Markus 12

Der Heiland legt den Pharisäern das Gleichnis vom Weinberge vor. (V. 12) Pharisäer und Herodianer befragen Jesus über die Steuerpflicht, (V. 17) die Sadducäer über die Auferstehung (V. 27), ein Schriftgelehrter über das größte Gebot. (V. 34) Die letzte Rede des Heilandes im Tempel.

Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, umgab ihn mit einem Zaune, grub eine Kelter, baute einen Turm, verpachtete ihn an Winzer, und reiste in ein fernes Land. Und er schickte zu den Winzern, da die Zeit kam, Zur Zeit der Lese, da er sich einen Teil der Ernte als Pachtzins ausbedungen hat. – einen Knecht, um von den Winzern etwas von dem Ertrage des Weinberges in Empfang zu nehmen. Diese ergriffen und schlugen ihn, und schickten ihn leer von dannen. Und abermals sandte er zu ihnen Ihr Zorn wäschst, da der Herr seine Forderung wiederholt. Da bei Isaias die Bedeutung des Gleichnisses beigefügt ist, kann ihnen der Sinn der Worte des Heilandes nicht zweifelhaft sein. Vergl. [Mt 21,45]. Der Herr sendet seine Knechte zu dreien Malen, wie er [Lk 13,7] dem unfruchtbaren Feigenbaume drei Jahre Zeit lässt (Vikt.). Dreimal für: oftmals. - einen andern Knecht; denselben verwundeten sie am Kopfe, und taten ihm Schmach an. Und wiederum sandte er einen andern, denselben töteten sie; und mehrere andere, von denen sie einige schlugen, andere aber töteten. Noch hatte er einen einzigen Sohn, den er überaus liebte; auch diesen schickte er zuletzt an sie, und sprach: Sie werden Ehrfurcht vor meinem Sohne haben! Die Winzer aber sprachen zueinander: Dieser ist der Erbe; kommet, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! Und sie ergriffen ihn, töteten ihn, und warfen ihn hinaus aus dem Weinberge. Was wird nun der Herr Die Pharisäer mussten ihn aus dem Zeugnisse des heil. Johannes kennen. Zudem wussten sie aus Isaias, dass Gott der Herr des Weinberges ist; oft aber hatten sie gehört, dass der Heiland sich Gottes Sohn genannt. Doch sie hoffen durch ihren bösen Anschlag die Bewahrung ihres Ansehens zu sichern. – Das Gleichnis vom Weinberge lässt sich leicht auf die Seele des Menschen anwenden. - des Weinberges tun? Er wird kommen, und die Winzer töten, und den Weinberg anderen geben. Habt ihr diese Schriftstelle nicht gelesen: Das Gleichnis ging bis zum Strafgerichte. Doch der Heiland will noch zeigen, dass der Sohn sein Erbe dennoch nicht verliert. - Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Ecksteine geworden? Die Priester sind Gesetzeslehrer. Christus verbindet Juden und Heiden zu einem Tempel Gottes. - Vom Herrn ist dies geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen? Da suchten sie ihn zu ergreifen, Nicht einmal die Enthüllung ihrer Pläne vermag sie zur Umkehr zu bringen. - aber sie fürchteten das Volk; denn sie verstanden wohl, dass er dieses Gleichnis auf sie geredet habe. Und sie verließen ihn, und gingen davon. Und sie sandten an ihn einige Pharisäer Ihre Jünger. [Mt 25,15]. Über die Herodianer siehe [Mt 22, Anm.22]. - und Herodianer, dass sie ihn in der Rede fangen sollten. Siehe [Mt 22,Anm.20]. - Diese kamen, und sprachen zu ihm: Meister! wir wissen, dass du wahrhaft bist, und nach niemanden frägst; denn du siehest nicht auf das Ansehen der Menschen, sondern nach der Wahrheit lehrest du den Weg Gottes. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder sollen wir sie nicht geben? Er aber erkannte ihre Arglist, und sprach zu ihnen: Warum versuchet ihr mich? Bringet mir einen Denar her, dass ich ihn sehe! Da brachten sie ihm einen, Vom Wechsler? So hielten sie es für Unrecht, eine Münze mit dem Bilde des Kaisers bei sich zu tragen? - und er sprach zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da antwortete Jesus, und sprach zu ihnen: Gebet also dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie verwunderten sich über ihn. Und es kamen Sadducäer zu ihm, welche sagen, es gebe keine Auferstehung. Diese fragten ihn, und sprachen: Meister! Moses hat uns vorgeschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt, und hinterlässt ein Weib ohne Kinder, so soll sein Bruder dessen Weib nehmen, und seinem Bruder Nachkommenschaft erwecken. Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm ein Weib, und starb, ohne Nachkommenschaft zu hinterlassen. Da nahm sie der zweite, und starb; und auch er hinterließ keine Nachkommenschaft. Ebenso der dritte. Und es nahmen sie in gleicher Weise die sieben, Damit die Geschichte schwieriger erschien. – und hinterließen keine Nachkommenschaft. Zuletzt von allen starb auch das Weib. Bei der Auferstehung nun, wenn sie auferstehen, wem von ihnen wird das Weib zugehören? Denn alle sieben haben sie zum Weibe gehabt. Da antwortete Jesus, und sprach zu ihnen: Irret ihr nicht deswegen, weil ihr weder die Schrift kennt, In der heil. Schrift ist enthalten, was als notwendige Folgerung aus ihren Worten fließt. – noch die Kraft Gottes verstehet? Denn wenn sie von den Toten auferstehen, werden sie weder heiraten, noch verheiratet werden, sondern sie sind wie die Engel im Himmel. Was aber die Toten betrifft, dass sie auferstehen, habt ihr nicht im Buche Moses gelesen, in der Geschichte vom Dornbusche, wie Gott zu ihm sprach, und sagte: Ich bin der Gott Abrahams, und der Gott Isaaks, und der Gott Jakobs? Er ist nicht der Gott von Toten, sondern von Lebendigen. Siehe [Mt 22,Anm.41]. – Ihr irret also sehr. Und es trat einer der Schriftgelehrten hinzu, der ihren Streit angehört hatte, und da er sah, dass er ihnen treffend geantwortet habe, fragte er ihn, Er hat Christi Weisheit aus der Antwort an die Sadducäer erkannt, deren Schwierigkeit wohl bis dahin als unlöslich galt, und will den Heiland weiter erproben, aber da er ohne Bosheit kommt, wird er auch durch Christi Antwort gewonnen. - welches das erste aller Gebote sei? Jesus aber antwortete ihm: Das erste aller Gebote ist: Höre Israel! der Herr, dein Gott, ist ein Gott. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte, und aus allen deinen Kräften. Das ist das erste Gebot. Siehe [Mt 22,Anm.50]. - Ein zweites aber ist diesem ähnlich: Im geliebten Gegenstande: Der Nächste ist das Bild Gottes. In der Tugend: Sie ist die gleiche wie die Gottesliebe. Im Ziele: für Gott. - Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Dies hatte noch niemand gelehrt. Siehe [Mt 5,Anm.54]. - Größer An Allgemeinheit, da die Gottesliebe die erste Tafel, die Nächstenliebe die zweite Tafel der zehn Gebote enthält. Ebenso an Würde [Mt 22,40] und ewiger Geltung. - als dieses, ist kein anderes Gebot. Deine Frage ist beantwortet. - Der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Trefflich, Meister! nach der Wahrheit Die Worte: trefflich und nach der Wahrheit bilden einen Gedanken. - hast du gesagt, dass nur ein Gott ist, und kein anderer außer ihm. Und ihn zu lieben aus ganzem Herzen, aus ganzem Verstande, aus ganzer Seele, und aus aller Kraft, und den Nächsten lieben wie sich selbst; das ist mehr als alle Brandopfer, und andere Opfer. Er ist fern davon, die Religion nur in äußeren Zeremonien zu suchen. - Da aber Jesus sah, dass er weise geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht ferne vom Reiche Gottes! Er gehört noch nicht zum Reiche Gottes, weil er noch nicht an Jesus glaubt. - Und niemand wagte es mehr, ihn zu befragen. Versuchend. - Und Jesus hob an, und sprach im Tempel lehrend: Wie sagen die Schriftgelehrten, dass Christus Davids Sohn ist? Es kann nicht seine einzige Würde sein, den Thron Davids zu besteigen. - David sagt ja selbst Der ein so großes Ansehen hat. Der Nachdruck wird noch gemehrt durch den Zusatz: Im heiligen Geiste. - im heiligen Geiste: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege! David selbst also nennt ihn Herr. Wie ist er denn sein Sohn? Nur sein Sohn, nur ein irdischer König? - Und die Menge des Volkes hörte ihn gerne. Und er sprach zu ihnen in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, welche es lieben, in langen Kleidern Lange Kleider waren das Kennzeichen vornehmer Personen; das Volk trug kürzere Kleider, um bei der Arbeit nicht behindert zu sein. Markus beschreibt für die Römer einfacher, was [Mt 23,5] mit einer nur den Juden verständlichen Genauigkeit schildert. - einherzugehen, und gegrüßt sein wollen auf den Plätzen, in den Synagogen gerne obenansitzen, und bei Gastmählern die ersten Plätze suchen, welche die Häuser der Witwen aufzehren unter dem Vorwande langer Gebete; Zum Hochmut gesellt sich die Habsucht. - über diese wird ein schwereres Gericht ergehen. Und Gegensatz zu den Pharisäern. - Jesus saß dem Opferkasten gegenüber, und sah zu, wie das Volk Geld in den Opferkasten warf; Im Vorhofe der Frauen, bis wohin diese gehen durften, war ein großer Behälter mit dreizehn trompetenförmigen Öffnungen zur Aufnahme milder Gaben aufgestellt. - und viele Reiche warfen viel hinein. Da kam auch eine arme Witwe, und legte zwei kleine Stücke, das ist einen Pfennig, Griech.: Lepton, eine dünne Münze, im Werte von ⅛ As, d. i. einen halben Pfennig. - hinein. Jedes Wort ist mit Nachdruck gesagt. -
Das Scherflein der Witwe
Und er rief seine Jünger herbei, und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr hineingelegt als alle, die in den Opferkasten etwas geworfen haben! Denn alle haben von ihrem Überflusse hineingeworfen; diese aber warf von ihrer Armut hinein alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt. Die anderen haben aus ihrem Überflusse gespendet, sie hat aus ihrer Armut gegeben; jene das, wessen sie nicht bedurften, sie von dem Notwendigen. Welche Armut und welche Liebe! Wie der Heiland in dem Gleichnisse von den Arbeitern im Weinberge [Mt 20,1] gezeigt hat, dass die Länge der Arbeit nicht an sich Anspruch gibt auf größeren Lohn, so weist er hier darauf hin, dass nicht die Gabe, sondern das Herz des Gebenden vor Gott über den Wert des Dargebrachten entscheidet. – Welche Lehre zudem für die Jünger, keinen der Geringsten zu verachten!

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