Streit mit den Pharisäern. (21,1-23) Feierlicher Einzug Jesu in Jerusalem. (V. 11) Zorn der Hohenpriester und Pharisäer über Christi Wunder. (V. 17) Der vertrocknete Feigenbaum (V. 22) Die Verachtung der Predigt Johannes des Täufers. (V. 32) Gleichnis von den ungetreuen Winzern.
1Als sie sich nun Jerusalem nahten,Christus offenbart sich als Messias und wird als solcher vom Volke begrüßt. Die Führer des Volkes erwarteten einen glorreichen Messias, Christus erzeigt sich als solchen; sie verwerfen ihn dennoch, ja feinden ihn um so mehr an, sich härterer Strafe würdig machend. Der Einzug des Herrn fand am ersten Wochentage, am zehnten Tage des Monats Nisan statt. An diesem Tage wurde das Osterlamm ausgewählt. [2Mos 12,3] Am gleichen Wochentage wird der Heiland bald als König der Ewigkeit triumphierend aus dem Grabe hervorgehen. Am zehnten Nisan hatte auch Josue einst mit dem Volke das gelobte Land betreten. - undDer Heiland kommt aus Bethanien. [Joh 12,1] - nach BethphageFeigenhaus. Der Ölberg lag 5 Stadien (20 Min.) östlich von Jerusalem. – an den Ölberg kamen, daDer Evangelist macht bedeutungsvoll auf die Zeit aufmerksam. Wer die beiden Jünger waren, sagt das Evangelium nicht. - sandte Jesus zwei Jünger ab,2 und sprach zu ihnen: Gehet in den Flecken, der vor euch liegt,Bethphage. - und alsbald werdet ihr eine Eselin angebunden finden, und ein Füllen bei ihr; bindet sie los, und führet sie zu mir.Bisher hatte Christus alle seine Reisen zu Fuß gemacht, der Einzug in Jerusalem soll feierlich sein. -3 Und wenn euch jemand etwas sagt,Was tut ihr? Es geschah dies in der Tat [Mk 11,5, Lk 19,31.33] Der Herr weiß nicht allein das Zukünftige voraus, er lenkt auch die Herzen nach seinem Willen. - so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; und sofort wird er sie gehen lassen.4 Dies alles aber geschah, damit erfüllet würde, was durch den Propheten gesagt ist, der da spricht:Die Stelle aus Zacharias wird dem Sinne nach angeführt. Auch die Juden verstanden dieselbe vom Messias. -5 Saget der Tochter Sion:Die Einwohner einer Stadt sind gleichsam die Söhne derselben. - Siehe, dein KönigDer dir verheißene [Ez 21,27] - kommt zu dir,Für dich, dich mit allen Gütern zu überhäufen. - sanftmütigWie der Einzug selbst zeigt. - reitend auf einer Eselin, auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttieres!6 Die Jünger aber gingen, und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte.7 Und sie führten die Eselin und das FüllenDie Jünger wussten entweder nicht, welches Tier der Heiland wünschte, oder es ziemte sich, dass der Feierlichkeit wegen beide geschmückt einhergingen. Auch ging das Füllen williger, wenn das Muttertier dabei war. - herbei, und legten ihre Kleider auf dieselben, und setzten ihn darauf.Auf die Kleider. Das Füllen hat noch niemand getragen: Gott sind die Erstlinge darzubringen. Deshalb wurden auch im A. T. zum Tragen heiliger Dinge nur Lasttiere verwendet, welche noch keinen anderen Dienst getan. Vergl. [4Mos 19,2, 5Mos 21,3, 1Sam 6,7] Die heiligen Väter geben verschiedene symbolische Erklärungen dieses Ereignisses – Vornehme Leute ritten in alten Zeiten auf einem Esel, so Abraham [1Mos 22,3, Moses 2Mos 4,20, Balaam 4Mos 22,21] Vergl. [Rich 5,10]. In späteren Zeiten bedienten die Könige sich der Pferde, der Tiere des Krieges [1Koe 4,26, 1Koe 16,28 u. a.] -8 Sehr viel Volk aber breiteteWelche wunderbare Herrschaft übt Christus über die Herzen, da er ohne jede äußere Anregung das Volk dazu bewegt, ihn zu ehren und im Triumphe in die Stadt zu geleiten. - seine KleiderSo ehrte das Volk einst Jehu [2Koe 9,12.13] - auf den Weg; und andere hieben Zweige von den Bäumen, und streuten sie auf den Weg.Eine bei festlichen Aufzügen häufige Übung. [1Mak 13,51, 2Mak 10,7 u. a.] -Jesus zieht in Jerusalem ein
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.9 Die Scharen aber, welche ihm voran zogen und welche nachfolgten,Auch aus der Stadt kommt dem Heilande eine jubelnde Schar entgegen. - schrien und sprachen: Hosanna dem Sohne Davids;Gib ihm deine Hilfe, wir flehen dich an, nämlich zum messianischen Werke, damit auch wir frei werden von allem Unheil! Er sei gesegnet von Gott, damit auch wir des Segens teilhaftig werden! - gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn;In Vereinigung mit Gott, der sich den Menschen offenbart. - Hosanna in der Höhe!Von deinem Throne herab verleihe ihm Heil! Wenngleich die Psalmenworte der Menge bekannt waren, bedurfte es doch einer göttlichen Eingebung, damit sie dieselben jetzt riefen und mit ihnen Jesus als Messias begrüßten. In diesem allen zeigt sich die Macht des Herrn, während seine Demut sich in den äußeren Umständen des Einzuges offenbart. -10 Als er nun in Jerusalem eingezogen war, kam die ganze Stadt in Bewegung, und sprach: Wer ist dieser?Ein großer Teil der Bewohner von Jerusalem, insbesondere die Vornehmen, werden von Neid und Eifersucht ergriffen. Als ob sie den Heiland noch nie gesehen, fragen sie: Wer ist das? Woher ihm solche Ehre? Auch der Eifer der Volksscharen scheint dadurch gemindert zu werden, da sie in der Antwortung der Messiaswürde des Herrn keine Erwähnung tun. So endet der Triumphzug mit traurigen Vorzeichen und Christi Wort [Mt 20,18] wird von neuem bestätigt. -11 Die Scharen aber sprachen: Dies ist Jesus, der Prophet von Nazareth in Galiläa.12 Und Jesus gingJesus zeigt seine messianische Würde, indem er den Tempel reinigt, Blinde und Lahme heilt und von den Kindern als Messias begrüßt wird. Je mehr aber der Heiland seine erhabene Würde offenbart, desto mehr wächst die Feindschaft der Pharisäer. - in den Tempel Gottes,Der Heiland hatte sich nach dem Einzuge im Tempel als Messias kundgegeben [Mal 3,1] und war dann nach Bethanien gegangen. [Mk 11,11] Die Reinigung des Tempels fand also an einem anderen Tage statt. Die Reinigung des Tempels entsprach der Prophezeiung [Mal 3,1.3], auf die auch der heil. Johannes hinwies, [Mt 3,12]. Dasselbe hatte der Heiland beim Beginn seiner Lehrtätigkeit getan. [Joh 2,13] - trieb alle hinaus, die im TempelIn dem äußeren Vorhofe, auch Vorhof der Heiden genannt. Die Nähe des Osterfestes hatte noch mehr Verkäufer als sonst hierhergeführt. Der Lärm störte die Andacht und gab den Fremden Ärgernis. - verkauften und kauften, und stieß die Tische der WechslerDie Israeliten mussten einen halben Sikel als Tempelsteuer zahlen (siehe 17, Anm. 33) und zwar in hebräischer Münze. Die Fremden mussten also ihr ausländisches Geld umwechseln. - und die Sitze der Taubenhändler um.Die Priester handelten unrecht, indem sie an heiliger Stätte solchen Handel duldeten. Alle fühlen Christi göttliche Majestät, und niemand wagt zu widerstehen. -13 Und er sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus wird ein Haus des Gebetes heißen;Wird sein und soll als solches geehrt werden. - ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.Vergl. [Jer 7,11]. Betrug und ungerechter Gewinn schändete die heiligsten Dinge, Opfer und Tempelsteuer. -14 Und es traten zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie.So streng der Heiland gegen die Bösen verfährt, so mild zeigt er sich gegen Fromme und Unglückliche. Die Zeichen beweisen, dass die Zeit des Messias gekommen ist [Jes 35,5.6, Mt 11,5] und offenbaren die Würde unseres Herrn. Doch die Hohenpriester und Schriftgelehrten bleiben verstockt. -15 Da aber die HohenpriesterSiehe 2, Anm. 6 - und Schriftgelehrten die Wunder sahen, welche er tat,Was Vers 12-14 erzählt ist. Da auch die Kinder jene Worte rufen, mit denen die Erwachsenen jubelnd den Heiland begrüßt, erscheint die Einwirkung des heil. Geistes noch heller, der den Kleinen offenbart, was die Kenner des Gesetzes und der Propheten auch nach so vielen Wundern nicht erkennen wollten. - und die Knaben, die im Tempel riefen und sprachen: Hosanna dem Sohne Davids! wurden sie unwillig,16 und sprachen zu ihm: Hörst du, was diese sagen?Sie beschuldigen den Heiland, er dulde eine Gotteslästerung. Wie weit sind sie vom Glauben an Christus entfernt! Gute Menschen werden durch die guten Werke anderer im Guten bestärkt, verkehrte Herzen werden von Neid ergriffen und noch verkehrter. - Jesus aber sprach zu ihnen: Ja. Habt ihr niemals gelesen: Aus dem Munde von Kindern und Säuglingen hast du Lob bereitet?Ja, ich höre es sehr wohl und billige es. Aber wie könnt ihr euch verwundern? Was [Ps 8,3]. sagt, findet auch hier seine Geltung. Die Pharisäer mussten unwillkürlich an die folgenden Worte des Psalmes erinnert werden: „Um den Feind und Rachgierigen zu stürzen.“ Darin lag für sie eine Warnung und Drohung. -17 Und er verließ sie, und ging fort aus der Stadt hinaus nach Bethanien,Haus des Gehorsams (Orig., Hier., Bed.), 15 Stadien, kaum eine kleine Stunde von Jerusalem. - und blieb daselbst.Er übernachtet in Bethanien. In der Stadt hätte wohl niemand gewagt ihn aufzunehmen, da die Pharisäer bereits zur Zeit des Laubhüttenfestes (im Oktober) bestimmt hatten, dass jeder, der sich zu Christus bekennen würde, aus der Synagoge ausgestoßen werden sollte. [Joh 9,22]. Das nachfolgend berichtete Wunder ist eine Vorbedeutung für die Juden und für alle, welche nicht Früchte der Buße und guter Werke tragen. Trotz allen Undankes kehrte Christus am nächsten Tage nach Jerusalem zurück. -18 Als er aber am Morgen in die Stadt zurückkehrte, hungerte ihn.So wahr wie [Mt 4,2]. Wie viele Handlungen der Propheten im A. T. ist das Verhalten Christi symbolisch. Christus offenbart seinen Hunger, um zu zeigen, dass er nach dem Heile des Volkes hungert. Er wusste, dass er nichts finden werde, dennoch handelt er nach Art der Menschen, welche aus dem Vorhandensein der Blätter auf das Dasein von Früchten schließen, da diese den Blättern voran zu gehen pflegen. Andere Bäume hatten noch keine Blätter. [Mk 11,13]. -19 Und da er einen Feigenbaum am Wege sah, ging er auf denselben zu, und fand nichts an ihm als nur Blätter. Da sprach er zu ihm: Nimmermehr komme von dir Frucht in Ewigkeit! Und alsbald verdorrte der Feigenbaum.Der Saft hörte auf zu fließen. Die Jünger bemerkten die äußeren Anzeichen davon erst am folgenden Tage. Der Feigenbaum war das Bild des jüdischen Volkes. (Orig.) So viele Gaben (Blätter) hatte Gott demselben verliehen, um es auf den Messias vorzubereiten. Doch da derselbe kam, nahmen ihn die seinigen nicht auf. Was die Juden dafür erwartet, hat Christus oft mit Worten verkündet [Mt 8,12, Mt 10,15, Mt 11,21, Mt 12,41-45], hier stellt er es durch eine Tat vor Augen. -20 Da dies die Jünger sahen, verwunderten sie sich, und sagten: Wie ist er auf der Stelle verdorrt?Die Apostel fehlen, sofern sie nur fragen, wie der Baum vertrocknet ist, nicht aber nach dem tieferen Grunde forschen. Deshalb begnügt sich Christus mit einer Ermahnung, welche sich an das äußere Ereignis anschließt. -21 Jesus aber antwortete, und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben haben und nicht zweifeln werdet, so werdet ihr nicht nur tun, was an dem Feigenbaume geschah, sondern auch wenn ihr zu diesem BergeDer Herr zeigt wohl auf den Ölberg. Das Bild ist sprichwörtlich. Vergl. [Sach 4,7]. - saget: Hebe dich, und stürze dich in's Meer! so wird es geschehen.Aus diesem Ereignisse ersehen die Jünger, dass Christus auch seine Feinde zu vernichten vermag (Hier., Chrys.). An den Menschen zeigt Jesus, indem er den Leib heilt, was er den Seelen Gutes tun will; will er Strafen vor Augen stellen, so wählt er dazu leblose Wesen (Hilar., Chrys.). Die symbolische Handlung des Herrn zielt zunächst auf die Synagoge, findet aber auch auf jede Menschenseele Anwendung (Orig., Chrys.). -22 Und alles, um was ihr immer bitten werdet im Gebete mit Glauben, das werdet ihr empfangen.23 Als er nun in den Tempel gekommen war,Am zweiten Tage nach dem Palmsonntage. [Mk 11,11.12.19.20.27] - traten, während er lehrte, die Hohenpriester und Ältesten des VolkesUnd die Schriftgelehrten [Mk 11,27, Lk 20,19], also die drei alle religiöse und zivile Gewalt in Jerusalem vertretenden Stände, der höchste Gerichtshof. Wahrscheinlich senden dieselben Abgeordneten in ihrem Namen, ähnlich wie [Joh 1,19]. Sie haben ein Recht zu fragen, welche Befugnis jemand zum Lehren hat und zu prüfen, ob er von Gott gesendet ist, aber nach dem wiederholten Zeugnisse des heil. Johannes über Christus und den vielen Wundern, die Zeugnis geben von ihm und seiner Lehre, nach so vielen Niederlagen seiner Gegner durch die Wahrheit, welche der Herr verkündete, endlich zu einer Zeit, wo sich der Herr so glänzend durch seine Taten offenbart hatte, war es böswillige Vermessenheit, ihn nach den Rechtfertigungsbeweisen seiner Autorität zu fragen. - zu ihm, und sprachen: In welcher GewaltVon uns hast du keine Vollmacht, also maßest du dir das Recht an. Antwortet der Heiland, er sei vom Vater gesendet, so verurteilen sie ihn wegen Gotteslästerung; sagt er, er sei der Messias, so überantworten sie ihn den Heiden wegen Anmaßung der Königswürde; antwortet er gar nicht, so machen sie ihn dem Volke verdächtig als falschen Propheten, der die gesetzliche Obrigkeit verachtet. - tust du dieses?Das Lehramt, der feierliche Einzug, die Reinigung des Tempels usw. Christi Weisheit schlägt die Klugen. Er antwortet so, dass sie ihn nicht anschuldigen können, dass sie hören müssen, als wen Jesus sich bekennt, und erkennen, dass ihre Bosheit zu Schanden wird. - Und wer hat dir diese Gewalt gegeben?24 Jesus antwortete, und sprach zu ihnen: Ich will euch auch um etwas fragen; wenn ihr mir dies beantwortet, werde ich euch auch sagen, in welcher Gewalt ich diese Dinge tue.Der Heiland legt ihnen eine solche Frage vor, dass Antwort, wie Stillschweigen sie in Verlegenheit bringt. Johannes war gesandt zu taufen; diese Taufe war die Vorbereitung auf das Erscheinen des Gottesreiches. Johannes hatte von Christus Zeugnis abgelegt; war der Täufer, von Gott gesendet, so ist Jesus der Messias. So knüpft Christi Frage an die Frage der Pharisäer an. -25 Die Taufe des Johannes, woher war sie? Vom Himmel, oder von Menschen? Sie aber gingen miteinander zu Rate und sprachen:26 Sagen wir vom Himmel, so wird er uns sagen: Warum habt ihr ihm also nicht geglaubt? Sagen wir aber von Menschen, so haben wir das Volk zu fürchten; denn alle hielten den Johannes für einen Propheten.27 Sie antworteten Jesus und sprachen: Wir wissen es nicht.Sie suchen in einer so überaus wichtigen Sache nicht die Wahrheit, sondern einzig einen Ausweg, sich vor den Vorwürfen des Herrn und des Volkes sicher zu stellen. Sie lügen also, dass sie das nicht wissen, was nach ihrem eigenen Bekenntnisse das Volk weiß und was sie vor allem als berufene Lehrer desselben wissen müssen. Sie lügen, denn sie hatten ja eine Gesandtschaft zu Johannes gesendet [Joh 1,19], und der Täufer hatte sich als Vorläufer des Messias bekannt. Johannes gab Prophezeiungen [Joh 1,27.30, Mt 3,11], mithin hatten sie nach [5Mos 18,21.22] die Pflicht, die Wahrheit derselben zu prüfen. Darum die Antwort: Ihr wollt es nicht wissen, daher werde auch ich nicht antworten. Ihr gebt Unwissenheit vor, weil ihr nicht glauben wollt, obgleich ihr euch den Anschein von Glauben und Gehorsam gebt, während andere, Heiden und Sünder, zuerst offen beides verweigern, dann aber aufrichtig das Reich Gottes suchen. - Da sprach auch er zu ihnen: Auch ich sage euch nicht, in welcher Gewalt ich dies tue.28 Was dünket euch aber? Ein Mann hatte zwei Söhne. Und er ging zu dem ersten, und sprach: Sohn! geh heut hin, und arbeite in meinem Weinberge.29 Der aber antwortete, und sprach: Ich will nicht. Nachher aber reute es ihn, und er ging hin.30 Er ging aber zu dem andern, und redete in gleicher Weise. Dieser aber antwortete, und sprach: Ja, Herr! ich gehe,Er heuchelt große Ehrfurcht und Gehorsam. - und ging nicht.31 Welcher von den beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Da sagte ihnen Jesus: Wahrlich, ich sage euch, die Zöllner und die BuhlerinnenDie Zöllner und Buhlerinnen haben sich auf Johannes des Täufers Predigt bekehrt, anders als die Pharisäer, die alles versprechen und nichts tun. - werden eher in das Reich Gottes kommen als ihr!In das Reich Gottes, das bereits zu euch gekommen ist. Eine solche Sünderin ist die, deren Geschichte [Lk 7,50] erzählt wird; ein solcher Zöllner findet sich unter den Aposteln selbst. -32 Denn Johannes kam zu euch auf dem Wege der Gerechtigkeit,Johannes hatte das Amt, den Weg zu weisen, den die Gerechtigkeit fordert. Siehe [Mt 3,8] - und ihr habt ihm nicht geglaubt;Ihr habt euch nicht bekehrt, denn die Predigt des heil. Johannes bestand besonders in der Aufforderung: Tuet Buße. - die Zöllner und die Buhlerinnen aber haben ihm geglaubt. Ihr aber, obgleich ihr es sahet, wurdet auch dann nicht reuigen Sinnes, so dass ihr ihm geglaubt hättet.33 Höret ein anderes Gleichnis:Der Heiland zeigt in einem ähnlichen Gleichnisse aus [Jes 5] die Strafe, welche die Juden für die Verwerfung des Messias erwartet. - Es war ein Hausvater, der pflanzte einen Weinberg, und umgab ihn mit einem Zaune,Damit die wilden Tiere ihn nicht verwüsteten. - grub in ihm eine Kelter, baute einen Turm,Für die Wächter. - und verpachtete ihn an Winzer, und reiste dann fort in die Ferne.Der Vergleich des Volkes Gottes mit einem Weinberge ist in der heil. Schrift nicht selten. Die Absicht des Heilandes ist aus [Jes 5,2] klar. Der Hausvater ist Gott, der sich das Volk Israel unter allen Völkern auserwählt und ihm gibt, was ihm heilsam sein kann: Einen Zaun – Gesetz und Propheten (Theoph., Euth.) oder eine besondere Leitung seiner Vorsehung (Ambr., Orig.); einen Turm – den Tempel (Orig., Hier., Chrys.) oder die Erhabenheit des Gesetzes (Hil.). Diesen Weinberg übergab er der geistlichen und bürgerlichen Obrigkeit, indem er verschiedene heilsame Vorschriften hinzufügte. –34 Als aber die Zeit der Früchte genaht war, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte in Empfang zu nehmen.Einen Teil der Früchte als Mietslohn. Die Knechte sind die Propheten. -35 Doch die Winzer ergriffen seine Knechte, schlugen den einen, töteten den andern, einen dritten aber steinigten sie.Vergl. [Apg 7,52, Jer 2,30, Hebr 11] (Hier.) -36 Wiederum schickte er andere Knechte, und zwar mehrere als die ersten, und sie verfuhren mit ihnen ebenso.Dies bezeugt Gott selbst zum öfteren im A. T., z. B. [Jer 7,25, Hos 6,5]. –37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden vor meinem Sohne Scheu tragen!38 Als aber die Winzer den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe, lasset uns ihn töten, und wir werden sein Erbteil besitzen!Christus spricht jetzt von sich, die Zukunft vorverkündend. So taten die Pharisäer und Schriftgelehrten nach der Auferweckung des Lazarus [Joh 11,47.48.50] –39 Und sie ergriffen ihn, und warfen ihn hinaus aus dem Weinberge, und töteten ihn.Als ob er nicht zum auserwählten Volke gehörte, wird der Herr den Heiden übergeben werden. –40 Wenn nun der Herr des Weinberges kommen wird, was wird er diesen Winzern tun?Auf diese Frage antworteten sie V. 41 ohne Zaudern, weil sie nicht merken, dass sie selbst gemeint sind. – Das Gleichnis lässt sich auch auf jeden Menschen anwenden (Orig., Ambros.). –41 Sie sagten zu ihm:Sie sprechen sich selbst ihr Urteil. In der Tat ward Gott und Stadt von den Römern vernichtet. (Theoph.) – Er wird sie als Elende elendiglich verderben, und seinen Weinberg wird er an andere Winzer verpachten, die ihm zu ihrer Zeit die Früchte abliefern.Christus wird seinem Volke andere Hirten geben, vergl. [Mt 10,2ff, Mt 16,18, Mt 18,18], nämlich die Apostel (Orig., Hil.), von denen der Herr [Joh 15,16] Zeugnis gibt. Es ist kein Widerspruch mit Markus und Lukas, wo der Herr, nicht die Pharisäer die Worte: Er wird usw. spricht. Der Vorgang war wohl der folgende: Christus fragt (V. 40), sie antworten (V. 41), dann wiederholt Christus ihre Worte [Lk 20,16], jedoch so, dass sie merken, sie seien gemeint. Darum sagen sie: Das sei ferne! Nämlich dass wir dem Verderben anheimfallen usw. Daran schließt sich passend V. 42 hier: Das sei ferne! ruft ihr? Doch es wird geschehen, denn die Schrift sagt usw. –42 Da sprach Jesus zu ihnen: Habt ihr niemals in der Schrift gelesen: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Ecksteine geworden.Der Stein, welcher zwei Mauern miteinander verbindet und so dem Gebäude Halt und Festigkeit gibt. Die Vorsteher der Synagoge sind die berufenen Bauleute des Hauses Gottes, der Eckstein ist Christus (Orig.), der alle Völker in der Einheit des Glaubens sammelt (Hil.). Haben ihn die Bauleute verworfen und er hat dennoch eine solche Stellung erlangt, so ist es also Gott gewesen, der sie ihm verliehen. – Vom Herrn ist dies geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen“?Dass diejenigen, welchen der Messias verheißen war, die ihn erwarteten und von Gott auf seine Ankunft vorbereitet wurden, ihn nicht anerkennen wollten, da er kam, und dass er nun dennoch so erhöht ward. Dass [Ps 117,22] von dem Messias spricht, geben auch spätere Juden zu. –43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch hinweg genommen, und einem Volke gegeben werden, welches die Früchte desselben hervorbringt.Weil die Führer der Synagoge solche Menschen sind, wie sie in den drei Gleichnissen beschrieben worden. Christus sagt die Berufung der Heiden vorher. Vergl. [Gal 5,22, Eph 5,9]. –44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden;Wer immer den Heiland verwirft, wem Christi Demut ein Ärgernis ist. So erklärt Christus die von ihm [Lk 2,34] gegebene Weissagung. – auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen.Der Heiland ändert das Bild, indem er sich als Richter zeigt, wie Johannes der Täufer ihn [Mt 3,12] verkündet. Das doppelte Bild zeigt, dass keiner von denen, welche den Messias verwerfen, der Strafe entgehen wird. Vergl. [Apg 4,11.12]. –45 Als nun die Hohenpriester und PharisäerWohl dieselben, die V. 23 die Ältesten des Volkes genannt werden. – seine Gleichnisse hörten, erkannten sie, dass er von ihnen rede.Jetzt verstehen die Vorsteher der Synagoge alles, aber anstatt sich zu bekehren, beschließen sie, Rache zu nehmen, und einzig die Furcht zwingt sie, die Ausführung ihres bösen Vorhabens zu verschieben.46 Und sie suchten ihn zu ergreifen, aber sie fürchteten das Volk, weil es ihn für einen Propheten hielt.