die Heiden. Vergl. [Roem 11]. - An demselben Tage traten einige Pharisäer hinzu, und sprachen zu ihm: Gehe fort, und entferne dich von hier; denn Herodes will dich töten! Sie sind von Herodes gesendet und reden die Wahrheit (Bon.). - Und er sprach zu ihnen: Gehet hin, und saget diesem Fuchse: Dem verschlagenen und boshaften Menschen. Durch den Zulauf der Menschen beunruhigt, droht er dem Heilande, damit dieser sein Gebiet verlasse. Gewalt zu gebrauchen, fürchtet er sich. Der Herr weist auf seine guten Taten hin, die zugleich Beweise seiner Macht sind. Es ist also lächerlich, wenn Herodes droht. - Siehe, ich treibe die bösen Geister aus, und wirke Heilungen heute und morgen, Die bestimmte Zeit: jetzt und später. - und am dritten Tage werde ich vollendet. Durch Tod und Auferstehung. Für Herodes ist dies Wort rätselhaft. - Jedoch heute, morgen und an dem folgenden Tage muss ich noch wandeln; Nicht an einem Ort bleibend. Der Heiland deutet an, dass er das Gebiet des Herodes wieder verlassen wird, indes nicht, weil die Pharisäer es geraten, sondern weil es ihm gut scheint. - denn es mag nicht sein, dass ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme. So deutet er zugleich an, dass er den Tod nicht flieht, sondern ihm entgegen geht. - Jerusalem, Jerusalem! Die Verdoppelung ist eine Kundgebung großer Liebe. Siehe [Mt 23,37]. - die du die Propheten mordest, und steinigest die, welche zu dir gesandt werden, wie oft wollte ich deine Kinder versammeln, wie ein Vogel seine Brut unter die Flügel sammelt, und du hast nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch wüste gelassen werden! Ich sage euch aber: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, da ihr sagen werdet: Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Noch eine Hoffnung bleibt Israel. (Eus., Bed., Bonav.).

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