Micha 6

3. Dritte Rede. (Kap. 6, 7) a. Gottes Wohltaten und der Undank des Volkes. (V. 5) b. Wie soll man sich dankbar erweisen? (V. 8) c. Den Ungerechten und Gottlosen droht Strafe.

Vernehmet, was der Herr spricht: Auf und übe Gericht gegen die Berge hin und die Hügel mögen deine Stimme hören! Die Aufmerksamkeit des Volkes wird geweckt. Es soll auf den Rechtsstreit merken, den Gott mit dem Volke führt, der nicht nur ein Bild ist, das der Prophet sich ausgedacht. Berge und Hügel sollen als Zeugen des Rechtsstreites zugegen sein. (Ephr., Theoph.) Da sie Zeugen der Wohltaten sind, welche Gott dem Volke erwiesen, der Gesetzgebung, des Bundesschlusses, der Versprechung des Volkes, es Zuges durch die Wüste und der Wunder Gottes usw. Ähnlich schon Moses [5Mos 4,26, 5Mos 30,19, 5Mos 31,28]. - Die Berge mögen das Gericht des Herrn hören und die starken Grundfesten der Erde, denn der Herr geht ins Gericht mit seinem Volke und mit Israel rechtet er. Mein Volk! was habe ich dir getan Hebr.: Höret, ihr Berge usw. - oder womit bin ich dir lästig gefallen? Dass du mich verworfen hast. Gott klagt weder unerbittlich an noch fällt er strengen Urteilsspruch, sondern macht Vorhaltungen voll der Liebe. - Antworte mir! Ich habe dich ja Bin dir dadurch lästig gefallen, dass ich dir diese Wohltaten erwies und Wunder für dich tat? - aus dem Lande Ägypten geführt und dich aus dem Hause der Dienstbarkeit befreit, ich habe Moses, Aaron und Maria vor dir hergesandt. Moses hat dir gezeigt, was Gott gefällt, Aaron war dein Vermittler und Versöhner vor Gott, Maria hat das Triumphlied der Befreiung gesungen und die Frauen belehrt. (Theod., Theoph.) Gewiss führte der Prophet im mündlichen Vortrage dies alles weiter aus. - Mein Volk! gedenke doch, was Balach, der König von Moab, im Sinne hatte und was ihm Balaam, der Sohn Beors, erwiderte, Balak versuchte zu wiederholten Malen das Wort zu verderben, doch Balaam durfte Israel nicht fluchen, sondern nur segnen. [4Mos 31,16] - von Setim bis nach Galgala, In Setim hatte das Volk Gott durch Götzendienst und Unzucht schwer beleidigt und dennoch kam Gott ihm zu Hilfe, in Galgala wurde nach der Überschreitung des Jordans zum ersten Male Halt gemacht und das neue Geschlecht dem Herrn durch die Beschneidung geweiht. Vergl. [Jos 4,19; Jos 5,9] - auf dass du die gerechten Wege des Herrn erkennest. Damit offenbar ward meine Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit: ich habe deinen Ahnen versprochen, dir Palästina zu geben, deshalb habe ich dich am Leben bewahrt. (Theoph.) Setim lag im Gebiete von Moab im Osten des Toten Meeres, Jericho gegenüber, Galgala zwischen Jordan und Jericho, fünfzig Stadien vom Flusse, zehn von Jericho. (Flav. Jos.) - Was soll ich Der Prophet redet im Namen des Volkes. - dem Herrn darbringen, das seiner würdig wäre? Hebr.: Womit soll ich Jahve entgegenkommen, mich unterwürfig nahen dem Gott in der Höhe? - Soll ich das Knie beugen vor Gott, dem Höchsten? Soll ich ihm etwa Brandopfer darbringen und einjährige Rinder? Können solche Opfer, wie er selbst eingesetzt, seiner erhabenen Majestät Genüge leisten? Aber wie könnte das Blut der Tiere und der Geruch des Fettes und das Brandopfer eines solchen Gottes würdig sein? Einjährige Rinder waren die besten. - Sollte wohl der Herr versöhnt werden können durch Tausende von Widdern oder durch viele Tausende von fetten Böcken? Hebr.: Zehntausende Bäche Öls. Sprichwörtlich: tausende und zehntausende. – Die gesetzlichen Opfer des Alten Bundes genügen nicht. Wahre Frömmigkeit und Gehorsam fordert Gott, und diese stehen höher als jene Opfer. - Soll ich ihm etwa meinen Erstgebornen als Opfer für meine Missetat hingeben, meines Leibes Frucht als Schuldopfer für meine Seele? Ja, auch mit Menschenblut suchen die Menschen ihre Schulden vor Gott zu büßen, mit dem Teuersten, was sie haben, dem Leben des Erstgeborenen. - Ich will dir kundtun, Hebr.: Er hat dir angezeigt. - o Mensch! was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich: Recht zu üben und Barmherzigkeit zu lieben und mit Sorgfalt Hebr.: Demütig, Gott unterworfen. Das Volk setzt seine ganze Frömmigkeit in äußere Übungen und Gebräuche, der Prophet fordert Beschneidung des Herzens. - vor deinem Gotte zu wandeln. Die Stimme des Herrn ruft der Stadt Jerusalem. Doch das Volk ist weit entfernt von dem Wege, den der Prophet V. 8 gewiesen. Daher folgt nun der Donner des Gerichtes. - zu und Heil wird denen, die deinen Namen fürchten: Nur diesen. - Höret, Achtet darauf, fürchtet euch, tuet Buße! - ihr Stämme! aber wer wird es gutheißen? Er verzweifelt an dem Erfolge. Kaum einer wird der Mahnung folgen. – Hebr.: Wohlgetan ist's zu fürchten deinen Namen. Höret die Rute, und wer sie bestellt hat. – Dieser Text ist vorzuziehen; es wird angekündigt, dass das Gericht beschlossen, und Gottes Stimme ist Anzeichen des Gerichtes. Warum dieses über das Volk kommt, wird im Folgenden dargelegt. - Noch Nach so vielen Mahnungen des Propheten. - ist Feuer im Hause des Gottlosen, Schätze der Ungerechtigkeit, Jenes Feuer, das endlich Häuser und Stadt verzehren wird. Sie beseitigen die Ursache ihres Unglückes nicht. Solches Feuer ist ihre Ungerechtigkeit, ihre Habsucht, das ungerecht erworbene Gut. - und zu geringes Maß Hebr.: du mageres Epha: Ein Epha fasste sechs römische Maß. Die Angabe des bei uns entsprechenden Maßes schwankt; vielleicht 39,37 Liter. - erfüllt mit Zorn. Sollte ich ungerechte Waage gutheißen Und ungestraft lassen (an den Reichen)? - und trügerisches Gewicht im Beutel? Hierdurch sind ihre Der Stadt. (V. 9) Hebr.: Ihre Reichen sind von gewalttätigen Anschlägen erfüllt. - Reichen mit Unrecht erfüllt, ihre Bewohner reden Lüge und trügerisch ist die Zunge in ihrem Munde. Hebr.: Und ihre Zunge ist Trug in ihrem Munde – als ob sie nichts anderes reden könnten. - So fange auch ich denn an, dich deshalb mit Verderben zu schlagen um deiner Sünden willen. Hebr.: So will auch ich denn beginnen, dich zu schlagen mit Verheerung wegen deiner Missetaten. – Da das Volk der Sünde so eifrig nachgeht, wird Gott jetzt ebenso eifrig strafen. - Wenn du issest, Die Strafen werden nach [3Mos 26,25; 5Mos 28,30; Hos 4,10] aufgezählt, wo sie angedroht sind. Die erste ist Hungersnot: [Jer 52,6]. - sollst du nicht satt werden und deine Demütigung Hebr.: Hunger. - wird in deiner Mitte sein; wenn du nach etwas greifst, wirst du es nicht erfassen, und die du rettest, werde ich dem Schwerte preisgeben. Wenn du säest, wirst du nicht ernten; wenn du Oliven kelterst, wirst du dich nicht mit Öl salben; wenn du Most kelterst, wirst du keinen Wein trinken. Bundesbrüchig werden sie aller Güter beraubt werden, welche ihnen einst als Segen Gottes verheißen waren für die Bewahrung des Bundes. - Hast du doch Der erste Teil des Verses fasst das V. 10 – 12 Gesagte kurz zusammen, der zweite V. 13 – 15. - die Satzungen Amris [1Koe 16,25] - beobachtet und alles Tun des Hauses Achab [1Koe 16,30] Welches Verderben sie und Achabs Tochter Athalia über Israel brachten, siehe [2Koe 8,18]. - und bist nach all seinen Gelüsten gewandelt, damit Du wusstest ja, dass ich auf das Verbrechen die Strafe muss folgen lassen. - ich dich dem Verderben hingebe Wie das Vergehen dreifach geschildert war, so auch die Strafe, Untergang und zwar schmachvoller und lange andauernder. - und die Bewohner derselben dem Gespött; ja, die Schmach meines Volkes Weil ihr mein Volk seid, werden die Heiden euch mit besonderer Schadenfreude Schmach antun, wie ich euch vordem gedroht. sollt ihr tragen.

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