Micha 7

d. Die Strafe entspricht den Vergehungen. (V. 6) e. Die Hoffnung auf eine Wiederherstellung gewährt Trost. (V. 10) f. Die messianische Wiederherstellung. (V. 17) g. Schilderung der geistigen Wiederherstellung.

Wehe mir! denn es ist mir ergangen wie einem, der im Herbste nach der Lese Trauben sammelt; keine Traube ist mehr da zum Essen, Alle meine Mahnungen sind vergeblich gewesen. Das Volk ist der Weinberg des Herrn [Ps 79,9; Jes 5,1] doch, ach, er hat keine Frucht getragen. - nach Frühfeigen verlangt meine Seele. Frühfeigen sind die besten. - Verschwunden sind die Frommen aus dem Lande und Rechtschaffene sind nicht mehr unter den Menschen; alle lauern auf Blut, Hebr.: Sie liegen alle auf der Lauer nach Bluttaten. - ein jeder stellt seinem Nächsten nach Wie ein Vogelsteller dem Vogel. - ihn zu morden. Das Böse ihrer Hände nennen sie gut, Sie schämen sich auch ihrer Frevel nicht. Vergl. [Jes 5,20]. Hebr.: Auf das Böse sind ihre Hände aus, es eifrig zu vollbringen. - der Fürst verlangt Geht ganz darin auf, seine Sucht nach Gold durch Steuern und Auflagen zu sättigen. - und der Richter richtet um Entgelt, Nicht der Gerechtigkeit zu walten ist er bestrebt, sondern nur seiner Habsucht ergeben. - der Große redet nach den Gelüsten seiner Seele, so verwirren sie Jerusalem. Der Beste unter ihnen gleicht dem Dornstrauch Der jeden, der ihm naht, verwundet und festhält. - und der Rechtschaffene dem Stachel einer Hecke, Wo man Hilfe erwartet, findet man Schmerz. (Hier.) Der Weinberg des Herrn, Juda und Israel, bringt nicht Trauben, sondern Dornen hervor, und wer noch als gut unter ihnen gilt, ist wie ein Dornstrauch oder der Stachel einer Hecke; was ist da von den übrigen zu sagen? Im Hebr. lautet das letzte Glied: der Rechtschaffene ist schlimmer als eine Hecke. - der Tag, der dir vorgesehen ward, Hebr.: Deiner Späher, d.i. der Propheten. - deine Heimsuchung naht; jetzt wird Vernichtung Hebr.: Dann kommt ihre Verwirrung. - über sie hereinbrechen. Trauet dem Freunde nicht, setzet kein Vertrauen auf den Fürsten; vor dem Weibe, das an deinem Busen ruht, wahre die Pforte deines Mundes! Alle Bande der Freundschaft und Familie lösen sich, es entsteht ein Krieg aller gegen alle. Hebr.: Trauet nicht mehr dem Freunde, verlasset euch nicht mehr auf den Allvertrautesten! – Die Vers 4 angedrohte Verwirrung tritt ein. Vergl. die Beschreibung, welche Christus [Mt 10,36; Mt 24,10; Lk 12,53] vor Augen stellt. - Denn der Sohn bereitet dem Vater Schmach, die Tochter lehnt sich auf wider ihre Mutter, die Schwiegertochter wider ihre Schwiegermutter, und des Mannes Feinde sind seine Hausgenossen. Alles ist voll von Unglück. [Mic 2,10] war das Verlassen des Vaterlandes angedroht, [Mic 3,12] die Zerstörung der Stadt und des Tempels; [Mic 4,9.10] die Vernichtung des Reiches, die Wegführung und die Knechtschaft; [Mic 6,14.15] Hunger, Unfruchtbarkeit, feindliche Verwüstung; [Mic 7,5.6] Bürgerkrieg. Jede Drohung ist mit einem bitteren Tadel der Sitten verbunden. Dies ist der Beruf der Propheten, die gegenwärtigen Frevel zu rügen und die in der Zukunft drohenden Übel zu zeigen. Doch erhabener noch ist ihre Aufgabe, die Wiederherstellung anzukündigen und die Frommen darauf vorzubereiten. - Ich aber will ausschauen nach dem Herrn, harren auf Gott, meinen Heiland, Hebr.: Den Gott meines Heiles. - erhören wird mich mein Gott. Vorbild und Mahnung für andere fromme Israeliten. Ähnlich lehrt Isaias Trost [Jes 8,11-22] und Jeremias sucht in gleichen Gedanken Trost [Klagel 3,22-35.64; Klagel 5,19.21] Vergl. [2Chr 20,12]. - Freue dich nicht über mich, meine Feindin! dass ich gefallen bin, ich werde wieder aufstehen; Hebr.: Denn bin ich gefallen, so stehe ich auf. - wenn ich auch in Finsternis sitze, ist doch der Herr mein Licht. Die Finsternis ist Bild der Trauer. – Aber wann wird Gottes Hilfe kommen? Dies ist verborgen in Gottes Ratschlüssen. Es gilt, Hoffnung zu bewahren und in rechter Weise das Unglück zu tragen. - Den Grimm des Herrn will ich tragen, In bußfertiger Gesinnung, daher das Bekenntnis der Sünde und die Bereitwilligkeit, die Strafe der Wegführung u.a. zu tragen. - denn ich habe mich wider ihn versündigt, bis Zu dem Bußgebete fügt der Prophet die Hoffnung hinzu: Wenn ich auch gegen Gott gesündigt, habe ich doch jenen kein Unrecht getan, von denen ich so Schweres gelitten. - er meine Streitsache schlichtet und mir Recht schafft. Mich in jenen Stand zurückversetzt, der mir kraft seiner Verheißungen und kraft des Bundes zukommt. - Er wird mich zum Lichte führen und ich werde seine Gerechtigkeit schauen. Aus Unglück in das Glück, aus der Gefangenschaft in die Freiheit, aus der Gottvergessenheit in die Erkenntnis des Herrn und den Besitz seiner Gnade wird Gott führen. Im Hebr.: mit Freude schauen. Seine Gerechtigkeit: weil Gott sie will und seiner Treue gemäß bewirken wird. Ein Teil dieser Gerechtigkeit ist die Rache über die Feinde, der andere das an dem Volke zu übende Erbarmen, dem gemäß Gott sein Reich wiederherstellt und das Heil verleiht. - Das soll meine Feindin sehen und mit Scham bedeckt werden, sie, die zu mir spricht: Wo ist der Herr, dein Gott? Die Niederlage eines Volkes galt als eine Niederlage seines Gottes. Wo ist die Hilfe und die Macht des Herrn? - Meine Augen werden sich an ihr weiden, bald wird sie zertreten werden wie Gassenkot. Die Rollen sind gewechselt. Die heilige Stadt steht jetzt glorreich da, Gott ist verherrlicht, die Feinde niedergeworfen. Zunächst ist der Triumph über Babylon davongetragen, doch diese Stadt ist zugleich ein Beispiel der Macht des Herrn gegen alle seine Feinde. Die Wiederherstellung der Stadt nach der Wegführung ist nur eine Vorbereitung und ein Vorspiel auf die Erneuerung durch den Messias, welche der Prophet vor allem vor Augen hat. Was von dem Reiche Gottes im Allgemeinen gesagt wird, lässt sich auf jeden Bürger des Gottesreiches, auf jede gerechte Seele anwenden. (Hier.) - Es kommt der Tag, da deine Mauern wieder gebaut werden, Dass die Mauern gebaut werden sollen, hat nicht den Sinn, dass die Gottesgemeinde eine eng begrenzte sein wird. Vielmehr ist hier die Stadt in ihrer idealen Bedeutung zu fassen, um so mehr als das hebräische Wort für Mauer auch Mauer des Weinberges ist. [4Mos 22,24; JSir 10,8; Jes 5,5] Der Weinberg des Herrn [Mic 7,1] wird der Hut Gottes wiederum anvertraut. Vergl. [Jes 27,2]. - an jenem Tage wird weit die Satzung entfernt. Hebr.: die Grenze. Im gleichen Sinn Vulg.: Das alte Gesetz wird weichen oder: das Gesetz, welches das Volk Gottes einengte, wird entfernt werden. - An jenem Tage werden sie auch bis zu dir kommen von Assur bis zu den festen Städten und von den festen Städten bis zum Strome und von Meer zu Meer, von Gebirg zu Gebirg. Hebr.: An jenem Tage wird man zu dir kommen von Assur an bis zu den Städten Ägyptens, und von Ägypten an bis zum Strome (bis zur Landschaft, die zum Strome reicht) und bis zum Meere vom Meere (von den Ländern, die sich von einem Meere zum anderen erstrecken) und bis zum Berg vom Berg, - mithin von überallher. Zuerst werden jene Länder genannt, in welche die Weggeführten zerstreut werden, Assur und Ägypten (in das letztere flohen viele Juden nach der Einnahme der Stadt durch die Chaldäer), alsdann wird das dazwischenliegende Land genannt: von Ägypten an den Euphrat; endlich Zusammenfassung aller Länder. Das Wort „kommen“ zeigt, dass nicht von zurückkehrenden Israeliten die Rede ist, sondern von der Aufnahme aller Völker in das neue Gottesreich. Selbst die früheren Unterdrücker sind nicht ausgeschlossen. Vergl. [Jes 19,23-25]. Wenn auch das messianische Heil von der Wiederherstellung der Stadt durch Esdras und Nehemias durch einen großen Zeitraum getrennt ist, ist die letztere doch eine Vorbereitung der ersteren, und so verbindet der Prophet beide ihres inneren Zusammenhanges wegen. - Das Land Das Land der Feinde. - aber wird wegen ihrer Bewohner, ob der Frucht ihrer Anschläge, zur Wüste werden. Wer gegen Gottes Reich auf Erden sich erhebt, muss untergehen. Von [1Mos 3,15] an, muss mit dem Menschen, der Sündigt, die Erde leiden. - Weide Anrede an Gott. Vergl. [Mic 5,4]. - dein Volk mit deinem Stabe, die Herde deines Erbes, Rechtsgrund für die Hirtensorge Gottes. - die einsam Wohnenden, Als Herde Gottes sind sie durch Glaube und Sitten geschieden von allen Nichtheiligen. Dies Lob hat ihnen bereits Balaam gespendet [4Mos 23,9] und solange sie desselben würdig waren, lebten sie sicher in Gottes Hut. Vergl. [5Mos 33,28]. - im Waldgebirge auf des Karmels Mitte; lass sie weiden in Basan und Galaad, Weil das Volk Gottes heilig ist, weidet es auf herrlichster Weide. Nach den Umständen seiner Zeit führt der Prophet als Bilder solcher Weide den Karmel, Basan und Galaad an. - wie in den Tagen der Vorzeit! In den Tagen Abrahams, Davids und Salomons. - Wie in den Tagen, als du aus dem Lande Ägypten auszogst, will ich es Wunder schauen lassen. Jene erste Befreiung und Auserwählung des Volkes ist ein Vorspiel und Abbild der messianischen Befreiung und Aufnahme an Kindes Statt, weshalb beide oft in der Heiligen Schrift miteinander verbunden werden. In beiden werden die Feinde Gottes durch die wunderbare Hilfe Gottes besiegt, erhält das Volk von Gott außerordentliche Gnaden, wird aus der Knechtschaft in die Freiheit der Kinder Gottes geführt, zieht unter Gottes Führung in das verheißene Land, wird mit Himmelsspeise genährt usw. - Die Völker werden es sehen und zuschanden werden mit all ihrer Macht; sie werden die Hand auf den Mund legen, ihre Ohren werden taub. Wie einst [2Mos 15,15]. Die Feinde werden aus der Wiederherstellung des Gottesreiches erkennen, dass ihre Unternehmungen umsonst waren und beschämt werden, ja vor Staunen erstarren, der Rede beraubt. - Sie werden Staub lecken wie die Schlangen, Wie die Feuersäule bei dem Auszuge aus Ägypten für die Israeliten eine Wohltat war, den Ägyptern Entsetzen einflößte und Untergang brachte, so wird die glorreiche Offenbarung Gottes in der messianischen Befreiung dem einen zur Auferstehung gereichen, den anderen zum Falle. Mit der glorreichen Offenbarung ist ein Gericht Gottes über die Widerspenstigen verbunden, doch auch dieses wird viele zur Furcht bringen und ihnen so zum Heile dienen. Die Feinde werden Staub lecken: sich niederwerfen und flehend die Erde küssen. Ob durch den Zusatz: wie die Schlangen, auf die bösen Geister hingewiesen wird? Vergl. [1Mos 3,15; Jes 27,1; Jes 65,25; Offenb 12,9; Offenb 20,2] - wie das Gewürm der Erde aufgescheucht werden in ihren Häusern; Hebr.: zitternd werden sie hervorkommen aus ihren Schlupfwinkeln. - vor dem Herrn, unserem Gott, werden sie beben, ja Dich fürchten. Die Verheißungen gehen im Litteralsinne und unmittelbar auf die Zeit des Messias, wie die folgende Danksagung zeigt und worauf [Mic 5,4ff] schon vorbereitete. Immerhin ist ein Schatten des höchsten Gutes auch für die nach der Rückkehr aus Babylon folgende Zeit gegeben. Vergl. [Mic 2,12.13]. - Wer ist ein Gott, dir gleich, der du die Schuld wegnimmst und dem Überreste deines Erbes die Sünden nachsiehst? Wie du einst den Würgeengel in Ägypten an den Israeliten hast vorübergehen lassen. Die Überreste bekehren sich: [Jes 10,21]. - Er wird nicht ferner seinen Zorn auslassen, Hebr.: Nicht auf immerdar hält er seinen Zorn fest. – Als erstes messianisches Gut preist der Prophet die Vergebung der Sünden, und dies wiederholt. Die Wiederherstellung bringt also geistige Güter. - denn an Barmherzigkeit hat er Wohlgefallen. Er wird sich wiederum unser erbarmen, er wird unsere Verschuldungen vernichten Hebr.: Niedertreten. - und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres versenken. Um noch wirksamer die volle Hinwegnahme der Sünden zu bezeichnen, fügt der Prophet bei: In die Tiefe des Meeres versenken. Dieses Bild bedeutet, dass auch die letzten Spuren und jedes Angedenken an die Sünden vertilgt werden soll. Wie Gott bei der ersten Befreiung die verfolgenden Feinde ins Meer versenkte, damit sie sein Volk nicht in die Knechtschaft schleppten, so lässt er bei der zweiten gleichsam die Sünden vom Meere bedecken (und durch die Taufe abwaschen), damit die Gläubigen von geistiger Knechtschaft frei die Würde der Kinder Gottes haben. - Du wirst Jakob Wahrheit geben, Abraham Gnade, wie du unsern Vätern von alters her zugeschworen. Der Grund, warum Gott die Sünden nachlassen und die Erneuerung gewähren wird, sind seine den Vätern gegebenen Verheißungen. Dass Gott dieses Reich erfülle, darum fleht der Prophet. Wahrheit und Gnade charakterisieren das Reich des Messias trefflich. Vergl. [Joh 1,17]. Er bittet für den Neuen Bund um reichlichere Offenbarung und reichere Gnade für die, welche nach Gottes Bund nach dem Namen Jakobs und Abrahams genannt werden. Erst als sie zu Gottes Anschauung zugelassen wurden, erlangten die Patriarchen für ihre Person volle Kenntnis der Wahrheit und in der Seligkeit vollen Genuss der Liebe Gottes. Vergl. [Hebr 11,39.40]. Doch auch ihren Nachkommen sind Wahrheit und Gnade verheißen. Dass diese Gaben sicher zu erwarten, beweist Gottes Eidschwur, vergl. [Hebr 6,18. 1Mos 22,16; 5Mos 7,12] So geht der Seher von dem Messianischen Reiche zurück bis zu den ersten Grundlagen und Verheißungen desselben, damit der Blick auf alle Zeiten zugleich uns mit Ehrfurcht und Dankbarkeit gegen Gottes Vorsehung erfülle.

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