Lehre vom beharrlichen Gebet. (V. 8) Von der Demut; das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. (V. 17) Von der Armut. (V. 30) Jesus sagt sein Leiden voraus (V. 34) und heilt einen Blinden.
1Er sagte ihnen aber auch ein GleichnisVerhalten und Hilfen in den Verfolgungen. - darüber, dass man allezeitBeständig, mit großem Eifer. Findet das Gebet nicht sofort Erhörung, so dürfen wir den Mut nicht sinken lassen. - beten, und nicht nachlassen müsse,2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete, und keinen Menschen scheute.Viele tun aus Menschenfurcht, was sie aus Rücksicht auf Gott nicht tun, weil sie wenigstens gut scheinen wollen. Dies ist der letzte Grad von Bosheit, wenn jemand nicht einmal gut scheinen will. -3 Und es war eine Witwe in dieser Stadt, diese kam zu ihm, und sagte: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher!4 Und er wollte lange Zeit nicht. Darnach aber sprach er bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte, und keinen Menschen scheue,5 so will ich doch dieser Witwe, weil sie mir beschwerlich fällt, Recht schaffen, damit sie nicht endlich komme, und mich anfalle.Sie ist schon so wütend, dass sie mich tätlich angreifen wird, eine Übertreibung. -6 Der Herr aber sprach: Höret, was der ungerechte Richter sagt!7 Gott aber sollte seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, nicht Recht schaffen,Gott ist gerecht und barmherzig und liebt niemand mehr als die Auserwählten. - und sollte dulden, dass sie unterdrückt werden?Wird er dulden, dass die Seinigen lange Zeit heimgesucht werden? -8 Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Recht schaffen.Anders als jener Richter. Schnell: Was dir lange scheint, ist kurz, denn schnell geht es vorüber im Vergleiche zur Ewigkeit Gottes (Aug.). Die Schnelligkeit bezieht sich nicht auf den Zeitpunkt, den wir wollen, wie schon daraus hervorgeht, dass wir beständig beten und nicht ablassen sollen. - Jedoch wenn der Menschensohn kommt, wird er wohl den Glauben finden auf Erden?Der Sinn der Frage ist verneinend. Vergl. [Mt 24,24] und [2Thes 2,3]. -9 Er sagte auch zu einigen, welche das Selbstvertrauen hatten, dass sie gerecht seien, und die übrigen verachteten,Dies taten die Pharisäer. - dieses Gleichnis:Zum Glauben muss sich die Demut gesellen. –10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten; der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.Der Pharisäer und der Zöllner
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.11 Der Pharisäer stellte sich hin,Mit Selbstvertrauen. – und betete bei sich selbst also: Gott! ich danke dir,Sogar die Danksagung ist Selbstlob. – dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen,Die nicht Pharisäer sind. - wie Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner da.Er sieht ihn beten und bittet Gott nicht um dessen Bekehrung, sondern erinnert ihn, welch ein Sünder der Zöllner ist! -12 Ich faste zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von allem, was ich besitze.Ich tue nichts Böses V. 11, aber viel Gutes, ja, mehr als befohlen ist. Um was bittet er Gott? Schaue seine Worte an, und du wirst nichts finden (Aug.). -13 Der Zöllner aber stand von ferne,Er hält sich für unwürdig, nahe hinzu zu treten. - und wollte nichtWagte nicht. - einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust, und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig!Der Zöllner zeigt in seiner ganzen Haltung Demut, Reue und Ehrfurcht gegen Gott. Mir Sünder; Griech.: dem Sünder, als ob er der größte unter allen oder einzige ist. -14 Ich sage euch:Die Wahrheit redet, Gott spricht, der Richter entscheidet (Aug.). - Dieser ging gerechtfertiget nach Hause, jener nicht; denn ein jeder, der sich selbst erhöhet, wird erniedriget, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden.Nicht jener. (Euth., Theoph., Tert.) Hier enden die Stücke, welche Lukas von [Lk 9,51] an allein bietet. -15 Sie brachten auch Kinder zu ihm, dass er sie berühren möchte.In Peräa. Vergl. [Mt 19,13]. - Da es aber die Jünger sahen, fuhren sie dieselben an.16 Jesus aber rief sie herbei, und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen, und wehret es ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes!Auch in dem Sinne: Sie sind rein von der Erbsünde und haben Gottes Gnade in sich, sind in der rechten Verfassung, das messianische Heil zu empfangen. -17 Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind,Zur Einfalt eines solchen zurückkehrend. - wird in dasselbe nicht eingehen!18 Und es fragte ihn ein Vorsteher, und sprach: Guter Meister! was soll ich tun, um das ewige Leben zu ererben?Er fragt aufrichtig. -19 Jesus aber sprach zu ihm: Warum nennest du mich gut? Niemand ist gut, als Gott allein.So halte mich denn nicht für einen bloßen Menschen (Cyr., Ambr., Bonav.). -20 Die Gebote kennst du: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben; ehre deinen Vater und deine Mutter!Beispiele für die allgemeine Regel: Meide das Böse und tue das Gute. -21 Er sprach: Das alles habe ich von meiner Jugend an beobachtet.22 Als Jesus dies hörte, sprach er zu ihm: Noch eines mangelt dir; verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir.Als mein Jünger, frei von allen irdischen Besitze und Sorgen. -23 Als jener dies hörte, ward er betrübt; denn er war sehr reich.24 Da nun Jesus sah, dass er traurig geworden, sprach er: Wie schwer werden die, welche Geld haben, in das Reich Gottes eingehen!25 Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurch gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe.Ein Beispiel hierfür war der Reiche im Gleichnisse [Lk 16]. -26 Da sprachen die, welche es hörten: Und wer kann selig werden?27 Er aber sprach zu ihnen: Was unmöglich ist bei den Menschen, das ist möglich bei Gott.28 Da sagte Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen, und sind dir nachgefolgt.Lohn der Armut. -29 Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, niemand ist, der Haus, oder Eltern, oder Brüder, oder Weib, oder Kinder um des Reiches Gottes willenUm vollkommen zu werden. - verlassen hat,30 und nicht viel mehr dafür erhielte in dieser Zeit, und in der zukünftigen Welt das ewige Leben!31 Jesus aber nahm die Zwölf zu sich, und sprach zu ihnen:Den Aposteln, nicht allen Jüngern will er sein Leben vorherverkünden. Der Heiland weist auf die Prophezeiungen hin, vergl. [Lk 24,27.44], um zu zeigen, dass Gottes Weisheit alles vorhergesehen und angeordnet hat. - Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was durch die Propheten über den Menschensohn geschrieben worden ist!32 Denn er wird den Heiden überliefert werden, und wird verspottet, gegeißelt und angespien werden;33 und nachdem sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen.34 Sie aber verstanden nichts von diesen Dingen; es war diese Rede vor ihnen verborgen, und sie begriffen nicht, was damit gesagt ward.Die Jünger lieben den Heiland, sie wissen, dass er der Messias ist, sie erwarten seine Herrlichkeit; so verstehen sie nicht, was diese Rede soll. -35 Und es geschah, als er sich JerichoÜber die Stadt siehe [Mk 10,46]. - näherte, saß ein Blinder an dem Wege, und bettelte.36 Und da er das Volk vorbeiziehen hörte, fragte er, was dies wäre.37 Sie aber sagten ihm, dass Jesus von Nazareth vorübergehe.38 Da rief er, und sprach: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!Er hört: von Nazareth, aber ruft: Sohn Davids, Messias! -39 Und die vorangingen, fuhren ihn an, dass er schweigen solle. Er aber schrie noch viel mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner!40 Da blieb Jesus stehen, und befahl, ihnDen andere verachteten und schalten, ehrt Jesus, indem er stehen bleibt und ihn freundlich herbeiruft. - zu sich zu führen. Und als er sich genähert hatte, fragte er ihn,41 und sprach: Was willst du, dass ich dir tue? Er aber sprach: Herr! dass ich sehend werde.42 Jesus sprach zu ihm: Sei sehend!Mit einem Worte zeigt Jesus seine Macht und belohnt den Glauben des Blinden, der ihn als Messias begrüßt und ein Wunder erwartet hat. - Dein Glaube hat dir geholfen!43 Und sogleich ward er sehend, und folgte ihm, Gott preisend. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.Aber bald murren sie wieder: [Lk 19,8]; so groß ist die Macht der Vorurteile.