Markus 7
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
Streit der Pharisäer mit Jesus betreffs ihrer Überlieferungen. (V. 23) Jesus begibt sich in das Gebiet von Thyrus und Sidon und heilt die Tochter einer Heidin (V. 37) und einen Taubstummen.
1 Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und einige von den Schriftgelehrten, die von Jerusalem kamen. Wohl vom hohen Rate gesendet. - 2 Als sie nun sahen, wie einige seiner Jünger mit unreinen, Die Händewaschung galt als eine religiöse Handlung, durch die alle gesetzliche Unreinigkeit hinweggenommen wird. Die Vorschrift verdankt den Rabbinern ihren Ursprung. (V. 3) - das ist mit ungewaschenen Händen Speise nahmen, rügten sie es. 3 Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, ohne sich öfter die Hände gewaschen zu haben, Eine bessere griechische Leseart hat: Mit der Faust die Hand gerieben und gewaschen zu haben. - indem sie festhalten an den Überlieferungen der Alten. 4 Auch essen sie nicht, wenn sie vom Markte kommen, ohne sich zuvor zu baden. Und so gibt es noch viele andere Dinge, die zu beobachten sie von den Vorfahren überkommen haben: Abwaschen von Bechern und Krügen und Kupfergeschirren und Betten. Mit Wasser zu besprengen. Gewisse Waschungen wurden [3Mos 15,2-18] und [3Mos 11,32-37] vorgeschrieben. Die Pharisäer wollten, dass man dieselben selbst dann vornahm, wenn nur die Möglichkeit einer Verunreinigung vorlag. - 5 Daher fragten ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten: Nach dieser Erklärung kehrt der Evangelist zu V. 2 zurück. Eine andere Anklage also hatten die Pharisäer nicht vorbringen können. - Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Satzung der Alten, sondern essen ihre Speisen mit ungewaschenen Händen? 6 Er aber antwortete, und sprach zu ihnen: Treffend hat Isaias von euch Heuchlern geweissagt, wie geschrieben steht: Dieses Volk ehret mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern von mir. 7 Vergeblich aber ehren sie mich, weil sie Lehre und Satzungen von Menschen lehren. Wenn sie diese Antwort vorhergesehen hätten, würden sie wohl ihre Frage nicht gestellt haben. Wie jene Gott mit den Lippen ehren, im Herzen aber fern von ihm sind, so ihr. Vergl. [Apg 28,25, Apg 7,51]. Das ganze Volk ist für den Propheten wie eine Person, deshalb gelten seine Worte auch für die Zeitgenossen Christi, obwohl er diese nicht im besonderen vor Augen hatte. Ähnlich [Mic 6,3.4]. - 8 Denn während ihr das Gebot Gottes hintansetzet, haltet ihr die Überlieferung der Menschen, Waschungen von Krügen und Bechern; und anderes derart tut ihr vieles. Christus zeigt, dass er diese Worte mit Recht auf sie anwendet: Ihr vernachlässigt Gottes Gebote über euren Überlieferungen (V. 8), ihr verkehrt Gottes Gebote und macht sie unwirksam. (V. 9 folg.) - 9 Und er sprach zu ihnen: Schön lasset ihr das Gebot Gottes nichts gelten, damit Da sie den Erfolg sehen und dennoch ihr Verhalten nicht ändern wollen (z. B. V. 11. 13), ist ihnen die Folge als beabsichtigt zuzuschreiben. - ihr euere Überlieferung wahret. 10 Denn Moses hat gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter. Und: Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben. 11 Ihr aber saget: Wenn einer zum Vater oder zur Mutter sagt: Korban, das heißt Weihegeschenk, sei alles, was dir von mir zu Gute kommt, Durch das dir von mir Hilfe zuteil werden könnte. Siehe [Mt 15,Anm.6]. Die Anordnung der Sätze ist bei Matthäus eine geeignetere, da die Pharisäer dort erst nach der Beweisführung Heuchler genannt werden und der Text der Propheten auf sie angewendet wird. - 12 da lasset ihr ihn nichts mehr für seinen Vater oder seine Mutter tun, 13 indem ihr das Wort Gottes für ungültig erklärt durch euere Überlieferung, die ihr gegeben habt; und ähnliches derart tut ihr vieles. 14 Und er rief abermals das Volk herbei, Das Volk war wohl aus Ehrfurcht etwas zurückgewichen. Der Heiland will seine Jünger verteidigen und die Richtigkeit der pharisäischen Überlieferungen nachweisen. – und sprach zu ihnen: Höret mich alle, und verstehet es wohl! 15 Nichts ist außerhalb des Menschen, was in denselben eingehend ihn unrein machen könnte, aber was von dem Menschen herauskommt, das ist es, was den Menschen verunreinigt. 16 Wer Ohren hat zu hören, der höre! Er bleibe nicht bei den Worten allein stehen, sondern frage nach dem Ziele derselben. – 17 Als er nun vom Volke weggehend in ein Haus eingetreten war, befragten ihn seine Jünger über das Gleichnis. 18 Und er sprach zu ihnen: Seid auch ihr so ohne Verständnis? Sehet ihr nicht ein, dass alles, was von außen in den Menschen eingeht, ihn nicht verunreinigen kann, 19 weil es nicht in sein Herz eingeht, Die Speise hat an sich nichts mit Verstand und Willen gemein. Die in V. 18. 19 enthaltene Wahrheit galt auch im A. T. Nicht eine Speise machte den Menschen unrein (machte ihm den Zutritt zum Heiligtume unerlaubt), sondern die Übertretung des Gesetzes, das gewisse Speisen verbot. Mithin enthält Gottes Wort durchaus nichts was gegen das katholische Abstinenzgebot vorgebracht werden könnte. Die kirchliche Vorschrift soll an die Notwendigkeit der Buße erinnern und ist gegeben, damit das Wort Christi [Mk 2,20] erfüllt werde. Deshalb war auch das erste Gebot, das Gott selbst gab, ein Abstinenzgebot. Auch die von dem Heilande unterwiesenen Apostel erließen ein solches für bestimmte Kirchen [Apg 15,23.29]. – sondern in den Leib kommt, und den natürlichen Ausgang nimmt, der alle Speisen ausscheidet? 20 Was aber, sprach er, von dem Menschen ausgeht, das macht den Menschen unrein. 21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Ehebrüche, Unzucht, Mordtaten, 22 Diebstähle, Geiz, Bosheit, Betrug, Schamlosigkeit, Scheelsucht, Gotteslästerung, Hoffart und Torheit. Toren heißen in der heiligen Schrift die schlimmsten Sünder. - 23 All dies Böse kommt von innen heraus, und verunreinigt den Menschen. 24 Und von da machte er sich auf, Um den Aposteln einige Ruhe zu verschaffen und jene Lehre zu geben, zu welcher das heidnische Weib Gelegenheit bietet. - und zog in das Gebiet von Tyrus und Sidon. Und er trat in ein Haus, und wollte, dass es niemand erfahren sollte; Der Evangelist redet nach menschlicher Weise. - er konnte aber nicht verborgen bleiben. 25 Denn kaum hatte ein Weib, deren Tochter einen unreinen Geist hatte, von ihm gehört, so ging sie sogleich hinein, und fiel ihm zu Füßen. Nach Matthäus tat sie dies auch schon auf dem Wege. Matthäus nennt sie eine Kananäerin, weil Kanaan Stammvater der Phönizier war [1Mos 10,15.19]. - 26 Das Weib aber war eine Heidin, aus Syrophönicien gebürtig. Und sie bat ihn, dass er den bösen Geist von ihrer Tochter austreiben möchte. 27 Er aber sprach zu ihr: Lass zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot der Kinder zu nehmen, und es den Hunden vorzuwerfen. 28 Sie aber antwortete, und sprach zu ihm: Ja Herr! denn auch die Hündlein essen unter dem Tische von den Brosamen der Kinder. Nichts wird den Kindern (den Juden) genommen, ja es geziemt sich sogar, so zu handeln. Welcher Glaube, welche Geduld, welche Demut! - 29 Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen gehe hin, der böse Geist ist ausgefahren von deiner Tochter. Die Jünger werden ermuntert, für ihr Volk eifrig zu arbeiten, aber lernen zugleich, dass die Heiden durch den Glauben würdig werden, Gottes Wohltaten zu empfangen, da der Glaube des Weibes den Heiland gleichsam wider seinen Willen zu einem Wunder zwingt. - 30 Und als sie in ihr Haus kam, fand sie das Mädchen auf dem Bette liegen, und den bösen Geist ausgefahren. 31 Und er ging wieder weg von den Grenzen von Tyrus, und kam durch Sidon an das galiläische Meer, mitten durch das Gebiet der Zehn-Städte. Siehe [Mt 4,Anm.35]. Von den vielen dort geschehenen Wundern [Mt 15,30], führt Markus nur eines an. - 32 Da brachten sie einen Taubstummen zu ihm, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflegen möchte. Christus offenbart nicht stets auf gleiche Weise seine Gottheit und Macht. - 33 Und er nahm ihn von dem Volke abseits, Vielleicht aus demselben Grunde, welcher dem Verbote V. 36 zu Grunde liegt. - legte seine Finger in seine Ohren, und berührte seine Zunge mit Speichel, Alle Teile seines Leibes sind wegen der Verbindung mit der Gottheit heilig und heiligend (Theoph., Euth.) - 34 sah gen Himmel auf, seufzte, Innig betend, zu unserem Vorbilde (Greg., Bed.) oder aus Mitleid mit dem Menschengeschlechte (Vikt., Euth.) - und sprach zu ihm: Ephphetha, das ist: Tue dich auf! Da die Wunder der leiblichen Heilung Bilder der geistigen Heilung sind, welche Christus bewirkt, braucht auch die Kirche das Wort Ephpheta in der feierlichen Taufe, wenn der Priester die Ohren des Täuflings mit Speichel berührt, um die Eröffnung des inneren Sinnes von Gott zu erflehen. - 35 Und sogleich öffneten sich seine Ohren, und das Band seiner Zunge ward gelöst, und er redete richtig. Obgleich er nie andere sprechen gehört. - 36 Da gebot er ihnen, sie sollten es niemanden sagen. Christus will nicht, dass das Volk ihn als zeitlichen König begrüße und gibt uns ein Vorbild der Bescheidenheit. Aber je mehr er es ihnen gebot, desto mehr breiteten sie es aus; 37 und desto mehr gerieten sie außer sich vor Verwunderung, und sprachen: Er hat alles wohl gemacht, die Tauben macht er hörend und die Stummen redend!
Zitiert in 61
- Dieses Kapitel CCC(¶2247)
- V. 2 CCC(¶1764)
- V. 3 Summa (EN)(III 38.1)
- V. 4 Summa (EN)(III 38.1)
- V. 6 Mediator Dei(§21
§24 §36) - V. 8 CCC(¶581
¶2247) Amoris Laetitia(§188) - V. 9 Amoris Laetitia(§188)
- V. 10 CCC(¶2218
¶2247) Amoris Laetitia(§188)Gaudium et Spes(§43) - V. 11 CCC(¶2218)Amoris Laetitia(§17
§188) Gaudium et Spes(§43) - V. 12 CCC(¶2218)Amoris Laetitia(§17
§188) Gaudium et Spes(§43) - V. 13 CCC(¶581)Amoris Laetitia(§17
§188) Gaudium et Spes(§43) - V. 14 CCC(¶574)
- V. 15 CCC(¶574)
- V. 16 CCC(¶574)
- V. 17 CCC(¶574)
- V. 18 CCC(¶574
¶582) - V. 19 CCC(¶574
¶582) - V. 20 CCC(¶574
¶582) Veritatis Splendor(§77) - V. 21 CCC(¶574
¶582 Veritatis Splendor(§77)¶1764) - V. 22 CCC(¶574)
- V. 23 CCC(¶574)
- V. 24 Summa (EN)(III 13.4)
- V. 29 CCC(¶2616)
- V. 32 CCC(¶1504)
- V. 33 CCC(¶1151
¶1504) Amoris Laetitia(§289)Dilexit Nos(§36) - V. 34 CCC(¶1151
¶1504) Summa (EN)(III 75.7) - V. 35 CCC(¶1151
¶1504) - V. 36 CCC(¶1504)
- V. 37 Summa (EN)(III 44.3
III 73.5) Ad Catholici Sacerdotii(§24§28)