Lukas 6

Jesus verteidigt seine Jünger, die am Sabbat Ähren pflücken, gegen die Pharisäer und heilt am Sabbat. (V. 11) 2. Weitere Tätigkeit des Herrn in Galiläa (6,12-8) Wahl der Apostel. (V. 16) Predigt Jesu an seine Jünger und das Volk.

Es geschah aber an einem zweit-ersten Sabbate, Im Griechischen: Zweit-erster Sabbat. Was dieses Wort bedeuten soll, ist nicht klar, wie bereits der heil. Hieronymus klagt. Jedenfalls ist die Zeit nach Ostern gemeint, wahrscheinlich der erste Sabbat des zweiten Monats, da es nicht gestattet war, vor dem zweiten Tage der ungesäuerten Brote, dem 16. Nisan, etwas von der Ernte zu genießen, die kurz zuvor eingebracht ward. - dass er durch Saatfelder ging; und seine Jünger pflückten die Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen, und aßen. Da sprachen einige von den Pharisäern zu ihnen: Warum tut ihr, was am Sabbate nicht erlaubt ist? Jesus antwortete, und sprach zu ihnen: Habt ihr auch das nicht gelesen, was David getan hat, als ihn, und die bei ihm waren, hungerte? Wie er in das Haus Gottes eintrat, die Schaubrote nahm und aß, und auch denen gab, die bei ihm waren, welche zu essen doch niemanden erlaubt ist, als nur den Priestern? Wenn es Ursachen geben kann, welche von der Haltung des Gesetzes entschuldigen, wie viel mehr können solche von den Vorschriften und Auslegungen der Pharisäer ausnehmen. - Und er sagte zu ihnen: Der Menschensohn ist Herr auch über den Sabbat. Vergl. [Mt 9,6, Mk 2,10]. - Es begab sich aber auch an einem andern Sabbate, dass er in die Synagoge ging, und lehrte. Und es war daselbst ein Mensch, dessen rechte Hand war verdorrt. Da gaben die Schriftgelehrten und Pharisäer acht, ob er am Sabbate heilen würde, damit sie etwas fänden, ihn anzuklagen. Deshalb fragen sie ihn. [Mt 12,10] - Er aber wusste ihre Gedanken, In welcher Absicht sie fragten. - und sprach zu dem Menschen, welcher die verdorrte Hand hatte: Stehe auf, und stelle dich in die Mitte! Und er stand auf, und stellte sich dahin. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich frage euch: Ist es erlaubt, am Sabbate Gutes zu tun, oder Böses? ein Leben zu retten, oder zu verderben? Und er blickte sie alle ringsum an, und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Da streckte er sie aus, und seine Hand ward wieder gesund. Sie aber kamen ganz von Sinnen, Vor Wut. - und besprachen sich untereinander, was sie Jesus antun könnten. Es geschah aber in jenen Tagen, dass er hinaus ging auf den Berg, um zu beten; und er brachte die Nacht im Gebete mit Gott zu. Nach dem Beispiel Christi hat die Kirche den Gläubigen empfohlen, besonders an den Quartemberzeiten würdige Priester von Gott zu erflehen. - Und als es Tag geworden war, berief er seine Jünger, und erwählte zwölf aus ihnen (welche er auch Apostel Der Name sagt ihnen, dass sie Gesandte Gottes sind. - nannte); Simon, den er Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Andreas war noch nicht erwähnt, wie Jakobus und Johannes [Lk 5,10]. - Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Siehe [Mt 10,3, Mk 3,18]. – Matthäus und Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, mit dem Beinamen der Eiferer, Judas, den Bruder des Jakobus, und Judas Iskariot, welcher ein Verräter wurde. Nicht nur den Guten, sondern auch den Bösen spendet der Heiland die höchsten Wohltaten. – Und er stieg herab mit ihnen, und trat auf einen ebenen Platz, Die Bergpredigt wurde auf einer Ebene des unteren Teiles des Berges gehalten. Der heil. Lukas lässt die zur Erklärung des mosaischen Gesetzes dienenden Stücke aus. – wo die Schar seiner Jünger, und eine große Menge Volkes von ganz Judäa, von Jerusalem, von der Meeresküste, und von Tyrus und Sidon war, welche gekommen waren, um ihn Seine süße Lehre. Die Anordnung der Rede wird verschieden aufgefasst. - zu hören, und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Auch die von unreinen Geistern geplagt wurden, wurden geheilt. Und alles Volk trachtete ihn anzurühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, und heilte alle. Da erhob er seine Augen auf seine Jünger, Mit Liebe, zugleich mit Freude, dass er sie selig nennen kann. - und sprach: Selig ihr, die Armen; Da der Heiland seine Jünger anblickt, ist es klar, welche Armen er meint: die aus Liebe zu Jesus jenen Dingen entsagen, welche die Menschen so hoch schätzen. - denn euer ist das Reich Gottes! Selig ihr, die ihr jetzt Hunger leidet; denn ihr werdet gesättigt werden! Zu Tische sitzend mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche werdet ihr in Gott, der Quelle aller Güter, Sättigung finden. - Selig ihr, die ihr jetzt weinet; denn ihr werdet lachen! Wie viel Ursachen zu Tränen hienieden, so viel Freude im Jenseits. Vergl. [Joh 16,20]. - Selig werdet ihr sein, wenn euch die Menschen hassen, und wenn sie euch ausschließen, Vergl. [Joh 12,42, Joh 16,2]. - schmähen, und euern Namen Den Christennamen oder den eigenen Namen. - als bös verwerfen um des Menschensohnes willen. Freuet euch an jenem Tage, und frohlocket! Die Freude wird so groß sein, dass das Herz sie nicht in sich verschließen kann. - denn sehet, euer Lohn ist groß im Himmel; Der Lohn entspricht den Verdiensten. - denn auf gleiche Weise haben ihre Väter an den Propheten gehandelt. Zweiter Trost: Ihr seid den Propheten ähnlich. - Doch wehe euch, ihr Reichen, Der Bericht des heil. Lukas über die Bergpredigt ist kürzer als der des heil. Matthäus, ergänzt aber diesen in mehreren Punkten. Christus hat der Seligpreisung der Armen wohl noch etwas zur Erklärung beigefügt, wie die Seligpreisung der Hungernden vermuten lässt. Ebenso hat er wohl die Worte: Ihr werdet gesättigt werden u. a. erklärt. - denn ihr habt euern Trost! Dieser Vers zeigt, dass auch V. 20 nicht einzig die Jünger angeht. - Wehe euch, die ihr gesättiget seid; Mit irdischen Gütern, so dass ihr um Höheres nicht besorgt seid. - denn ihr werdet hungern! Wie der Reiche in der Hölle (Cyr.). - Wehe euch, die ihr jetzt lachet; Die ihr in irdischen Dingen euer ganzes Glück sucht. - denn ihr werdet trauern und weinen! Wehe, wenn euch die Menschen lobpreisen! denn ihre Väter haben ebenso an den falschen Propheten getan. Die Juden nahmen die falschen Propheten, welche ihren Erwartungen schmeichelten, mit Freuden auf und verfolgten die Propheten des Herrn. Vergl. [Gal 1,10]. - Aber euch, die ihr mich höret, Aufmerksam wie [1Sam 3,10]. - sage ich: Liebet eure Feinde; tuet Gutes denen, die euch hassen! Wünschet ihnen Gutes, und wo Gelegenheit ist, tuet es. - Segnet Wünschet Gutes. - die, welche euch fluchen, und betet für die, welche euch verleumden! Und wer dich auf die Wange schlägt, dem reiche auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch den Rock nicht! Beispiele der Liebe. - Gib jedem, der dich bittet; Einem jeden Bittenden, nicht einem alles Bittenden, damit du das gebest, was du mit Recht geben kannst (Aug.). - und wer das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück! Und wie ihr wollet, dass euch die Leute tuen, so tuet auch ihr ihnen desgleichen. Allgemeine Regel. Vergl. [Mt 7,12]. - Wenn ihr die liebet, welche euch lieben, was für eine Vergeltung Bei Gott. - gebührt euch? denn auch die Sünder lieben die, von welchen sie geliebt werden. Die Liebe muss allgemein sein, dies kann sie aber nur sein, wenn sie um Gottes willen geübt wird. - Und wenn ihr denen Gutes tuet, die euch Gutes tun, welche Vergeltung gebührt euch? denn auch die Sünder tun dasselbe. Und wenn ihr denen leihet, von welchen ihr wieder zu bekommen hoffet, welcher Lohn gebühret euch? denn auch die Sünder leihen Sündern, dass sie Gleiches wieder erhalten. Vielmehr, liebet eure Feinde; tuet Gutes, und leihet ohne etwas dafür zu hoffen, so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Gegensatz zu der dreifachen Frage V. 32 folg. - Seid also barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Richtet nicht, Urteilt nicht hart. Beispiele zu V. 36. - so werdet ihr nicht gerichtet werden; verdammet nicht, Auch wenn die Sachlage offenbar ist. - so werdet ihr nicht verdammet werden; vergebet, so wird euch vergeben werden! Gebet, Auch von natürlichen Gütern. Es folgen Beispiele. - so wird euch gegeben werden, Von Gott, dazu auf seine Weise. - ein gutes, ein eingedrücktes, gerütteltes und aufgehäuftes Maß wird man euch in den Schoß geben; denn mit demselben Maße, mit welchem ihr messet, wird euch wieder gemessen werden! Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann wohl ein Blinder Jemand, der des übernatürlichen Lichtes beraubt, in Sünden versunken ist. - einen Blinden führen? Fallen sie nicht beide in die Grube? Ein Jünger ist nicht über seinen Lehrer; jeder aber wird vollkommen sein, wenn er wie sein Lehrer ist. Wollen die Christen anderen nützen, so müssen sie selbst zuvor erfahren und gut sein; denn ist der Lehrer schlecht, so ist es auch der Schüler. - Warum schaust du nach dem Splitter in deines Bruders Auge, des Balkens aber in deinem eigenen Auge wirst du nicht gewahr? Vergl. V. 39. - Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder! lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, während du selbst in deinem Auge den Balken nicht siehst? Du Heuchler! ziehe zuvor den Balken aus deinem eigenen Auge; dann magst du sehen, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge herausziehest. Dein Tadel bleibt ohne Frucht. Wer einen Balken im eigenen Auge hat, gleicht dem schlechten Baume V. 43. - Denn es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte trägt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte trägt. Denn ein jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt. Denn von den Dornen sammelt man keine Feigen, und von der Dornhecke liest man keine Trauben. Niemand, der selbst schlecht lebt, wird andere bessern. V. 45. Der Schatz des Herzens ist wie die Wurzel des Baumes, was aus ihm hervorgebracht wird, trägt seine Natur an sich. - Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatze seines Herzens das Gute hervor; und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatze das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Was aber ruft ihr mich: Herr, Herr! und tuet nicht, was ich sage? Jeder, der zu mir kommt und meine Rede hört, und sie tut, wem dieser gleich ist, das will ich euch zeigen. Er ist gleich einem Manne, der ein Haus baute, der tief grub, und den Grund auf den Felsen legte. Als nun eine Überschwemmung kam, stieß der Strom an jenes Haus, und konnte es nicht erschüttern; denn es war auf den Felsen gegründet. Die Beobachtung der Lehre Christi ist der sichere Untergrund des Heiles und dauernden Glückes. - Wer aber hört, und nicht tut, der ist gleich einem Menschen, der sein Haus ohne Untergrund auf die Erde hinbaute; an dieses Haus stieß der Strom, und sogleich fiel es zusammen, und der Zusammensturz dieses Hauses ward groß. Vergl. [5Mos 30,15ff] und [Mt 7,24-27].

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