Die Sorge frommer Frauen für den Unterhalt des Herrn. (V. 3) Gleichnis vom Sämanne. (V. 18) Jesus wird von seinen Verwandten aufgesucht (V. 21) und stillt den Sturm. (V. 25) Der Heiland heilt einen Besessenen im Gebiete des Gerasener (V. 39), heilt eine Blutflüssige und erweckt die Tochter des Jairus vom Tode.
1Und es geschah darnach,Nach [Lk 9,12] geschieht das dort Erzählte um die Zeit des dritten Osterfestes im öffentlichen Leben Jesu. So liegen also die im Kap. 8 berichteten Ereignisse wohl in der zweiten Hälfte des zweiten Jahres. - dass er durch Städte und Flecken zog, predigend und die frohe Botschaft vom Reiche Gottes verkündigend, und die Zwölf waren mit ihm,Wohl besonders in den Synagogen. Die Jünger sind bei dem Herrn, weil er sie durch sein Beispiel bilden will, ehe er sie aussendet. -2 auch einige Frauen, die er von bösen Geistern und Krankheiten befreit hatte: Maria, Magdalena genannt,Siehe [Mt 27,Anm.72] - aus welcher sieben Teufel ausgefahren waren,3 und Johanna, das Weib des Chusa, des Verwalters des Herodes,Antipas. Vergl. [Lk 3,1.19]. Sie heißt auch Johanna [Lk 24,10]. Auch ihr Gemahl muss dem Heilande zugetan gewesen sein. - und SusannaVon ihr ist nichts weiter bekannt. - und viele andere, welche ihm mit ihrem Vermögen dienten.Christus will denen, denen er predigt, nicht mit seinen Jüngern lästig fallen und will seine Lehre umsonst spenden. -4 Als aber sehr viel Volk zusammenkam und aus den Städten zu ihm herbeieilte, sprach er gleichnisweise:5 Der Sämann ging aus, seinen Samen zu säen;Die Häufung der Worte erhöht die Feierlichkeit der Rede. - und da er säete, fiel einiges an den Weg hin, und wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es.6 Anderes fiel auf felsigen Grund; und da es aufgegangen, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.7 Anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen, die mitaufwuchsen, erstickten es.8 Anderes fiel auf gute Erde, und ging auf, und gab hundertfältige Frucht. Indem er dies sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!9 Es fragten ihn aber seine Jünger,Die Apostel und andere Jünger. Vergl. [Mk 4,10]. - was dieses Gleichnis bedeute.10 Und er sprach zu ihnen: Euch ist es gegeben, das Geheimnis des Reiches GottesWesen, Zweck, Wirksamkeit, Ausbreitung usw. der Kirche zu verstehen. Die Gleichnisse Christi über sein Reich sind ebensoviele Weissagungen über seine Kirche. - zu verstehen; den übrigenWelche nicht um die Erklärung gebeten. Das Volk bringt dem Heilande jenen Glauben, den seine Wunder verdienen, nicht entgegen; zur Strafe unterrichtet Jesus es nicht weiter über das messianische Reich als in Gleichnissen. – aber werden Gleichnisse gegeben, damit sie sehen, und doch nicht sehen, hören, und nicht verstehen.Sie sehen nicht, worauf die Gleichnisse abzielen. Christus sieht dies voraus, will aber trotzdem nur so zu ihnen reden. –11 Das Gleichnis aber bedeutet dieses: Der Same ist das Wort Gottes.Das Gott in seiner Offenbarung zu den Menschen redet, das Christus und die Apostel verkünden. Das Wort Gottes wird einem Samen verglichen, weil es eine fruchttragende Kraft in sich trägt, wenn es die rechte Aufnahme findet. –12 Die an dem Wege hin,Bei denen der Same an den Weg fällt. - sind die, welche es hören; dann kommt der Teufel,Der erste Feind des Reiches Gottes von Anfang an. Er sucht das Herz abzulenken, so dass das Wort nicht eindringt. - und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.13 Die auf dem felsigen Grunde sind die, welche das Wort mit Freuden aufnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln,Die Wurzeln machen den Menschen im Glauben standhaft, so dass er durch diesen Früchte trägt. - sie glauben eine Zeitlang, und zur Zeit der Versuchung fallen sie ab.14 Das, was unter die Dornen fiel, sind die, welche es angehört haben, von dannen gehend aber von den Sorgen, Reichtümern und Wolllüsten des Lebens im Fortgange erstickt werden, und keine Frucht bringen.15 Was aber auf die gute Erde fiel, das sind die, welche das Wort hören, und es in aufrichtigem und gutem Herzen behalten, und Frucht bringen in Geduld.Beharrlichkeit. -16 Niemand zündet ein Licht an, und deckt es mit einem Gefäße zu, oder stellt es unter ein Bett; sondern stellt es auf einen Leuchter,Die Jünger haben dies nicht nur für sich gelernt. - damit die Eintretenden das Licht sehen.Siehe da die Notwendigkeit dieses Lichtes. -17 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar würde,Im Geheimnis meiner Lehre. - und nichts geheim, was nicht kund würde und an den Tag käme.18 Sehet also zu, wie ihr höret. Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er zu haben vermeint.Dasselbe gilt von dem Eifer in der Erwerbung göttlicher Schätze. -19 Es kamen aber zu ihm seine Mutter und seine Brüder, und sie konnten wegen der Volksmenge nicht zu ihm gelangen.Dasselbe gilt von dem Eifer in der Erwerbung göttlicher Schätze. -20 Und es wurde ihm berichtet: Deine Mutter und deine BrüderWas er den Jüngern befohlen, übt er selbst (Ambr.). Dem Evangelium dürfen die Verkündiger desselben nichts vorziehen (Theoph.). - stehen draußen, und wollen dich sehen.21 Da antwortete er, und sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und tun.Über die Brüder Jesu siehe [Mt 12,46, Mk 3,31, Mk 6,3]. Der Heiland verleugnet seine heiligste Mutter nicht, die er noch am Kreuze anerkennt. Gerade in der Erfüllung des göttlichen Willens steht Maria ihm zunächst. -22 Und es geschah an einem Tage, dass er mit seinen Jüngern in ein Schifflein stieg, und er sprach zu ihnen: Lasset uns auf das andere Ufer des See's übersetzen! Und sie fuhren ab!Die Jünger sollen, ehe sie ausgesandt werden, die Kraft des Wortes Gottes selbst sehen und Jesu Macht erkennen. Was keine Kunst des Menschen zu leisten vermag, scheint ihnen ein größeres Wunder als die Heilungen. Sie fahren auf das Ostufer. -23 Als sie nun dahinschifften, schlief er ein. Und ein Sturmwind kam herab auf den See, und sie wurden mit Wasser überschüttet, und liefen Gefahr.Vergl. [Mk 4,38]. -24 Da traten sie hin, weckten ihn auf, und sprachen: Meister! wir gehen zu Grunde. Er aber stand auf, dräute dem Winde und dem tobenden Wasser, und sie legten sich; und es ward stille.Ohne Gebet zu Gott, auf seinen bloßen Befehl hin. -25 Und er sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber fürchteten sich, und sprachen voll Verwunderung zueinander: Wer ist wohl dieser, dass er auch den Winden und dem Meere gebietet, und sie ihm gehorchen?26 Und sie schifften zur Landschaft der Gerasener, welche Galiläa gegenüber liegt.27 Als er aber an das LandDort wohnten besonders Heiden. - gestiegen war, lief ihm ein Mann entgegen, der von langer Zeit herJesus hat seine Macht über die unbelebte Natur gezeigt, er offenbart dieselbe auch an den bösen Geistern. - von einem bösen Geiste besessen war, und kein Gewand an sich litt, auch in keinem Hause blieb, sondern in den Grabhöhlen.Nach dem Griech. gehört die Zeitbestimmung zu: kein Gewand. -28 Da dieser Jesus sah, fiel er vor ihm nieder, schrie mit lauter Stimme, und sprach: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, du Sohn Gottes, des Höchsten? Ich bitte dich, quäle mich nicht!Er fürchtet, darum nennt er den Heiland Sohn Gottes und wirft sich vor ihm nieder, aber er ist unverschämt, indem er eine Forderung stellt. Auch die Worte des Herrn peinigen ihn (V. 29). -29 Er befahl nämlich dem unreinen Geiste auszufahren aus dem Menschen; denn seit langer Zeit hatte er ihn ergriffen, und er ward mit Ketten gebunden, und mit Fesseln verwahrt; er zerbrach aber die Bande, und ward von dem bösen Geiste in die Wüste getrieben.30 Jesus nun fragte ihn, und sprach: Wie heißest du? Er sagte: Legion;Der Heiland will uns erkennen lassen, wie viel böse Geister eine einzige Seele in Besitz nehmen können (Cyr.) und seine Macht offenbaren (Beda.). - denn es waren viele Teufel in ihn gefahren.31 Und sie baten ihn, dass er ihnen nicht befehle, in den Abgrund zu fahren.Wenn sie sich nicht einmal jener Tiere bemächtigen können, wie viel weniger vermögen sie einem Menschen zu schaden, der Christi Zeichen trägt (Cyr.). -32 Es war aber daselbst eine Herde von vielen Schweinen, die auf dem Berge weideten; und sie baten ihn, dass er ihnen erlauben möchte, in diese einzufahren. Und er erlaubte es ihnen.33 Da fuhren die bösen Geister aus dem Menschen, und fuhren in die Schweine;Mehr vermögen sie nicht, das Übrige tun die Schweine. Der Heiland lässt den Untergang der Schweine zu, damit den Menschen Gelegenheit zum Heile werde, indem die Hirten das Ereignis in der Stadt verkünden. - und die Herde stürmte davon, den Abhang hinab in den See, und ertrank.34 Als nun die Hirten sahen, was geschehen war, flohen sie, und berichteten es in der Stadt, und in den Dörfern.35 Da gingen sie hinaus, um zu sehen, was geschehen war. Und sie kamen zu Jesus, und fanden den Menschen, von dem die bösen Geister ausgefahren waren, bekleidet und bei gesundem Verstande zu den Füßen Jesu sitzen, und sie fürchteten sich.36 Die aber, welche zugesehen hatten, erzählten ihnen, wie er von der Legion befreit worden.37 Da bat ihn die ganze Menge des Volkes in dem Gebiete der Gerasener,Sie wissen die dem Besessenen erwiesene Wohltat nicht zu schätzen, sondern empfinden nur ihren Verlust, wie viel weniger also würden sie die Predigt des Herrn achten. Die Furcht hält sie von harten Worten zurück. Der Heiland lässt ihnen den Geheilten als Verkünder der Wundertat Gottes zurück. - er möge von ihnen weggehen, denn sie waren von großer Furcht ergriffen. Er aber stieg in das Schiff, und kehrte zurück.38 Und der Mann, von welchem die bösen Geister ausgefahren waren, bat ihn, dass er bei ihm bleiben dürfe. Jesus aber hieß ihn von dannen gehen, und sprach:39 Kehre zurück in dein Haus, und erzähle, welch große Dinge Gott an dir getan! Und er ging fort, durch die ganze Stadt hin laut verkündigend, welch große Dinge Jesus an ihm getan.40 Es geschah aber, als Jesus zurückkehrte, empfing ihn das Volk;Wohl mit Jubel und Freude. Was [Mt 9,18] erzählt wird, geschah nach der Rückkehr, ehe Jairus kam. Die meisten Vorsteher gehörten wohl zur Sekte der Pharisäer. Die Bitte, in das Haus zu kommen, entspricht der Gewohnheit des Heilandes, durch Handauflegung [Lk 4,40] oder durch sein Gebot [Lk 6,10] oder durch Berührung [Lk 6,9] zu heilen, Jairus sucht also den Herrn mit Ehrfurcht auf, bittet um Vertrauen, verlangt aus Bedürfnis, deshalb wird seine Bitte erhört (Bonav.). - denn alle warteten auf ihn.41 Und siehe, es kam ein Mann, mit Namen Jairus, welcher Vorsteher der Synagoge war, und fiel Jesus zu Füßen, und bat ihn, dass er in sein Haus kommen möchte;42 denn er hatte eine einzige Tochter von ungefähr zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Da geschah es, als er hinging, dass er vom Volk umdrängt wurde.43 Und ein Weib, die seit zwölf Jahren am Blutflusse litt, und all ihr Vermögen an die Ärzte verwendet hatte, und von keinem geheilt werden konnte,Durch die vielen Heilversuche war sie doppelt elend, ja noch kränker geworden. -44 trat von rückwärts hinzu, und berührte den Saum seines Kleides; und sogleich stand der Blutfluss still.45 Und Jesus sprach: Wer hat mich angerührt? Da nun alle es verneinten,Dass sie in besonderer Absicht oder bewussterweise ihn berührt. - sprach Petrus, und die mit ihm waren: Meister! die Volksmenge umdrängt und stößt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt?46 Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich weiß, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist.Jesus offenbart sich als die Quelle alles Guten und aller Kraft. -47 Da nun das Weib sah, dass sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd, fiel ihm zu Füßen, und entdeckte es vor allem Volke, aus welcher Ursache sie ihn angerührt habe, und wie sie sogleich geheilt worden sei.48 Er aber sprach zu ihr: Tochter! dein Glaube hat dir geholfen. Gehe hin in Frieden!49 Während er noch redete, kam jemand zu dem Synagogenvorsteher, und sprach zu ihm: Deine Tochter ist gestorben, bemühe ihn nicht!Sie kannten doch die Auferweckung des Jünglings zu Naim [Lk 7,17] und hätten also die Hoffnung nicht aufgeben sollen. -50 Jesus aber, der diese Rede hörte, antwortete dem Vater des Mädchens: Fürchte dich nicht, glaube nur, so wird sie leben!51 Und als er in das Haus kam, ließ er niemanden mit sich hineingehen, als Petrus, Jakobus und Johannes, und den Vater und die Mutter des Mädchens.52 Sie weinten aber alle, und klagten um dasselbe. Er dagegen sprach: Weinet nicht! das Mädchen ist nicht tot, sondern schläft.Der Tod wird nicht lange seine Herrschaft über sie bewahren. -53 Da verlachten sie ihn, denn sie wussten, dass sie gestorben war.Jesus erweckt die Tochter des Jairus
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.54 Er aber nahm sie bei der Hand, und sprach mit lauter Stimme: Mägdlein, stehe auf!Der Heiland weckt die Verstorbene, wie man Schlafende weckt, weil er aus eigener Kraft dies Wunder tut.55 Da kehrte ihr Geist zurück, und sie stand sogleich auf. Und er befahl, dass man ihr zu essen gebe.56 Und ihre Eltern gerieten in Erstaunen; er aber gebot ihnen, niemanden zu sagen, was geschehen war.
Zitiert in 88
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