Markus 8

Zweite wunderbare Brotvermehrung: Jesus speist 4000 Menschen mit sieben Broten und einigen Fischen. (V. 9) Der Heiland warnt vor dem Sauerteig der Pharisäer. (V. 21) Heilung eines Blinden. (V. 26) Petrus bekennt die Gottheit Christi. Jesus sagt sein Leiden voraus und weist den heil. Petrus zurecht.

In jenen Tagen, als wiederum viel Volk beisammen war, Wie die Verschiedenartigkeit der Umstände allein schon zeigt, ist dies ein anderes Wunder, als das [Mk 6,35] erzählte. - und nichts zu essen hatte, rief er seine Jünger zu sich, und sagte zu ihnen: Er will ihre Aufmerksamkeit auf das nachfolgende Wunder lenken. - Mich erbarmet des Volkes; denn siehe, schon drei Tage harren sie bei mir aus, und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie ungespeiset nach Hause gehen lasse, so werden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige von ihnen sind weit hergekommen. Nichts derartiges wird von den Bewohnern Judäas und Galiläas erzählt. Dieses Ereignis ist ein Vorzeichen der Freude, mit welcher die Heiden den Glauben annehmen werden. Vergl. [Mk 6,52] indes erkennen sie die Ursache der Frage wohl nicht (Euth.), dass sie nämlich sich an das frühere Wunder erinnernd, ihn um ein neues bitten sollen. - Da antworteten ihm seine Jünger: Woher sollte jemand hier in der Wüste Brot bekommen können, sie zu sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habet ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er befahl dem Volke, sich auf die Erde niederzulassen. Dann nahm er die sieben Brote, dankte, brach dieselben, und gab sie seinen Jüngern, dass sie vorlegten; und sie legten dem Volke vor. Sie hatten auch wenige Fischlein; auch diese segnete er, und ließ sie vorlegen. Vielleicht beginnen die Apostel jetzt zu ahnen, was der Heiland tun will. Vergl. übrigens [Mt 6,Anm.40]. - Und sie aßen und wurden satt; und hoben auf, was von den Stücken übriggeblieben war, sieben Körbe. Es waren aber derer, die gegessen hatten, bei viertausend; und er entließ sie. Und sofort stieg er mit seinen Jüngern in ein Schiff, und kam in die Gegend von Dalmanutha. Wahrscheinlich südwestlich vom See Genesareth (Hier.). - Da kamen die Pharisäer heraus, und fingen an, mit ihm zu streiten, indem sie von ihm ein Zeichen vom Himmel forderten, um ihn zu versuchen. Als ob die bisherigen Zeichen nicht ausreichten. - Er aber seufzte im Geiste, Im innersten Herzen, indem er erwog, was er schon für sie getan und was er noch bereit war für sie zu tun und zu leiden, und alles ohne Nutzen für sie. - und sprach: Was sucht dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch, nimmermehr Die Partikel wenn, welche im griech. und lat. Texte steht, leitet einen Schwur ein. Vergl. [Hebr 4,3]. - wird diesem Geschlechte ein Zeichen gegeben werden! Und er verließ sie, stieg wieder in das Schiff, Gott verlässt, die ihn verlassen (Vikt.). Der heil. Markus lässt die [Mt 16,4] berichtete Prophezeiung vom Zeichen des Jonas aus, da die Zuhörer des heil. Petrus die Schriften des A. T. nicht kannten. - und fuhr hinüber. Auf das Westufer. – Und sie vergaßen Brot mitzunehmen, und hatten nicht mehr als ein Brot bei sich im Schiffe. Und er ermahnte sie, und sagte: Sehet zu, und hütet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer, Vor ihrem Beispiele und ihrer Verkehrtheit. – und vor dem Sauerteige des Herodes! Herodes war der Beschützer der Sadducäer und wünschte Palästina von den Römern zu befreien. Der Heiland warnt die Apostel vor der Einmischung in Politik und Parteikämpfe. Eine ähnliche Warnung siehe [Tit 3,10]. – Da dachten sie, und sprachen zueinander: Es ist, weil wir kein Brot haben! Der Evangelist verbirgt nichts. Desto sicherer sind wir, dass die erzählten Wunder wahr sind. - Als Jesus dies erkannte, sagte er zu ihnen: Warum macht ihr euch Gedanken, dass ihr kein Brot habet? Erkennet und begreifet ihr denn noch nicht? Habt ihr noch immer ein verblendetes Herz? Habt ihr Augen, und sehet nicht? Und habt ihr Ohren, und höret nicht? Und erinnert ihr euch nicht? Als ich die fünf Brote brach für die Fünftausend, wie viele Körbe voll Stücklein habt ihr da aufgehoben? Sie sprachen zu ihm: Zwölf. Und da ich die sieben Brote für die Viertausend brach, wie viele Körbe voll Stücklein habt ihr aufgehoben? Sie sagten zu ihm: Sieben. Und er sprach zu ihnen: Wie, verstehet ihr auch jetzt noch nicht? Und sie kamen nach Bethsaida. Es gab zwei Bethsaida; es ist wohl das nahe bei Kapharnaum gelegene zu verstehen. - Da brachte man einen Blinden zu ihm, und bat ihn, dass er denselben berühren möchte. Und er fasste den Blinden bei der Hand, führte ihn vor den Flecken hinaus, benetzte seine Augen mit Speichel, legte ihm seine Hände auf, und fragte ihn, ob er etwas sehe. Da blickte er auf, und sprach: Ich sehe die Menschen wie Bäume Er erkennt aus der Bewegung, dass es Menschen sind. - wandeln. Darnach legte er ihm die Hände noch einmal auf seine Augen; da fing er zu sehen an, und ward so hergestellt, dass er alles deutlich sah. Viele Erklärer meinen, der Heiland habe ihn wegen seines Mangels an Glauben nur allmählich geheilt (Euth., Vikt., Theoph.). Der Heiland gibt auch uns seine Gaben nach und nach, um unseren Glauben und unser Verlangen zu mehren. - Und er schickte ihn nach Hause, und sprach: Gehe in dein Haus, und wenn du in den Flecken hineinkommst, sage es niemanden! Jesus aber zog mit seinen Jüngern fort in die Ortschaften von Cäsarea Philippi. Siehe [Mt 16,Anm.14]. - Auf dem Wege fragte er seine Jünger, und sprach zu ihnen: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten ihm, und sprachen: Für Johannes, den Täufer; andere für Elias; Man erwartete also damals allgemein das Reich des Messias. - andere aber für einen von den Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete, und sprach zu ihm: Du bist Christus! Der heil. Petrus lässt in seinen Predigten das fort, was zu seinem Lobe dient, darum fehlt auch hier die Verheißung des Heilandes (Euseb.). - Und er verbot ihnen streng, dass sie dies von ihm niemand sagen sollten. Damit das Volk nicht falsche Hoffnungen hegte und allmählich auf sein Leiden vorbereitet werden konnte (Euth., Bed.). Zuvor musste die Auferstehung des Herrn das Ärgernis des Kreuzes beseitigen, ehe die Predigt von dem leidenden und sich für uns aufopfernden Messias ohne Gefahr verkündet werden konnte. - Nun fing er an sie zu belehren, dass der Menschensohn vieles Ehe er zu der [Dan 7,13] beschriebenen Herrlichkeit einging. - leiden, von den Ältesten, Hohenpriestern und Schriftgelehrten Von der höchsten Behörde, von denen, welche die Prophezeiungen über den Messias am besten kennen und am höchsten schätzen mussten. - verworfen, getötet werden, und nach drei Tagen Siehe [Mt 12,Anm.46]. - wieder auferstehen müsse. Und er redete dieses Wort unverhohlen. Da nahm ihn Petrus bei Seite, Alle Jünger sind erschüttert. Nur Petrus wagt zu reden, aber auch nicht vor allen (Vikt.), damit er nicht dem Meister vor ihnen zu widersprechen scheine. - und fing an es ihm zu verweisen. Voll kindlicher Anhänglichkeit und Liebe: Das kann nicht geschehen und ich kann es nicht hören, dass der Messias, der Sohn Gottes, soll getötet werden (Beda.). Vielleicht meint er auch, der Heiland stelle nur eine Vermutung auf, was von dem Hasse der Pharisäer zu befürchten sei. - Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an, drohte dem Petrus, und sprach: Weiche zurück hinter mich, Satan! Siehe [Mt 16,Anm.37]. - denn du hast keinen Sinn für das, was Gottes ist, sondern für das, was der Menschen ist. Gottes Absicht: [1Kor 1,21-24] und [Hebr 2,10-18]. - Dann rief er das Volk und seine Jünger herbei, und sprach zu ihnen: Die Folge des vom Heilande selbst V. 31 gesagtem. - Will Der Heiland lädt ein, indem er auf den Schaden hinweist, den die Weigerung nach sich zieht und den Nutzen zeigt, welchen der Gehorsam bringt. (Drei Gründe: V. 35, V. 36,37 und V. 38). - mir jemand nachfolgen, so verleugne er sich selbst, Sich selbst gleichsam verlassend und zum Heilande übergehend; nur auf das schauend, was Gott gefällt. - und nehme sein Kreuz auf sich, Wie ich das meinige. Vergl. [Mt 10,Anm.67]. - und folge mir. Nach einigen ist dies eine dritte Bedingung (Vikt., Theoph.): den Heiland nachahmen. Vergl. [Mt 16,Anm.43]. - Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber um meinet- und des Evangeliums willen sein Leben verliert, der wird es retten. Wer sich weigert, für Christus zu sterben, wenn dieser das Opfer des Lebens fordert, wird in das ewige Verderben stürzen. - Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet? Wie niemand sein Leben selbst für alle Güter dieser Erde hingibt, weil diese ihm alsdann nichts mehr nützen könnten, da er das Leben nicht wiedergewinnen kann, so ist es noch viel törichter, seine Seele für zeitliche Güter preiszugeben, da ihm diese nach diesem Leben nichts mehr nützen und die einmal verlorene Seele nicht wiedergewonnen werden kann. (Ewigkeit der Höllenstrafen. Theoph.). V. 35 handelt besonders von der Zeit der Verfolgung, V. 37 von der des Friedens. - Oder was kann ein Mensch als Lösegeld geben für seine Seele? Denn wer sich meiner und meiner Worte geschämt hat vor diesem ehebrecherischen Siehe [Mt 10,Anm.63]. - und sündhaften Geschlechte, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

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