Matthäus 15

Blinde Führer von Blinden. (V. 20) Das kananäische Weib. (V. 28) Zweite wunderbare Brotvermehrung.

Dann Als Christus so viele und große Wunder tat. Der Evangelist will die Bosheit der Pharisäer in das rechte Licht stellen. - kamen Schriftgelehrte und Pharisäer zu ihm aus Jerusalem Also von der höchsten Behörde zur Untersuchung gesendet. Die Anklage ist gegen die Jünger gerichtet und allgemein, um den Meister zu treffen. Wie hoch die Überlieferungen galten, siehe [Gal 1,14]. Man hatte den Satz aufgestellt: die Worte der Alten sind ebenso gewichtig, wie die Worte der Propheten. - und sprachen: Warum übertreten deine Jünger die Überlieferung der Alten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. Sie führen ein Beispiel an. Also bei so vielen und so großen Wundern bleiben sie so blind, dass sie nur an solche Dinge denken! (Hier.) Die Vorschrift leiteten sie aus [3Mos 15,11] her. – Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Der Herr sagt nicht, ob die Jünger recht tun, um nicht Gelegenheit zu weiterem Streite zu geben, aber er tadelt sie auch nicht, so wenig wie die, welche die Überlieferung geschaffen, sondern beschämt seine Ankläger durch eine wirklich berechtigte Anklage. Die Überlieferungen der Pharisäer waren zum Teil Erfindungen jüdischer Lehrer, anders als die Überlieferung der Kirche, welche eine Quelle der göttlichen Offenbarung ist. Die Vorschriften der jüdischen Lehrer waren zuweilen dem Geiste des göttlichen Gesetzes zuwider; die Gebote der Kirche haben den Zweck, die Gebote Gottes bestimmter und gewisser in Vollzug zu bringen; ist doch die Kirche die Stellvertreterin Christi auf Erden, welche nur das befiehlt und tut, was der heil. Geist ihr eingibt. - Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes wegen eurer Überlieferung? Denn Gott hat gesagt: Ehre Vater und Mutter! Hierzu gehört es, den bedürftigen Eltern den Unterhalt zu gewähren. - und: Wer seinem Vater oder seiner Mutter fluchet, soll des Todes sterben. Ihr aber sagt: Wer immer zum Vater oder zur Mutter spricht: Alles, was von mir geopfert wird, Der Gebrauch einer geopferten Sache ist bestimmten Personen, also hier den Eltern, bei Strafe des Gottesfrevels untersagt. - wird dir zum Nutzen gereichen, so mag er immer seinen Vater und seine Mutter nicht ehren; D. i. nicht unterstützen. - und ihr habt so Gottes Gebot aufgehoben wegen eurer Überlieferung. Ihr Heuchler! Christus weist die falsche Anschuldigung durch eine wahrheitsgemäße Antwort zurück. Ihr wollt strenge Beobachter und Hüter auch der geringsten Vorschrift des Gesetzes scheinen, übertretet aber um eurer Überlieferungen willen schwer verpflichtende Gebote Gottes. - Treffend hat Isaias von euch geweissagt, wenn er spricht: Isaias klagt über seine Zeitgenossen, indes passen seine Worte auch auf die Pharisäer. (Vergl. [Apg 7,51]) - Dieses Volk ehret mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich Ohne Gottes Wohlgefallen zu gewinnen, weil sie nicht Gebote lehren und beobachten, sondern Menschensatzungen. Die Worte sind nach der Septuag. gegeben. Durch diesen Tadel werden auch die Apostel vor den Pharisäern gewarnt und diese von neuem als für das Himmelreich ungeeignet bezeichnet. - aber ehren sie mich, indem sie Lehren und Satzungen von Menschen lehren. Und er rief das Volk zu sich Während Christus mit den Pharisäern sprach, war das Volk ehrfurchtsvoll zurückgewichen. Der Herr will dasselbe nun gleichfalls vor den falschen Lehrern warnen. - und sprach zu ihnen: Höret, und verstehet wohl! Nicht was zum Munde eingeht, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen. An sich ist keine Speise unrein. Vergl. [1Tim 4,4] Also verunreinigt es nicht, mit ungewaschenen Händen zu essen. Indes kann das Essen den Menschen verunreinigen, wenn er nämlich aus ungeordneter Esslust, Verachtung, Menschenfurcht und ähnlichen im verdorbenen Herzen wuchernden Leidenschaften ein göttliches oder kirchliches Fastengebot übertritt. - Darauf traten seine Jünger hinzu, und sprachen zu ihm: Weißt du, dass die Pharisäer geärgert wurden, da sie diese Rede hörten? Die Pharisäer nehmen an, Christus erkläre den gesetzlich gebotenen Unterschied der Speisen für unnütz. Die Jünger werden ebenfalls unruhig (Chrys., Theoph.). Die Pharisäer besitzen noch immer bei ihnen einige Hochachtung, und Christi Worte scheinen fast das Gesetz selbst zu verwerfen. - Er aber antwortete und sprach: Jegliche Pflanzung, Die Pharisäer (Orig., Hier.) und ihre Lehre (Chrys., Paschas.). - welche mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgereutet werden. Siehe schon [Jes 5,5.6]. - Lasset sie! Achtet nicht darauf, dass sie Ärgernis genommen haben. - sie sind Blinde Gegen das Licht Gottes. - und Führer von Blinden. Indem sie das Volk mit ihrer Lehre verblenden und mit Feindschaft gegen Christus erfüllen. - Wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube. Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Erkläre uns dieses Gleichnis! Die Jünger können sich über das V. 11 Gesagte noch immer nicht beruhigen. - Er aber sprach: Seid auch ihr noch ohne Einsicht? Worin die wahre Reinheit besteht. - Sehet ihr nicht ein, dass alles, Christus sagt nicht: die ganze, sondern: etwas von jeder Speise hat seinen natürlichen Lauf. Die Speise nährt das leibliche Leben und hat an sich keine Beziehung zu den Sitten. - was zu dem Munde eingeht, in den Magen kommt, und seinen natürlichen Ausgang nimmt? Was aber aus dem Munde herausgeht, kommt aus dem Herzen, Das Herz gilt bei den Hebräern als Mittelpunkt des Denkens und Wollens. - und dies verunreinigt den Menschen; denn aus dem Herzen gehen hervor böse Gedanken, Das erste sind die schlechten Gedanken. Es folgen die Sünden gegen das 5. 6. 7. 8. Gebot. - Mordtaten, Ehebrüche, Unzucht, Diebstähle, falsche Zeugnisse, Gotteslästerungen. Vielleicht folgt diese Sünde hier, weil falsches Zeugnis oft durch Meineid, eine Art Gotteslästerung, bestätigt zu werden pflegt. - Das sind Dinge, welche den Menschen verunreinigen; mit ungewaschenen Händen aber zu essen, verunreinigt den Menschen nicht. Da nicht einmal die Speisen an sich unrein machen. - Und Jesus ging von dort Das nun folgende Ereignis zeigt, dass Jesus trotz des V. 13, 14 Gesagten voller Liebe ist gegen Israel. - hinweg, und zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon Phönizien, dessen bedeutendste Städte dies sind. Das Land wurde von den Römern verwaltet. - zurück. Christus begibt sich wegen der Pharisäer und des Herodes an einen sicheren Ort. - Und siehe, ein kananäisches Weib kam aus jenen Grenzstrichen Vergl. [1Mos 10,15]. Die Kananäer, die alten Einwohner Palästinas, waren von den Hebräern nach Norden zurückgedrängt. Ehe der Heiland noch in ihr Gebiet kommt, eilt ihm der Ruf voraus. - her, und rief und sprach zu ihm: Erbarme dich meiner, Welche Liebe der Mutter gegen ihr Kind: Ich leide! (Chrys.) Sie hatte von den wunderbaren Heilungen durch die Hand Jesu gehört. - Herr, Sohn Davids! Sie hat gehört, dass Christus so gegrüßt ward und wusste wohl, dass die Juden den Messias erwarteten. - meine Tochter wird arg von einem bösen Geiste geplagt. Er aber antwortete ihr nicht ein Wort. Und seine Jünger traten hinzu, baten ihn, und sprachen: Entlasse sie! denn sie schreiet hinter uns her. Die Jünger verwenden sich, indes nicht allein das Mitleid bewegt sie zu ihrer Bitte, der Herr wolle helfen. - Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlornen Schafen des Hauses Israel. Der Heiland ist von Gott zum Hause Israel gesandt, weil diesem nach der Verheißung der Messias zuerst offenbart werden sollte. Christus zeigt sich dem Vater gehorsam und voll unendlicher Liebe für das Heil der Juden. - Sie aber kam, Wenn sie die Worte des Herrn vernommen hat, ist ihre Beharrlichkeit um so bewundernswerter. - betete ihn an, Im Hause, in das er sich begeben. Der Hauptmann [Mt 8,6] lebte inmitten der Juden und war vielleicht selbst Proselyt, zudem baten die Juden für ihn; alles dies fehlt der Kananäerin. - und sprach: Herr! hilf mir. Und er entgegnete und sprach: Es ist nicht recht, das Brot der Kinder zu nehmen, und es den Hündchen vorzuwerfen. Auf die neue Bitte folgt eine neue Abweisung. Christus folgt der gewöhnlichen Sprechweise der Juden in der Bezeichnung des Verhältnisses der in Laster versenkten Heiden zu dem auserwählten Volke. Die Phönizierin weiß das, was zu ihrer Verdemütigung gereicht, zur Empfehlung ihrer Bitte zu wenden. Sie bestätigt die ganze Rede des Herrn, fügt aber zu dem Bilde einen neuen Zug hinzu (denn…). - Sie aber sprach! Ja, Herr! denn auch die Hündlein essen von den Brosamen, die von dem Tische ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib! dein Glaube ist groß; Wie der Hauptmann gelobt wird [Mt 8,10]. Wie der Heiland einst auf die Bitte seiner Mutter die Zeit seiner Offenbarung beschleunigte, indem er in Kana das Wunder wirkte [Joh 2,4], so tat er hier auf die demütige und standhafte Bitte der Heidin in außerordentlicher Weise ein Wunder - dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter war genesen von derselben Stunde an. Als Jesus von dort weiter gegangen war, Der Herr begibt sich auf die Ostseite des Sees von Genesareth, um den Juden seine Wohltaten zu spenden. - kam er an das Meer von Galiläa, und er stieg auf den Berg, und setzte sich daselbst.
Jesus heilt die Kranken
Und es kam viel Volk zu ihm, das Stumme, Blinde, Lahme, Krüppel und viele andere bei sich hatte; und sie legten sie Sie eilen, vielleicht aus Furcht, Christus möchte sich, wie oft, der Menge entziehen. - zu seinen Füßen, und er heilte sie, Wie viele Wunder liegen in diesem einen Worte beschlossen! (Orig.) - so dass das Volk sich wunderte, da sie die Stummen reden, die Lahmen wandeln und die Blinden sehend schauten; und sie priesen den Gott Israels. Der Evangelist sagt nicht, dass das Volk an Christus geglaubt habe. Immerhin aber preist es den wahren Gott in einem vielfach von Heiden bewohnten Landstriche. - Jesus aber rief seine Jünger zu sich und sprach: Christus sorgt für alle Bedürfnisse. - Mich erbarmet Griech. Auf's innigste. - des Volkes, denn drei Tage schon harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen; und ich will sie nicht Sie verdienen Barmherzigkeit aus drei Gründen: Wegen ihrer Standhaftigkeit, wegen ihres Bedürfnisses, wegen der drohenden Gefahr. Der Heiland will den Glauben der Jünger prüfen und mehren, da dieser noch so klein ist (Chrys.). - ungespeiset von mir lassen, damit sie nicht auf dem Wege erliegen. Da sprachen seine Jünger zu ihm: Woher nehmen wir hier in der Wüste so viele Brote, um so viel Volk zu sättigen? Das klare Wort des Herrn: Ich will nicht… hätte ihnen eine andere Antwort nahe legen sollen. Aber die Jünger haben das vorhergehende Wunder vergessen, ähnlich wie [Mt 16,7]. - Jesus sprach zu ihnen: Die Wahrheit und Größe des Wunders wird so den Aposteln offenbarer. - Wie viele Brote habet ihr? Sie aber sprachen: Sieben, und wenige Fischlein. Dies war der Reisevorrat für die Apostelschar. - Und er befahl dem Volke, sich auf die Erde zu lagern. Dann nahm er die sieben Brote und die Fische, dankte, brach, und gab seinen Jüngern, und die Jünger gaben dem Volke. Wie [Mt 14,19]. - Und alle aßen und wurden satt. Und was von den Stücken übrig blieb, hoben sie auf, sieben volle Körbe. So viele Körbe, wie Brote waren. - Derer aber, die gegessen hatten, waren viertausend Männer, außer den Kindern und den Frauen. Und nachdem er das Volk entlassen, trat er in das Schiff, und kam in das Gebiet von Magedan. Am Westufer des Sees Genesareth.

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