Lukas 7

Jesus heilt den Knecht eines Hauptmannes. (V. 10) Auferweckung des Sohnes einer Witwe zu Naim. (V. 17) Johannes entsendet seine Jünger zu dem Heilande. (V. 35) Die öffentliche Sünderin salbt die Füße des Herrn bei einem Gastmahle im Hause eines Pharisäers.

Nachdem er aber alle seine Reden vor den Ohren des Volkes vollendet hatte, Der Glaube und die Demut des Heiden bilden einen scharfen Gegensatz zu dem Unglauben und dem Stolze der Pharisäer. Der Heiland ist sofort bereit, zu helfen. - ging er hinein nach Kapharnaum. Der heil. Lukas berichtet nur zweimal von einem Aufenthalte des Heilandes in dieser Stadt. - Und eines Hauptmanns Der Hauptmann steht im Dienste des Herodes und ist wohl ein Proselyt des Thores. - Knecht, der ihm sehr wert war, lag auf den Tod krank darnieder. Da er nun von Jesus gehört hatte, schickte er die Ältesten der Juden Die an Würde hervorragendsten. - zu ihm, und bat ihn, er möchte kommen, Er hielt sich für unwürdig, selbst dem Heilande seine Bitte vorzutragen. Die Ältesten tragen dieselbe also vor, aber nicht so, wie er selbst beabsichtigt. - und seinen Knecht vom Tode retten. Als diese zu Jesus kamen, baten sie ihn inständig, und sprachen zu ihm: Er ist es wert, dass du ihm dieses gewährest; denn er liebt unser Volk, Die Juden wurden von den Heiden oft verachtet. - und die Die einzige oder die dem Heilande bekannte. - Synagoge hat er uns gebaut. Jesus aber machte sich mit ihnen auf den Weg. Und da er nicht mehr ferne von dem Hause war, schickte der Hauptmann Freunde an ihn, und ließ ihm sagen: Herr! bemühe dich nicht; denn ich bin nicht würdig, dass du unter mein Dach eingehest. Der Zug bewegt sich langsam vorwärts. So eilen Boten voraus und melden dem Hauptmanne, dass Jesus selbst kommt. - Darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig erachtet, zu dir zu kommen, sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund sein. Denn auch ich, ob ich gleich unter Obergewalt stehe, bin ein Mensch, der Kriegsleute unter sich hat; und sage ich zu einem: Gehe! so geht er; und zu dem andern: Komm! so kommt er; und zu meinem Knechte: Tue das! so tut er es. Beweis, dass ein Wort des Herrn ausreicht. Ich, ein armer Mensch und anderen unterworfen, finde Gehorsam, also wird dir, dem Herrn, viel mehr alles unterworfen sein. - Da Jesus dies hörte, verwunderte er sich, Der Heiland gibt zu erkennen, dass dies bewundernswert ist. – und zu dem ihm folgenden Volke sich wendend sagte er: Wahrlich, ich sage euch, einen so großen Glauben habe ich selbst in Israel nicht gefunden! Welche Aufforderung zum Glauben! – Und als die, welche gesendet waren, wieder nach Hause kamen, fanden sie den Knecht, der krank gewesen war, gesund. Da alle Wunder für die Bewohner von Kapharnaum ohne Nutzen bleiben, folgt das Wehe über die Stadt. [Lk 10,15] – Und es geschah hierauf, dass er in eine Stadt ging, welche Naim heißt; und es gingen mit ihm seine Jünger, und viel Volk. Ein größeres Wunder, welches nur der heil. Lukas berichtet. Naim lag am Fuße des Berges Hermon, auf der Nordwestseite desselben. Im Alten Testament wird es nicht genannt. Scheinbar zufällig kommt der Heiland hinzu, wie zu Petrus und Andreas [Mt 4,18] –dem besessenen Gerasener [Lk 8,27], Levi [Lk 5,27], dem 38 jährigen Kranken [Joh 5,1], dem von Geburt an Blinden [Joh 9,1], zu Petrus im Vorhofe [Lk 22,61]. - Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, die Witwe war; Viele Gründe, welche die Betrübnis mehren. Vergl. [2Sam 14,5]. - und viel Volk aus der Stadt ging mit ihr. Wie [Joh 11,19] mit Martha und Maria. Es war zudem Sitte, dass jeder, der einem Leichenbegräbnisse begegnete, sich demselben anschloss. (Fl. Joseph) - Da nun der Herr Hier nennt Lukas den Heiland zum ersten Male so. - sie Dies Wort fasst alle vorher genannten Umstände zusammen. - sah, ward er von Mitleiden über sie gerührt, und sprach zu ihr: Weine nicht! So kann nur Jesus wirksam sagen. - Und er trat hinzu, und rührte die Bahre Die Tragbahre. Die Träger verstehen, was er mit dieser Berührung sagen will. - an, die Träger aber standen still. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Der bloße Befehl genügt. Vergl. dagegen [1Koe 17,21, Apg 9,40] Der Heiland hatte dies ja am letzten Osterfest erklärt. [Joh 5,21] - Da richtete sich der Tote auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Sie empfängt ihn wiederum als von Gott geschenkt. - Es ergriff aber alle Furcht, und sie priesen Gott, und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Drei Wirkungen: Furcht wegen des Eingreifens einer übermenschlichen Macht, Lobpreisung Gottes, Anerkennung des Herrn als eines großen Propheten. - Und es verbreitete sich diese Kunde von ihm Das Wunder und die Rede des Volkes. - in ganz Judäa, Wohl für Palästina gesetzt. - und in der ganzen Umgegend. Und es berichteten dem Johannes seine Jünger über alles dieses. Vielleicht etwas neidisch. - Da berief Johannes zwei von seinen Jüngern, und sandte sie zu Jesus, und ließ ihm sagen: Bist du es, der da kommen soll, Der Messias [1Mos 49,10, 2Mos 24,17, Ps 39,8, Ps 117,26] - oder haben wir einen anderen zu erwarten? Johannes wünscht, der Heiland möchte seinen Jüngern ein klares Zeugnis geben, ihr hartes Herz zu überzeugen. - Und da die Männer zu ihm gekommen, sprachen sie: Johannes, der Täufer, hat uns zu dir gesandt, und lässt dir sagen: Bist du es, der da kommen soll, oder haben wir einen andern zu erwarten? Der Heiland kennt die Absicht des heil. Johannes bei der Sendung, darum weist er die Jünger auf die Dinge hin, welche vor aller Augen geschehen. - (Zu eben jener Stunde aber heilte er viele von Krankheiten, Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Gesicht.) Da antwortete er, und sprach zu ihnen: Der Heiland sagt nicht: Ich bin es, sondern lässt die Werke reden, um Glauben zu wecken (Cyr.). - Gehet hin, und verkündiget Johannes, was ihr gehört und gesehen habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium verkündet; und selig ist, wer sich an mir nicht ärgert! Lasst euch also nicht falsche Meinungen von dem Messias aufdrängen. Nehmet auch kein Ärgernis an meiner Niedrigkeit, wie die Nazarethaner, die Pharisäer und andere. - Als nun die Abgesandten des Johannes Der heil. Johannes belehrte sie also wohl selbst weiter. - fortgegangen waren, fing Jesus an, von Johannes zum Volke zu sprechen: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Ein Rohr, das vom Winde hin und her bewegt wird? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichlichen Kleidern angetan? Sehet, die kostbare Kleider haben und in Genüssen leben, sind in den Häusern der Könige. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Dann hättet ihr seine Worte als Botschaft Gottes aufnehmen müssen. - Ja, ich sage euch, er ist noch mehr als ein Prophet! Dieser ist es, von welchem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel Meinen Boten. - vor deinem Angesichte her, der deinen Weg vor dir bereiten wird. Denn ich sage euch: Kein größerer Prophet ist unter den von Weibern Gebornen als Johannes der Täufer; Wie viel mehr also hättet ihr auf Johannes hören sollen, umso mehr, als er euch bezeugte, dass das ersehnte messianische Reich nahe ist. - aber der Geringste im Reiche Gottes ist größer als er. Die Erklärung bietet [Gal 4,1-3]. - Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner bezeugten die Gerechtigkeit Gottes, Ihr bleibet auf halbem Wege stehen. V. 29 und 30 sind Worte Christi. Die Buße taten, wie Gott durch die Sendung des heil. Johannes beabsichtigte, lobten Gott als gerecht und gütig. - und ließen sich mit der Taufe des Johannes taufen. Die Pharisäer aber und die Gesetzkundigen Schriftgelehrte. - verachteten den Ratschluss Gottes über sie, und ließen sich nicht von ihm taufen. Der Herr aber sprach: Wem soll ich denn die Menschen dieses Geschlechtes vergleichen? Und wem sind sie gleich? Volk und Pharisäer verachten, wenn auch in ungleichem Maße, die Mahnung des Täufers. - Sie sind Kindern gleich, die auf dem Markte sitzen, und einander zurufen und sprechen: Wir haben euch auf Flöten vorgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweinet. Das harte Bußleben des heil. Johannes missfiel ihnen ebenso wie die Lebensweise des Herrn, und sie verleumdeten beide. - Denn Johannes, der Täufer, ist gekommen, und aß kein Brot, und trank keinen Wein, und ihr saget: Er hat einen bösen Geist. Also kann seine scheinbare Heiligkeit seinen Worten kein Gewicht geben. - Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinket, und ihr saget: Sehet, Sie haben auch hier eine Ausrede. Sehet: Was kann von einem solchen Gutes kommen? - dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund von Zöllnern und Sündern! Und die Weisheit wird gerechtfertiget von seiten aller ihrer Kinder! Es finden sich solche, welche Gottes Absichten, die Johannes und der Heiland offenbart haben, entsprechen. - Es bat ihn aber einer von den Pharisäern, dass er bei ihm esse; Um die Zeit nach dem vorher erzählten Ereignis. Der Heiland, der gekommen ist, alle Menschen selig zu machen, nimmt die Einladung an, zumal er weiß, welche Frucht dieselbe für die Sünderin tragen wird. - und er ging in das Haus des Pharisäers, und setzte sich zu Tische. Und siehe, ein Weib, die eine in der Stadt bekannte Sünderin Eine nicht keusch lebende Frau, nicht etwa eine öffentliche Dirne. - war, Sie galt noch jetzt als Sünderin. Alle übrigen suchen bei dem Heiland Heilung für körperliche Gebrechen, sie für ihre Seele, und dies nicht mit Worten, sondern mit Tränen. Wie wahr ihre Buße ist, zeigt u. a. die Demut, mit der sie den Arzt sucht. - erfuhr, dass er in dem Hause des Pharisäers zu Tische sei; und brachte ein Gefäß von Alabaster mit Salböl. stellte sich rückwärts zu seinen Füßen, Man legte die Sandalen ab, ehe man zu Tische ging. - und fing an seine Füße mit ihren Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes, und küsste seine Füße, und salbte sie mit dem Salböl. Als dies der Pharisäer sah, Der Pharisäer tadelt den Kranken, dass er krank ist, den Arzt, dass er hilft (Greg.). - der ihn geladen hatte, sprach er bei sich selbst: Wenn dieser Mit Geringschätzung. Gott würde nicht zulassen, dass er etwas Ungeziemendes und ihn unrein machendes täte, wäre er sein Gesandter. Die Zeichen der Reue beachtet der Pharisäer nicht, so wenig er sich erinnert, dass es zum Amte eines Propheten gehört, Buße zu predigen, mithin den Sünder nicht zurückzustoßen. - ein Prophet wäre, so würde er wohl wissen, wer die ist, die ihn berührt, und was sie für ein Weib ist, dass sie eine Sünderin ist. So offenbart der Pharisäer zur Genüge, in welcher Absicht er den Heiland eingeladen. Er hat schon viel von ihm gehört und will erforschen, was an der Sache ist. Da er ihm aber nicht einmal die gewöhnlichen Höflichkeitsbezeugungen erwiesen hat, hat er vorweg gezeigt, wie geringschätzig seine Meinung von dem Herrn ist. - Jesus aber hob an, und sprach zu ihm: Simon! ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister! sage es. Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nichts hatten, womit sie zahlen konnten, schenkte er es beiden. Welcher nun liebt ihn mehr? Der Pharisäer ist wohl hier nicht einer der Schuldner, da der Heiland dessen Sünde kaum als so viel geringer bezeichnen will, und Simon ihm gar keine Liebe erwiesen hat, die Vergebung der Sünden verdiente. - Simon antwortete, und sprach: Ich erachte, Er ist wohl unwillig, dass er noch eine so selbstverständliche Antwort geben soll. - der, dem er das Meiste geschenkt hat. Und Jesus sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt! Du hast dich durch deine Antwort selbst als falschen Richter hingestellt. Wenn du sahest, dass jenes Weib mir so viele und so große Beweise ihrer Liebe und Verehrung gab, musstest du daraus schließen, dass sie entweder schon große Wohltaten von mir empfangen hat oder solche erbittet. Zudem musstest du aus dem, was du von mir wusstest und jetzt an der Frau bemerktest, schließen, dass sie bereits ihren Sünden entsagt hat. - Dann wandte er sich zu dem Weibe, und sprach zu Simon: Der Heiland zählt die einzelnen Beweise ihrer Liebe auf. - Siehst du dieses Weib? Ich kam in dein Haus, und du hast mir kein Wasser für die Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt, und sie mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit sie hereingekommen ist, nicht aufgehört, meine Füße zu küssen. In allen diesen Vorwürfen liegt ein harter Tadel, da die Unterlassungen gegen alles Herkommen verstießen. - Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; diese aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt.
Eine Sünderin tut Buße
Darum sage ich dir: Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebet hat; Durch ihre große Liebe verdiente sie den Nachlass ihrer vielen Sünden. So nimmt auch jetzt noch die vollkommene Liebesreue die Sünden hinweg. Da die Liebe Gottes aber fordert, dass wir seinen Willen tun, so liegt im Akte der Liebesreue bereits der Vorsatz, die bereits erlassenen Sünden nach Christi Vorschrift noch zu beichten und der Schlüsselgewalt zu unterwerfen. - wem aber weniger vergeben wird, An Strafen. In dem Gleichnisse wird die Geldschuld erlassen, und deshalb liebt der Schuldner den Herrn. Bei der Sünderin geht die Liebe vorher und ist der Grund, weshalb Gott ihr die Sünden erlässt. - der liebt auch weniger. Und er sprach zu ihr: Deine Sünden werden dir vergeben! Da fingen die, welche mit zu Tische waren, an, bei sich zu sagen: Wer ist dieser, der sogar Sünden vergibt? Wie [Lk 5,21] die Schriftgelehrten und Pharisäer. Sie drücken ihre Verwunderung aus, deshalb antwortet der Heiland nichts. - Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube hat dir geholfen! Gehe hin in Frieden! Griech. So, dass der Friede das Ziel ist: Sei glücklich. Die Worte des Heilandes können nicht ohne Erfolg bleiben.

Zitiert in 214