Lukas 5

Wunderbarer Fischfang des heil. Petrus. (V. 11) Heilung eines Aussätzigen und eines Gelähmten. (V. 26) Berufung des heil. Matthäus.

Jesus predigt am See Genesareth
Es geschah aber, als sich das Volk an ihn herandrängte, um das Wort Gottes zu hören, stand er am See Genesareth. Ähnlich [Mk 3,9]. - Und er sah zwei Schiffe am See liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen, und wuschen ihre Netze. Um sie zusammen zu legen. - Da trat er in das eine der Schiffe, welches dem Simon gehörte, und bat ihn, Welche Demut und Güte! - von dem Lande etwas abzustoßen. Und er setzte sich, und lehrte das Volk von dem Schiffe aus. Das Schiff Simons ist die Kirche, Petrus der Steuermann; wo Petrus, da die Kirche. - Als er aber aufhörte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, Der Heiland richtet diese Worte an Petrus, den Herrn des Schiffes, die übrigen an ihn, Andreas und ihre Genossen. - und werfet eure Netze zum Fange aus! Da antwortete Simon, und sprach zu ihm: Meister! Bei Matthäus Rabbi, siehe [Mt 23,7]. - wir haben uns die ganze Nacht Die zum Fange geeignete Zeit. - abgemüht und nichts gefangen; doch auf dein Wort Auf dein Wort vertrauend. Ein großer Glaube und bereiter Gehorsam. - will ich das Netz auswerfen. Als sie dies getan hatten, fingen sie eine große Menge Fische, so dass ihr Netz zerriss. Was daran zu zerreißen. Der Heiland zahlt dem heil. Petrus gleichsam Zoll für die Benutzung des Schiffes. - Und sie winkten ihren Genossen, Wohl durch Zuruf. – die im anderen Schiffe waren, zu kommen und ihnen zu helfen. Und sie kamen, und füllten beide Schiffe an, so dass sie beinahe versanken! So wurden alle Zeugen des Wunders. – Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen, und sprach: Herr! gehe hinweg von mir: denn ich bin ein sündhafter Mensch. Ich armer Sünder bin nicht würdig, dich unter meinem Dache zu haben. (Cyr., Theoph., Bon.) – Denn Staunen hatte ihn ergriffen, und alle, die bei ihm waren, über den Fischfang, den sie gemacht hatten; Sie erkennen das Eingreifen einer höheren Macht. - desgleichen auch den Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, welche Simons Genossen waren. Der Evangelist nennt sie mit Namen, weil der Heiland sie bald zur Nachfolge auffordert. - Jesus aber sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; Wegen deiner Unwürdigkeit und meiner Majestät. - von nun an wirst du Menschen fangen! Zu ähnlicher, doch in erhabenerer Weise vorzunehmender Übung wird er vom Herrn berufen. Die Netze wandeln sich in die Lehre, das Trachten nach Gewinn in Eifer für das Heil der Seelen, das Schiff wird die Kirche, die Menschen die Fische auf dem großen Meere des Erdenrundes. Doch nur Christi Kraft kann der Wirksamkeit Erfolg geben. (Beda.) - Und sie führten ihre Schiffe an das Land, verließen alles, und folgten ihm nach. Siehe da die Frucht des Wunders. Wie ruhmvoll ist ihr Gehorsam, gepriesen durch alle Jahrhunderte! Einen anderen wunderbaren Fischzug nach der Auferstehung des Herrn siehe [Joh 21,6ff] - Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann voll Aussatzes. Als dieser Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht, bat ihn, und sprach: Herr! wenn du willst, so kannst du mich rein machen. Des Heilandes Macht wird anerkannt, der Glaube des Aussätzigen offenbar; die Demut des Armen ist sein bester Fürsprecher. - Da streckte er die Hand aus, berührte Um seine Güte zu zeigen. (Bonav.) - ihn, und sprach: Ich will, sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm. Und er befahl ihm, es niemanden zu sagen; Aus [Mk 1,45] erhellt, dass Christus jede Bewegung des Volkes verhindern wollte. - sondern: Gehe hin (sprach er), zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Moses angeordnet hat, zum Zeugnisse für sie. Für die Priester (Theoph., Bon.). Der Aussatz galt als eine Gottesstrafe. Indem Christus den Geheilten zu den Priestern sendet, erhalten viele einen Beweis, dass Jesus ein von Gott selbst bezeugter Prophet und jener Mächtigere ist, den Johannes der Täufer verkündet. Vergl. [Mt 8,4, Mk 1,44]. - Es breitete sich aber die Rede von ihm noch mehr aus; und es kam viel Volk zusammen, um ihn zu hören, Das Volk kommt nicht allein der Wunder, sondern auch der Lehre halber; eine gute Stimmung des Herzens, die selber allzubald von den Schriftgelehrten und Pharisäern zerstört wird. - und geheilt zu werden von seinen Krankheiten. Er aber entwich in die Wüste, Um nicht die Hoffnung eines irdischen Reiches im Volke zu nähren. - und betete. Und es geschah an einem der Tage, dass er saß und lehrte. Und es saßen auch Pharisäer und Gesetzeslehrer Diese heißen sonst Schriftgelehrte. Sie sind wohl vom hohen Rate gesendet, der längst erkannt hat, dass Jesus mehr ist als ein gewöhnlicher Gesetzeslehrer. - dort, die aus allen Flecken Galiläa's und Judäa's, und von Jerusalem gekommen waren; und die Kraft des Herrn war da, um sie zu heilen. Gottes (Jehova's) Macht erschien in ihm offenbar dadurch, dass er heilte. - Und siehe, da brachten Männer auf einem Bette einen Menschen daher, welcher gelähmt war; und sie suchten ihn hineinzubringen, und vor ihn hinzulegen. Da sie aber vor der Menge des Volkes nicht fanden, von welcher Seite sie ihn hineinbringen könnten, stiegen sie auf das Dach, und ließen ihn mit dem Bett durch die Ziegel hinab mitten hinein vor Jesus hin. Als er nun ihren Glauben Auch des Kranken Glaube, der ja zum Heilande getragen werden wollte. - sah, sprach er: Mensch! deine Sünden werden dir vergeben. Griech.: Sind erlassen. Warum spendet Christus eine geistige Wohltat, da jene um eine leibliche bitten? Gewiss war der Kranke vor Jesus dem heiligsten von großer Reue über seine Sünden ergriffen. - Da fingen die Schriftgelehrten und Pharisäer an bei sich zu denken und zu sprechen: Wer ist dieser, der Gotteslästerungen spricht? Wer kann Sünden vergeben, als Gott allein? Christus hat durch eigene Autorität die Sünden nachgelassen. Dies Wunder hätte den Feinden des Herrn die Augen darüber öffnen sollen, wer er ist. - Weil aber Jesus ihre Gedanken erkannte, antwortete er, und sprach zu ihnen: Was denket ihr in euren Herzen? Jesus kennt die Gedanken des Herzens: Ein zweites Wunder. - Was ist leichter So dass der redende nicht der Lüge bezichtigt werden konnte. Das Sichtbare soll der Beweis für die Wahrheit des Unsichtbaren sein. Beides gehört einzig Gott zu. - zu sagen: Dir werden deine Sünden vergeben; oder zu sagen: Stehe auf, und wandle? Damit ihr aber wisset, dass der Menschensohn Macht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben, (sprach er zu dem Gelähmten:) Ich sage dir, stehe auf, nimm dein Bett, und gehe fort in dein Haus! Was die Propheten von der Zeit des Messias verkündet [Jes 53,11], geht in Erfüllung; zugleich offenbart Jesus sich als der, welcher die Sünden hinwegnimmt. - Und sogleich stand er vor ihnen auf, nahm das Bett, auf dem er lag, und ging hinweg in sein Haus, Gott preisend. Und Staunen ergriff alle, und sie priesen Gott, und wurden mit Furcht erfüllt, und sprachen: Wir haben heute wunderbare Dinge gesehen! Hierauf ging er hinaus, Aus Kapharnaum. - und sah einen Zöllner, mit Namen Levi, Siehe [Mt 9,Anm.12]. Sein Name war Levi, ehe er Apostel ward. - an der Zollstätte sitzen, und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf, verließ alles, und folgte ihm nach. Er ward sein Jünger. Wie wirksam ist der Ruf Christi! - Und Levi gab ihm ein großes Gastmahl in seinem Hause; und es war eine große Schar von Zöllnern und von anderen da, die mit ihnen zu Tische saßen. Darüber murrten die Pharisäer und die Schriftgelehrten derselben und sprachen zu seinen Jüngern: Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern und Sündern? Da antwortete Jesus, Jesus weiß, dass der Angriff ihm gilt. Seine Antwort bricht jeden Einwurf. - und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen eines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen die Gerechten zu berufen, sondern Sünder zur Buße. Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes so oft, und verrichten Gebete, desgleichen auch die Jünger der Pharisäer, die deinigen aber essen und trinken? Er sprach zu ihnen: Könnt ihr etwa die Gefährten des Bräutigams zum Fasten anhalten, so lange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten in jenen Tagen. Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Niemand setzt einen Fleck von einem neuen Kleide auf ein altes Kleid; sonst zerreißt er auch das neue, und auf das alte passt der Fleck vom neuen nicht. Und niemand tut neuen Wein in alte Schläuche, sonst wird der neue Wein die Schläuche zersprengen, er selbst wird verschüttet, und die Schläuche werden zu Grunde gehen; Die Pharisäer haben durch ihren Angriff gezeigt, dass sie das messianische Reich nach dem Alten Bunde bemessen. Indes die Propheten nennen es einen Neuen Bund [Jer 31,31], also muss in demselben alles neu sein. Im gewöhnlichen Leben bringt die Vernachlässigung des Unterschiedes zwischen alt und neu Schaden. - sondern neuen Wein muss man in neue Schläuche tun, und so werden beide erhalten. Und niemand, der alten Wein trinkt, verlangt sogleich neuen, denn er sagt: Der alte ist besser! Das Bild soll die Macht der Gewohnheit und die Verkehrtheit derer ausdrücken, welche die Form des Alten Bundes auf immer festhalten möchten

Zitiert in 99