Einleitung. (V. 13) I. 1,14 – 9,49. 1. Beginn der Predigt Jesu Christi. (1. V. 14 – 45) Der Heiland wird am Jordan getauft, in der Wüste vom Teufel versucht (V. 13) und beruft die ersten vier Jünger. (V. 20) Christus treibt einen unreinen Geist aus (V. 28) und heilt die Schwiegermutter des Petrus. (V. 34) Der Heiland verlässt Kapharnaum (V. 39) und heilt einen Aussätzigen.
1Der Anfang des EvangeliumsDer Dolmetscher des heil. Petrus hält die Ordnung inne, welche der Apostelfürst selbst [Apg 10,37] andeutet. - Jesu Christi,Der von Gott für das Heil aller verheißene Messias. - des Sohnes Gottes.Der göttlichen Natur nach, da das Evangelium aus den Wundern die Gottheit Christi erweisen will, während der Name Jesus auf die menschliche Natur hinweist. -2 Wie geschrieben stehtSo ist es eingetreten (Ir., Orig., Epiph., Euth.). - bei dem Propheten Isaias:Das Zeugnis des Malachias wird hier dem Isaias zugeschrieben, weil der erstere auf Isaias verwies und das, was er selbst außerdem hat, mehr eine Einleitung zur Hauptprophezeiung ist. - Siehe, ich sende meinen Engel vor deinem Angesichte her, welcher deinen Weg vor dir bereiten wird.3 Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet eben seine Pfade!Der heil. Johannes wendete diese Stelle selbst auf sich an [Mt 3,3]. -Johannes der Täufer predigt in der Wüste
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.4 Es war Johannes, der in der Wüste taufteDies und die Predigt der Buße war sein Beruf. Vergl. Matth. a. a. Q. - und Bußtaufe predigteMit Macht und Würde, als Gesandter des ewigen Königs. - zur Vergebung der Sünden.5 Und es ging das ganze Land Judäa und alle Einwohner JerusalemsLandleute und vornehme Städter. Die Ausdrücke ganz und alle sind nicht zu streng zu nehmen. Sinn: der größere Teil. - zu ihm hinaus und wurden von ihm im Flusse Jordan getauft, indem sie ihre SündenSiehe [Mt 3,Anm.12]. – bekannten.6 Johannes aber hatte eine Kleidung von Kamelhaaren, und einen ledernen Gürtel um seine Lenden, und aß Heuschrecken und Waldhonig.Der zur Buße auffordert, bietet selbst das Bild eines Büßers. – Und er predigte und sprach:Er gibt eine Prophezeiung, deren Richtigkeit die Zeitgenossen selbst bald werden feststellen können, sich so als wahren Propheten erweisend nach [5Mos 18,22]. –7 Es kommt nach mir, der stärker ist als ich; dem ich nicht würdig bin, mich niederbeugend die Riemen seiner Schuhe zu lösen.Welche Demut! Die Sandalen zu lösen war Sache der niedrigsten Diener. -8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem heiligen Geiste taufen.Die von [Jes 44,3. Ez 36,26.27, Joe 2,28] gemachten Verheißungen für die Zeit des Messias. Die Worte gelten nicht allein von der Taufe, sondern von allen Mitteilungen der Gnade. Vergl. [Apg 1,5]. Mit dem Worte: Ich habe getauft, deutet er an, dass seine Tauftätigkeit bald ein Ende haben wird. -9 Und es begab sich: In jenen Tagen kam Jesus von Nazareth aus Galiläa, und ward von Johannes im Jordan getauft.10 Und sofort aus dem Wasser heraufsteigend, sah er den Himmel offen, und den heiligen Geist wie eine TaubeDer heil. Geist bringt der Welt Frieden und Gnade, wie einst sinnbildlich die Taube nach der Sündflut. So wird [Jes 11,11] und [Jes 61,1] erfüllt. - herabkommen und auf sich bleiben.11 Und eine Stimme erscholl vom Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich mein Wohlgefallen!In der Taufe des Herrn wird das Geheimnis der heil. Dreifaltigkeit offenbart und es werden uns die Güter gezeigt, die uns in der Taufe und bei der Rechtfertigung zuteil werden. Es steht der Himmel offen (Beda), der heil. Geist steigt auf uns herab (Theoph., Bed.) und die Versicherung wird uns gegeben, dass wir Gottes Kinder sind [Roem 8,15.16] und dass Gott an uns sein Wohlgefallen hat, da wir Christus angezogen haben [Gal 3,27]. -12 Und alsbald trieb ihn der Geist hinaus in die Wüste.Christi heilige Menschheit folgt jeder Weisung Gottes. -13 Und er war in der Wüste vierzig Tage und vierzig Nächte. Und er ward von dem Satan versuchtChristus war gekommen, der Schlange den Kopf zu zertreten, deshalb besiegt er den Versucher sogleich im Beginne seiner Laufbahn. Vergl. [Mt 4,Anm.15]. - und war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.Wann die Engel erschienen, siehe [Mt 4,11]. -14 Nachdem aber Johannes überliefert war,Siehe [Mt 4,12]. Vergl. [Joh 4,1]. Die Galiläer hatten die Wunder Jesu am Feste gesehen [Joh 4,45] und so konnte der Heiland unter ihnen mit minderer Gefahr sein Amt ausüben. Zudem stand Galiläa unter Herodes, einem Feinde des Pilatus, so dass die Juden eine Auslieferung des Heilandes an den Landpfleger nicht hätten erreichen können - kam Jesus nach Galiläa, predigte das Evangelium vom Reiche Gottes,15 und sprach: Erfüllet ist die Zeit,Welche Gott bestimmt hat. Ob Christus auf [Dan 9,24] hinweist? - und das Reich GottesDas die Propheten vorherverkündet: [Dan 2,44, Dan 7,13.14]. Die zwei Teile dieses Satzes zeigen, was Gott dem Volke bietet, es folgt, was Gott fordert: Abkehr von den Geschöpfen und Hingabe an Gott, deren Grundlage der Glaube ist, welcher aus der Predigt des Evangeliums hervorgeht. - hat sich genahet; tuet Buße, und glaubet dem Evangelium!16 Als er nun längs des galiläischen Meeres hinwandelte, sah er Simon und Andreas, dessen Bruder,Die ersten Jünger sendet Johannes der Täufer dem Heilande zu. [Joh 1,35]. - welche eben ihre Netze in das Meer auswarfen (denn sie waren Fischer).17 Da sprach Jesus zu ihnen: Folget mir nach, und ich werde machen, dass ihr Menschenfischer werdet.Die ersten Umrisse des Gleichnisses [Mt 13,47-50]. Christus wählt unwissende Fischer, aber verheißt sie mit allem auszurüsten, was sie für ihren neuen Beruf brauchen. -18 Und alsogleich verließen sie ihre Netze, und folgten ihm.Sie sollen nicht sofort auf immer alles verlassen, sondern zunächst durch einige Zeit Zeugen der Wunder Christi sein: [Joh 2,2ff.17.23, Joh 3,22, Joh 4,39]. -19 Als er nun von dort ein wenig weiter gegangen war, sah er den Jakobus,Den älteren [Apg 12,2]. - den Sohn des Zebedäus, und Johannes,Den Evangelisten. - seinen Bruder, die eben auch im Schiffe ihre Netze zurichteten.20 Und alsogleich rief er sie. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Taglöhnern im Schiffe, und folgten ihm.21 Sie begaben sich nun nach Kapharnaum;Von Nazareth [Lk 4,30.31]. Vergl. [Mt 4,Anm.18]. - und sogleich am Sabbate ging er in die Synagoge, und lehrte sie.22 Und sie erstaunten über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.Siehe [Mt 7,Anm.32.33]. -23 Und es war in ihrer Synagoge ein Mensch, der einen unreinenWer eine vom Gesetze bezeichnete Makel hatte, durfte dem Heiligtume nicht nahen; so ist der böse Geist unrein, weil er von dem Himmel ausgeschlossen ist. - Geist hatte. Dieser schrie,Er ließ den Besessenen rufen; die Gegenwart des Herrn peinigte den bösen Geist. -24 und sprach: Was haben wirJesus ist der Feind der gesamten Hölle. Der lateinische (griechische) Ausdruck besagt im Allgemeinen, dass die Gemeinschaft mit jemanden verneint wird. Indes enthalten die Worte nicht stets einen Vorwurf, sondern können auch eine Bitte in sich schließen. Der Sinn muss also aus dem Zusammenhange erschlossen werden. Vergl. [Joh 2,4]. - mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? bist du gekommen, uns zu verderben?In die Hölle zu verstoßen. - Ich weiß, wer du bist: der HeiligeDer von Gott in besonderer Weise und zu besonderem Werke Auserwählte. Der böse Geist gibt den Gegensatz zu erkennen, der zwischen ihm und dem Herrn besteht, da er selbst von Gott fern, ja verdammt, nur Schlechtes sinnt und tut. - Gottes!25 Jesus aber bedrohte ihn, und sprach: Verstumme, und fahr aus von dem Menschen!Weil er geschrien, wird ihm Schweigen auferlegt; weil er gequält, wird er ausgetrieben. Christus will von dem Vater der Lüge kein Zeugnis, und nimmt den Pharisäern jeden Vorwand zur Verleumdung. Vielleicht will er auch seine Gottheit zur Zeit noch nicht offenbar werden lassen. -26 Und indem der unreine Geist ihn hin und her riss,Christus gestattet dies, damit es offenbar werde, dass der böse Geist den Menschen besessen und aus ihm geredet wird. Zugleich zeigt sich die Macht des Herrn, da der böse Geist durch sein Geschrei zeigt, wie ungern er ausfährt. - und mit lauter Stimme schrie, fuhr er aus von ihm.27 Da verwunderten sich alle, so dass sie sich untereinander fragten, und sprachen: Was ist das? Was ist dies für eine neue Lehre? Denn mit Macht gebietet er selbst den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm.28 Und der Ruf von ihm verbreitete sich alsbald über die ganze Gegend von Galiläa.29 Und sogleich verließen sie die Synagoge,Nach Wundertaten entzieht sich Jesus der Huldigung des Volkes. Das Haus gehört Simon und Andreas. Es war für sie eine große Gunst, dass der Wundertäter, den jeder gerne bei sich gesehen hätte, in ihr Haus einkehrte. - und kamen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.30 Die Schwiegermutter des Simon aber lag fieberkrank darnieder;Wohl schon lange. - und sogleich redeten sieEs sind wohl die Jünger. Den Besessenen heilte der Herr, ohne gebeten zu sein, hier wartet er auf die Bitte. So sehr der Heiland auch das Heil aller wünscht, schließt er uns dennoch nicht als Helfer aus. - ihm von ihr.31 Da trat er hinzu, nahm sie bei der Hand, und richtete sie auf; und sogleich verließ sie das Fieber, und sie diente ihnen.Sie ist sofort ganz gesund. Wie dankbar zeigt sie sich für diese Wohltat! -32 Als es nun Abend geworden, und die Sonne untergegangen war,Am Sabbate selbst durfte man nach Vorschrift der Rabbiner keine Kranken tragen. Siehe [Joh 5,10, Lk 13,14]. - brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen;33 und die ganze Stadt war vor der Türe versammelt.34 Und er machte viele gesund, die von allerlei Krankheiten geplagt waren, und trieb viele böse Geister aus, und ließ sie nicht reden, weil sie ihn kannten.D. i. als Messias. Vielleicht wollten die bösen Geister, welche wussten, was für einen Messias das Volk wünschte, dessen törichte Erwartungen bestärken und so verhindern, dass es Christi Mahnungen zu Herzen nahm. -35 Bei früher Morgendämmerung aber stand er auf, ging hinaus,Die Einwohner waren durch Christi Predigt und Wunder genügend auf das Reich Gottes vorbereitet, in das einzutreten sie jetzt aufgefordert wurden und das ihnen nach der Himmelfahrt Christi durch die Apostel verkündet ward. – Die Zeit, welche der Heiland zum Fortgehen wählte, entzog ihn allem Lobe (Theoph., Euth.) und verhinderte zu bemerken, wohin er sich begab. - und begab sich an einen einsamen Ort, und betete allda.Er empfahl dem Vater seine bevorstehende Tätigkeit in Galiläa. Der Heiland erlangte durch das Gebet vieles für uns, was die göttliche Weisheit nur durch das Gebet Christi verleihen wollte, gleich wie sie es angeordnet, dass der Heiland durch sein Leiden und Kreuz unsere Erlösung vollbringen sollte. -36 Simon nun folgte ihm nach samt denen, die bei ihm waren.Die höhere Stellung des heil. Petrus wird hier bereits angedeutet. Die bei ihm sind, sind die V. 29 genannten Jünger. -37 Und da sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich!38 Er aber sprach zu ihnen: Lasset uns in die nächstgelegenen Flecken und Städte gehen, damit ich auch dort predige;Die Predigt ist die Hauptaufgabe, zu welcher die Wunder als göttliche Siegel hinzutraten, die Sendung und Lehre zu bestätigen, das Erbarmen des Herrn zu zeigen und die Menschen zur Annahme seiner Lehre zu bestimmen. - denn dazu bin ich gekommen.Als Gott, wie [Lk 4,33]. gesandt: als Mensch. -39 Und er predigte in ihren Synagogen,So zeigt er, dass der Alte und der Neue Bund denselben Urheber haben. - und in ganz Galiläa, und trieb die bösen Geister aus.Wen sein Wort nicht an ihn zieht, soll die Größe der Wunder belehren. -40 Und es kam ein AussätzigerDiese Krankheit bereitete viele Schmerzen und trennte den Kranken vom Umgange mit anderen. Sie galt als eine besondere Heimsuchung Gottes. - zu ihm; der bat ihn, fiel auf seine Knie, und sprach zu ihm: Wenn du willst,Er erkennt die Macht des Herrn im Glauben an und bekennt in Demut seine Unwürdigkeit. - so kannst du mich reinigen.41 Jesus aber erbarmte sich seiner, streckte seine Hand aus, rührte ihn an,Wer einen Aussätzigen berührte, wurde unrein. Christus zeigt, dass er Herr des Gesetzes ist und heilt durch die Berührung seiner heil. Menschheit. - und sprach zu ihm: Ich will, sei rein!42 Und als er dies gesprochen hatte, wich der Aussatz alsogleich von ihm, und er ward rein.43 Und er bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von dannen,Befahl ihm mit strengen Worten fortzugehen. -44 und sprach zu ihm: Siehe zu, dass du es niemanden sagest;Der Heiland will nicht, dass die Kunde von der Heilung den irdischen Erwartungen der Juden zur Bestärkung diene. - sondern gehe hin, zeige dich dem Hohenpriester,Die Erklärung des Priesters gab ihn der Gemeinschaft der Menschen zurück [3Mos 14,2]. folg. Vergl. [Mt 8,Anm.7]. - und opfere für deine Reinigung, was Moses befohlen hat, zum Zeugnisse für sie.45 Er aber ging fort und fing an, die SacheDie Heilung. Es konnte nicht verborgen bleiben, dass er geheilt war, und vielleicht fasste er das Verbot Christi auch so auf, dass er schweigen sollte, bis er sich den Priestern gezeigt. zu verkündigen und auszubreiten, so dass Jesus nun nicht mehr öffentlich in die Stadt gehen konnte, sondern draußen an einsamen Orten blieb; aber sie kamen von allen Seiten zu ihm.
Zitiert in 165
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