Numeri 20

4. Die letzten Ereignisse in der Wüste. (20,1-13) A. Maria und Aaron sterben. (Kap. 20) a. Während die Israeliten wieder in der Wüste Pharan (Sin) weilen, stirbt Maria, die Schwester Moses (V. 1). B. Da das Volk über Wassermangel murrt, wird solches aus dem Felsen wunderbar gewährt. Moses und Aaron wird wegen ihres Zweifels der Eintritt in das gelobte Land versagt und ihnen ihr Tod vorherverkündet. (V. 13) III. Von Kades an den Jordan. (Kap. 20,14 – Kap. 36,13) 1. Der Zug an den Jordan. (20,14 – 21,35) 1. Von Kades bis an den Berg Hor. (20,14 – 21,3) A. Da die Edomiter den Israeliten den Durchzug verweigern, müssen diese einen weiten Umweg um das idumäische Gebirge machen. (V. 21) B. Aaron stirbt, sein Sohn Eleazar wird Hohepriester an seiner Statt.

Hierauf kamen die Söhne Israels, die ganze Gemeinde, in die Wüste Sin In die Wüste Zin im Süden von Palästina, die von der Wüste Sin [2Mos 16,1, 2Mos 17,1, 4Mos 33,12], einem Teile der arabischen Wüste gegen Ägypten zu, zu unterscheiden ist. - im ersten Monate; Das Jahr fehlt im jetzigen hebr. Texte. Es ist wohl das dritte. - und das Volk blieb in Kades. Kades wird bald im engeren Sinne, wie V. 1, die Stadt, bald im weiteren genommen: die ganze Umgebung. [4Mos 32,8, 5Mos 1,19, 5Mos 9,23, Jos 14,6ff] werden die Kundschafter von Kades aus abgesendet, während [4Mos 13,1.27] genauer gesagt wird: Aus der Wüste Pharan in der Richtung nach Kades. Im weiteren Sinne [4Mos 33,36] und [5Mos 1,46]. Ebenda wird [5Mos 2,14] berichtet, dass die Israeliten vom Anfange ihres Aufenthaltes in Kades an bis zum Übergange über den Zared 38 Jahre umherwanderten. Das ungeheure Heer konnte nicht lange Zeit an einer Stelle weilen. Auch als sie [4Mos 33,49] im Lager, das sich von Bethsimoth bis Abelsatim erstreckte, waren, weilte Josue mit zahlreichen Schaaren nahe an dem Gebiete der Ammoniter, während noch andere die früher von Sehon und Og besessene Landschaft innehatten. Auch das Haderwasser Me Meribah [4Mos 20,13.24, 5Mos 33,8, Ps 80,8, Ps 105,32] wird als in Kades gelegen [Ez 47,19, Ez 48,28] bezeichnet. Kades ist also im weiteren Sinne zu nehmen, weil viele Wasser in der Nähe der Stadt waren, wo hingegen [4Mos 27,14, 5Mos 32,51] Kades als in der Wüste Sin liegend bezeichnet wird, mithin die Bäche gemeint sind, welche in der Wüste lagen. Im weiteren Sinne ist Kades auch zu fassen, wenn von einem längeren Aufenthalte daselbst die Rede ist. Die Hebräer hatten auf ihrem Zuge drei längere Aufenthalte: Bald nach dem Auszuge am Sinai, nach der Ankunft an der Südgrenze von Chanaan in Kades, nach dem Erreichen des Jordanufers den Aufenthalt im Gefilde Moabs. Nach [5Mos 1,46] blieben sie lange Zeit in Kades, während sie vom Berge Sinai in der Richtung auf das Gebirge Seir in elf Tagen nach Kades Barnea kamen. Von der Ankunft in Kades Barnea bis zum Übergange über den Zared verflossen nach [5Mos 2,14] ganze 38 Jahre. Nach dem Urteilsspruche Gottes [4Mos 14,22ff] und nach der Niederlage [4Mos 14,45] blieb wohl ein Teil des Volkes in Kades, während andere in der Wüste umherzogen, bis das alte Geschlecht ausgestorben war und Moses das Volk wieder in Kades sammelte. - Und Maria starb dort und ward an demselben Orte begraben. Dieser Trauerfall bildet die Einleitung zu einer traurigen Periode, welche der Tod Aarons beschließt. Wann Sephora starb, wird nicht gesagt. Die Moses Kindheit behütet und Gottes Großtaten so oft verkündet, die am roten Meere wohl die Hoffnung gehegt hat, das verheißene Land zu schauen, wird abberufen und lässt Moses allein, (vermutlich) noch 38 Jahre ohne ihre Mitwirkung, während er neue Stürme herannahen sieht, die Gottes Zorn wachrufen müssen. - Da es nun dem Volke an Wasser gebrach, rotteten sie sich wider Moses und Aaron zusammen, und erregten Aufruhr, und sprachen: O wären wir doch unter unsern Brüdern vor dem Herrn In den verschiedenen Heimsuchungen. - umgekommen! Warum habt ihr die Gemeinde des Herrn in die Wüste herausgeführt, dass wir samt unserem Viehe sterben? Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufziehen lassen und uns an diesen schlimmen Ort gebracht, wo man nicht säen kann, wo weder Feigen wachsen, noch Weinstöcke, noch Granatäpfel, und wo überdies auch kein Wasser zum Trinken ist? Da verließen Moses und Aaron die Gemeinde, und gingen in das Zelt des Bundes, und warfen sich auf ihr Angesicht zur Erde nieder, Sie tadeln Moses und Aaron, während sie doch selbst Gott durch ihre Sünden zum Zorn gereizt haben. - und riefen Bis zu dem Worte „aufhören“ ist der Text weder im Hebr., noch in irgend einer Übersetzung, und somit kaum als echt anzusehen. - zu dem Herrn, und sprachen: Herr, Gott! erhöre das Geschrei dieses Volkes und öffne ihnen deinen Schatz, einen Quell lebendigen Wassers, dass sie satt werden und ihr Murren aufhöre. Da erschien die Herrlichkeit des Herrn über ihnen. Und der Herr redete zu Moses und sprach: Nimm den Stab Septuag: Deinen Stab. Der Stab des Hirten [2Mos 4,2] war das Zeichen der prophetischen und gesetzgeberischen Gewalt geworden, ohne einen Namen [4Mos 17,2], aber gleichsam Gottes Wunderzeichen eingegraben tragend. Vergl. [2Mos 17,6]. - und versammle das Volk, du und dein Bruder Aaron, und redet vor ihren Augen zu dem Damit die Größe des Wunders desto klarer erscheine. - Felsen, so wird er Wasser Hebr.: Sein Wasser. - geben. Und wenn du Wasser aus dem Felsen hervorquellen lässest, soll die ganze Gemeinde samt ihrem Vieh trinken. Da nahm Moses den Stab, der vor dem Herrn war, wie er ihm befohlen hatte, und versammelte die Gemeinde vor dem Felsen und sprach zu ihnen: In seinem und Aarons Namen. - Höret, ihr Widerspenstigen und Ungläubigen! Werden wir euch wohl Wasser aus diesem Felsen Dem in der Nähe befindlichen. - hervorgehen lassen können? Hierauf erhob Moses seine Hand und schlug mit seinem Stabe zweimal an den Felsen, da strömte Wasser in Fülle heraus, so dass Volk und Vieh trank. Und der Herr sprach zu Moses und Aaron: Weil ihr mir nicht geglaubt habt, so dass ihr mich vor den Söhnen Israels verherrlichtet, Wörtlich: heiligtet. Gott wird durch Worte und Taten als heilig erwiesen. Gegen die Pflicht, ihn als solchen zu erweisen, fehlt man, wenn man ihm nicht Glauben schenkt, die Fülle seiner Erbarmungen verkennt u. a. m. Dies tat das Volk [4Mos 20,4]; dass aber auch Moses und Aaron Gott nicht heiligten, wird [4Mos 27,14] und [5Mos 32,51] mit Nennung des Ortes Kades ausdrücklich gesagt. Worin bestand ihre Verfehlung? Wie Gott beim Eintritt in der Wüste Wasser aus dem Felsen gespendet [2Mos 17], als das Volk Gott versuchte, so gewährt er beim Beginn der 38 Jahre, auf welche Israel wieder in die Wüste zurückgesendet wird, ein gleiches Wunder. Doch hier versucht nicht allein das Volk Gott, sondern auch Moses und Aaron. Moses Sünde ist eine Tatsünde, öffentlich und Ärgernis gebend. [5Mos 32,51] Nach [4Mos 27,14] ist es eine Beleidigung, nach [5Mos 32,51] eine Übertretung. Es war Unglaube, wie [Ps 105,32] zeigt. Des Volkes Bosheit riss auch Moses zu törichten, dem Glauben nicht entsprechenden Worten hin. Der Glaube bezog sich auf die Verheißung des Beistandes und die Erlangung der verheißenen Güter: die bisher gewährten Wohltaten sind das Unterpfand zukünftiger. Jene also geringschätzen und eine kleinliche Vorstellung von Gottes Barmherzigkeit haben, führt dazu, seinen Verheißungen nicht zu glauben. Dachte Moses vielleicht, Gott schulde es seiner Gerechtigkeit, seinen Erbarmungen Schranken zu setzen? Eben hatte Moses die Leviten, die er so liebte, umkommen sehen [4Mos 16]; die Worte V. 3, V. 13 hatten ihn bitter gestimmt: „Genug, länger kann Gott euch nicht ertragen; dies wird das letzte Wunder seiner Allmacht zu euren Gunsten sein.“ (V. 10) So erinnerte er sich wohl nicht genug der früheren Wundertaten Gottes. So sprach er ja nicht, als er das Meer teilte, als er die Plagen über Ägypten kommen ließ. Doch warum straft Gott ihn so streng? Wohl liebte der Herr Moses sehr, [4Mos 12], doch noch mehr liebte er das ganze Volk, welches der Welt den Erlöser schenken sollte, für dessen Heil Moses als Werkzeug diente. Da Moses das Volk einmal minder liebt, leidet er Strafe, ohne Nachlass. So ist vielleicht Schuld und Strafe Moses zu erklären. – Warum hat Moses zwei Mal an den Felsen geschlagen? Sein Glaube war wankend geworden. Als er das erste Mal umsonst an den Felsen geschlagen, staunte das Volk. Die einen jammerten, Gott habe sie verlassen, die anderen, Moses sei ein falscher Prophet. Aaron und Moses geraten in Schrecken, sie erkennen ihre Sünde, sie bereuen und flehen zum Herrn. Nun schlägt Moses noch einmal mit vollem Glauben an den Felsen, und das Wunder folgt. Der Pentateuch erzählt die Sünden Gott nahestehender Personen möglichst kurz. (V. 24; [4Mos 27,14, 5Mos 32,51]). Indes scheint es, als ob Moses diese Tatsachen ausführlicher beschrieben, denn darauf weist die ganze Einleitung derselben hin, und dass die weitere Erzählung verloren ging. Sagten sich etwa die Israeliten in ihrer Mehrzahl von Gott los? Damit erhebt sich die zweite Frage, ob der zweite Schlag dem ersten sofort folgte, oder ob er die Umkehr zu Gott einleitete, also auch durch einen so langen Zwischenraum vom ersten getrennt ist. - sollt ihr dies Volk nicht in das Land führen, das ich ihnen geben werde. Das ist das Wasser des Widerspruches, wo die Söhne Israels wider den Herrn haderten und er sich an ihnen verherrlichte. Inzwischen sandte Moses Boten von Kades aus Wohl nicht unmittelbar von der Stadt Kades aus, sondern als die Hebräer die Grenzen Moabs berührten. - zu dem Könige von Edom, welche sagen sollten: Das Folgende ist wohl eine Wiedergabe des Briefes. - Dies entbietet dir dein Bruder Vetter. Esau war Stammvater der Edomiten. - Israel: Du kennst alle Mühsale, die uns betroffen haben, wie unsere Väter nach Ägypten hinabgezogen sind, und wir dort lange Zeit gewohnt haben, und die Ägypter uns und unsere Väter bedrückt haben; und wie wir zu dem Herrn riefen, und er uns erhörte, und seinen Engel sandte, der uns aus Ägypten herausführte. Uns in der Wolke führend. - Siehe, wir lagern in der Stadt Kades, welche an der Grenze deines Gebietes liegt, und bitten, du wollest uns durch dein Land ziehen lassen. Wir wollen nicht durch Äcker, noch durch Weinberge ziehen, nicht Wasser aus deinen Brunnen trinken, Nicht ohne Bezahlung. - sondern auf der Heerstraße dahin ziehen, ohne zur Rechten oder zur Linken abzubiegen, so lange wir dein Gebiet durchziehen. Edom aber antwortete ihm: Durch mein Gebiet sollst du nicht hindurchziehen, oder ich trete dir gewaffnet entgegen. Der König von Edom war berechtigt, die Israeliten fern zu halten, wenn die Klugheit ihm dies nahe legte. Deshalb wird weder hier, noch [5Mos 2] ein Tadel gegen ihn erhoben. - Da sprachen die Söhne Israels: Wir wollen auf dem gebahnten Weg dahin ziehen; und wenn wir und unser Vieh dein Wasser trinken, so wollen wir geben, was recht ist; die Entschädigung soll keine Schwierigkeit machen, wir möchten nur schnell durchziehen. Er aber antwortete: Du wirst nicht durchziehen; und alsbald zog er ihnen mit zahllosem Volke und gewaffneter Hand entgegen und wollte ihren Bitten nicht willfahren, ihnen den Durchzug durch sein Gebiet zu gewähren. Deshalb ließ ihn Israel und bog ab. Der König von Edom hielt das Gebirge Seir besetzt. [5Mos 2,4ff] Die Israeliten durchzogen die Ebene. Vergl. [5Mos 2,28]. - Als sie hierauf von Kades aufbrachen, kamen sie zu dem Berge Hor, Nahe bei Kades. - der an den Grenzen des Landes Edom ist. Dort redete der Herr zu Moses: Aaron, sprach er, soll nunmehr zu seinem Volke scheiden; Vergl. [1Mos 25,18, 1Mos 15,15]. Die Worte sind ein Beweis des Glaubens an die Unsterblichkeit der Seele. - denn er soll das Land, das ich den Söhnen Israels gebe, nicht betreten, weil er meinem Munde bei dem Wasser des Widerspruches nicht geglaubt hat. Nimm Aaron und seinen Sohn Eleazar. - mit ihm und führe sie auf den Berg Hor; alsdann ziehe dem Vater seine Kleider aus, Lasse ihn die Amtskleider ausziehen. - und lege sie seinem Sohne Eleazar an; Aaron soll abberufen werden und allda sterben. Da tat Moses, wie der Herr geboten hatte; und sie stiegen auf den Berg Hor vor den Augen des ganzen Volkes. Und Moses zog Aaron seine Kleider aus und legte sie seinem Sohne Eleazar an. Die Einkleidung bildete einen wichtigen Teil der Weihe zur hohenpriesterlichen Würde. [2Mos 29,29.30] - Als nun jener auf der Höhe des Berges gestorben war, Nach [4Mos 33,38.39] starb Aaron am 1. Des 5. Monats des 40. Jahres des Auszuges im Alter von 123 Jahren. Vergl. [2Mos 7,7] - stieg Moses mit Eleazar herab. Da aber die ganze Gemeinde sah, dass Aaron gestorben war, beweinte sie ihn dreißig Tage lang in allen ihren Familien. Aarons Lob siehe [JSir 45,7ff]. Vergleiche [Mal 2,4ff]

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