Markus 10

II. 10, 1-15, 47 1. Der Heiland erklärt einige Lehrpunkte (Kap. 10): Die Unauflöslichkeit des Ehebandes. (V. 16) Die Gefahren des Reichtums und der Lohn der freiwilligen Armut. (V. 31) Christus sagt sein Leiden voraus, weist die Söhne des Zebedäus zurecht und zeigt den Aposteln den Wert der Demut. (V. 45) 2. Jesu Aufenthalt in Jerusalem vor seinem Leiden. (10,46 – 12,44) Ein Blinder wird nahe bei Jericho geheilt.

Und von da Von Kapharnaum oder Galiläa. [Mk 9,32]. – machte er sich auf, und kam an die Grenzen von Judäa jenseits des Jordans; Durch Peräa. Unten V. 46. - und das Volk versammelte sich wieder Er hatte sich ihm [Mk 9,26] entzogen. Welch Unterschied zwischen dem Volke und den Pharisäern. - bei ihm, und wiederum lehrte er sie, wie er gewohnt war. Da traten die Pharisäer hinzu, versuchten ihn Sie wollen sehen, ob seine Antwort sich nicht gegen ihn gebrauchen lässt. - und fragten: Ist es einem Manne erlaubt, sein Weib zu entlassen? Er aber antwortete, und sprach zu ihnen: Was hat euch Moses geboten? Sie sprachen: Moses hat erlaubt, einen Scheidebrief zu schreiben, und das Weib zu entlassen. Jesus antwortete ihnen, und sprach: Wegen der Härte eueres Herzens hat er euch dieses Gebot geschrieben. Diese Erlaubnis erfolgte der Unvollkommenheit des A. B., da das Gesetz keine wahre Heiligkeit verlieh und jene Mittel nicht gewährte, welche im A. B. helfen, alle bösen Neigungen des Herzens zu überwinden. - Vom Anfange der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Weib geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen. Und es werden zwei in einem Fleische sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Ein Prinzip für das von Gott gewollte Ziel, die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes. - Was nun Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen. Und zu Hause fragten ihn seine Jünger noch einmal darüber. Die Sache schien ihnen so neu und schwer, dass sie nicht wussten, ob sie den Herrn recht verstanden. - Er sprach zu ihnen: Wer immer sein Weib entlässt, und eine andere nimmt, der begeht an ihr einen Ehebruch. Und wenn ein Weib ihren Mann entlässt, und einen anderen heiratet, so bricht sie die Ehe. Dieselbe Lehre [Lk 16,18, 1Kor 7,10.11]. - Und sie brachten Kindlein zu ihm, dass er sie berühren möchte. Die Jünger aber fuhren die hart an, welche sie brachten. Es war bei den Juden Sitte, Kinder zu angesehenen Lehrern zu führen, damit sie dieselben segneten. Vergl. [Mt 19,Anm.20]. -
Jesus segnet die Kindlein
Da Jesus sie sah, ward er unwillig, und sprach zu ihnen: Lasset die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht; denn für solche Nicht für diese, sondern für alle, die ihnen ähnlich sind. – ist das Reich Gottes. Wahrlich, sage ich euch, wer das Reich Gottes nicht aufnimmt wie ein Kind, An Demut, Einfalt, Unschuld usw. – wird in dasselbe nicht eingehen! Und er schloss sie in seine Arme, legte ihnen die Hände auf, und segnete sie. Nur zwei Mal zeigte der Heiland seine Zuneigung durch äußere Liebkosung: [Mk 9,35] und hier. – Und als er auf die Straße hinausgegangen war, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder, und fragte ihn: Guter Meister! was soll ich tun, dass ich das ewige Leben erlange? Sein Eifer und seine Ehrerbietigkeit zeigen, dass er es aufrichtig meint. Andere suchen Heilung, er das ewige Leben. - Jesus aber sprach zu ihm: Was nennest du mich gut? Niemand ist gut, als nur Zeigen dir die Gründe, aus denen du mich gut genannt hast, nicht noch mehr, meine Gottheit? (Bed., Vikt., Theoph.) - einer, Gott. Die Gebote kennst du: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis geben; du sollst nicht übervorteilen; du sollst Vater und Mutter ehren. Jener aber antwortete, und sprach zu ihm: Meister! dies alles habe ich beobachtet von meiner Jugend an. Jesus aber blickte ihn an, gewann ihn lieb, und sprach zu ihm: Eines fehlt dir noch; gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir! Als Jünger und durch Nachahmung. - Da ward er traurig über dieses Wort, Wegen der Rede; der Preis scheint ihm zu hoch. - und ging betrübt davon; denn er hatte viele Besitztümer. Und Jesus blickte um sich, und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer ist es, dass die, welche viel Geld haben, in das Reich Gottes eingehen! Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Die Lehre des Heilandes scheint ihnen unbegreiflich, deshalb wiederholt der Herr seine Worte. - Da hob Jesus abermals an, und sprach zu ihnen: Kindlein, Die freundliche Anrede zeigt, dass Christus sie weder täuschen, noch unnützerweise erschrecken will, sondern ihnen eine Lehre von großer Wichtigkeit zu ihrem Besten vorlegt. - wie schwer ist es, dass die, welche auf das Geld ihr Vertrauen setzen, in das Reich Gottes eingehen! Gott gibt den Reichtum, damit er eine Hilfe zur Erlangung seines Reiches sei, doch die ungezähmte Anhänglichkeit des Herzens schafft Schwierigkeit. - Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr durchgehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe! Sprichwort, um eine sehr schwere Sache zu bezeichnen. - Da verwunderten sie sich noch mehr, und sprachen zueinander: Wer kann wohl selig werden? Sie sind für die anderen Menschen besorgt. - Und Jesus blickte sie an, Durch seinen Blick sie tröstend. - und sprach: Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott ist alles möglich. Gott kann alle Hindernisse beseitigen. - Da begann Petrus, und sprach zu ihm: Siehe wir haben alles verlassen, und sind dir gefolgt! Petrus will genauer wissen, was für ein Schatz ihnen im Himmel hinterlegt ist. - Jesus antwortete, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es ist niemand, der Haus, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Kinder, oder Äcker verlassen hat um meinet- und des Evangeliums wegen, der nicht hundertmal so viel empfinge, Die geistlichen Güter sind hundertfach mehr wert als alle zeitlichen, welche sie verlassen (Ambr., Hier., Greg.). Auch auf Erden erhalten sie hundertfaches, dies zeigt die Liebe der ersten Christen [Apg 2,44] (Vikt., Theoph., Euth.) und das Leben der Ordensleute. Auch die Verfolgungen werden dies nicht hindern können (Cassian., Theoph.). - jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder, und Schwestern und Mütter und Kinder, und Äcker, inmitten von Verfolgungen, und in der zukünftigen Welt das ewige Leben! Viele der Ersten aber werden die Letzten, und viele der Letzten die Ersten sein. Die alles verlassen haben, werden indes nicht darum allein schon die ersten Sitze im Himmel inne haben, so wenig wie das Maß der Zeit allein die Größe der Belohnung bestimmt [Mt 20,1-16]. Judas war vor dem guten Schächer berufen und doch gingen nicht beide in das Reich ein (Beda). - Sie waren nun auf dem Wege, und zogen nach Jerusalem hinauf; Jesus ging vor ihnen her, sie aber folgten staunend voller Bangigkeit. Die Apostel fürchten sich, denn sie haben zu wiederholten Male gehört, was in der Stadt bevorsteht. Der Heiland eilt dem Leiden entgegen, bereit, Gottes Willen zu tun (Theoph.). - Und er nahm abermals die Zwölf zu sich, und fing an ihnen zu sagen, was ihm widerfahren würde. Christus sagt zum dritten Male sein Leiden voraus. - Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten überliefert werden; sie werden ihn zum Tode verurteilen, und den Heiden überliefern; und werden ihn verspotten, und anspeien, und geißeln und töten; und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Jesus offenbart seine Kenntnis von dem Leiden und seinen Willen, es auf sich zu nehmen, damit die Apostel nicht irre werden, wenn sie ihn leiden sehen, was des Messias unwürdig zu sein scheint. - Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm, und sprachen: Meister! wir möchten, dass du uns gewährtest, um was immer wir bitten. Die Veranlassung zu der Bitte, siehe [Mt 19,28]. Sie scheuen sich, sogleich um das zu bitten, was ihnen im Sinne liegt. - Er aber sprach zu ihnen: Was wollet ihr, dass ich euch tun soll? Sie sprachen: Gib uns, dass wir, einer zu deiner Rechten, und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit! Ihre Bitte ist nicht frei von Ehrgeiz, wie die Antwort des Heilandes V. 42 zeigt. - Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht, um was ihr bittet. Jesus rügt ihre Unwissenheit, dass sie nicht wissen, dass er seine Herrlichkeit nicht auf Erden offenbart. Oder aber der Heiland verweist ihnen (wenn seine Antwort sich auf die höchste Stelle im Himmel bezieht) die Unkenntnis der Wege, welche die göttliche Vorsehung innehält. - Könnet ihr den Kelch Das von Gott zuerteilte Los. Siehe [Mt 20,Anm.18]. - trinken, den ich trinke? oder getauft werden mit der Taufe, Leiden und Heimsuchungen, in die er gleichsam untergetaucht werden soll. Große Trübsale werden in der heiligen Schrift mit einer Überschwemmung verglichen [Ps 68,2.16] u. a. - mit der ich getauft werde? Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Sie beteuern dem Herrn ihre Bereitwilligkeit, aus Liebe mit ihm zu leiden, wie später Petrus [Lk 22,32]. Wie weit sind die Apostel schon fortgeschritten gegen [Mt 16,22]! Im Übrigen vergl. [Mt 20,Anm.19.20]. - Da sprach Jesus zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und mit der Taufe getauft werden, womit ich getauft werde; aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken steht nicht bei mir, euch zu geben, sondern denen, welchen es bereitet ist. Als die Zehn dieses hörten, fingen sie an, über Jakobus und Johannes unwillig zu werden. Die übrigen Apostel fehlen in demselben Punkte wie Jakobus und Johannes. - Jesus aber rief sie zu sich, Die beiden Brüder waren zuvor allein herangetreten. - und sprach zu ihnen: Ihr wisset, dass die, welche als Fürsten der Völker angesehen werden, Gewaltherrscher sind über sie, und dass ihre Großen Gewalt über sie üben; nicht so aber ist es unter euch, sondern wer da größer werden will, wird euer Diener sein; Und wer unter euch der Erste sein will, wird aller Knecht sein; Der gütige Meister tadelt weder die Brüder noch die anderen Apostel, sondern zeigt, dass der Streit unnütz ist und weist auf den Weg zur Größe in seinem Reiche (Hier.). - denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen, und sein Leben dahinzugeben zur Erlösung für viele. Dies Wort schließt nicht den Sinn: alle aus (Euth.). Ihre Zahl ist groß. Oder ist es nur von denen zu verstehen, welche durch Christi Tod in der Tat die Seligkeit erlangen? - Und sie kamen nach Jericho. Jericho war zur Zeit Christi sehr reich; es lag 150 Stadien (etwa 326 Kilom.) von Jerusalem. - Und als er von Jericho herauszog mit seinen Jüngern und einer sehr großen Menge Volkes, Weil Ostern nahe war. - saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, Der heil. Petrus kannte seinen Namen. - ein Blinder, bettelnd am Wege. Da dieser hörte, dass es Jesus von Nazareth sei, fing er an zu rufen, und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids! erbarme dich meiner. So erkennt er ihn als Messias an. Jesus will seinen Glauben der Menge bekannt werden lassen, deshalb hört er nicht sofort auf ihn. - Und viele verwiesen es ihm, dass er schweigen sollte. Sie handeln aus Ehrfurcht gegen den Heiland (Vikt., Theoph., Euth.). - Er aber rief noch viel mehr: Sohn Davids! erbarme dich meiner! Ein Vorbild der Beharrlichkeit im Gebete. - Da stand Jesus still, und befahl, ihn zu rufen. Und sie riefen den Blinden, und sprachen zu ihm: Sei getrost, stehe auf, er ruft dich! Da warf er seinen Mantel weg, Den Mantel, um schneller zum Heilande zu gelangen. Möchten wir ebenso bereitwillig jeder Eingebung des Herrn folgen! - sprang auf, und kam zu ihm. Und Jesus redete ihn an, und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Heiland will so seinen Glauben kundtun. - Der Blinde aber sprach zu ihm: Meister! dass ich sehend werde! Christus will, dass wir um das bitten, was er schon kennt und bereit ist zu geben, um uns so zum Gebete zu ermuntern (Greg.). - Da sprach Jesus zu ihm: Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen! Ein lebendiges Zeugnis der Macht Jesu. Das Volk begleitet den Heiland wohl aus Dankbarkeit in die Stadt. [Lk 18,43] – Der Blinde und seine Heilung ist das Bild jedes Menschen, der die Wahrheit nicht kennt (Greg.). Und sogleich sah er, und folgte ihm auf dem Wege.

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