Lukas 19

Zachäus. (V. 10) Gleichnis von den zehn Pfunden. (V. 27) IV. 19,28-24. 1. Ereignisse vom ersten Tage der letzten Woche bis zum fünften. (19,28 – 22,38) Jesus hält seinen feierlichen Einzug in Jerusalem.

Und er zog ein in Jericho Diese Geschichte erzählt nur Lukas. Jesus ein Freund der Sünder, welcher Trost für die Heiden! Nach einigen Auslegern begab sich das Ereignis außerhalb der Stadt, da die Sykomore eine sehr breite Krone hat, die in einer engen Straße keinen Platz fände. - und ging hindurch. Und siehe, ein Mann war da, mit Namen Zachäus; Zachäus, Innocenz, der Unschuldige, ein Jude. - dieser war ein Oberzöllner und reich. Und er suchte Jesus zu sehen, wer er sei; aber er konnte es nicht vor dem Volke, denn er war klein von Gestalt. Da lief er voraus, und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, Gott selbst treibt ihn an, und Zachäus gehorcht der inneren Stimme. - um ihn zu sehen; denn da sollte er vorübergehen. Als nun Jesus an den Ort kam, schaute er hinauf, sah ihn an, Jesus belohnt den frommen Eifer. - und sprach zu ihm: Zachäus! Er nennt ihn wie einen Bekannten mit Namen, obwohl er ihn noch nie gesehen. - steige eilends herab; denn heute muss Um meiner Liebe genugzutun. - ich in deinem Hause bleiben. Du wolltest mich vorübergehen sehen, so sollst du mich heute bei dir aufnehmen (Aug.). - Und er stieg eilends herab, und nahm ihn Was er nie zu hoffen gewagt. - mit Freuden auf. Und alle, welche dies sahen, murrten, und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt! Vergl. [Lk 18,43]. - Zachäus aber trat hin, und sprach zu dem Herrn: Mit Ehrfurcht vor dem Heilande. – Siehe, Herr! die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen; und wenn ich jemanden betrogen habe, so erstatte Sein Entschluss ist fest. Wie anders verhalten sich die Pharisäer, wenn Christus bei ihnen zu Gaste ist! – ich es vierfach. Nach dem Gesetze wurde für einen Betrug oder Schaden durch Richterspruch das Doppelte auferlegt. [2Mos 22,9] Jedenfalls erinnert er sich an keinen Betrug. – Jesus sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren Die folgenden Worte richten sich gegen die Murrenden. - deshalb, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; Also war ihm mit Recht das messianische Heil anzubieten. - denn der Menschensohn ist gekommen zu suchen, und selig zu machen, was verloren war. Er ist aber ein Sünder? Dann fordert es meine Sendung, zu ihm zu gehen. Vergl. [Mt 18,11]. - Als sie dies Das Geheimnis des Reiches Gottes bis zum Ende der Zeiten. - hörten, Weil sie dies hörten, also auch die Murrenden. - fuhr er fort, In der mit Worten und Taten V. 5 – 10 gegebenen Lehre. - und trug ein Gleichnis vor, weil er nahe bei Jerusalem Jericho ist von Jerusalem etwa 7 – 8 Stunden entfernt. - war, und sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar werden. In Glanz und Herrlichkeit. Diese Meinung will er widerlegen. V. 12 - Er sprach also: Ein vornehmer Mann zog Eine Anspielung darauf, dass, wer den Titel Fürst oder König führen wollte, damals nach Rom gehen musste. - in ein fremdes Land, Jesus sagt dies, damit das „sogleich“ V. 11 aus dem Herzen entfernt werde. - ein Königreich für sich zu erhalten, und zurückzukehren. Er rief aber seine zehn Knechte, und gab ihnen zehn Pfunde, Jedem eines, wie V. 16, V. 18 zeigen, etwa 78 Mark. Vielleicht wählt der Heiland deshalb eine kleine Summe, weil der Knecht gelobt wird, dass er über Geringes treu war. - und sprach zu ihnen: Treibet Geschäfte, bis ich wiederkomme! Wann er kommen wird, sagt er nicht, sondern deutet nur an, dass seine Abwesenheit eine längere sein werde. - Seine Bürger aber hassten ihn, und schickten eine Gesandtschaft nach, und ließen ihm sagen: Wir wollen nicht, dass dieser über uns König sei! Mit Verachtung. Die Gesandten melden also, er möchte nicht zurückkehren, und tun ihm die feindliche Stimmung kund. - Und es geschah, dass er wiederkam, nachdem er das Königtum erhalten hatte. Da ließ er die Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, rufen, damit er wüsste, wieviel ein jeder sich erhandelt hätte. Drei werden als Beispiele für das V. 15 gesagte angeführt. - Es kam nun der erste, und sprach: Herr! dein Pfund Er sagt nicht ich, sondern schweigt von seiner Tätigkeit. - hat zehn Pfunde dazu erworben. Er sprach zu ihm: Wohlan, du guter Knecht! weil du im Geringen treu gewesen bist, sollst du Machthaber über zehn Städte sein. Und es kam der zweite, und sprach: Herr! dein Pfund hat fünf Pfunde getragen. Die Gelegenheit zu gewinnen und die Möglichkeit fruchtbarer Anlegung sind verschieden. - Er sprach auch zu diesem: So sollst auch du über fünf Städte gesetzt sein! Den andere hassten, dieser zeigt sich überaus gütig. - Der andere aber kam, und sprach: Herr! da ist dein Pfund, ich habe es in einem Schweißtuche aufbewahrt gehalten, denn ich fürchtete dich, weil du ein harter Mann bist. Du nimmst, was du nicht hingelegt hast, und erntest, was du nicht gesäet hast. Das Geld hätte verloren gehen können, so habe ich mich von aller Sorge befreit und nichts mit demselben begonnen. Der Knecht hat das Geld seines Herrn nicht verschleudert, er entschuldigt seine Lässigkeit aber schlecht, indem er den Herrn anklagt. - Er sagte zu ihm: Aus deinem Munde richte ich dich, du böser Knecht! Aus dem, was du gesagt, war ein anderer Schluss zu ziehen. - Du wusstest, dass ich ein harter Mann bin, dass ich nehme, was ich nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesäet habe. Warum hast du mein Geld nicht auf die Wechselbank gegeben, damit ich es doch bei meiner Ankunft mit Gewinn hätte einfordern können? Und er sprach zu den Umstehenden: Nehmet ihm das Pfund, und gebet es dem, welcher die zehn Pfunde hat! Sie sprachen zu ihm: Herr! er hat zehn Pfunde. Sie sind voller Verwunderung, warum dem, der schon so viel hat, noch zugegeben werden soll. - Ja, ich sage euch: Einem jeden, der hat, wird gegeben, und er wird im Überflusse haben; dem aber, welcher nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. Wer nicht mit Gottes Gabe mittätig ist, geht derselben verlustig. Vergl. [Mt 25,29]. Der Vornehme ist Christus, Gottes Sohn, als Mensch vom heil. Geist empfangen und von einer Jungfrau geboren, von David dem Könige abstammend. Er stieg zum Himmel auf und sitzt zur Rechten des Vaters, von wo er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Wie in dem Gleichnisse von den zehn Jungfrauen, bezeichnet die Zahl zehn die Gesamtheit der Gläubigen. Die Pfunde sind die Gnaden Gottes, die er jedem verleiht, sein Heil zu wirken. Die Jünger sind die Juden, alsdann auch alle Feinde der Kirche. Die Wiederkehr des Königs ist besonders die glorreiche Ankunft Christi zum Weltgerichte. Da aber nicht alle bis zu dieser Wiederkunft leben, ist dieser Zeitpunkt auch die besondere Rechenschaft nach dem Tode. Unsere Verdienste und guten Taten sind Geschenke Gottes. V. 27 stellt das Los der ungläubigen Juden vor Augen. Auch die Zerstörung Jerusalems kann als eine Heimsuchung des ewigen Richters gelten. Dieses Gleichnis ist dem [Mt 25,14] erzählten ähnlich, doch sind Zeit, Ort und Gelegenheit verschieden. - Jedoch meine Feinde, jene, die nicht wollten, dass ich über sie König sein sollte, bringet herbei, und tötet sie vor mir! Und nachdem er dieses gesagt hatte, schritt er voraus, nach Jerusalem hinaufgehend. Und es geschah, als er sich Bethphage und Bethania Siehe [Mk 11,1]. - näherte, an dem Berge, welcher Ölberg genannt wird, sandte er zwei seiner Jünger ab, und sprach: Gehet in den Flecken, der gegenüber liegt; und wenn ihr hineinkommet, werdet ihr ein Füllen einer Eselin, auf welchem noch kein Mensch gesessen ist, angebunden finden; bindet es los, und führet es hierher! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los? So saget also zu ihm: Der Herr begehrt dessen Dienst. Da gingen die, welche abgesandt waren, fort; und sie fanden das Füllen dastehen, wie er ihnen gesagt. Als sie aber das Füllen losbanden, sagten dessen Eigentümer zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los? Sie aber sprachen: Der Herr bedarf seiner. Und sie führten es zu Jesus, und warfen ihre Oberkleider auf das Füllen, Dies hatte Christus nicht befohlen, aber sein Geist leitet ihre Herzen und Willen. - und setzten Jesus darauf. Da er nun fortzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg. Und als er sich schon dem Abhange des Ölberges näherte, begann die gesamte Schar der Jünger, mit Freuden und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wunderwerke, die sie gesehen hatten; indem sie sprachen: Hochgelobt sei, der da kommt als König im Namen des Herrn; Friede im Himmel Auf uns. (Cyr., Theoph.). - und Ehre in der Höhe! So sangen einst die Engel. - Und einige Pharisäer, die unter dem Volke waren, sprachen zu ihm: Meister! verweise es deinen Jüngern. Lass dich nicht als Messias begrüßen. Sie offenbaren so ihre Halsstarrigkeit, ihn auch jetzt nicht anzuerkennen. Was sie zur Zeit der Tempelweihe gefordert [Joh 10,24], erfüllt der Heiland jetzt V. 40. Diese Zeit ist von Gott dazu bestimmt, dass ich öffentlich als Messias begrüßt werde, so dass eher die Steine rufen würden, als dass Gottes Wille nicht erfüllt werde. - Er sprach zu ihnen: Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien! Und als er nahe gekommen war, und die Stadt sah, weinte er über dieselbe, Mit lauter Stimme, mitten unter den Ehrenbezeugungen. - und sprach: Wenn doch auch du Wie andere, z.B. die Apostel und Jünger. - es erkannt hättest, und zwar an diesem deinem Tage, An dem dir dieses Zeugnis von meiner Würde gegeben ward. - was dir Was dir Frieden bringen kann: der Messias, der Urheber des Friedens. - zum Frieden dient; nun aber ist es vor deinen Augen verborgen! Du willst nicht erkennen, und deine Verblendung ist unheilbar. (V. 43) - Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde dich mit einem Walle umgeben, dich ringsum einschließen, und dich von allen Seiten einengen werden. Sie werden dich und deine Kinder, Die Einwohner. - die in dir sind, zu Boden schmettern, und werden in dir keinen Stein auf dem andern lassen deshalb, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast. Und als er in den Tempel eingetreten war, fing er an, die Käufer und Verkäufer, die in demselben waren, hinauszutreiben,
Die Käufer und Verkäufer werden aus dem Tempel vertrieben
und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus ist ein Haus des Gebetes, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht! Diesen Vorwurf hatte schon Jeremias [Jer 7,11] gemacht. Dahin ist es mit eurer Religion und Frömmigkeit gekommen. - Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und Vornehmsten des Volkes suchten ihn zu verderben, und fanden nicht, was sie ihm antun sollten; denn das ganze Volk hing an ihm, und hörte auf ihn. Vergl. [Mk 11,18]

Zitiert in 145