C Verstockung der Führer des Volkes. (12.) Jesu Jünger raufen Ähren aus. (V. 8) Heilung einer verdorrten Hand (V. 21) und eines Besessenen. (V. 37) Schriftgelehrte und Pharisäer fordern ein Zeichen. (V. 45) Die wahren Anhänger Christi.
1Zu jener ZeitEs war im Gesetze verboten, am Sabbate ein Werk zu tun. Welche Werke unter dies Verbot fielen, lässt sich aus [2Mos 34,21, 2Mos 35,3, 4Mos 15,32, Jer 17,21, Amos 8,5, Neh 10,31, Neh 13,15.19] erkennen. Die Pharisäer hatten indes noch viele Zusätze gemacht, über deren Beobachtung sie eifersüchtig wachten. Christus selbst sieht voraus, was geschehen wird, und führt seine Jünger durch die Saaten. Zu jener Zeit: Als Jesus lehrte. Nach [Lk 6,1] fällt das Ereignis hinter das zweite Osterfest im öffentlichen Leben Jesu. Was die Jünger tun, ist nach [5Mos 23,25] gestattet, da nur das Ernten oder Mitnehmen verboten war. In einer wie harten Schule der Armut übt der Heiland seine Jünger! - ging Jesus am Sabbate durch die Saaten hin; seine Jünger aber waren hungrig, und fingen an, Ähren zu pflücken, und zu essen.2 Als aber die Pharisäer das sahen,Die Pharisäer erklären dies für eine verbotene Arbeit. Bei [Lk 6,2] reden sie die Jünger an, wohl ein Teil von ihnen diese, ein Teil von ihnen den Herrn selbst. Christus weist den auf ihre Wissenschaft Stolzen Unkenntnis des Gesetzes nach. - sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbate zu tun nicht erlaubt ist.3 Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan, als ihn hungerte, samt denen, die bei ihm waren;4 wie er in das Haus GottesIn das Bundeszelt, das damals in Nobe war [1Sam 21,1]. – eintrat, und die SchaubroteDie Schaubrote sind zwölf ungesäuerte Brote, welche mit Weihrauch und Salz bestreut im Heiligtume auf einem Tische vor dem Allerheiligsten lagen und jede Woche gewechselt wurden. Sie fielen dann den Priestern zu, welche sie an heiliger Stätte genießen mussten. [3Mos 24,5.9, 2Mos 29,32f] Weder David noch der Priester werden in der heiligen Schrift getadelt, dass sie so in der Not gehandelt, also wird das, was viel geringer ist, aus gleichem Grunde gestattet sein (Chrys., Theoph.). - aß, welche zu essen ihm nicht erlaubt war, noch auch denen, die bei ihm waren, sondern einzig den Priestern?5 Oder habet ihr nicht gelesen in dem Gesetze, dass die Priester am Sabbate im Tempel den Sabbat brechen, und ohne Schuld sind?Am heiligen Orte selbst werden an allen Sabbaten Opfer geschlachtet und zubereitet, und das von den Priestern selbst. Also gibt es Ausnahmen von der Strenge des Sabbatgesetzes. -6 Ich sage euch aber: Ein Größerer als der Tempel ist hier.Christus offenbart seine Gottheit. In meinem Dienste haben die Apostel dies getan. Ist es gestattet, für den Tempel das Sabbatgebot hintanzusetzen, wie viel mehr also dies Gebot, rein menschliche Vorschriften unberücksichtigt zu lassen, damit sie keine Not leiden, welche dem dienen, der mehr ist als der Tempel. -7 Wenn ihr aber wüsstet, was es heißt: Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer; nimmermehr würdet ihr die Schuldlosen verdammt haben.Der Herr weist weiter ihre Unkenntnis nach. So hat Achimelech gehandelt (Hier.). Die Barmherzigkeit will Gott um ihrer selbst willen, weil es eine innere Tugend ist, das Opfer aber kann als äußeres Werk schlecht und gut dargebracht werden. Ist nun des Opfers halber am Sabbat etwas gestattet, wie viel mehr um der Barmherzigkeit willen. -8 Denn der MenschensohnSiehe [Mt 8,20]. Der Sabbat ist Gott geweiht. Christus weist wiederum auf seine Gottheit hin. Der Herr des Sabbats hat die Jünger nicht getadelt, also sind sie nicht tadelnswert. - ist auch über den Sabbat Herr.9 Als er nun von da fortgegangen war, kam er in ihre Synagoge.10 Und siehe, da war ein Mann, der eine verdorrte Hand hatte; und sie fragten ihn, und sagten: Ist es gestattet, am Sabbate zu heilen?Nach den rabbinischen Vorschriften durfte nur in Lebensgefahr am Sabbate ärztliche Hilfe geleistet werden. So legten jene Gesetzeslehrer ein unerträgliches Joch auf. Jesus verwarf diese Torheiten, deshalb verfolgen sie ihn mit unversöhnlichem Hasse. Nach [Lk 6,6] geschah das Folgende an einem anderen Sabbate. - damit sie ihn anklagen könnten.Sie sehen daraus, dass Christus den Kranken heilen wird. -11 Er aber sprach zu ihnen:Nach Markus und Lukas gehen andere Umstände voraus. Aus Habsucht verleugnet ihr eure eigene Auslegung, aus Neid wollt ihr nicht zugeben, dass jemand geheilt werde. - Wer wird unter euch der Mann sein, der ein einziges Schaf hat, und wenn dieses am Sabbate in eine Grube fällt, es nicht ergreift und herauszieht?12 Um wie viel besser ist ein Mensch als ein Schaf? Es ist also erlaubt, am Sabbate Gutes zu erweisen.Es ist die Antwort auf die [Mk 3,4, Lk 6,9] erwähnte Frage. Christus stellt gleichzeitig die Sache in das rechte Licht: Gutes zu erweisen. -13 Dann sagte er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus!Christus prüft den Glauben des Mannes. Glaubt er nicht, so wird er auch nicht versuchen, die Hand auszustrecken. - Und er streckte sie aus, und sie wurde wieder hergestellt, gesund wie die andere.14 Die Pharisäer aber gingen hinaus, und hielten einen Rat wider ihn, wie sie ihn um's Leben bringen könnten.Je barmherziger der Herr ist, desto mehr wächst der Hass der Pharisäer. Sie gehen mit ihren sonstigen Feinden ein Bündnis gegen Christus ein. Wie ungeeignet sind sie für das Reich des Messias! -15 Jesus aber wusste es, und entfernte sich von da;Christus übt hier, was er [Mt 10,23] seinen Jüngern vorgeschrieben. - und es folgten ihm viele, und er heilte sie alle;16 und er gebot ihnen, dass sie ihn nicht offenbaren sollten,Während er den Elenden hilft, will er dem Hass der Pharisäer keine Nahrung gewähren. -17 damit erfüllet würde, was durch den Propheten Isaias gesagt ward, da er spricht:18 Siehe, mein Knecht, den ich auserwählet habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich will meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Völkern RechtWas vor Gott recht ist. - verkünden.19 Er wird nicht zanken, noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Gassen hören.Er wird mild sein und fern von allem Pompe. -20 Ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht nicht auslöschen,Christus spricht besonders von der Schwachheit im Glauben. - bis er das Recht zum Siege bringt;Bis das göttliche Recht in allen und überall Sieger ist. -21 und auf seinen Namen werden die Völker hoffen.Jesus heilt einen stummen Besessenen
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.22 DaOhne genaue Zeitbestimmung. - ward ein Besessener zu ihm gebracht, der blind und stumm war; und er heilte ihn, so dass derselbe redete und sah.23 Und alles Volk geriet außer sich vor Verwunderung,Das dreifache Wunder lässt das Volk staunen. - und sprach: Ist dieser etwa der Sohn Davids?Das Volk, seiner kaum mächtig, naht dem Glauben. -24 Da es aber die Pharisäer hörten, sprachen sie: Dieser treibt die bösen Geister nicht anders aus als durch Beelzebub,Über Beelzebub siehe [Mt 10,25] Die Pharisäer tun dies heimlich. - den Obersten der bösen Geister.25 Jesus wusste aber ihre Gesinnungen und sprach zu ihnen:Christus bleibt mild. - Jedes Reich, das wider sich selbst uneins ist, wird verwüstet werden, und jede Stadt, oder jedes Haus, das wider sich selbst uneins ist, wird keinen Bestand haben.Drei Kreise, auf welche alle Gewalt beschränkt bleibt. -26 Wenn nun der Satan den Satan austreibt, so ist er wider sich selbst entzweit; wie also wird sein ReichDas Reich des Satans ist die Herrschaft alles Bösen (Hier.). Jede Handlung, die Christus vollbringt, zielt auf die Zerstörung des Bösen ab. - Bestand haben?27 Und wenn ich durch Beelzebub die bösen Geister austreibe, durch wenChristus zeigt nunmehr die Bosheit und den Widerspruch seiner Ankläger. Dass es auch bei den Juden solche gab, welche Teufel austrieben, geht aus [Mk 9,37, Apg 19,13] hervor. - treiben denn eure SöhneNach jüdischem Sprachgebrauch die Jünger. Da ihr in euren Jüngern die Kraft Gottes anerkennt, werden sie euch der hässlichsten Schmähung überführen. - sie aus? Darum werden sie selbst eure Richter sein.28 Wenn ich aber durch den Geist Gottes die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.Das Reich des Bösen wird überall vernichtet, wohin Christus kommt. Die wahrnehmbare Austreibung des bösen Geistes geschah, damit alle erkannten, dass Jesus es ist, der in den Seelen die Herrschaft des Bösen brechen will. -29 Oder wie kann jemand in das Haus des Starken hineinkommen, und dessen Hausgerät rauben, wenn er nicht vorher den Starken gebunden hat?Also hat Christus schon den Starken überwunden. Das Hausgerät sind die Menschen, welche der Heiland dem Satan entreißt. (Chrys., Aug., Hier.,) - Alsdann wird er dessen Haus ausrauben.30 Wer nicht mit mir ist, ist wider mich;Da der Messias Sieger ist und die Menschen dem Teufel entreißt, um Gottes Reich in ihnen zu begründen, darf niemand unentschieden bleiben, sonst hindert er das Werk Christi in sich und anderen. Also auch zwischen Christus und den Pharisäern ist zu wählen. Dieser Ausspruch widerspricht nicht dem anderen [Lk 9,59]. So weit dieser Mann im Namen Jesu Wunder tat, war er kein Gegner. - und wer nicht mit mirHier schreibt sich der Herr das Amt des guten Hirten zu, [Ez 34,12 und Joh 10,11]. Gleichzeitig ruft er alle, besonders die Führer Israels, auf, mit ihm zu sammeln. Wie gerecht werden die Halsstarrigen verworfen! - sammelt, zerstreuet.31 DarumWegen des V. 25-30 Gesagten. - sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen nachgelassen; aber die Lästerung wider den (heiligen) Geist wird nicht nachgelassen werden.Eine Lästerung wider den heiligen Geist begehen alle, welche, wie die Pharisäer, die Werke, die im Geiste Gottes geschehen und als solche nicht verkannt werden können, aus Bosheit und Hass gegen Christus dem Satan zuschreiben, so dass durch diese Schmähung das Werk des heiligen Geistes in den Herzen des Volkes behindert und zerstört wird. -32 Und wer ein Wort wider den Menschensohn redet, dem wird vergeben werden;Da der Menschensohn in Demut erscheint und dem Leiden unterworfen, ist es zwar nicht ohne Sünde gegen ihn ein Wort zu reden, aber doch entschuldbarer (Hier., Chrys.). Solche Worte sind z. B. [Mt 11,9] und die Schmähungen des am Kreuze sterbenden Heilandes. - wer aber wider den heiligen Geist redet,Welches eine solche Rede ist, folgt aus V. 24 und wird [Mk 3,29] hinzugesetzt. Es ist eine Lästerung und nur von dieser, nicht von allen Sünden gegen den heiligen Geist sagt der Heiland, sie werden nicht nachgelassen (Hier., Ambr., Basil.). Der Heiland sagt nicht: diese Sünde kann nicht nachgelassen werden (Beda), sondern erklärt nur, was geschehen wird, dass nämlich Gott durch ein gerechtes Strafgericht solche in ihrer Unbußfertigkeit bis zum Tode verharren lässt, wenn er ihnen auch zureichende Gnaden zur Bekehrung nicht versagt (Hil., Chrys.). So lange jemand lebt, ist nicht zu verzweifeln, da Gott nicht den Tod des Sünders will, sondern dass er lebe (Aug.). - dem wird weder in dieser noch in der zukünftigen WeltEs gibt also für gewisse Sünden auch im anderen Leben Vergebung. Aus dieser Stelle folgt das Dasein des Fegefeuers (Aug., Greg.), aber auch, dass es ewige Strafen gibt. - vergeben werden.33 Entweder machet den BaumDie Pharisäer (Aug., Thom.). So wird der folgende Vers vorbereitet. Die Früchte geben Zeugnis von dem Baume. - gut und auch seine Frucht gut, oder machet den Baum schlecht und auch seine Frucht schlecht; denn an der Frucht erkennet man den Baum.34 Ihr Natternbrut!Erklärung des Vorhergehenden. Ihr habt nicht aus Übereilung so geredet, sondern in eurem Herzen ist eine noch viel größere Bosheit. - wie könnet ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund.35 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatze Gutes hervor; und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatze Böses hervor.Ihr könnt in einer Sache, in der ihr böse seid, nichts Gutes reden, so lange ihr in der Bosheit verharrt. -36 Ich sage euch aber, die Menschen werden über ein jedes unnütze Wort,Da die Worte die Beschaffenheit des Herzens kundgeben, werden sie mit Recht vor Gottes Gericht geprüft werden. Ein unnützes Wort ist ein Wort, das gesprochen wird, ohne dass der Redende seinen eigenen oder eines anderen Nutzen dabei im Auge hat. (Aug., Thom.) - das sie reden, am Tage des Gerichtes Rechenschaft geben müssen.37 Denn aus deinen WortenWie aus den Werken. - wirst du gerechtfertiget, und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden.38 Dann redeten einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern zu ihm, und sprachen: Meister! wir möchten von dir ein Zeichen sehen.Ein anderes Beispiel von der Verstockung der Pharisäer. Nicht zufrieden mit so viel Wundern, fordern sie noch ein Zeichen. Christus sagt seinen Tod und seine Auferstehung voraus. Aber so groß und so unwidersprechlich auch dies Wunder sein wird, dennoch werden viele auch diesem Zeichen nicht glauben. Die Pharisäer reden den Herrn schmeichelnd Meister an, als wollten sie von ihm lernen. Ähnlich [Joh 6,30]. -39 Er aber antwortete, und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches GeschlechtDieses Bildes bedienten sich die Propheten oft. Jenes Geschlecht glaubt weder Moses noch Christus. Der Herr nannte sich [Mt 9,15] Bräutigam; die Braut verschmäht ihn und fordert ein Zeichen. Aber dasjenige, dass sie etwa wünscht, wird ihr nicht zuteil werden, sondern nur eines, das der Herr erwählt. - verlangt ein Zeichen; und kein Zeichen wird ihm gegeben werden, als das Zeichen Jonas, des Propheten.40 Denn gleichwie Jonas drei Tage und drei Nächte in dem Bauche des Fisches war, so wird auch der Sohn des Menschen im Herzen der Erde drei Tage und drei Nächte sein.Viele verstehen die Worte Christi von seiner Grabesruhe (Chrys., Euth., Beda), andere, wie es scheint, richtiger, von dem Absteigen Christi zu den Toten (Tert., Iren., Ephr.). Drei Tage sind nach jüdischem Sprachgebrauch nicht ein Zeitraum von 72 Stunden, sondern jeder Teil eines Tages steht für diesen selbst. So verstanden auch die Hohenpriester und Pharisäer diese Worte [Mt 27,63.64]. -41 Die MännerAls Ankläger, diese stehen, der Richter sitzt. - von Ninive werden in dem Gerichte mitBeide Parteien stehen vor dem Gerichte. - diesem Geschlechte auftreten, und werden es verdammen;Werden durch ihr Zeugnis die Verdammung herbeiführen. Die Heiden glaubten dem Worte des Propheten, das auserwählte Volk blieb taub gegen Gottes Stimme. - denn sie taten Buße auf die Predigt des Jonas. Und siehe, mehr als Jonas ist hier!42 Eine Königin aus Mittag wird im Gerichte mit diesem Geschlechte auftreten, und es verdammen; denn sie kam von den Enden der Erde,Wie Menschen zu Menschen reden, wählt der Heiland einen energischen Ausdruck. Die Königin war eine Heidin, eine mächtige Königin, und wollte die Weisheit Salomons hören, ob er auch nur ein sterblicher Mensch war. Die Pharisäer und Gesetzeslehrer nehmen den Sohn Gottes, der selbst zu ihnen kommt, nicht auf, ob er gleich Schätze der Weisheit bietet und Zeichen tut. – Ein zweiter Grund, warum die Führer des Volkes böse sind, ist in V. 41, 42 gegeben. - um die Weisheit Salomons zu hören; und siehe, mehr als Salomon ist hier!43 Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist,Was diejenigen erwartet, welche selbst nach dem Zeichen des Jonas noch verstockt bleiben. Christus weist hier auch auf die vorhergehende Austreibung des bösen Geistes hin. Das Gleichnis zeigt, wie sehr der böse Geist begehrt, diejenigen, welche er einmal getäuscht, von neuem in seine Gewalt zu bringen. - wandert er durch dürre Orte, Ruhe suchend, und er findet sie nicht.44 Alsdann spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich ausgegangen bin.In seinem Stolze will er es sich nicht einmal selbst gestehen, dass er ausgetrieben worden ist. - Und er kommt, findet es leer,Nicht verteidigt durch Gottes Schutz. - mit Besen gereiniget, und geschmückt.Mit schlechten Besen gekehrt und mit dem geschmückt, was dem bösen Geiste gefällt (Cyr., Bed., Thom.). -45 Dann geht er hin, nimmt siebenGegensatz zu [Jes 11,2] (Hier., Ambr., Theoph.). Man muss Gott dienen oder dem Teufel. Das Volk Israel wollte Gott, dem Urheber alles Guten, nicht gehorchen und fiel unsäglichem Unheil anheim, wie Zerstörung der Stadt und des Tempels, Zerstreuung usw., einem Unglück, schlimmer als einst die babylonische Gefangenschaft (Chrys.). Der Sinn ist indes noch allgemeiner; der Heiland erklärt wie [Ez 15,1] das Sprichwort: Das schlimmste Übel ist die Verkehrung dessen, was das Beste war. - andere Geister zu sich, ärgere als er, und sie ziehen ein, und wohnen daselbst, und es werden die letzten Dinge dieses Menschen ärger als die ersten. Ebenso wird es auch diesem überaus argen Geschlechte ergehen.Von den Juden ward der böse Geist ausgetrieben, als das Gesetz gegeben ward und Israel das Volk Gottes wurde, und als die Propheten zu ihm gesendet wurden. Bei diesem Geschlechte nun hat der Heiland mit seinen Aposteln alles aufgeboten, es zu Gott zu führen. Dennoch ist das Volk nicht gänzlich verworfen; auch aus ihm wird es Christus nicht an Jüngern fehlen. Der Übergang zu dem Folgenden ist ähnlich wie [Mt 11,25]. -46 WährendAls Christus einmal zu dem Volke redete. [Lk 8,19]. - er noch zu dem Volke redete, siehe, da standen seine MutterDer Grund wird nicht angegeben. Da aber die Mutter Jesu mit den anderen Verwandten kommt, war dieser Grund sicherlich ein guter. - und seine BrüderBrüder heißen bei den Hebräern alle nahen Blutsverwandten. Vergl. [1Mos 14,16, 1Mos 13,9, 1Mos 24,48, 1Mos 29,12, 2Koe 10,13]. - draußen, und suchten mit ihm zu reden.Sie schickten zu Jesus. -47 Es sagte aber jemand zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen, und suchen dich.48 Er aber antwortete, und sprach zu dem, welcher es ihm sagte: Wer ist meine Mutter,Nicht dass der Heiland das vierte Gebot gering achtet, sondern wie er [Lk 2,49] seinem himmlischen Vater gehorcht, so lässt er auch jetzt nicht, aus Rücksicht auf seine Mutter, von der Predigt ab. - und wer sind meine Brüder?Nicht die Geburt, sondern der Beruf zur Kirche entscheidet im Reiche Gottes. Vergl. [Gal 3,28]. Die rein leibliche Verwandtschaft bringt keinen übernatürlichen Segen und verleiht dem Heilande gegenüber kein Recht, so lange kein übernatürliches Band mit ihm verbindet. Welches dieses ist, wird im nächsten Verse gesagt. -49 Und die Hand nach seinen Jüngern ausstreckend, sprach er: Sehet da meine Mutter und meine Brüder!50 Denn wer immer den Willen meines Vaters tut, welcher im Himmel ist, ist mir Bruder, Schwester und Mutter.Christus kam in die Welt, den Willen seines Vaters zu tun. Darauf zielte sein erstes Gebet ab, dies übte er bis zum Tode, dies lehrte er seine Jünger. Diejenigen, welche einen gleichen Gehorsam üben, erkennt er als seine Verwandten an, die er so lieb hat, wie sonst die Menschen Bruder, Schwester und Mutter. Der Heiland vergleicht also seine Liebe zu den Gehorsamen mit der Liebe des Menschen zu den teuersten Personen. Er leugnet nicht, dass Maria seine Mutter, noch dass sie die getreueste Erfüllerin des göttlichen Willens ist, sondern sieht hier vom ersteren ab. Das böse und ehebrecherische Geschlecht (V. 39) bleibt von dieser Verwandtschaft mit Christus ausgeschlossen.
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Dieses KapitelCCC(¶590)Summa (EN)(Suppl 22.5)Reconciliatio Et Paenitentia(§34)