Matthäus 17

Verklärung Christi. (V. 13) Heilung eines Mondsüchtigen. (V. 20) Christus sagt sein Leiden vorher und offenbart seine Macht.

Nach sechs Tagen Bald nach der ersten Ankündigung seines Leidens, damit die Apostel an Christi Kreuz nicht Anstoß nehmen. Nach Lukas, welcher den Tag, auf welchen die Kapitel 16 erzählten Ereignisse trafen, und der Tag des Aufsteigens auf den Berg zuzählt, sind es acht Tage. - nahm Jesus den Petrus, Jakobus und Johannes, Bruder desselben, Diese drei Apostel ehrt Christus vor allen. Ihnen gab er besondere Namen, sie ließ er als Zeugen zu bei der Auferweckung der Tochter des Jairus und bei seinem Leiden im Garten Gethsemani. Petrus hatte seine Gottheit bekannt und war das Haupt der Apostel; Jakobus sollte einst der erste Märtyrer sein; der heil. Johannes war dem Herrn besonders lieb wegen seiner Jungfräulichkeit. - zu sich, und führte Nach [Lk 9,28.37] scheint die Verklärung in der Nacht stattgehabt zu haben. – sie allein auf einen hohen Berg. Nach der Überlieferung war es der Tabor. - Und er ward vor ihnen verklärt; Die Gestalt blieb unverändert, aber alle Linien nahmen die Farbe des herrlichen Lichtes an. (Cyr.) - und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie der Schnee. Griech: Wie Licht. Der Glanz ist das Sinnbild der himmlischen Herrlichkeit und göttlichen Majestät. Wohl hätte Christi heiliger Leib immer verherrlicht sein sollen, da seine Seele mit Gott in seliger Anschauung verbunden und seine h. Menschheit mit der Gottheit in einer Person vereinigt war, indes der Herr ließ dies, weil er in Knechtsgestalt erscheinen wollte, nicht zu. Die Verklärung des Herrn ist ein Vorbild der Klarheit, welche einst die in Gott versenkte Seele im Himmel dem Leibe mitteilt. Die Apostel sollen erkennen, dass der Heiland sich ganz freiwillig dem Leiden unterwirft. Welchen Eindruck sie von diesem Ereignisse mit sich nahmen, siehe [2Petr 1,16-18]. - Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias, die mit ihm redeten. Was der Herr den Pharisäern und Sadducäern um ihres hartnäckigen Unglaubens willen versagt hat, ein Zeichen vom Himmel, gewährt er den Aposteln. Wie die Verklärung die Gottheit Christi bewies, welche der heil. Petrus vor wenigen Tagen bekannt, so traten Moses und Elias als Zeugen für seine messianische Würde auf. Sie vertreten das Gesetz und die Propheten, welche den Messias vorherverkündet und auf ihn vorbereitet haben. Moses Gegenwart bezeugt, dass Christus nicht gekommen ist, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen; Elias, des Eiferes für die Ehre Gottes, dass alle Erhabenheit des A. B. auf Christi Verkündigung abzielt. Elias kommt von dem Orte, an den Gott ihn versetzt hat, Moses aus der Vorhölle; Elias, der noch nicht gestorben ist, erscheint im eigenen Leibe, Moses in einem Scheinleibe, wie die Engel (Thom.). Wie die Apostel sie erkannten, gibt das Evangelium nicht an. Worüber Christus mit ihnen sprach, sagt [Lk 9,31]: über sein Leiden. Was die Apostel vor wenigen Tagen vom Heilande gehört und was ihnen des Herrn so unwürdig schien, wiederholen jetzt die Männer Gottes. Vergl. [Lk 22,44] So lernen die Jünger, was Christi Leiden bei Gott gilt. - Petrus aber nahm das Wort und sprach zu Jesus: Petrus sieht, dass die Vertreter des A. B. Jesus verlassen wollen. Wenn der heilige Apostel von der Verklärung Christi so beseligt wird, dass er auf immer eine Süßigkeit, die sie gewährt, genießen möchte, wie unbeschreiblich groß wird da die Seligkeit des Himmels sein! - Herr! hier ist gut sein für uns; wenn du willst, so möchten wir hier drei Hütten bauen, dir eine, dem Moses eine, und dem Elias eine. Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Durch die Wolke pflegte Gott im A. T. seine Gegenwart kundzugeben. [2Mos 16,10, 2Sam 8,10 u. a. Q.]. Diese Wolke ist glanzumstrahlt und entzieht den Heiland, Moses und Elias den Augen der Apostel. Von neuem wird durch ein göttliches Zeugnis das Bekenntnis des heiligen Petrus [Mt 16,16] bestätigt. Vergl. [2Petr 1,17]. Über die Worte siehe [Mt 3,17]. - Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an welchem ich mein Wohlgefallen habe; ihn sollt ihr hören. Besonders in dem, was er euch über sein Leiden und seine Auferstehung gesagt hat [Mt 16,24-26]. Was Gott einst betreffs der Propheten vorgeschrieben [5Mos 18,15], befiehlt er jetzt hinsichtlich des Hauptes der Propheten. Vergl. [Apg 3,22] - Als die Jünger dies hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Himmlische Erscheinungen pflegen die Menschen mit Schrecken zu erfüllen. Siehe [Jes 6,5, Ez 2,1, Dan 7,15, Dan 10,8, Lk 1,29] - Und Jesus trat hinzu, berührte sie, und sprach zu ihnen: Stehet auf, und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und während sie von dem Berge herabstiegen, befahl ihnen Jesus und sprach: Sprechet zu niemand von dieser Erscheinung, bis der Sohn des Menschen von den Toten auferstanden ist. Wie Christus [Mt 16,20] es den Aposteln untersagte zu verkünden, dass er Gottes Sohn ist, so ergeht hier ein gleiches Verbot, bis das Werk der Erlösung vollbracht, die Kirche gegründet und damit die Zeit gekommen ist, alle Geheimnisse des Lebens Christi öffentlich zu verkünden. - Da fragten ihn die Jünger und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, Elias müsse zuvor kommen? Die Apostel haben die Worte Christi: von den Toten auferstehen, wohl dahin verstanden, dass Jesus in seiner Herrlichkeit kommen wird, und nahmen an, dass diese Ankunft des Herrn bald bevorstehe. Soll Elias dem Volke predigen, weshalb verließ er den Herrn so bald? Und wenn er nicht kommt, warum lehren die Schriftgelehrten denn seine Ankunft? - Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Der Heiland belehrt die Apostel über seine erste und zweite Ankunft. - Elias wird zwar kommen und wird alles wieder herstellen; Wird alles Verkehrte bessern [Mal 4,5.6] und die Juden zu Gott zurückführen. [Roem 11,25] Wie [Mal 3,1 und Mal 4,5] von einem doppelten Tage des Herrn und von zwei Vorläufern spricht, so auch der Heiland, indem er sagt, Elias werde kommen, und das Vorbild des Elias sei schon gekommen und habe die erste Ankunft des Messias verkündet (Chrys., Aug.) Über das Verhalten der Pharisäer gegen den ersten Vorboten Christi siehe [Mt 11,16]. - ich sage euch aber, dass Elias schon gekommen ist, und sie erkannten ihn nicht, sondern taten an ihm, was sie nur wollten. So Der Tod des heil. Johannes ist eine Vorbedeutung des Todes Christi. Siehe [Mt 14,1]. - wird auch der Menschensohn zu leiden haben von ihnen. Da verstanden Nach dem V. 12 gesagten. - die Jünger, dass er von Johannes, dem Täufer, zu ihnen gesprochen habe. Und als er zum Volke gekommen war, Am anderen Tage nach [Lk 9,37]. Auf dem Gipfel des Berges hat Christus seine Herrlichkeit geoffenbart, am Fuße übt der böse Geist seine Herrschaft aus über einen armen Knaben und weicht nicht einmal den Jüngern Christi. - trat ein Mann zu ihm, fiel vor ihm auf die Kniee, Welche Demut und welch großer Eifer! - und sprach: Herr! erbarme dich meines Sohnes, denn er ist mondsüchtig, und wird übel geplagt; oft nämlich fällt er in das Feuer, und oft in das Wasser. Ein Epileptiker, der zugleich besessen ist. Der böse Geist mehrt den Einfluss der Krankheit. -
Jesus heilt den mondsüchtigen Besessenen
Ich brachte ihn zu deinen Jüngern, und sie vermochten nicht, ihn zu heilen. Die neun Jünger, welche Christus am Fuße des Berges zurückgelassen. Er wusste also, dass die Jünger des Herrn mehrfach Krankenheilungen vorgenommen. Wie [Mt 10,8]. - Jesus aber antwortete, und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Wie lange werde ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Die Pharisäer benutzen die Gelegenheit, gegen den Heiland zu reden. [Mk 9,13] Jesus tadelt das Volk, den Vater und die Apostel. (Pasch.) Das Volk, weil es nach so vielen Wundern noch den Verleumdern sein Ohr leiht, den Vater, weil sein Glaube nicht groß genug ist, die Jünger, weil auch in ihr Herz des Herrn Worte noch nicht tief genug eingedrungen sind. Der Heiland zeigt durch diesen Verweis, wie sehr ihm ihr Heil am Herzen liegt. Alsdann vollbringt er die Heilung, um alle zum vollkommenen Glauben zu führen. - Bringet ihn hierher zu mir! Und Jesus bedrohte ihn, Den bösen Geist. [Mk 9,24, Lk 9,43] - und der böse Geist fuhr aus von ihm, und von derselben Stunde an war der Knabe geheilt. Da traten die Jünger allein Sie sind beschämt, die Demütigung macht sie geeignet, die Mahnung des Heilandes in ihr Herz aufzunehmen. - zu Jesus herzu, und sprachen: Warum vermochten wir ihn nicht auszutreiben? Jesus sprach zu ihnen: Wegen eures Unglaubens. Wegen der Schwäche eures Glaubens. Der böse Geist hatte wohl derart getobt, dass sie sich fürchteten, wagt er doch auch in Christi Gegenwart zu wüten - Denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habet wie ein Senfkörnlein, Ein kleines Samenkorn. Vergl. [1Kor 1,25], Wenn der Glaube auch so klein ist wie dieses, vermag er doch das Größte, vermag er selbst Berge zu versetzen. (Hil., Chrys.) Aus dem Glauben, der sich auf Gottes Allmacht und Wahrhaftigkeit stützt, muss das Vertrauen hervorwachsen, dass Gott im gegebenen Falle selbst ein Wunder wirken werde. Den Weg zu diesem Vertrauen zeigt der Heiland im folgenden Verse. - so könnt ihr zu diesem Berge sagen: Geh von da hinweg dorthin! Und er wird hinweggehen, und nichts wird euch unmöglich sein. Christus steht zu den Füßen eines hohen Berges. So macht sein Wort noch mehr Eindruck. Die Redeweise ist wohl eine sprichwörtliche. Der Berg bedeutet jedes große Hindernis, wie [Sach 4,7]. - Diese Gattung aber wird nicht ausgetrieben, es sei denn durch Gebet und Fasten. Die schlimmste Art. So wollte es Gott, aber die Bosheit dieser Teufel erforderte ein solches Mittel oder die Herzensbeschaffenheit des Besessenen war eine ungeeignete. [Apg 16,18] werden andere böse Geister durch das bloße Geheiß ausgetrieben. Ebenso [Lk 10,17] u. a. Durch das Gebet wird das Herz mit Gott verbunden, erkennt ihn besser und gewinnt höheres Vertrauen. Dem Gebete hat Gott zudem Erhörung verheißen [Mt 7,7-11], und gut ist das Gebet mit Fasten. [Tob 12,8, Dan 9,3] Der Glaube ist oft länger zu üben und durch die Bußwerke gleichsam zu stärken, wie auch das Gebet anhalten muss. - Als sie nun in Galiläa umherwanderten, sprach Jesus zu ihnen: Als guter Lehrer will der Heiland die Apostel immer mehr an den Gedanken gewöhnen, dass er leiden müsse, aber zugleich den Anstoß des Kreuzes beseitigen. [Mt 16,22] - Es steht bevor, dass der Menschensohn in die Hände Der Sohn Gottes wird der Willkür der sterblichen Menschen überliefert werden. - der Menschen überliefert wird. Und sie werden ihn töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Da wurden sie sehr betrübt. Die Betrübnis ist ein Fortschritt gegen [Mt 16,22]. Die Jünger verstanden nicht, wie das, was sie von dem Herrn glaubten, mit seinem Leiden zu vereinbaren war. - Und als sie nach Kapharnaum gekommen waren, An die Ankündigung des Todes wird als Gegengewicht die Offenbarung seiner erhabenen Würde angefügt. - traten die Einnehmer der Doppeldrachme zu Petrus und sprachen zu ihm: Bezahlt euer Meister nicht die Doppeldrachme? Eine Doppeldrachme = eine halbe Sikel (1,25 Mark). Jeder über 20 Jahre alte Israelit musste [Neh 10,33 ein Drittel], später einen halben Sikel als Tempelsteuer, als Abgabe an Gott entrichten. Die Einnehmer wenden sich an Petrus, weil sie vor dem Herrn zu große Ehrfurcht haben, um von ihm den Zoll einzufordern. Ob sie die Frage stellen, um Christus zu versuchen oder aber um auf freundlichere Weise die Abgabe einzuziehen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Da Christus ihnen keinen Anstoß geben will, ist das Letztere wahrscheinlicher. - Er sprach: Ja. Als er nun in das Haus getreten war, kam ihm Jesus zuvor und sprach: Was dünket dir, Simon! Von wem nehmen die Könige der Erde Zoll oder Steuer? Von ihren Söhnen, oder von den Fremden? Durch die Form der Frage ist angedeutet, dass der heil. Petrus voreilig gehandelt hat. Der Apostel ersieht aus der Frage, dass Christus alles weiß, was gesprochen wurde. Jesus umfasst alles, um dem heil. Petrus das in's Gedächtnis zurückzurufen, was dieser vor einigen Tagen von ihm bekannt [Mt 16,16] und in seiner Antwort außer acht gelassen hat. - Und er sprach: Von den Fremden. Da sprach Jesus zu ihm: Mithin sind die Söhne frei. Also bin auch noch vielmehr ich, Sohn des ewigen Königs, frei von der Tempelabgabe (Chrys., Hil., Hier.). Da der Herr indes seine Würde noch nicht öffentlich verkünden will, zahlt er die Abgabe, damit es nicht den Anschein habe, als ob er die alte Gewohnheit gering schätze und den Tempel verachte. - Damit wir Die Mehrzahl bedeutet wohl, dass der Heiland auch den heil. Petrus in die Befreiung einschließt, weil es für ihn, den Grundstein des neutestamentlichen Reiches, nicht geziemend war, die Steuer des A. T. zu zahlen, das ja nur der Schatten des Neuen ist. Das Verhalten Christi lehrt, dass es nicht angezeigt ist, zu jeder Zeit von seinem Rechte Gebrauch zu machen ohne Rücksicht auf etwa entstehendes Ärgernis. - sie aber nicht ärgern, Der Heiland zahlt die Abgabe, aber durch die Art, wie er sie gibt, zeigt er, wer er ist. - so geh hin an das Meer, und wirf die Angel aus, und den Fisch, der zuerst heraufkommt, ergreife; und wenn du ihm den Mund öffnest, wirst du einen Stater Ein Sikel oder vier Drachmen also etwa 270 Pfen. - finden; diesen nimm, und gib ihnen für mich und dich. Petri Gehorsam ist ein Bekenntnis seines Glaubens an Christi Gottheit. Diesen Glauben zu festigen, tut Christus ein Wunder, da das Geld sonst nicht zur Hand ist. Petrus ist wieder der Bevorzugte. (Chrys.) Beachte Christi Armut, milde Fürsorge, Sanftmut in der Zurechtweisung. (Thom.)

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