Numeri 11

Auf dem Marsche zur Wüste Pharan a. muss Gott die über ihre Mühseligkeiten Klagenden erzürnt strafen, indem er den äußersten Teil des Lagers verbrennen lässt. (V. 3) b. Da die Israeliten aus Widerwillen gegen das Manna Fleisch fordern (V. 9), verheißt Gott dem Moses, der sich unfähig erklärt, das ganze Volk zu leiten (V. 15), er werde ihm helfen und auch dem Volke Fleisch geben. (V. 23) Gott teilt 70 Ältesten prophetischen Geist mit (V. 30) und sendet Wachteln, das Volk gleichzeitig schwer strafend.

Inzwischen erhob sich ein Murren des Volkes wider den Herrn, Richtiger: Vor den Ohren des Herrn. - das sich über seine Beschwerden beklagte. Als dies der Herr hörte, Das Hören Gottes ist nie ein folgenloses. Ihm folgt hier die Strafe des Murrens, wie [5Mos 12,2, 5Mos 14,27], ein anderes Mal Errettung der Notleidenden [1Mos 21,17, 2Mos 2,24], oder Erhörung der Betenden [1Mos 30,17.22] u. a. - ward er erzürnt; und das Feuer des Herrn ging wider sie aus Strafend und vor dem Beharren im Murren warnend. - und verzehrte den äußersten Teil des Lagers. Da das Volk zu Moses rief, betete Moses zu dem Herrn, Moses tat Fürbitte für Pharao: [2Mos 8,8.26, 2Mos 9,33, 2Mos 10,18]. Für Israel: [2Mos 32,32, 4Mos 14,19]. - und das Feuer erlosch. Da nannte er den Namen dieses Ortes Feuersbrunst, Hebr.: Thabera. - weil des Herrn Feuer wider sie aufgelodert war. Die zugelaufene Menge nämlich, welche mit ihnen heraufgezogen war, Vergl. [2Mos 12,38]. Hebr.: war. Hinaufgezogen ist Erklärung der Vulgata. Besser also: Männer aus dem gewöhnlichen Volke, dem alles übrige Volk gegenübergestellt wird. - entbrannte von Gelüsten, Nach ausgesuchter Speise. - und saß, und weinte, und nachdem sich auch die Söhne Israels zu ihnen gesellt hatten, sprachen sie: Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Wir gedenken der Fische, welche wir in Ägypten umsonst aßen, Der Fischreichtum Ägyptens war groß. Fische waren Speise der Armen. - und die Kürbisse, Gurken. - Melonen, Lauche, Zwiebeln, und der Knoblauch kommen uns in den Sinn. Unsere Seele ist verschmachtet, unsere Augen sehen nichts als das Man. Welch Unterschied zwischen dieser Klage und der anderen [2Mos 16,3]! Sie verlangen Fleisch, weil Gott schon einmal wunderbar solches gewährt [2Mos 16,13] und weil sie bei den Friedopfern an Fleischgenuss gewöhnt waren. Fleisch war die Speise der Vornehmen, jetzt fordern sie solches, welche kaum Handarbeiter gewesen. - Das Man aber war wie Koriandersame und hatte eine Farbe wie Bdellium. Siehe [1Mos 2,12]. - Und das Volk ging umher, und sammelte es, und mahlte es mit Mühlen, oder zerstieß es in Mörsern, und kochte es in Töpfen, und machte Kuchen daraus, die wie Ölkuchen schmeckten. Die mannigfaltige Verwertung des Man hatten die Hebräer nach den Ereignissen [2Mos 16] durch die Erfahrung gelernt. - Und wenn der Tau des Nachts auf das Lager herabfiel, so fiel auch zugleich das Man mit herab. Moses hörte also Familie um Familie Der als allgemein geschilderte Umstand soll wohl auf V. 11 – 17 vorbereiten, das Verlangen Moses nach Gehilfen begründen. - am Eingange ihrer Zelte weinen. Und es entbrannte der Zorn des Herrn sehr; Die Wirkung des Zornes wird erst V. 33 berichtet. Moses wartet nicht, bis Gott über das Volk klagt, sondern beginnt selbst mit der Klage, in der Absicht, das Volk zu verteidigen und Hilfe zu erlangen. Die letztere wird ihm gewährt, doch über das Volk kommt die Strafe. (V. 33) Die Entschuldigung ist, dass das Volk keine Ratgeber hat. Als es sich offen empört, gehorcht Moses dessen Verlangen und fordert andere Ratgeber. - und auch Moses schien es unerträglich, und er sprach zu dem Herrn: Warum hast du deinem Knechte dies zu Leide getan? Warum finde ich nicht Gnade vor dir, und warum hast du die Last dieses ganzen Volkes auf mich Mich allein. - gelegt? Habe ich Gott hatte sich [2Mos 4,22ff] als Vater Israels bekannt. - denn all dies Volk empfangen, oder ich es geboren, dass du zu mir sagst: Trage sie an deinem Busen, wie eine Amme ein kleines Kind zu tragen pflegt, und trage sie hin in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? Woher soll ich Fleisch nehmen, um es einer so großen Menge zu geben? Sie weinen wider mich Nicht gegen dich. - und sagen: Gib uns Fleisch zu essen! Ich allein vermag dieses ganze Volk nicht zu tragen; denn es ist zu schwer für mich. Wenn es dir aber anders gut scheint, so bitte ich dich, töte mich und lass mich Gnade in deinen Augen finden, dass ich kein so großes Übel erleiden muss. Hebr.: Wenn du mir dies antun willst, so töte mich lieber gleich ganz, wenn ich dir noch etwas gelte, damit ich mein Elend nicht mehr anzusehen brauche. – Vergleiche hiermit den Wunsch des Elias [1Koe 19,4] und des Jeremias [Jer 15,10] und [Jer 20,14ff] – [2Mos 32ff] erfüllt ihn nur der Eifer für Gott; hier fühlt er sich niedergedrückt und ist ungeduldig wie [4Mos 12,3] und [4Mos 20,10]. Er bittet um Fleisch, als ob dies dem Volk gebührte, dessen Vater zu sein Gott verheißen, und weist auf seine Leiden hin. – Aus diesen Gründen wird er nicht voll erhört: Er erlangt das Fleisch für das Volk, aber dieses muss Strafe leiden, er erhält Helfer, aber wird durch die Tat Eldads und Medads beschämt. - Da sprach der Herr zu Moses: Rufe mir siebzig Männer von den Ältesten Israels zusammen, von denen du weißt, dass sie die Vornehmsten des Volkes und seine Führer sind, und führe sie an den Eingang des Zeltes des Bundes, und lasse sie daselbst bei dir stehen, dann will ich herabkommen und mit dir reden; und ich will etwas von deinem Geiste nehmen Will ihnen ähnliche geistige Gaben verleihen wie dir, ohne dass die deinigen dadurch verringert werden. (Aug.) - und ihnen geben, dass sie die Last des Volkes mit dir tragen und du nicht allein damit beschwert seiest. Aus der Zahl der Ältesten, welche bereits vor Moses [2Mos 4,29] unter den Hebräern Ansehen genossen, von denen [2Mos 24,1] siebzig als Vertreter des Volkes mit Moses zu Gott auf den Berg gestiegen waren, wählt Moses 70 aus, die ihn bei der Verwaltung unterstützen sollen, wie die [2Mos 18] Genannten als Richter. - Auch dem Volke sage: Heiliget euch! Reiniget euch durch Buße [2Mos 19,10], denn Gottes Allmacht soll sich euch kundtun. - morgen werdet ihr Fleisch essen. Denn ich habe euch sagen hören: Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Es ging uns wohl in Ägypten. So wird euch nun der Herr Fleisch zu essen geben; nicht nur einen Tag, oder zwei, oder fünf oder zehn, oder zwanzig, sondern einen ganzen Monat lang, Die Voraussagung der Zeit soll jeden Gedanken an einen Zufall ausschließen. Vergl. [2Mos 8,9.10]. - bis ihr es nicht mehr riechen könnt und es euch zum Ekel wird, deshalb, weil ihr den Herrn verworfen Hebr.: Verachtet. - habt, der in eurer Mitte ist, Der zum Helfen bereit ist und euch schon oft wunderbar geholfen hat. - und vor ihm geweint und gesagt habt: Warum sind wir aus Ägypten gezogen? Und Moses sprach: Sechshunderttausend Fußgänger zählt dieses Volk, und du sagst: Ich werde ihnen einen ganzen Monat lang Fleisch zu essen geben? Moses zweifelt hier nicht an der Erfüllung, sondern fragt sich selbst nach der Weise desselben. Deshalb tadelt Gott ihn nicht, während er ihn [4Mos 20,10] wegen dessen straft, was in seinem Herzen verborgen ist. (Aug.) - Sollen etwa so viele Schafe und Rinder geschlachtet werden, dass es für sie zur Speise hinreichen kann? Oder sollen alle Fische des Meeres zusammengebracht werden, damit sie ihnen Sättigung gewähren? Der Herr aber antwortete ihm: Ist denn die Hand des Herrn ohnmächtig? Jetzt sollst du sehen, ob mein Wort durch die Tat Erfüllung findet. Da kam Moses zu dem Volke Aus dem Offenbarungszelte. - und berichtete ihm die Worte des Herrn. Alsdann versammelte er siebzig Männer von den Vornehmsten Israels und ließ sie sich um das Zelt herum aufstellen. Und der Herr kam in der Wolke herab, und sprach zu ihm, und nahm etwas von dem Geiste, der Moses erfüllte, Dies wird gesagt, damit die Autorität Moses nicht dadurch gemindert erschien, dass ihm andere Männer in der Verwaltung zur Seite gestellt wurden. - und gab ihn den siebzig Männern. Als nun der Geist sich auf sie niedergelassen hatte, weissagten sie Gott offenbart sich in ähnlicher Weise wie [Apg 2,2ff]. - und hörten nicht mehr auf. Sinn der Vulgata: und wurden nicht behindert. - Es waren aber zwei Männer im Lager zurückgeblieben, der eine hieß Eldad, der andere Medad; auch auf sie ließ sich der Geist nieder, denn auch sie waren aufgeschrieben, Vielleicht durch das Los bestimmt. - aber nicht zu dem Zelte hinausgegangen. Warum waren diese beiden nicht zum Zelte des Zeugnisses gekommen? Sie wollten wohl nicht kommen, weil sie Moses nicht geneigt waren. Auch in der Familie Moses waren damals Streitigkeiten [4Mos 12,1]. Nach einigen Erklärern waren jene Männer Verwandte, die Moses, um sie zu gewinnen, in die Zahl der 70 aufgenommen, die aber öffentlich seine Gunst zurückweisen. Dass auch sie den Geist empfingen, musste die Gegner Moses stärken, deshalb fordert Josue auf, ihnen das Weissagen zu verbieten. - Und als sie im Lager weissagten, lief ein Knabe hin, und berichtete es Moses, und sprach: Eldad und Medad weissagen im Lager. Da sprach Josue, der Sohn Nuns, der Diener Moses, der Auserwählte unter sehr vielen Hebr.: Moses Diener aus seinen Streitern. - sogleich: Moses, mein Gebieter, wehre ihnen! Wohl selbst mit Gewalt. - Er aber sprach: Was eiferst du für mich? Möchte doch das ganze Volk weissagen und der Herr ihnen seinen Geist geben! Die Gabe der Prophezeiung war unabhängig von der Würdigkeit der Erwählten. Diese Propheten starben wohl zur Zeit der Aufstände [4Mos 14,29ff] und erhielten keine Nachfolger. - Und Moses und die Ältesten Israels kehrten in das Lager zurück. Da erhob sich ein Wind, Der Südostwind. [Ps 77,26] - vom Herrn gesandt, und hob Wachteln jenseits des Meeres auf, und brachte sie in das Lager, eine Tagreise ringsum auf allen Seiten des Lagers, und sie flogen in der Luft zwei Ellen hoch über der Erde. Da machte sich das Volk jenen ganzen Tag, und die Nacht, und den andern Tag hindurch daran, und sammelte Wachteln ein; wer wenig sammelte, hatte zehn Kor; Die Schätzung beruht wohl auf Augenmaß. Zehn Chomer (Haufe) = 100 Epha, etwa 393 Liter. - und sie dörrten sie rings um das Lager. Noch war das Fleisch zwischen ihren Zähnen, und noch war diese Speise nicht aufgezehrt; Der V. 20 erwähnte Monat war also noch nicht um. - siehe da entbrannte der Zorn des Herrn über das Volk, und er schlug es mit einer sehr schweren Strafe. Und man nannte diesen Ort Gräber der Lüsternheit; Kibroth ha thaawa. denn allda begruben sie das Volk, welches lüstern gewesen war. Von den Gräbern der Lüsternheit brachen sie auf, und kamen nach Haseroth, und blieben daselbst.

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