3. Johannes, der Täufer, predigt Buße. (V. 12.) 4. Jesus lässt sich unter den Sündern taufen, und wird durch Gott den heiligen Geist, und den Vater verherrlicht.
1In jenen TagenUm diese Zeit. Diese Worte knüpfen an [Mt 2,23] an: Als Jesus noch in Nazareth weilte. Nach [Lk 3,1] trug sich das Folgende im fünfzehnten Jahre des Kaisers Tiberius zu, nach der gewöhnlichen Zeitrechnung im achtundzwanzigsten Lebensjahre Jesu. Vgl. zu [Mt 3,1-12, Mk 1,2-8, Lk 3,1-18]. - aber kam Johannes, der Täufer, und predigte in der Wüste von Judäa,In der milden, wenig bewohnten Gegend zwischen Thekoa und dem roten Meere und im gleichartigen Jordantale. Der heilige Johannes predigt Buße und Bekehrung, wie einst die alten Propheten. [Jer 3,21ff, Ez 16,61, Dan 9,5] Nur Buße öffnet den Zugang zum Himmelreiche. Der Evangelist nennt ihn Johannes den Täufer, wie er von den Juden genannt ward. (Joseph) -2 und sprach: Tut Buße! denn das Himmelreich hat sich genahet.Das Himmelreich, so wird, vielleicht im Gegensatze zu den irdischen Erwartungen der Juden, das Reich des Messias genannt. In der Tat, der Ursprung ist himmlisch und die Mittel sind es, welche von Menschen geboten werden, um hier himmlisch zu leben und einst in den Himmel zu gelangen. Es naht das Himmelreich der Zeit, der Erkenntnis, der Liebe, der Erreichbarkeit nach, alle sollen sich durch Buße auf die Erlangung desselben vorbereiten. [Mt 12,18] heißt dies Reich Reich Gottes, auf Erden ist es die streitende Kirche. -3 Dieser nämlich ist es,Anmerkung des heil. Matthäus. - welcher verkündet ward von dem Propheten Isaias, wenn er spricht:[Jes 40,3]. Im hebräischen ist Jahwe der Weg zu bereiten, ein Name, der allein Gott eigen, also wird der Heiland hier als Gott bezeichnet. - Stimme eines Rufenden in der Wüste:Johannes ist nicht das göttliche Wort, das zu Kindern Gottes umschafft, sondern nur eine weckende Stimme. - Bereitet den Weg des Herrn; machet eben seine Pfade!Durch Wegräumung aller Hindernisse des Heils, durch Ablegung aller bösen Gewohnheiten, Neigungen u. -4 Johannes aber selbst hatte ein Kleid von KamelhaarenWas er lehrt, zeigt der heilige Johannes durch die Tat, in Kleidung und Nahrung ein Büßer. Ein Bußkleid, der Gurt ähnlich dem des Elias [2Koe 1,8], die Speise Heuschrecken und aus den Bäumen tropfender Saft. - und einen ledernen Gürtel um seine Lenden, seine Nahrung aber waren Heuschrecken und Waldhonig.5 Da ging Jerusalem zu ihm hinaus,Seit Malachias war kein Prophet gekommen, das Volk aber sehnte sich nach einem solchen. S. [1Mak 4,46, 1Mak 14,41]. Johannes Erscheinung und die Zahl der von Daniel verkündeten Jahre mehren die Sehnsucht. Die Bewegung verbreitet sich von der Hauptstadt in das Tal zu beiden Seiten des Jordan, jetzt el Chor genannt. - und ganz Judäa, und die ganze Gegend am Jordan.Der Zulauf zum Reiche Gottes ist groß; aber wenigen ist es ernst, und die wenigsten harren aus. -6 Und sie wurden von ihm im Jordan getauft,Zwar gab es im Mos. Gesetz mancherlei Waschungen, indes die Taufe des heil. Johannes ist neu. Er taucht die Sünder im Jordan unter, weil seine Taufe nicht gesetzliche Unreinheit heben soll, sondern auf den Nachlass der Sünden abzielt, ein Sündenbekenntnis erheischt und den Glauben fordert an den, der nach Johannes kommen soll. Deshalb schreibt Johannes den Ursprung dieser Taufe Gott zu. [Joh 1,33]. Daher auch die Frage des hohen Rates [Joh 1,25]. - und bekannten ihre Sünden.Einzelne, bestimmte (Cyrill. Jerus.). Indes erlies diese Taufe die Sünden nicht durch sich. -7 Als er aber viele von den Pharisäern und Sadducäern zu seiner Taufe kommen sah,Das Volk kommt mit frommem Herzen, nicht so die Führer. Die Pharisäer (Abgesonderte) wollten nicht nur das Gesetz Moses, sondern auch viele Überlieferungen beobachtet wissen. Die Sadduzäer, zu denen die Vornehmsten und Reichsten des Volkes gehörten, erkannten nur das Gesetz an und verwarfen die Erklärungen der Pharisäer. Ihre Lebensweise verriet wenig Strenge. Nach [Apg 5,17] und [Apg 23,9] gehörte auch der Hohepriester zur Sekte der Sadducäer. - sprach er zu ihnen: Ihr Natterngezücht!Ihr habt die Bosheit gleichsam als Erbteil: Anderen schädliche und verstockte Menschen [Jes 59,5, Ps 57,5]. Welche Gegner hat das nahende Himmelreich! - wer hat euch gelehret, dem zukünftigen Zorne zu entfliehen?Wer? Niemand. -8 Bringet denn würdige Früchte der Buße!In der Buße ist die Hoffnung des Heiles. -9 Lasset euch nicht bedünken, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater;Die Verheißungen Gottes sind Abraham und seinen Nachkommen gegeben. S. [Joh 8,33]. Welchen aber? Ismael, Esau und andere Beispiele zeigen, dass nicht die fleischliche Nachkommenschaft zu Kindern des Segens macht. S. [Joh 8,39, Roem 9,7]. - denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen hier Kinder erwecken.Menschen bilden und sie zu geistigen Kindern Abrahams machen. S. [Roem 9,7, Gal 3,7]. -10 Denn schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Ein jeder Baum also, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und in's Feuer geworfen.An die Wurzel: So dass keine Lebenshoffnung bleibt. Es genügt nicht, sich vom Bösen zu enthalten. Gott ist schon bereit euch das Reich Gottes hier und dort zu entziehen, und euch der Hölle (unt. 25,41.46. Apos. 20) zu übergeben. Vergl. [Lk 13,7]. -11 Ich zwar taufe euch in Wasser zur Buße, der aber nach mir kommen wird, ist stärker als ich, dessen Schuhe zu tragen ich nicht würdig bin;Ich bin nicht würdig, ihm die niedrigsten Knechtesdienste zu leisten. Die Schuhe bestanden in Fußsohlen, welche mit Riemen an den Fuß gebunden wurden. Sie anzubinden, abzulösen, und beim Eintritt in das Haus zu tragen, war Geschäft der Sklaven. Johannes hatte ein ungeheures Ansehen, wie mussten also solche Worte wirken. - dieser wird euch in heiligem Geiste und Feuer taufen.Das Bild von der Geistestaufe bei [Jes 43,3, Joe 2,28]. Die Mitteilung des heil. Geistes beschränkt sich bei den Christen nicht auf die Taufe, wie [Apg 1,5] und [Apg 11,5] zeigen. Johannes bezeugt wiederum die Gottheit Christi, denn die Ausgießung des hl. Geistes gehört Gott zu. Da die Gnade das Böse verzehrt, die Seele reinigt und zum Guten entflammt, wird sie dem Feuer verglichen. -12 Seine Wurfschaufel hat er in seiner Hand und wird seine Tenne reinigen;Er wird die Guten von den Bösen scheiden. Das ausgebrochene Getreide wird im Morgenlande mit einer Wurfschaufel gegen den Wind geworfen, wobei die guten Körner zu Boden fallen, die Spreu von dem Winde beiseits geführt wird. Christus ist Heiland, aber auch Richter. Seine Wurfschaufel: seine eigene. Ihm gehört das Gericht zu. [vergl. Mt 13,30]. Die Tenne ist Israel, dann auch die Völker. Die Predigt Johannes des Täufers ist wahrhaft eine Vorläuferin der Predigt Christi. - seinen Weizen wird er in die Scheuer sammeln, die Spreu aber verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.Die Guten werden in des Herrn Wohnungen aufgenommen, die Bösen einem Feuer übergeben werden, das nie erlischt. Vergl. [Mk 9,43.45, Mt 25,46]. -13 Damals kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um von ihm getauft zu werden.Da die Erwartung allgemein, tritt Christus auf. Der hl. Johannes soll ihm Zeugnis geben und der himmlische Vater dasselbe bestätigen. Johannes hatte den Heiland noch nicht gesehen. [Joh 1,31.33]. Er fühlte einst Christi Gegenwart im Mutterleibe, soll er ihn jetzt nicht erkennen, da er ihn ersehnt? Vielleicht spricht eine innere Stimme zu ihm, wie einst zu Samuel [1Koe 16,12]. -14 Johannes aber wehrte es ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?Er bekennt Christus als den, von dem er (V. 11) geredet. -15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lasse es jetzt geschehen; denn also geziemt es sich uns, jegliche Gerechtigkeit zu erfüllen.Uns: Mir und dir. Gerechtigkeit ist das, was Gott an den Menschen wünscht, also besonders, dass sie tun, was Gott will. Es war also der Wunsch des himmlischen Vaters, dass Christus sich taufen ließ. Christus, dem Zeremonialgesetz sich unterwerfend, den Sündern gleich geworden außer der Sünde, gibt durch die Taufe kund, dass er unsere Sünden auf sich nimmt. Da das Untertauchen den Tod bedeutet, zeigt der Herr seinen Willen, für uns zu sterben. Er wird als Messias offenbart, billigt die Taufe des Johannes, heiligt das Wasser, gibt uns ein Beispiel der Demut. - Dann ließ er ihn hinzu.Die Taufe Jesu
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.16 Als aber Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, es öffneten sich ihm die Himmel, und erChristus und Johannes sehen [Joh 1,34] nach allgemeiner Meinung auch die übrigen, damit sie wissen, wer es ist, der eben getauft, und welchen Beruf er hat: In ihm will der Vater mit der Welt versöhnt werden. Durch seinen Gehorsam wird der durch Adams Ungehorsam verschlossene Himmel geöffnet. Die ganze heilige Dreifaltigkeit offenbart sich hier. Der heil. Geist erscheint in Gestalt einer Taube: Sinnbild des Friedens und der Einfalt. Es ist gleichsam eine zweite Epiphanie: Bisher für einen aus dem Volke gehalten, beginnt Christus jetzt sein Werk. Christus, nimmt nicht innerlich zu durch das Herabkommen des heil. Geistes, sondern es wird offenbar, dass dieser in ihm wohnt. Die Taufe Christi ist auch ein Bild der Güter, welche uns in der Taufe zuteil werden: Der Himmel wird uns eröffnet und wir werden Kinder Gottes. sah den Geist Gottes herabkommen über ihn und wie eine Taube herabsteigen.17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel sprach: Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an welchem ich Wohlgefallen habe!