Matthäus 2

2. Jesus wird von Fremden gesucht: Die Weisen aus dem Morgenlande. (V. 12.) Von den Seinigen verworfen: Flucht nach Ägypten. (V. 15.) Bethlehemitischer Kindermord. (V. 18.) Rückkehr aus Ägypten.

Als nun Jesus geboren war zu Bethlehem im Stamme Juda Ein anderes Bethlehem lag in Galiläa. [Jos 19,15 ]. Die näheren Umstände der Geburt siehe bei [Lk 2,1-7 ]. - in den Tagen des Königs Herodes, Des sogenannten Großen, des Idumäers, der von den Römern 39 v. Chr. Die Herrschaft über Judäa und die angrenzenden Provinzen erhielt, und der erste Nicht-Jude ist, der im Judenlande König war. S. das Ende des zweiten Buches der Machabäer. - siehe, da kamen Weise aus dem Morgenlande nach Jerusalem, Die Nennung von Rahab und Ruth, der Nichtisraelitinnen, hatte angedeutet, dass Christus das Heil aller ist. Das Gleiche zeigt der Evangelist durch die Ankunft und Anbetung der Weisen, der Erstlinge der Heiden (Aug.). In den Hirten hat sich der Heiland Israel offenbart, jetzt geht Simeons Prophezeiung [Lk 2,32] in Erfüllung. Was Christus später [Mt 8,11; Mt 21,31.43] den Juden zum Vorwurf macht, eben dies nimmt hier schon seinen Anfang. - und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenlande gesehen, Der Stern ist zugleich eine Verherrlichung des Erlösers. Die Weisen, Magier, waren Gelehrte, die sich insbesondere mit dem Studium der Weisheit und der Sternkunde beschäftigten, aus der Klasse derer, welcher bei den Persern Ratgeber der Könige zu sein pflegten. Sie waren nicht selbst Könige, da hierfür jeder Anhalt im Evangelium und jede Nachricht aus dem Altertume fehlt. Auch ihre Zahl steht nicht fest. Gewöhnlich gibt man sie wegen der Dreizahl der Geschenke als drei an. Die Namen werden zuerst im 9. Jahrhundert beigegeben. Die Zeit ihrer Ankunft lässt sich aus dem V. 16 bemessen: Weniger als zwei Jahre nach der Geburt des Erlösers. Dies ist die Meinung vieler heil. Väter und jetzt allgemein angenommen. Nach der Darstellung im Tempel siedelte die heilige Familie also bald nach Bethlehem über, von wo sie nach der Abreise der Weisen nach Ägypten floh. Die Erwartung eines Erlösers der Menschen war damals allgemein. Da die Weisen die Sternkunst üben, fällt ihnen das Erscheinen eines neuen Sternes auf. Gottes Gnade erleuchtet sie, damit sie erkennen, was der ungewohnte Glanz zu bedeuten hat (Leo). Der Stern erschien ihnen im Osten, führte sie aber nicht nach Jerusalem, sonst hätten sie nicht darüber geschwiegen. (Paschal). Die heiligen Väter sind über die Gegend, aus der jene kamen, nicht ganz einig. Im allgemeinen stimmen sie für Gegenden in der Nähe des Euphrat, für Arabien, Persien u. - und sind gekommen, ihn anzubeten. Als aber der König Herodes dies hörte, erschrak er, und ganz Jerusalem mit ihm. Herodes fürchtet den Thron zu verlieren. Mit ihm erschrecken besonders die Herodianer [Mt 22,16] und Sadducäer. Der Fürst und ein großer Teil des Volkes erklären sich schon jetzt gegen den Messias. Er kam zu den Seinen und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Selbst die Hüter des Heiligtumes nehmen keinen Anteil an der Freudenbotschaft. Sie gleichen Wegweisern, die selbst nie das Ziel erreichen, nach dem sie zeigen (Aug.). - Und er versammelte alle Hohenpriester Den Hohenpriester und die Vorsteher der 24 Priesterklassen vergl. [1Chr 24,3-20] mit [2Chr 36,14], welche auch den Titel Hohepriester führten. Auch gab es abgetretene Hohepriester. - und die Schriftgelehrten des Volkes, Die Schriftgelehrten waren Gesetzeskundige, welche die Erklärung des Gesetzes und seine Anwendung auf praktische Fälle zum Studium wählten. Ein solcher war Gamaliel [Apg 5,34]. Sie ließen sich Rabbi anreden. Ihre Autorität erhält auch aus [Mt 23,2.3]. Wie sie ihre eigene Gerechtigkeit aufstellten und sich der Gerechtigkeit vor Gott entzogen s. [Mt 23,4ff]. - und befragte sie, wo Christus geboren werden sollte. Jene aber sprachen zu ihm: Zu Bethlehem im Stamme Juda; denn so ist geschrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im Lande Juda! bist keineswegs die geringste unter den Fürstenstädten Juda's; denn aus dir wird hervorgehen ein Führer, der meinem Volke Israel ein Hirt sein wird. Diese Weissagung gab der Prophet Michäas nicht ganz wörtlich so, wie die Priester hier sagen, aber dem Sinne nach. Siehe die Anmerkungen zu Michäas 5,7ff. Heiden und Juden belehren sich gegenseitig. Welche Stärkung im Glauben bietet den Weisen die alte Prophezeiung! - Da berief Herodes die Weisen insgeheim, und erfuhr von ihnen genau die Zeit des Sternes, der ihnen erschienen war. Und er wies sie nach Bethlehem und sprach: Gehet hin, und erkundiget euch sorgfältig nach dem Kinde; und wenn ihr es gefunden habt, so verkündet es mir, damit auch ich komme und es anbete. Herodes wollte nach der Zeit der Erscheinung des Sternes das Alter des neugeborenen Königs bestimmen. Er beruft die Weisen heimlich und trägt Sorge, dass sie allein nach Bethlehem gehen, damit die Aufmerksamkeit des Volkes nicht auf den Messias gelenkt werde. Er sagt aus Neid: Nach dem Kinde sehen, nicht nach dem Könige. Entweder glaubte Herodes an die Prophezeiung, wie durfte er da hoffen, sie zu Schanden zu machen? oder er glaubte nicht daran, was fürchtet er dann seitens des Kindes? (Chrys.) -
Die Weisen werden von einem Stern geführt
Nachdem sie nun den König gehört hatten, zogen sie von dannen. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen voraus, bis er ankam, und still stand über dem Orte, Da der Stern das Haus zeigt, war er ein sternartiges Licht in der Nähe der Erde. - wo das Kind war. Der Stern war ihnen vorausgeeilt und erwartete sie über dem Hause stehend. In Jerusalem war ihr Glaube auf eine harte Probe gestellt worden, wo man den König nicht kannte, dann erschrack und es endlich nicht für nötig hielt, ihn zu suchen. Zudem könnten sie wegen der Armuth des Königs an ihm irre werden. Der Stern stärkt ihren Glauben derart, dass sie das Kind anbeten. - Da sie aber den Stern sahen, Am frühesten Morgen bei der Annäherung gen Bethlehem. - hatten sie eine überaus große Freude. Selig, wer Gott zum Führer hat; geh' er auch auf harten Wegen, er kann sich der Erreichung seines Zieles freuen. - Und in das Haus eintretend, fanden sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an. Sie beten in dem Kinde Gott an. Dahin weist auch die Gabe des Weihrauches. Sieh', sagt der heil. Julgentius, was sie schenkten, so weißt du, was sie glaubten. - Beugt sich auch unsere Weisheit vor dem göttlichen Christentum, und ärgert sie sich nicht an seiner scheinbaren Kleinheit, Armuth und Kindlichkeit? - Und sie öffneten ihre Schätze, und brachten ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhen. Die Gabe des Weihrauches ist eine Anerkennung der Gottheit (Ign. Hil. Orig.). Seiner Königswürde gilt das Gold, die Myrrhe ist eine Beigabe zum Golde, versinnbildlicht aber zugleich den Heiland als sterblichen Menschen und sein Begräbnis. Die Weisen empfangen alsdann ein Unterpfand, dass dies Kind wahrhaft Gott ist und seine Vorsehung über ihnen wacht. Indem Herodes sieht, dass die Weisen nicht wiederkehren, erhält er eine göttliche Mahnung, dass seine Anschläge zu nichts führen. - Und nachdem sie im Traumgesicht die Weisung erhalten, nicht mehr zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Wege in ihr Land zurück.
Joseph führt Maria und Jesus nach Ägypten
Da sie nun hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traumgesicht und sprach: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und fliehe nach Ägypten, und bleibe allda, bis ich es dir sage. Denn Herodes geht damit um, das Kind zu suchen, um es zu töten. Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter des Nachts, und zog hinweg nach Ägypten. Christus offenbart sich als wahren Menschen, die Prophezeiung des Simeon [Lk 2,34] findet ihre Erfüllung, uns selbst wird ein Vorbild gegeben. - Nach Ägypten: In 5-6 Tagen wird die heil. Familie dort sein, wo bereits viele Juden wohnen. Wie lange sie dort blieb, steht nicht fest. Da der Tod des Herodes bald darauf erfolgte, war die Verbannung eine kurze. Der Ort des Aufenthaltes ist unbekannt, eine unsichere Überlieferung nennt Matarea in der Nähe von Memphis oder Leontopolis. - Und er blieb daselbst bis zum Tode des Herodes, damit erfüllet würde, was von dem Herrn durch den Propheten gesagt worden ist, der da spricht: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. S. [Hos 11,1]. -
Der Kindermord zu Bethlehem
Als nun Herodes sah, dass er von den Weisen getäuscht war, wurde er sehr zornig, und schickte aus, und tötete in Bethlehem und in dessen ganzem Gebiete alle Knaben von zwei Jahren und darunter, nach der Zeit, welche er von den Weisen erkundet hatte. Der Stern war den Weisen zur Zeit der Geburt Christi erschienen. 15, höchstens 20 Kinder fallen zum Opfer und werden in ihrem Blute getauft. So hat Christus Genossen der Verfolgung von Anfang an. Dieser Mord war unter dem Volke laut kundig [Apg 4,27]. Die Prosanschriftsteller schweigen davon, weil er unter die minderen Grausamkeiten dieses Tyrannen gehörte. - Damals ward erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Eine Stimme ward gehöret zu Rama, 6000 Schritte im N. von Jerusalem. - Weinens und Wehklagens viel; Rachel, Rachel, die Mutter des ägyptischen Joseph, die Ahnfrau eines vorzüglichen Theiles des israelitischen Volkes, steht hier für dieses Volk selbst. - die ihre Kinder beweinet, und sich nicht will trösten lassen, weil sie nicht mehr sind. Siehe über die Art und Weise der Erfüllung dieser Weissagung [Jer 31,15]. - Nachdem aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien ein Engel des Herrn im Traume dem Joseph in Ägypten, und sprach: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn gestorben sind, die dem Kinde nach dem Leben strebten. Die Mehrzahl steht wie oft für die Einzahl: Herodes. - Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter, und kam in das Land Israel. Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa regiere anstatt des Herodes, seines Vaters, fürchtete er sich, dorthin zu ziehen; Nach dem Tode des Herodes wurde Palästina zufolge dessen letztem Willen und des römischen Kaisers Augustus Anordnung unter drei seiner Söhne geteilt. Archelaus erhielt Judäa, Samaria und Idumäa mit dem Titel Volksfürst, weil er den größten Theil des Volkes beherrschte; Herodes Antipas bekam Galiläa und Peräa; Philippus Batanäa, Trachonitis und Auranitis; beide mit dem Titel von Tretarchen (d. i. Fürsten des vierten und überhaupt kleineren Theil des Volkes). Da Archelaus in Judäa herrschte, ward Joseph nicht sofort nach dem Tode des Herodes, 2 n. Chr. G., vom Engel ermahnt in das Land Israel, die Stätte der göttlichen Verheißungen [Hos 12,4], zurückzukehren. - und im Traumgesicht unterwiesen, zog er in das Gebiet von Galiläa. Und er kam, und wohnte in einer Stadt, welche Nazareth genannt wird; damit erfüllet würde, was durch die Propheten gesagt worden: Er wird Nazaräer genannt werden. Alles, was den Juden anstößig sein kann, erhellt der Evangelist durch Prophezeiungen, so die Flucht nach Ägypten, so den Aufenthalt in Nazareth. Auch bei anderen Propheten heißt er Reis, Sprosse. [Jer 23,5, Jer 33,15, Sach 3,8, Sach 6,12, Ez 17,22]

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