Christus wird verklärt (V. 12) und heilt einen besessenen Knaben. (V. 28) Der Heiland sagt sein Leiden voraus und empfiehlt den Jüngern Demut. (V. 36) Die Apostel zeigen unklugen Eifer und werden von Christus über das Ärgernis belehrt.
1Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, es sind einige von den hier Stehenden, die den Tod nicht kosten werden, bis sie das Reich Gottes sehen, wie es kommt in seiner Kraft!Die Jünger des Herrn waren noch nicht derart vom Geiste Christi durchdrungen, dass der Herr ihnen einzig das Himmelreich verheißen konnte; er musste ihnen auch etwas für das gegenwärtige Leben versprechen, damit sie von dem, was sie sahen, zu jenem aufstiegen, was sie hofften (Greg.). Die Erklärungen gehen auseinander: Die einen verstehen die Verheißung von der Verklärung Christi, andere von dem Gerichte über Jerusalem; die wahrscheinlichste Auslegung ist indes, dass der Heiland von der Gründung und Ausbreitung seiner Kirche auf Erden redet.2 Und nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus, Jakobus und Johannes mit sich, und führte sie allein abseits auf einen hohen Berg, und ward verklärt vor ihnen.Christus wird verklärt, während er betet. Die Verklärung soll den Aposteln das Ärgernis des Kreuzes beseitigen und der gesamten Kirche die Herrlichkeit offenbaren, welche derselben von ihrem Haupte zuteil werden soll. Vergl. auch [Mt 17,1, Lk 9,28, 1Joh 1,14, 2Petr 1,6]. – Der Herr heißt verklärt, weil er nicht wie sonst in menschlicher Erscheinung, sondern in göttlicher Klarheit sich zeigt. -3 Seine Kleider wurden glänzend und überaus weiß wie der Schnee, so wie sie kein Walker auf Erden weiß machen kann.4 Und es erschien ihnen Elias mit Moses;Die Apostel erkennen die Personen vielleicht durch innere Erleuchtung. - und sie redeten mit Jesus.Die Verklärung
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.5 Da nahm Petrus das Wort, und sprach zu Jesus: Meister,Der heil. Petrus pflegte das hebräische Wort wohl bei seiner Erzählung beizubehalten. - es ist für uns gut, hier zu sein; wir wollen drei Hütten bauen, dir eine, Moses eine, und Elias eine.6 Er wusste nämlich nicht, was er sagte, denn sie waren vor Schrecken außer sich.Diese Furcht schließt indes eine große geistige Freude nicht ganz aus: Es ist gut für uns. Die Herrlichkeit der Erscheinung erfüllt seine Seele. Er möchte dies Glück immer genießen. In seinem Eifer kann er nicht schweigen, aber bedenkt auch nicht, wie wenig es sich ziemt, eine gebrechliche Hütte für den verklärten Heiland und die ihm von Gott gesandten Zeugen zu errichten. Was wäre zudem aus dem messianischen Werke geworden? -7 Und es kam eine Wolke,Die Wolke bezeugt, dass es Gott ist, der redet (Vikt.). - die sie überschattete; und es erscholl eine Stimme aus der Wolke, und sprach: Dies ist mein geliebtester Sohn;Der sein Leiden vorhergesagt hat. - ihn sollt ihr hören!8 Und plötzlich, da sie um sich schauten, sahen sie niemand mehr, als Jesus allein mit ihnen.9 Während sie nun vom Berge herabstiegen, gebot ihnen Jesus, sie sollten niemandem erzählen, was sie gesehen hätten, als nachdem der Menschensohn von den Toten würde auferstanden sein.Je größere Dinge von Jesus gesagt wurden, desto schwerer fanden sie Glauben und vermehrten das Ärgernis des Kreuzes (Vikt.). -10 Und sie hielten dieses Wort bei sich, und fragten sich einander, was das wäre: „Nachdem er von den Toten würde auferstanden sein.“Sie können noch nicht an seinen Tod glauben. -11 Und sie fragten ihn, und sprachen: Warum sagen denn die Pharisäer und Schriftgelehrten, dass Elias zuvor kommen muss?12 Er antwortete, und sprach zu ihnen: Elias wird allerdings zuerst kommen, und alles wieder herstellen; gleichwie auch von dem Menschensohne geschrieben steht, dass er vieles leiden und verachtet werden müsse.Christus zeigt ihnen, dass Elias nicht vor seinem Leiden kommen kann: Elias wird die Juden bekehren; nach der Schrift muss der Menschensohn vieles leiden, also kommt Elias nicht vor dem Leiden (Theoph., Euth.). -13 Aber ich sage euch: Auch Elias ist schon gekommen, (und sie taten ihm, was sie nur wollten), wie es von ihmVon Elias. Ähnliches taten sie dem heil. Johannes an. Vergl. [1Koe 19,1] (Theoph., Euth.). – geschrieben steht.14 Und da er zu seinen Jüngern kam, sah er viel Volk um sie her, und Schriftgelehrte mit ihnen im Streite.Die Ursache V. 15. Die boshaften Pharisäer greifen die Jünger in der Abwesenheit ihres Meisters an, um sie vor dem Volke zu beschämen und so auch über ihren Meister zu siegen (Vikt., Euth., Theoph.). –15 Sobald aber das ganze Volk Jesus erblickte, erstaunte es und erschrak,Wegen seines plötzlichen Erscheinens. – lief hinzu, und grüßte ihn.16 Und er fragte sie:Der Heiland fragt, um zu dem Wunder Gelegenheit zu bieten, die Jünger von der Belästigung zu befreien und ihren Glauben zu stärken. - Worüber streitet ihr miteinander?17 Da antwortete einerDer Vater, was am natürlichsten war. - aus dem Volke, und sprach: Meister! ich habe meinen Sohn zu dir hergebracht, der einen stummen Geist hat.18 Wo dieser immer ihn ergreift, reißt er ihn nieder; auch schäumet er, und knirscht mit den Zähnen, und zehret ab. Und ich sprach zu deinen Jüngern, dass sie ihn austreiben möchten; sie konnten es aber nicht.Trotz der [Mk 3,15] empfangenen Gewalt. -19 Da antwortete er ihnen, und sprach: O du ungläubiges Geschlecht!Besonders der Vater; indes gilt der Vorwurf allen, selbst die Apostel nicht ausgenommen. - Wie lange noch werde ich bei euch sein? Wie lange euch noch ertragen? Bringet ihn zu mir.20 Und sie brachten ihn hin. Und als er ihn sah,Der böse Geist. Der Heiland lässt es zu, damit seine ganze Bosheit offenbar werde. - zerrte ihn der Geist sogleich; und zur Erde niederstürzend, wälzte er sich schäumend.21 Da fragte er seinen Vater: Wie lange Zeit ist es, dass ihm dieses widerfahren ist?Der Heiland zeigt seine Teilnahme. - Dieser aber sprach: Von Kindheit an.22 Oft schon hat er ihn in's Feuer und in's Wasser geworfen, um ihn umzubringen.So schien es dem Vater, indes wollte der böse Geist sich sicher nicht selbst seiner Wohnung berauben, wie [Mt 8,31, Mk 5,10] und [Lk 8,31] hinreichend zeigen. - Vermagst du nun etwas,In diesem, wie es scheint, hoffnungslosen Falle. - so hilf uns, und erbarme dich unser!Das Elend des Knaben ist auch das Seine. -23 Jesus aber sprach zu ihm: Wenn du glauben kannst!Griech.: Was das angeht: wenn du kannst; dem, der glaubt, ist alles möglich. Indes schweigt der Herr über seine Macht und weist einzig auf die Notwendigkeit des Glaubens hin. - Alles ist dem möglich, der glaubt.24 Und sogleich rief der Vater des Knaben, und sagte weinend: Ich glaube, Herr! hilf meinem Unglauben.Ich glaube, dass du es kannst, doch wenn mein Glaube nicht ausreicht (er nennt ihn deshalb Unglaube), wolle deine Barmherzigkeit gewähren, worum ich bitte. -25 Da nun Jesus sah, dass das Volk zusammenlief, bedrohte er den unreinen Geist, und sprach zu ihm: Tauber und stummer Geist! ichDen du kennst. - gebiete dir, fahre aus von ihm, und geh hinfort nicht mehr in ihn ein.26 Da schrie er, zerrte ihn heftig, und fuhr aus von ihm; und er ward wie tot,Christus gestattet es, damit er zeige, wie bösartig der Geist ist und wie ungern er dem Befehle gehorcht. – So handelt der böse Geist oft, wenn er aus einem Herzen ausgetrieben wird, das er besaß (Greg., Bed.). - so dass viele sagten: Er ist gestorben!27 Jesus aber fasste ihn bei der Hand, und richtete ihn auf; und er stand auf.Der Heiland zeigt seine Macht und Güte. Welche Gegensätze: das Toben und Quälen des bösen Geistes und Christi Ruhe, Würde und Wohlwollen. -28 Und als er nach Hause gekommen war, fragten ihn seine Jünger allein: Warum haben wir ihn nicht austreiben können?29 Er sprach zu ihnen: Diese Art kann durch nichts ausgetrieben werden, als durch Gebet und Fasten.Einer schlimmeren Art von bösen Geistern ist auch größere Frömmigkeit entgegenzustellen, ebenso seitens des Besessenen wie seitens des Austreibenden. -30 Und von da gingen sie weiter, und zogen vorüber durch Galiläa;Griech.: Ohne Aufenthalt. - und er wollte nicht, dass es jemand wisse.Der Heiland will die Jünger lehren. -31 Er lehrteÖfter auf dieser Weise. - aber seine Jünger, und sprach zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen überliefert werden, und sie werden ihn töten; nachdem er aber getötet worden, wird er am dritten Tage wieder auferstehen.32 Sie aber verstanden das WortDie im Worte offenbarte Sache: Wie der Sohn Gottes seiner Unwürdiges leiden könnte. - nicht, und fürchteten sich ihn zu fragen.33 Und sie kamen nach Kapharnaum. Da sie nun zu HauseWohl im Hause des heil. Petrus. - waren, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Wege besprochen?34 Sie aber schwiegen;Sie wussten, dass ein solcher Streit dem Herrn nicht gefallen könnte. - denn sie hatten auf dem Wege miteinander gestritten, wer von ihnen der Größte wäre.35 Da setzte er sich nieder,Ein Zeichen, dass es sich um ernste Sache handelt und dass er als Richter redet. - rief die Zwölfe, und sprach zu ihnen: Wenn jemand der Erste sein will, so wird er der Letzte von allen, und der Diener aller sein.Wer im Himmel hoch stehen will, demütige sich auf Erden. Die Worte finden auch auf den Anwendung, der dem Range nach hier der erste ist. -36 Und er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie, schloss es in seine Arme,Wie liebt der Heiland die Unschuld, Einfalt und Demut der Kinder und wie müssen ihm diejenigen wohlgefallen, welche den Kindern hierin nacheifern (Beda)! - und sprach zu ihnen:37 Wer eines von diesen Kindern in meinem NamenGriech.: So dass dieser Name Ursache ist. - aufnimmt, nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.Der Vater sieht es so an, als geschähe es ihm. -38 Da nahm Johannes das Wort, und sprach:Die Worte: in meinem Namen, geben dem heil. Johannes wohl Veranlassung zur Frage. - Meister! wir sahen jemanden, der in deinem NamenSo dass der Name das Mittel ist. - Teufel austreibt, der uns nicht nachfolgt,Er hat sich ein Recht angemaßt, dass du allein verleihen kannst. - und wir verwehrten es ihm.39 Jesus aber sprach: Wehret es ihm nicht! denn niemand ist, der in meinem NamenEin Mensch, der die Kraft meines Namens so erfahren, kann nicht lästern und zu meinen Feinden übergehen. Ist er auch nicht mein Jünger, so breitet er dennoch meine Ehre aus und bereitet meiner Lehre den Weg. Es ist nicht zuerst zu fragen, durch wen das Gute geschieht, sondern vielmehr vor allem zu sorgen, dass es geschieht. Ähnlich [4Mos 11,29]. Diese vom Heilande gewünschte Gesinnung offenbart der heil. Paulus [Phil 1,18]. - ein Wunder wirkt, und so bald übles von mir reden könnte.40 Denn wer nicht wider euch ist, ist für euch.Dieser Ausspruch wie der andere [Mt 12,30] zeigen, dass man mit Christus oder gegen ihn stehen muss. -41 Und wer euch einen Becher Wassers zu trinken reicht in meinem Namen, darum weil ihr Christus angehöret, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren!Wer: mit Bezug auf V. 38. Nicht die geringste gute Tat, welche im Namen Jesu getan wird, bleibt ohne Lohn, wie viel weniger eine so große (Theoph.). -42 Wer aber einen von diesen Kleinen,Die im gebrechlichen Alter oder noch nicht fest im Glauben, leichter Gefahren ausgesetzt sind (Bed., Alb.). - die an mich glauben, ärgert,Gegensatz zu V. 40 Ärgern ist Anlass zur Sünde geben. - dem wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt, und er in's Meer geworfen würde.Als dass er länger lebe, ja ehe er Unschuldige verführe. Vergl. [Mt 18,6]. -43 Wenn dich deine Hand ärgert, so haue sie ab; es ist dir besser, verstümmelt in das ewige Leben einzugehen, als beide Hände zu haben,Vergl. [Mt 5,Anm.40]. - und in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer,44 wo ihr Wurm nicht stirbt,Einige Ausleger halten dies für eine bildliche Wiederholung des ersten Wortes; die meisten erklären es als Bild der Gewissensbisse. - und das Feuer nicht erlischt.45 Und wenn dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab; es ist dir besser, lahm in das ewige Leben einzugehen, als beide Füße zu haben, und in die Hölle unauslöschlichen Feuers geworfen zu werden,46 wo ihr Wurm nicht stirbt, und das Feuer nicht erlischt.47 Wenn dein Auge dich ärgert, so reiße es aus; es ist dir besser, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als zwei Augen zu haben, und in das höllische Feuer geworfen zu werden,48 wo ihr Wurm nicht stirbt, und das Feuer nicht erlischt.Die Wiederholung der Rede zeigt die Wichtigkeit des Gegenstandes. -49 DennBezieht sich auf die Notwendigkeit der Selbstüberwindung V. 42. - jeder wird mit Feuer gesalzen werden, und jedes Opfer wird mit Salz gesalzen werden.Die letzten Worte enthalten eine Hinweisung auf [3Mos 2,13]. Der zweite Teil des Verses ist aus dem ersten zu erklären: Wie jedes Opfer mit Salz gewürzt wird und so das Sinnbild eines festen Bündnisses mit Gott ist, so muss jeder, der eine Gott gefällige Gabe sein und mit ihm ein ständiges Bündnis eingehen will, mit Feuer gesalzen sein. Um dem Höllenfeuer zu entgehen, muss er von einem anderen Feuer durchdrungen sein, das alle bösen Leidenschaften verzehrt (Theoph., Euth., Bed.). Es ist wohl das Feuer zu verstehen, dessen Wirkungen V. 42, 44, 46 erklärt sind. Ein solches Feuer sind Heimsuchungen, Selbstverleugnung, Kampf gegen die bösen Lüste usw. Andere Erklärer beziehen den Ausspruch auf das Höllenfeuer. -50 Das Salz ist gut; wenn aber das Salz seine Kraft verliert, womit werdet ihr es würzen?Siehe [Mt 5,Anm.18]. - Habet Salz in euch, und habet Frieden untereinander!Christus kehrt zur Veranlassung der Rede V. 33 zurück.