Matthäus 18

5. Christus belehrt seine Jünger über das Apostelamt. [Mt 20, Mt 28] Die Demut und die Obsorge für die Kinder. (V. 14) Vollmacht über die Sünder. (V. 20) Wie oft muss man vergeben?

In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl Griech.: also. Die Geschichte fällt wohl vor die Bezahlung der Tempelabgabe. Warum fragen die Jünger? War [Mt 16,18] nicht klar genug? Gewiss, deshalb fragen sie auch nicht, ob Petrus der größte sei, sondern allgemein. (Chrys.) - der Größte im Himmelreiche? Da rief Jesus ein Kind herbei, stellte es mitten unter sie, Christus will nicht allein durch Worte lehren, sondern auch durch Taten, wie die Propheten. - und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehret und nicht werdet wie die Kinder, Ohne Ehrgeiz, einfach und den Kindern ähnlich. In der Tat, um zur Kirche zu gehören, müssen wir glauben. Wie kann der Glaube aber bestehen ohne Demut? Um in der Kirche zu verbleiben, ist die Demut des Gehorsams notwendig. Vergl. [1Kor 3,18, 2Kor 10,5]. – werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen! Siehe da das Vorbild für alle, die Christus angehören wollen. - Wer also immer sich verdemütigt wie dieses Kind, der ist der Größere im Himmelreiche. Ist Kindesdemut vor allem notwendig, um ein wahres Gotteskind zu sein, so folgt daraus, dass jeder um so größer ist, je demütiger er ist. - Und Um noch weiter zur Nachahmung der Kinder aufzumuntern, zeigt der Herr, wie teuer ihm die Kinder sind. - wer ein einziges solches Kind Die Kinder bedürfen besonders der Hilfe, um die ihnen gewidmeten Dienste bringen nicht Ruhm, noch Ehre. Das gleiche gilt betreffs derer, welche von den Menschen geringgeschätzt werden und der Fürsorge bedürfen. - in meinem Namen Name steht für Person: Wer einen solchen aufnimmt um meinetwillen. - aufnimmt, Ein Wohlwollen irgend welcher Art beweist durch Sorge für Leib oder Seele. - nimmt mich auf. Vergl. [Mt 25,40]. - Wer aber einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Wie sehr dem Heilande diese Sorge am Herzen liegt, zeigt die strenge Strafe. - Ärgernis gibt, Ursache zum Fallen bieten. - dem gebührt es, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt werde. Kleine Mühlsteine wurden mit der Hand, größere durch einen Esel in Bewegung gesetzt. Wer Ärgernis gibt, soll, um sicher unterzugehen, mit dem schweren Steine belastet und da in's Meer geworfen werden, wo es am tiefsten ist. Diese Todesart war bei den Juden nicht gewöhnlich, also weist die außerordentliche Strafe auf die Schwere des Verbrechens hin, da die Art der Todesstrafe im A. T. eine solche anzudeuten pflegte. Ähnlich hat der Heiland [Mt 5,22] gesprochen. - Wehe der Welt wegen der Ärgernisse! Der Heiland beklagt es, dass die Welt so viel zum Bösen versucht und mahnt zur Wachsamkeit. - Denn es ist notwendig, In dem durch die Sünde herbeigeführten Stande der Menschheit steht dies ganz sicher bevor. - dass Ärgernisse kommen, wehe aber dem Menschen, durch welchen das Ärgernis kommt! Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, Wie oben [Mt 5,29.30]. Wie sehr müssen wir besorgt sein, ein so strafwürdiges Übel zu meiden! - so haue sie ab, und wirf sie von dir; es ist dir besser, dass du verkrüppelt oder lahm in das Leben eingehst, als zwei Hände oder zwei Füße zu haben, und in das ewige Feuer geworfen zu werden. Und wenn dein Auge dich ärgert, so reiß es aus, und wirf es von dir; es ist dir besser, mit einem Auge in das Leben einzugehen, als zwei Augen zu haben, und in das höllische Feuer geworfen zu werden. Sehet zu, dass ihr nicht eines von diesen Kleinen verachtet; Für nichts achtet. - denn ich sage euch, Erster Grund. Wer von Gott würdig geachtet wird, einen Engel zum Schutze zu erhalten, darf von Menschen nicht für Nichts geachtet werden. Die Engel sind selig in der Anschauung Gottes und wünschen auch die ihnen zum Schutze übergebenen Seelen zu gleichem Glücke zu führen. – Aus dem A. T. steht fest, dass Völker und Provinzen ihren Schutzengel haben [2Mos 23,20, 1Koe 19,5, Tob 3,25, Ju 13,20, Ps 90,11, Dan 3,49, 2Mos 11,6]. Aus vorstehender Stelle geht hervor, dass einem jeden Menschen ein Schutzengel zur Seite steht (Chrys.). - ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht meines Vaters, welcher im Himmel ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu retten, was verloren war. Zweiter Grund. Christus will erlösen und bewahren, was ohne ihn verloren ginge. Wer die Kleinen für nichts achtet, hindert dies Werk Christi. - Was dünket euch? Wenn jemand hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, und gehet hin, das verirrte zu suchen? Was also ziemt einem Seelenhirten? - Und wenn es sich trifft, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch, er freuet sich mehr über dasselbe als über die neunundneunzig, welche nicht irre gegangen sind! Das Gleichnis soll lehren, die Kleinen nicht zu verachten. - Also ist es nicht der Wille eures Vaters, der im Himmel ist, Das Beispiel des himmlischen Vaters muss die Apostel aufmuntern. - dass eines von diesen Kleinen verloren gehe. Wenn aber dein Bruder Dieser Name allein schon weckt den Willen, dem Nächsten zu helfen. Da im Folgenden von der Kirche die Rede ist, spricht der Heiland von denen, welche zu ihr gehören. - wider dich Nach dem heil. Pasch. fehlt dieser Zusatz in vielen Handschriften und die meisten Ausleger lassen ihn mit Recht unberücksichtigt, da die folgenden Worte Christi für jede Sünde Geltung haben. Da das Gebot positiv ist, verbindet es zu seiner Beobachtung nicht in jedem Augenblicke, sondern unter bestimmten Bedingungen, welche die christliche Sittenlehre nachweist. - gesündiget hat, so gehe hin, und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Mancher verliert alle Scheu vor dem Bösen, wenn sein Vergehen kund wird (Chrys., Thom.). Wir müssen bestrebt sein, nicht zu beschämen, sondern zu bessern. (Aug.) - Wenn er auf dich hört, Wenn er dir folgt. - so hast du deinen Bruder gewonnen; Dem Heile seiner Seele. Des Bruders Rettung soll uns als eigener Gewinn erscheinen (Hier., Pasch., Thom.). - wenn er aber nicht auf dich hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage zweier oder dreier Zeugen feststehe. Da es sich darum handelt, den Bruder Gott wieder zu gewinnen und das Heil seiner Seele zu wirken, sollen wir nicht nach dem ersten Versuche alsbald abstehen. Warum zwei oder drei, siehe [5Mos 19,5]. Er soll leichter überredet werden durch so viele, die bezeugen, dass er gesündigt hat, und wirksamer durch sie zur Besserung angeregt werden. - Wenn er auch auf diese nicht hört, so sage es der Kirche; Es handelt sich um eine schwere Versündigung, welche anderen zugleich zum Anstoß gereicht. - wenn er aber auf die Kirche Die Vorsteher der Kirche (Chrys., Euth., Theoph.). Auch in der Synagoge gehörte die Gewalt, unwürdige Mitglieder auszuschließen, den Vorstehern zu, so dass Christus, wenn er eine Demokratie hätte schaffen wollen, dies unbedingt sagen musste. - nicht hört, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner. Die Gemeinschaft mit Heiden und Zöllnern befleckte nach der Meinung der Juden, deshalb waren jene von der Synagoge ausgeschlossen, und Juden, welche ein Zollamt übernahmen, wurden aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Ein solcher Mensch soll nicht andere mit seinem Gifte anstecken und kommt durch diese Maßregel leichter zur Besinnung und Umkehr. Vergl. [1Kor 5,5, 1Kor 6,13, 2Kor 2,6.7] Die Strafe der Exkommunikation hat also im Heiland ihren Urheber. - Wahrlich, ich sage euch, Gemeint sind die Apostel, denn „euch“ bezieht sich auf die Gegenwärtigen, im Gegensatze zu dem allgemeinen: Du, dich, dein (V. 15ff). - was ihr immer auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein; und was ihr Wie Petrus, das Haupt der Kirche, [Mt 16,18] eine göttliche Vollmacht erhalten, so hier die übrigen Apostel. Durch die den Aposteln verliehene Gewalt wird aber die dem heil. Petrus gemachte Verheißung nicht widerrufen. Da dem heil. Petrus die Oberleitung der Kirche und die höchste Gewalt verheißen wurde, so ist die den Aposteln verliehene Gewalt jener untergeordnet. Da aber die Kirche Christi sich über die ganze Erde verbreiten soll, kann einer nicht alles richten, sondern bedarf der Mithelfer. - immer auf Erden lösen werdet, Siehe zu [Mt 16,9]. - wird auch im Himmel gelöst sein! Ein Sünder wird den Hirten der Kirche angezeigt. Diese schreiben bestimmte Mittel vor, das Ärgernis zu heben, und dem Sünder liegt die Pflicht ob, zu gehorchen. Weigert er sich, so wird er als ein faules Glied abgeschnitten und hinausgeworfen. Befehl und Strafe sind im Himmel bestätigt. Wer gehorcht, wird von der Sünde gelöst und mit Gott versöhnt. Da Gott diese Lösung genehm hält, haben die Apostel also die Gewalt, Sünden zu vergeben. - Abermals sage ich euch: Wenn zwei aus euch Dieselben wie V. 18, die Apostel. Da aber der V. 20 angegebene Grund allgemein ist, gilt diese Verheißung nicht für die Vorsteher allein. - auf Erden eines Sinnes sein werden über was immer für eine Sache, um die sie bitten wollen, so wird sie ihnen von meinem Vater, der im Himmel ist, zuteil werden. Wenn zwei alles von Gott erlangen, um was sie bitten, wie viel mehr wird er das Urteil der Kirche billigen, besonders wenn ein allgemeines Konzil über den Glauben oder die Sitten oder über die Leitung der Kirche eine Entscheidung trifft (Greg.). - Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, Dem Ziele gemäß, das Christus wünscht und erstrebt. - dort bin ich mitten unter ihnen. Durch besondere Gnade und zugleich zu ihren Gebeten mein Ansehen hinzufügend, so denselben bei dem Vater neue Wirksamkeit verleihend. Vergl. [Roem 8,26]. Weshalb also bleiben viele Gebete ohne Erhörung? Wir bitten entweder nicht um das Rechte oder nicht auf die rechte Weise (Chrys.). - Alsdann trat Petrus zu ihm und sprach: Petrus ist wohl durch das V. 15 Gesagte zu dieser Frage veranlasst. - Herr! wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, Die Aufnahme eines Bruders, der Buße tut. - wenn er wider mich sündigt? Bis zu sieben Malen? Der heil. Petrus glaubt etwas Großes zu sagen. Die Rabbiner folgerten bisweilen aus [Amos 2,4 und Ijob 33,29], man müsse dreimal verzeihen. Die Zahl 7 wählt der heil. Petrus vielleicht, weil sie in der heil. Schrift so häufig als besonders, bedeutungsvoll empfohlen wird. - Jesus sprach zu ihm: Nicht sage ich dir: Bis zu sieben Malen, sondern bis zu siebenzigmal sieben Malen. Ohne Maß und Zahl. - Darum Deine Barmherzigkeit ist stets gering, wenn du Gottes Güte erwägst, die deine Zuflucht sei, wenn er dich richtet (Chrys.). - ist das Himmelreich einem Könige Einen irdischen Könige im Gegensatz zu Gott. - gleich, der mit seinen Knechten Abrechnung halten wollte. Und als er angefangen zu rechnen, wurde ihm einer vorgeführt, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Vielleicht ist dieser Diener des Königs Vorsteher einer Provinz, der die Steuern für mehrere Jahre zu zahlen hatte. Ein attisches Talent zählte damals 6000 Drachmen, mithin betrug die ganze Summe etwa 45 Mill. Mark. Sind hebräische Talente zu verstehen (nach denen man aber damals nicht rechnete), so beträgt die Schuld das Doppelte. Wie schwer wiegt jede Beleidigung Gottes! Wie groß aber ist auch Gottes Barmherzigkeit, da er bereit ist, selbst eine so ungeheure Schuld dem nachzulassen, der ihn darum bittet! - Da dieser aber nichts hatte, womit er bezahlen konnte, befahl sein Herr, ihn und sein Weib, und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen, und zu bezahlen. Vergl. [2Koe 4,1 und 3Mos 25,39.47]. Die orientalischen Herrscher pflegten die ganze Familie derer, welche sich vergangen, zu bestrafen. Siehe [Dan 6,24, Est 16,18]. - Da fiel jener Knecht vor ihm nieder, bat ihn, und sprach: Habe Geduld mit mir, ich werde dir alles bezahlen! Er bekennt sich schuldig und verspricht, allen Schaden wieder gut zu machen. Er verheißt in seiner Angst mehr als er erfüllen kann. - Der Herr aber erbarmte sich über diesen Knecht, entließ ihn, und schenkte ihm die Schuld. Nachdem Der Herr bewilligt nicht nur den Aufschub, sondern schenkt die ganze Schuld. - aber jener Knecht hinausgegangen war, Gewiss sollte nur Freude dein Herz erfüllen und ihn gegen andere barmherzig stimmen, doch er ist weit entfernt von solchen Gefühlen. - fand er einen seiner Mitknechte, welcher ihm hundert Denare Der 60. Teil eines Talentes, nichts im Vergleich zu der ihm erlassenen Summe. - schuldete; und er packte ihn, würgte ihn, und sprach: Bezahle, was du schuldig bist! Griech.: Wenn du etwas schuldig bist; hohnvolle Worte. - Da fiel ihm sein Mitknecht zu Füßen, Das Bild, das er selbst wenige Augenblicke zuvor geboten. - bat ihn, und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich werde dir alles bezahlen! Er aber wollte nicht, sondern ging hin, Seinen Schuldner mit sich schleppend, wie V. 31 zeigt. - und ließ ihn in's Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt hätte. Als aber seine Mitknechte sahen, was geschah, wurden sie sehr betrübt; und sie kamen, und erzählten ihrem Herrn alles, was geschehen war. Wie viel Gegensätze! Den bösen Knecht rührt weder die demütige Haltung des Mitknechtes, noch das Flehen, das doch auch ihn vor schwerem Unglück bewahrt hat. Er selbst war für Talente, dieser für Denare, er für 10000, dieser für 100 bedroht. Er hat seinen Herrn, dieser bittet seinen Mitknecht um Erbarmen; der Herr erließ ihm die ungeheure Schuld, er will seinem Mitknechte nicht einmal Aufschub gewähren. (Euth.) - Da rief ihn sein Herr zu sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! die ganze Schuld habe ich dir erlassen, Zuerst wirft er ihm seine Bosheit vor, alsdann die ihm erzeigte Barmherzigkeit, endlich zeigt er, was der Knecht hätte tun sollen. (Thom.) - weil du mich gebeten hast; hättest denn nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmen sollen, Die Barmherzigkeit, welche ich dir erwiesen, musste dir Anlass sein, auch deinem Mitknechte alles zu erlassen. - so wie auch ich mich deiner erbarmt habe? Und erzürnt übergab ihn sein Herr den Peinigern, Solche Strafen wurden bei den Römern den Schuldnern auferlegt. [Lk 16,28]. - bis er die ganze Schuld abbezahlt haben würde. Er wird niemals im Stande sein zu zahlen, also dauert die Strafe ewig (Chrys., Euth., Theoph., Pasch., Thom.). Damit geht die Parabel in die Wirklichkeit über, denn eine ewige Strafe wird nur von Gott, nicht von einem irdischen Könige auferlegt. - So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht, Wie [Mt 6,12.14.15]. Aus diesem Gleichnisse lernen wir auch, welch unendlicher Unterschied ist zwischen 10000 Talenten und dem 60. Teile eines Talentes. Zugleich wird gezeigt, wie wir aus uns selbst unfähig sind, Gott Genugtuung zu leisten und uns nichts übrig bleibt, als Gott demütig um Verzeihung anzuflehen. In jedem Gleichnisse ist alles nach dem Ziele desselben zu bemessen. Nach V. 2, 22, 35 will der Heiland lehren, dass man stets vergeben muss. Mithin ist manches, was im Gleichnis nur zur Ausschmückung und Wahrscheinlichkeitsmachung der Handlung dient, nicht immer in der Anwendung wiederzugeben. (Euth.) So dient also, was V. 25 und 31 gesagt wird, sowie auch dass der König die 10000 Talente zuerst erlässt und nachher fordert, nur zur Ausschmückung. - ein jeder seinem Bruder, von Herzen Aufrichtig. Gott will, dass ein fester und dauernder Friede zu Stande komme. vergebet.

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