Jesus vor Pilatus und Herodes. (V. 25) Jesus wird gekreuzigt und stirbt. (V. 49) Begräbnis des Herrn.
1Und die ganze Menge derselbenVon denen [Lk 22,66-71] die Rede war. - erhob sich, und sie führten ihn zu Pilatus.2 Sie fingen aber an, ihn anzuklagen, und sagten: Diesen haben wir als Aufwiegler unseres Volkes befunden, und als einen, der verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben, und sagt, er sei Christus, König.Jede folgende Anklage soll die vorhergehende beweisen und stützen. Deshalb fragt Pilatus den Heiland nur über die letzte. V. 3 -3 Pilatus aber fragte ihn, und sprach: Du bist der König der Juden? Er antwortete und sprach: Du sagst es!Ja, so ist es. -4 Pilatus aber sprach zu den Hohenpriestern und dem Volke: Ich finde nichts Schuldbares an diesem Menschen.Weil Christus erklärt hat, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. [Joh 18,34.38] -5 Sie aber wurden ungestüm, und sprachen: Er wiegelt das Volk auf, indem er in ganz Judäa lehrt, von Galiläa angefangen bis hierher.Sein ganzes Leben und seine Lehre erregt Aufruhr in ganz Palästina. Vielleicht nennen sie Galiläa besonders, weil dessen Bewohner dem Pilatus als Unruhestifter bekannt waren (Theoph.). -6 Da nun Pilatus von Galiläa hörte, fragte er, ob der Mensch ein Galiläer wäre?7 Und nachdem er erfahren, dass er aus dem Gebiete des Herodes sei,Weil er in Nazareth herangewachsen war [Lk 2,51] und der Nazarener genannt wurde. - sandte er ihn zu Herodes,Er hofft sich derart von der schlimmen Sache zu befreien. Die göttliche Vorsehung ordnete dies so an, weil Jesus das Zeugnis seiner Unschuld von mehreren erhalten sollte. - der in jenen Tagen ebenfalls zu Jerusalem anwesend war.8 Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr; denn er war seit langer Zeit begierig, ihn zu sehen, weil er vieles von ihm gehört hatte, und hoffte, ein Wunder durch ihn wirken zu sehen.9 Er stellte auch viele Fragen an ihn; allein er antwortete ihm nichts.10 Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen da, und verklagten ihn unaufhörlich.Ihre Anklagen finden bei Herodes keine Beachtung, aber er rächt sich für das ihm ärgerliche beharrliche Stillschweigen des Herrn. -11 Da verachtete ihn Herodes mit seinen Kriegsleuten, ließ ihm zum Spotte ein weißes Kleid anziehen, und schickte ihn zu Pilatus zurück.12 An demselben Tage wurden Herodes und Pilatus Freunde;Dass Pilatus den Heiland zu Herodes gesendet, war für diesen eine Ehre. Da aber Herodes den Herrn wieder zu Pilatus zurückschickt, bringt er der Majestät des römischen Richters seine Ehrerbietung dar. - denn vorher waren sie einander feind.13 Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Vorsteher und das Volk zusammen,Da der Heiland als Erreger von Aufruhr angeklagt war, musste das Volk mit ihm fühlen. –14 und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen Volksaufwiegler, und siehe, ich habe ihn in eurer Gegenwart verhört, und an diesem Menschen nichts Schuldbares gefunden von dem, wessen ihr ihn anklaget.15 Aber auch Herodes nicht; denn ich habe euch zu ihm gesendet, und siehe, es ist nichts von ihm getan, was ihn des Todes schuldig zeigte.16 Ich werde ihn also züchtigen,Um euch genugzutun, und damit er nicht ohne Grund von euch angeklagt zu sein scheine. – und freigeben.17 Er musste ihnen nämlich auf das Fest einen freigeben.18 Da schrie aber der ganze Haufe zusammen auf, und rief: Hinweg mit diesem, und gib uns den Barabbas frei!Sie sahen aus dem Zugeständnisse des Pilatus V. 16, dass sie mit Einschüchterung alles erreichen konnten. –19 Dieser war wegen eines in der Stadt erregten Aufruhrs und Totschlages in den Kerker geworfen.20 Abermals redete nun Pilatus zu ihnen, da er willens war, Jesus freizugeben;21 sie aber schrien entgegen, und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn!22 Da sprach er zum dritten Male zu ihnen: Was hat denn dieser Böses getan? Ich findeGriech.: Ich habe gefunden. – keine Todesschuld an ihm; ich werde ihn somit züchtigen,Ich werde ihn geißeln lassen. – und freigeben.23 Sie aber setzten ihm mit großem Geschrei zu, und forderten, dass er gekreuziget werde; und ihr Geschrei nahm immer zu.24 Da sprach Pilatus das Urteil, dass nach ihrem VerlangenVergl. [Apg 2,24]. – geschehen solle.25 Und er gab ihnen jenen los, der wegen Mord und Aufruhr in den Kerker geworfen worden war, den sie verlangten, Jesus dagegen übergab er ihrem Willen.26 Und da sie ihn hinführten, hielten sie einen gewissen Simon von Cyrene an, der vom Lande kam, und legten ihm das Kreuz auf, es Jesus nachzutragen.27 Es folgte ihm aber eine große Menge Volkes, und Weiber, die ihn beweintenGriech.: Sie schlugen an ihre Brust, nach orientalischer Sitte. – und beklagten.Jesus kommt auf dem Kalvarienberg an
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.28 Jesus aber wendete sich zu ihnen,Es sind nicht die frommen Frauen, welche ihm aus Galiläa gefolgt sind. – und sprach: Ihr Töchter Jerusalems! weinet nicht über mich,Ich trinke den Kelch, welchen mir der Vater gibt, und leiste für die Sünden der Menschen Genugtuung, um so in meine Herrlichkeit einzugehen. – sondern weinet über euch selbst, und über eure Kinder.29 Denn siehe, es werden Tage kommen, an welchen man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht genährt haben!Im Gegensatz zu dem, was sonst bei den Israeliten als Glück galt. Den Grund siehe [Mt 27,25]. –30 Dann wird man anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Bedecket uns!31 Denn wenn sie am grünen Holze solches tun, was wird an dem dürren geschehen?Sprichwort: Wenn dies an grünem Holze geschieht usw. Ein grüner Baum ist in der h. Schrift das Bild der Gerechten. [Ps 1,3, Jer 17,8] Wenn ich, der Gerechte, solchen Peinen unterworfen werde, was erwartet die Gottlosen? –32 Es wurden aber auch zwei andere, Missetäter, mit ihm hinausgeführt, um hingerichtet zu werden.33 Und als sie an den Ort kamen, den man Schädelstätte heißt, kreuzigten sie ihn daselbst, und die Räuber, den einen zur Rechten, und den andern zur Linken.Die Kreuzigung Jesu und der beiden Schächer
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.34 Jesus aber sprach:Wohl während der Kreuzigung. – Vater! vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.Vergl. [Apg 3,17]. – Und sie teilten seine Kleider unter sich, das Los darüber werfend.35 Und das Volk stand da und schaute zu.Ein großer Teil des Volkes scheint also schon nicht mehr ganz auf der Seite des hohen Rates zu stehen, da es nicht mit ihm schmäht. So wird ihr Herz für die Reue vorbereitet V. 48. – Und die Vorsteher verlachten ihnMit anderen aus dem Volke. [Mt 27,39] – mit ihnen, und sprachen: Anderen hat er geholfen, er helfe sich selbst, wenn er Christus, der Auserwählte Gottes ist!36 Es verspotteten ihn aber auch die Soldaten, welche hinzutraten, ihm Essig reichten,37 und sprachen: Bist du der König der Juden, so hilf dir!38 Es war aber auch die Aufschrift über ihm geschrieben in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift: Dies ist der König der Juden.Der Heiland ließ durch göttliche Anordnung diese Aufschrift machen, welche aussprach, was [Ez 21,27] vom Messias vorausgesagt hatte. –39 Einer aber von den Übeltätern, die am Kreuze hingen, lästerte ihn, und sprach: Wenn du Christus bist,Griech.: Bist du nicht Christus (der Messias)? – so hilf dir selber und uns!Jetzt ist es klar, dass du dir den Namen angemaßt hast. –40 Da antwortete der andere, verwies es ihm, und sprach: Fürchtest auch du Gott nicht,Kann dich die Strafe, wenn nicht zur Reue bewegen, nicht wenigstens zur Furcht vor Gottes Gericht bringen? – da du doch dieselbe Strafe erleidest?41 Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten verdient haben; dieser aber hat nichts Böses getan.42 Und er sprach zu Jesus: Herr! gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst.Der Schächer nimmt wohl an, dass Christus bald in Herrlichkeit wiederkehren wird. Jeder Zug seiner Bekehrung ist bewunderungswürdig. –43 Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im ParadieseNach einigen: In der Vorhölle, dem Aufenthaltsorte der Altväter, in welche der Herr in seiner Gottesherrlichkeit hinabstieg. Nach den meisten Vätern: In der Seligkeit. Es handelt sich nicht um den Ort, sondern um den Besitz Gottes. Vergl. auch [Offenb 2,7]. Der Heiland verheißt dem guten Schächer also, dass er ihn mit sich zu den Auserwählten und Gerechten des A. B. nehmen werde. – sein!Die Finsternis bei der Kreuzigung
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.44 Es war aber um die sechste Stunde, da ward eine Finsternis über die ganze Erde bis zur neunten Stunde.45 Die Sonne verfinsterte sich, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei.46 Und Jesus rief mit lauter Stimme, und sprach: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Und indem er dies sagte, verschied er.47 Als aber der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott, und sprach: Wahrlich, dieser Mensch war ein Gerechter!48 Und alles Volk, das zusammengeströmt war zu diesem Schauspiel, und sah, was geschah, kehrte an seine Brust schlagend zurück.49 Es standen auch alle seine Bekannten von ferne,Die Soldaten gestatteten nicht allen, nahe an das Kreuz hinzutreten. – sowie die Frauen, welche ihm aus Galiläa gefolgt waren, und sahen dieses.50 Und siehe, ein Mann, Namens Joseph, ein Ratsherr, ein guter und gerechter Mann,51 der ihrem Beschlusse und Verfahren nicht beigestimmt hatte,Wahrscheinlich hatte er offen erklärt, dass er nicht einverstanden war. – aus Arimathäa, einer Stadt in Judäa,Jetzt aber in Jerusalem wohnend. – der selbst auch das Reich Gottes erwartete,52 dieser trat zu Pilatus, und bat um den Leib Jesu.53 Und er nahm ihn ab, wickelte ihn in Leinwand, und legte ihn in ein ausgehauenes Grab, in das noch niemand gelegt worden war.54 Es war der Rüsttag, und der Sabbat brach an.55 Die Frauen aber, welche mit ihm aus Galiläa gekommen waren, folgten nach, und sahen das Grab an, und wie sein Leib beigesetzt war.56 Und sie kehrten zurück, und bereiteten Spezereien und Salben; am Sabbate aber ruhten sie nach dem Gebote.Nach [2Mos 20,8-10] u. a. Sie setzten ihr Werk nach Ablauf des Sabbats fort. [Mk 16,1]