Markus 15

Der Heiland wird vor Pilatus geführt. (V. 15) Christus wird verspottet und gekreuzigt. (V. 28) Der Herr wird am Kreuze verhöhnt und stirbt. (V. 39) Das Begräbnis des Heilandes.

Und sogleich gegen Morgen hielten die Hohenpriester Rat Sie befragen den Heiland noch einmal [Lk 22,66] und beraten sodann, wie sie ihn bei Pilatus verklagen sollen [Mt 27,1] und hier V. 2. - mit den Ältesten und den Schriftgelehrten und dem ganzen hohen Rate, ließen Jesus binden und fortführen, und überlieferten ihn an Pilatus. Wie Christus [Mk 10,34] vorausgesagt. Über Pilatus siehe [Mt 27,Anm.4]. - Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete, und sprach zu ihm: Du sagst es! Zugleich erklärt er, welcher Art sein Reich ist [Joh 18,33-38]. V. 9, V. 12, V. 14 zeigen, dass Pilatus ihm Glauben schenkt. - Und die Hohenpriester brachten viele Anklagen gegen ihn vor. Die erste Anklage hat keinen Erfolg. - Pilatus aber fragte ihn abermals, und sprach: Antwortest du nichts? Sieh, welch große Dinge sie wider dich vorbringen! Jesus aber antwortete nichts mehr, Der Heiland hatte dem heidnischen Richter die Sache zur Genüge erklärt. - so dass Pilatus sich verwunderte. Auf das Fest aber pflegte er ihnen einen von den Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten. Er fürchtet die vornehmen Juden, da bietet sich ein Ausweg. - Nun war einer, Barabbas genannt, Unter diesem Namen bekannt. - der mit den Aufständischen gefangen worden war, In welchem Aufstande ist unbekannt. - und in dem Aufruhre einen Mord begangen hatte. Und als das Volk hinaufkam, fing es an zu bitten, er möchte ihnen tun, wie er immer getan hatte. Pilatus aber antwortete ihnen, und sprach: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden Er meint: Den, der als solcher angeklagt ist. - losgebe? Denn er wusste, dass die Hohenpriester ihn aus Neid überantwortet hatten. Die Hohenpriester aber reizten das Volk auf, dass er ihnen vielmehr den Barabbas losgebe. Da entgegnete Pilatus wiederum, und sprach zu ihnen: Was wollt ihr also, dass ich mit dem Könige der Juden tue? Sie riefen abermals: Wie V. 11. Vergl. [Mt 27,21]. – Kreuzige ihn! Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Allein sie schrien noch mehr: Kreuzige ihn! Pilatus hat dies nicht erwartet. Sie suchen nun durch Geschrei zu erlangen, was sie wünschen. – Da nun Pilatus dem Volke willfahren wollte, gab er ihnen den Barabbas los, Jesus aber übergab er, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, zur Kreuzigung. Die Juden haben den Heiland den Römern übergeben, diese geben ihn den Juden zurück. – Die Kriegsknechte führten ihn nun Von der Geißelsäule in den inneren Hof. - in den Hof des Richthauses, und riefen die ganze Cohorte zusammen, und legten ihm ein Purpurkleid um, und flochten eine Dornenkrone, und setzten sie ihm auf. Und sie fingen an ihn zu begrüßen: Sei gegrüßt, König der Juden! Die Soldaten lassen zugleich ihren Hass gegen das jüdische Volk an ihm aus. - Und sie schlugen sein Haupt mit einem Rohre, und spieen ihn an, und die Knie beugend, beteten sie ihn an. Und nachdem sie ihn verspottet hatten, nahmen sie ihm das Purpurkleid ab, und zogen ihm seine eigenen Kleider an, In seiner gewöhnlichen Kleidung wird er leichter von allen erkannt. - und führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen.
Jesus fällt unter dem Kreuz
Und sie zwangen einen Vorübergehenden, Simon von Cyrene, der vom Lande kam, Von einer Arbeit auf dem Acker. Seine Söhne waren den Christen, wohl auch den Römern bekannt. - den Vater des Alexander und Rufus, sein Kreuz auf sich zu nehmen. Nachdem der Heiland das Kreuz eine Zeit lang getragen, trägt es jetzt Simon und zwar allein. (Hier., Aug., Leo.). - Und sie führten ihn an den Ort Golgotha, So sprachen die Juden das Wort damals aus. - was verdolmetschet ist: Schädelstätte. Da reichten sie ihm Wein, mit Myrrhen gemischt, zu trinken; er aber nahm ihn nicht. Und nachdem sie ihn gekreuziget hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los darüber warfen, was ein jeder nehmen sollte. Es war aber die dritte Stunde, Ungefähr. Christus ist lange vor der sechsten Stunde, zu welcher die Finsternis begann, gekreuzigt worden. Deshalb sagt der heil. Johannes [Joh 19,4], es sei um die sechste Stunde gewesen. Es war eine besondere Fügung der göttlichen Vorsehung, dass die messianische Würde des Herrn am Kreuze aufgeschrieben ward. Nach der Prophezeihung [Ez 21,31.32] konnten die Juden keinen König mehr erwarten als den Messias. Daher verkündet der Engel [Lk 1,32] den Heiland als den, welchen Gott den Thron seines Vaters David geben will. - da sie ihn kreuzigten. Auch war die Ursache seines Todes angeschrieben: Der König der Juden. Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten, und den andern zu seiner Linken. Das Kreuz war die übliche Todesart für die Räuber. - Da ward die Schrift erfüllet, die da sagt: Er ist unter die Übeltäter gezählt Alle verspotten ihn, Hohe und Niedrige, Juden und Heiden, Priester und Volk. - worden. Die Vorübergehenden aber Zur Osterzeit kamen bis zu 2.700.000 Fremde nach Jerusalem (Flav. Joseph.). - lästerten ihn, indem sie ihre Häupter schüttelten, und sprachen: Ha, Eigentlich Ausruf der Bewunderung, hier Ironie. - der du den Tempel Gottes abbrichst, und in drei Tagen wieder aufbauest, hilf dir selbst, und steige herab vom Kreuze! Gleicherweise verspotteten ihn auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sprachen zueinander: So verdammen sie sich selbst, indem sie die Wunder des Herrn anerkennen. - Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen! Wie töricht, da er ihnen im Garten gesagt, dass er sich ihnen überliefere [Mk 14,49]! - Christus, der König von Israel, steige nun herab vom Kreuze, Sie geben ihrer grausamen Freude Ausdruck, ihn an demselben zu sehen. - dass wir sehen und glauben! Auch die, welche mit ihm gekreuziget wurden, schmähten ihn. Als aber die sechste Stunde gekommen war, entstand eine Finsternis über das ganze Land hin bis zur neunten Stunde. Die Finsternis trat ein gerade um Mittag, also da, wo es nicht Mittag war, geschah dies Wunder nicht. Sie ward von Gott für die Juden gesendet (Orig.). Die Finsternis ist ein Bild des göttlichen Zornes, der Verblendung der Juden und der Verlassenheit des Heilandes. - Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme, und sprach: Eloi, Eloi, Aramäisch für das hebräische Eli. - lamma sabakthani? Das ist verdolmetschet: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? Und als dies einige der Umstehenden hörten, sagten sie: Die Urheber sind wohl die Priester. - Sehet, er ruft den Elias! Einer aber lief hin, Nachdem der Heiland gesagt: Ich dürste. - füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn an ein Rohr, und gab ihm zu trinken, indem er sprach: Lasset, sehen wir, ob Elias kommt, ihn herabzunehmen. Jesus aber rief mit lauter Stimme, und gab den Geist auf. Da riss der Vorhang des Tempels entzwei von oben bis unten. Das Heiligtum war das Bild des Verhältnisses, in dem das jüdische Volk zu Gott stand. Wie der Zugang zum Allerheiligsten verschlossen war, so konnte niemand in das himmlische Heiligtum vor das Angesicht Gottes gelangen. Erst Christi Opfer am Kreuze eröffnet den Erlösten den Zugang zum Himmel. Zugleich beginnt der Neue Bund, das alte Gesetz hört auf, die Synagoge macht der Kirche Platz (Leo., Ambr.). - Als aber der Hauptmann, welcher ihm gegenüber stand, sah, dass er so laut rufend den Geist aufgab, sprach er: Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn! Das Reich Gottes soll den Juden genommen und den Heiden gegeben werden. - Es waren aber auch Frauen da, die von ferne zusahen. Unter diesen war Maria Magdalena, und Maria, die Mutter Jakobus, des Jüngern, und Josephs, und Salome, welche ihm, da er in Galiläa war, auch nachgefolgt waren und gedient hatten, Bei den Juden erregte es keinen Anstoß, dass fromme Personen den Lehrern mit ihren Mitteln beistanden, anders bei den Heiden. [1Kor 9,5] - und viele andere, die zugleich mit ihm nach Jerusalem hinaufgegangen waren. Und als es bereits Abend geworden war (es war nämlich Rüsttag, das ist der Tag vor dem Sabbate),
Der Leichnam Jesu wird vom Kreuz abgenommen
kam Joseph von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch selbst auf das Reich Gottes harrte, und ging herzhaft Nicht dem Pilatus gegenüber, der so oft die Unschuld des Heilandes versichert, wohl aber den Juden gegenüber war es ein Wagnis (Theoph.). Vergl. [Joh 19,38]. Eine zweite Frucht des Todes Jesu. - hinein zu Pilatus, und begehrte den Leichnam Jesu. Pilatus aber wunderte sich, dass er schon verschieden sei. Ein Gekreuzigter konnte auch zwei Tage leben. - Und er ließ den Hauptmann kommen, und fragte ihn, ob er schon gestorben sei. Durch wie zahlreiche Zeugnisse steht der Tod Jesu fest! - Und da er es von dem Hauptmanne erfahren hatte, schenkte er dem Joseph den Leichnam. Joseph aber kaufte Leinwand, nahm ihn ab, wickelte ihn in die Leinwand, und legte ihn in ein Grab, Nicht allein; von den Jüngern war wenigstens der heil. Johannes dabei. - welches in einen Felsen gehauen war, und wälzte einen Stein vor die Türe des Grabes. Maria Magdalena aber, und Maria, des Joseph Mutter, sahen zu, wo er hingelegt wurde. Wenn in der heil. Schrift diejenigen gelobt werden, welche die Toten begraben (Tobias, die Männer von Jabes Galaad), wie viel größer ist da das Verdienst des Joseph, des Nikodemos und der frommen Frauen!

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