2. Der Hass der Pharisäer gegen den Herrn. (2,1 – 3,6) Die Heilung des Gelähmten. (V. 12) Der Heiland beruft den Matthäus. (V. 13) Die Pharisäer und die Jünger des heil. Johannes befragen den Herrn über das Fasten. (V. 22) Versuchung Christi seitens der Pharisäer. (Kap. 3 V. 6)
1Nach einigen Tagen kam er wieder nach Kapharnaum.Unbemerkt. -2 Und als es bekannt ward, dass er im HauseDes heil. Petrus, wie [Mk 1,29] angedeutet wird. - sei, kamen viele zusammen, so dass sie sogar der Platz vor der TüreDas griechische Wort bezeichnet auch den Raum an der Türe, die Vorhalle. - nicht fasste, und er redete zu ihnen das Wort.3 Da kamen einige zu ihm, und brachten einen Gelähmten, der von vieren getragen wurde.4 Und weil sie ihn vor der Volksmenge nicht zu ihm bringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo er war; und indem sie eine Öffnung machten, ließen sie das Bett hinab, auf dem der Gelähmte lag.Eine Außentreppe führt auf das Dach. -5 Als nun Jesus ihren GlaubenDer Träger und des Gelähmten (Theoph.). Siehe [Mt 9,2] - sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn!Welche Liebe! Christus vergibt aus eigener Machtvollkommenheit die Sünden, so verstehen ihn die Pharisäer, so bezeugt er selbst V. 10. - deine Sünden werden dir vergeben.6 Es saßen aber einige von den Schriftgelehrten daselbst, und dachten in ihren Herzen:Die Wunder hätten ihnen sagen müssen, dass Christus von Gott gesandt ist. Ebenso kannten sie das Zeugnis des heil. Johannes von Christus. -7 Was redet dieserMit Verachtung. - so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben, als Gott allein?8 Da Jesus alsbald in seinem Geist erkannte, dass sie so bei sich dachten, sprach er zu ihnen: Warum denkt ihr solches in eueren Herzen?Da Christus ihnen die Geheimnisse ihrer Herzen offenbart, zeigt er ihnen, dass er Gott ist. Vergl. [1Koe 8,39, 1Chr 28,9, Ps 7,10] Er erkennt das Verborgene in seinem Geiste. -9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben – oder zu sagen: Stehe auf, nimm dein Bett, und wandle?Beides erfordert göttliche Macht. Vermag ich das eine, wie es sogleich vor euren Augen sich zeigen wird, so sind auch meine Worte von der Sündenvergebung nicht eitel. –10 Damit ihr aber wisset, dass der MenschensohnJetzt können die Schriftgelehrten nicht mehr zweifeln, wer er ist. [Dan 7,13.14] – Macht hat auf Erden Sünden zu vergeben, - sagte er zu dem Gelähmten:11 Ich sage dir: Stehe auf, nimm dein Bett,Zum Zeichen, dass er nicht allein geheilt, sondern sogar die Kräfte wiedergewonnen hat. – und gehe in dein Haus!12 Und sogleich stand dieser auf, nahm sein Bett, und ging vor den Augen aller davon,Die Heilung ist eine sofortige: sogleich; eine kraftspendende: er trägt sein Bett; eine offenbare: vor allen. - so dass sich alle verwunderten, Gott lobpriesen, und sprachen: Niemals haben wir so etwas gesehen!13 Er ging nun wiederum hinaus an das Meer,Wie [Mk 1,16] - und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie.14 Im Vorbeigehen sah er Levi, den Sohn des Alphäus, an der Zollstätte sitzen,Wohl am Meere. - und sprach zu ihm: Folge mir nach!Der Heiland beruft einen Mann zum Apostelamte aus dem Stande, der ganz besonders von den Juden verachtet wurde. Wie ganz anders handelt der Herr als die Führer des Volkes, die ihn anfeinden! - Und er stand auf, und folgte ihm.15 Und es begab sich, da er in dessen HauseDes Matthäus. Christus zeigt, wie lieb ihm diejenigen sind, welche von den Sorgen dieser Welt und dem Wege der Sünde zu ihm kommen. - zu Tische saß, dass viele Zöllner und Sünder zugleich mit Jesus und seinen Jüngern zu Tische saßen; denn es waren ihrer viele,Jünger. - die ihm auch nachfolgten.16 Da sahen die Schriftgelehrten und Pharisäer, dass er mit den Zöllnern und Sündern aß, und sie sprachen zu seinen Jüngern:Sie fürchten den Heiland, deshalb wenden sie sich an die Jünger, die sie ihm abspenstig machen wollen. - Warum isst und trinkt euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?17 Als Jesus dies hörte, sprach er zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes,Also ist er der Arzt des Menschengeschlechtes. Vergl. [Jes 35,4]. und [Jes 53,5]. - sondern die Kranken; denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder.Hieraus erhellt, wer die Gesunden und wer die Kranken sind. Sünder sind alle Menschen (Aug.). -18 Nun pflegten die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten.Eine strenge Lebensweise flößt dem Volke Hochachtung ein. Zudem hat der heil. Johannes, den das Volk so hoch verehrte, eine solche geübt und seine Jünger gelehrt. Der Angriff der Pharisäer ist also geschickt. - Und sie kommenEinige von den Gästen (Aug., Bed., Theoph.). Der bei [Mt 9,14] erzählte Streit ist entweder ein anderer, oder beide fragen, Johannesjünger und Gäste. - und sprechen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und jene der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?19 Und Jesus sprach zu ihnen: Können denn die Hochzeitsleute fasten,Christus antwortet durch das Zeugnis des heil. Johannes [Joh 3,29]. Auch bei den Propheten wird die Zeit des Messias als Hochzeit beschrieben [Hos 2,19, Jes 61,60]. - so lange der Bräutigam bei ihnen ist? So lange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.Fasten heißt im A. T. seine Seele betrüben [3Mos 16,31, 3Mos 23,27.32, 4Mos 29,7]. -20 Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen wird; und dann werden sie fasten in jenen Tagen.Zum ersten Male spricht Christus von seinem Tode, indem er [Jes 53,8] auf sich anwendet. Dreimal hebt er diese Zeit hervor: Es werden Tage kommen, dann: in jenen Tagen. Wie der Heiland [Mt 6,17] das Fasten empfiehlt, so sagt er hier die Übung desselben seitens der Seinigen voraus. Mit Recht also hat die Kirche für dasselbe bestimmte Zeiten festgesetzt zum Andenken an das Leiden Christi und zur Erinnerung daran, dass wir hier auf Erden noch fern von ihm uns in mancherlei Gefahr der Sünde befinden. So zeigt der Heiland den Pharisäern zugleich, dass er seine Jünger keineswegs zu einem unabgetöteten Leben erzieht. -21 Niemand näht einen Fleck von neuem Tuche auf ein altes Kleid, sonst reißt das neue Stück von dem alten ab und ein ärgerer Riss entsteht.Christus benutzt den Vorwurf, um anzudeuten, dass das messianische Reich sich nicht innerhalb der Grenzen des A. B. hält. -22 Und niemand gießt neuen Wein in alte Schläuche, sonst wird der Wein die Schläuche zerreißen, der Wein wird auslaufen, und die Schläuche werden verderben; sondern neuer Wein muss in neue Schläuche gefasst werden.Sonst würde er weder die Güter des Alten noch die des Neuen Bundes erlangen. (Tert.) -23 Und es geschah wiederum, da der Herr am SabbateAn einem Sabbat. - durch die Saatfelder wandelte, begannen seine Jünger im Dahingehen ÄhrenEine oder die andere. - abzubrechen.24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Siehe, warum tun sie am Sabbate, was nicht erlaubt ist?25 Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr niemals gelesen, was David tat, als er Not litt und hungerte, er selbst und die bei ihm waren?26 Wie er zur Zeit des Hohenpriesters AbiatharNach [1Sam 22,11-20] vielmehr Achimelech, der Vater des Abiathar. Indes war auch dieser damals in Nobe. Beide also billigten Davids Handlungsweise, denn außer dem Buchstaben des Gesetzes sind noch andere Dinge zu erwägen. - in das Haus Gottes ging, und die Schaubrote aß, welche niemand essen durfte als die Priester, und wie er denen, die bei ihm waren, davon gab?Die Jünger raufen am Sabbat Ähren
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen.Das Gesetz steht im Range dem Menschen selbst nach. Wäre der Mensch für den Sabbat geschaffen, so müsste er eher den Tod erdulden als diesen nicht beobachten. Nun aber ist der Sabbat für das Seelenheil und das körperliche Wohlsein des Menschen bestimmt. Für sie Seele, damit der Mensch durch die Feier des Sabbats bekenne, dass Gott Himmel und Erde geschaffen hat [2Mos 20,11, 5Mos 5,12]; für den Leib, damit der Mensch nach der Arbeit der sechs Wochentage ruhe. Mithin ist der Sabbat so zu beobachten, dass er weder dem Heile der Seele, noch des Leibes schade. So gibt der Heiland zugleich eine allgemeine Richtschnur zur Auslegung der positiven Gesetze. -28 Darum ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.Ist der Sabbat wegen der Menschen da, so ist der Herr aller Menschen [Dan 7,13.14] auch der Herr alles dessen, was zu ihrem Heile geordnet ist.