2. Balaam. (Kap. 22 – 24) a. Während Israel nach dem Siege über die Amorrhiter in dem Gefilde von Moab lagert, lässt Balak, König von Moab, Balaam, den Sohn Beors, holen, Israel zu verfluchen. (V. 21) b. Balaam kommt, dem Willen des Herrn nicht entsprechend, und wird auf dem Wege zweimal zurechtgewiesen.
1Hierauf brachen sie auf und lagerten sich in den Ebenen Moabs, wo jenseits des Jordan Jericho liegt.Durch den Sieg des Ammorrhiterkönigs Sihon war das Gebiet des Moabiterkönigs auf das Land südlich vom Arnon beschränkt worden [4Mos 21,13.26ff], doch blieben die nördlich vom Arnon ansässigen Moabiter dort wohnen. Nach der Schlacht von Jasa, in welcher Sihon gegen Israel unterlegen war, stellten wohl wenigstens diejenigen Moabiter, welche westlich in der Nähe des Jordan wohnten und daher durch diesen Kampf wenig berührt waren, sich wieder unter den Moabiterkönig. So kam es, dass Balak den Bileam nicht nur in Ar Moab empfängt, sondern mit ihm auch nach Kirjath-Chuzot (V. 39) und nach Bamoth-Baal (V. 41) geht, ja ihn nun noch weiter nördlich auf die Höhe des Phasga führt. [4Mos 23,14] -2 Da aber Balak, der Sohn Sephors, alles sah, was Israel an den Amorrhitern getan hatte,3 und dass die Moabiter sich vor ihm fürchtetenHebr.: Grauen (einen heiligen Schrecken) empfand. - und seinen Ansturm nicht auszuhalten vermochten,4 sprach er zu den Ältesten von Madian:Vergl. V. 7 Madianiter im Ostjordanland, auch [4Mos 25,6.14] und [Jos 13,21] erwähnt, ein Hirtenvolk. - So wird dieses Volk alle vernichten, die in unsern Gebieten wohnen, wie ein Rind das Gras bis an die Wurzeln abzufressen pflegt. Er war damals König von Moab.5 Da sandte er Boten zu Balaam,Baal ist nahe. Baal war ursprünglich eine Bezeichnung des wahren Gottes. Balaam kannte schon vor der Ankunft der Hebräer den wahren Gott und dessen Weissagungen. (Vergl. [4Mos 24,3ff] mit [4Mos 12,6].) Er nennt Gott bald Herr, bald Jahve, auch den Gott Israels, den Gott, der Israel aus Ägypten geführt. Er war ein wahrer Prophet: David bezieht sich auf ihn [4Mos 24,3ff15ff, 2Sam 23,1], ebenso der Verfasser der Sprüche. [Spr 30,1] [Mic 6,5] wird die Prophezeiung Balaams den Israel vom wahren Gott erzeigten Wohltaten beigezählt. Die Juden wie die heiligen Väter sehen Balaam gleichfalls als Propheten an, Justinus, Athan., Gregor Nyss., Cyprian, Hieron., Leo u.a. Wenn er auch sündigte durch teuflisches Ärgernis [4Mos 31,16]. Vergl. [Offenb 2,14] und durch Habsucht (Juda V. 11, [2Petr 2,15ff]) so steht die Sünde doch der Verleihung einer umsonst gegebenen Gnadengabe nicht entgegen. - dem Sohne Beors, einem Wahrsager, der am Flusse des Landes der Söhne Ammons wohnte,Hebr.: Nach Pethur, welches an dem Strome liegt, nach dem Lande der Söhne seines Volkes. – V. 17 bestimmt Moses, die Israeliten sollen den Madianitern feind sein. (Vergl. [4Mos 31].), doch [5Mos 23,3]: Ammoniter und Moabiter sollen erst nach 10 Geschlechtern in die Gemeinschaft Israels aufgenommen werden. Warum werden die Madianiter gestraft, wenn die Ammoniter gesündigt? Das hebräische Bearbeiter des Textes will hier wohl nicht erkennen lassen, dass die Ammoniter zur Zeit Moses einen wahren Propheten gehabt haben, und schreibt ihre Tat den Madianitern zu, mit denen sie vielfach vermischt lebten. Ehe die Moabiter Balaam befragen können, müssen sie mit den Ammonitern verhandeln. [4Mos 24,25] nach Pethor zurückgekehrt, nimmt Balaam mit den Ammonitern am Kampfe teil [4Mos 31,8]. Wenn Balaam [4Mos 23,7] sagt, er sei von Aram herbeigeführt, so folgt daraus wohl, dass die Ammoniter einen Teil der Aramiter unterworfen hatten. [4Mos 23,4] ist der Text nicht sicher festzustellen und Aram Naharaim sicher nicht richtig, sondern wohl durch eine Fabel der Rabbinen an diese Stelle gekommen. - ihn herbeizurufen und ihm zu sagen: Siehe, ein Volk ist aus Ägypten herausgezogen, welches die Oberfläche des Landes bedeckt und nun mir gegenüber lagert.6 So komm denn und verfluche dieses Volk, denn es ist stärker als ich; vielleicht kann ich es dann schlagen und aus meinem Lande hinaustreiben; denn ich weiß, dass gesegnet ist, wen du segnest, und verflucht, wen du verfluchst.7 So zogen denn die Ältesten von Moab und die Ältesten von Madian hin, indem sie den Lohn für die WeissagungSo brachte Saul dem Propheten Samuel ein Geschenk [1Sam 9,7ff], das Weib Jeroboams dem Ahias [1Koe 14,3], Hasael dem Elisäus [2Koe 8,8]. Es war ein Geschenk zu ihrem Unterhalte. Für die Wahrsagung, nicht Prophezeiung. Balaam soll nicht Moses gleichgestellt werden. - mit sich nahmen. Als sie zu Balaam kamen und ihm alle Worte Balaks berichteten,8 antwortete dieser: Bleibet diese Nacht hier, ich will euch Antwort geben, was der Herr mir immer sagen wird. Während nun jene bei Balaam weilten, kam Gott und sprach zu ihm:9 Was wollen diese Männer bei dir?Vergl. [1Mos 16,8]. Gott hat ihm sicher schon öfter Weissagungen gegeben. -10 Er antwortete: Balak, der Sohn Sephors, der König der Moabiter, hat zu mir gesendet11 und mir sagen lassen: Siehe, das Volk, welches aus Ägypten weggezogen ist, bedeckt die Oberfläche des Landes; so komm nun und verfluche es, vielleicht kann ich dann wider dasselbe kämpfen und es vertreiben.12 Da sprach Gott zu Balaam: Ziehe nicht mit ihnen und verfluche das Volk nicht;Da du nach Balaks Wunsch nur verfluchen sollst, ist es nicht notwendig, mit ihnen zu ziehen. - denn es ist gesegnet.13 Balaam also stand des Morgens auf und sprach zu den Fürsten:Balaks. - Ziehet hin in euer Land, denn der Herr hat es mir gewehrt, mit euch zu gehen.Den Grund fügt er nicht bei. -14 Die Fürsten also kehrten zurück und sprachen zu Balak: Balaam hat nicht mit uns gehen wollen.Die Fürsten melden noch weniger als Balaam ihnen gesagt. So konnte Balak vermuten, jener wolle nur nicht kommen. -15 Da sandte er abermals viel mehr und vornehmere Männer ab, als die, welche er vorher gesandt hatte.16 Als diese zu Balaam kamen, sprachen sie: Also spricht Balak, der Sohn Sephors: Säume nicht, zu mir zu kommen;17 ich bin bereit, dich zu ehren, und will dir alles geben, was du willst; komm und verfluche dieses Volk!18 Balaam antwortete: Wenn mir Balak Silber und Gold gäbe, so viel sein ganzes Haus fassen kann, so könnte ich doch den Ausspruch des Herrn, meines Gottes, nicht ändern, dass ich mehr oder weniger sagte.Hebr.: Kleines zu tun oder Großes: möchte es eine geringere oder eine größere Sache betreffen. -19 Ich bitte, bleibet auch diese Nacht hier,Wie die ersten Abgesandten. - dass ich zu erfahren vermag, was der Herr mir weiter antworten wird.20 Da kam Gott des Nachts zu Balaam, und sprach zu ihm: Sind diese Männer gekommen, dich zu berufen, so mache dich auf und ziehe mit ihnen; nur tue das, was ich dir befehlen werde.21 Des Morgens machte sich Balaam auf, und sattelte seine Eselin, und zog mit ihnen von dannen.22 Gott aber ward erzürnt.Hebr.: weil er ging. Hier ist etwas im Texte nicht ganz in der Ordnung. V. 20 erlaubt Gott Balaam zu gehen und zürnt doch V. 22. Nach dem Chald. heißt es V. 21: Und er zog von dannen, um zu fluchen, was zu V. 35 passt und zu [5Mos 23,5] stimmt. Vergl. [2Petr 2,16]. Balaam sündigt, weil er trotz des Verbotes V. 12 Balak zu Gefallen wegzieht, aus Freundschaft und Habsucht. Nach manchen Erklärern ist der jetzige Text zu erklären: Gott zürnt, als Balaam bereits unterweges, nicht darüber, dass Balaam überhaupt die Reise angetreten hat, sondern darüber, dass er sich unterwegs durch die Gesandten zur Verfluchung Israels hat geneigt machen lassen. - Und der Engel des HerrnNach Theodoret der Schutzpatron Israels, heilige Michael. - stellte sich auf dem Wege Balaam entgegen, der auf der Eselin saß und zwei Knechte bei sich hatte.Wie Abraham [1Mos 22,3]. Balaam ist wohl nachsinnend hinter den Gesandten zurückgeblieben. -Ein Engel erscheint Balaam
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.23 Als die Eselin den Engel mit gezücktem Schwerte in dem Wege stehen sah,Auch die Tiere haben ein Gefühl für die Nähe Gottes. Balaam sieht nicht, weil er Gott ungehorsam ist. Ein Schwert hat der Engel [Jos 5,13] und der Engel Gottes [1Chr 21,16] auch. - wich sie von demselben ab und ging durch das Feld. Da schlug Balaam dieselbe, um sie auf den Weg zurückzubringen.24 Doch der Engel stellte sich in eine Enge zwischen zwei Mauern, mit denen die Weinberge abgegrenzt waren.25 Als die Eselin ihn sah, drängte sie sich an die Wand und presste den Fuß des Reiters. Da schlug er sie wiederum.26 Der Engel aber ging nochmals voraus an eine enge Stelle, wo sie weder zur Rechten noch Linken auszuweichen vermochte, und trat ihr entgegen.27 Da nun die Eselin den Engel stehen sah, fiel sie unter den Füßen ihres Reiters nieder; er aber ward zornig und schlug sie noch heftiger mit dem Stabe in die Seite.28 Da tat der Herr den Mund der Eselin auf, und sie sprach:Die Eselin redete wirklich, wie [2Petr 2,16] zeigt. - Was habe ich dir getan, warum schlägst du mich, siehe, nun schon zum dritten Male?29 Balaam antwortete:Balaam, von Zorn und Begierde, zu Balak zu kommen, verblendet, antwortet, statt durch das Wunder erschreckt zu sein, vielmehr so, als wenn ein Mensch mit ihm geredet hätte. (Aug.) - Weil du es verdient und mit mir Mutwillen getrieben hast; hätte ich nur ein Schwert, dich zu töten!30 Die Eselin sprach: Bin ich nicht deinDas du doch genug kennst. - Tier, auf dem du immer bis auf den heutigen Tag zu reiten pflegtest? Sage, ob ich dir je etwas Ähnliches getan habe?Also auch jetzt tue ich es nicht. - Er antwortete: Niemals.31 Da öffnete der Herr alsbald die Augen Balaams, und er sah den Engel mit gezücktem Schwerte in dem Wege stehen und warf sich vor ihm nieder auf sein Angesicht.Aus Furcht vor dem Tode. -32 Der Engel aber sprach zu ihm: Warum schlägst du deine Eselin schon zum dritten Male? Ich bin gekommen, dir entgegenzutreten, weil dein Weg verkehrt und mir zuwider ist.33 Und wäre die Eselin nicht von dem Wege abgebogen und, da ich ihr wehrte, nicht ausgewichen, so hätte ich dich getötet und jene am Leben gelassen.34 Da sprach Balaam: Ich habe gesündigt,Indem ich mich Gottes Willen widersetzte. - ich wusste aber nicht, dass du mir entgegengetreten warst; wenn es dir also missfällt, dass ich weiter ziehe, so werde ich umkehren.35 Der Engel antwortete: Ziehe hin mit jenen Männern, aber hüte dich, etwas anderes zu sprechen, als ich dir befehlen werde zu reden. Da zog er mit den Fürsten fort.36 Als Balak dies vernahm, zog er ihm entgegen bis zu der Stadt der Moabiter,Ir Moab oder Ar Moab am Jordan. - welche an den äußersten Grenzen des Arnon liegt.37 Und er sprach zu Balaam: Ich habe Boten gesendet, um dich zu rufen, warum bist du nicht sogleich zu mir gekommen? Etwa weil ich dein Hierherkommen nicht belohnen kann?Er schließt vermutlich von seinen eigenen habsüchtigen Wahrsagern auf Balaam. -38 Balaam antwortete ihm: Siehe, ich bin da. Werde ich aber etwas anderes reden können, als was der Herr mir in den Mund legt?39 Hierauf zogen sie zusammen fort und kamen in die Stadt, welcheHebr. und Sept.: in der Stadt Kiriath Chuzoth. - an den äußersten Grenzen seines Reiches lag.40 Und Balak ließ Rinder und Schafe schlachten und sandte an Balaam und die Fürsten, welche bei ihm waren, Geschenke.Einen Teil vom Friedopfer als Zeichen der Ehre und Freundschaft. Die Gesandten waren wohl Ehren halber bei Balaam geblieben. -41 Am Morgen aber führte er ihn auf die Höhen Baals,Richtiger: Bamoth-Baal. Hier war eine Kultusstätte der Moabiter. [Jes 15,2] Daher wird Balak den Ort für besonders geeignet gehalten haben. - und er sahDas Sehen galt als erforderlich für die Wirksamkeit des Fluches. Siehe [4Mos 23,13]. - den äußersten TeilBalak wollte wohl nicht, dass Balaam die volle Zahl der Israeliten erkannte, aus Furcht, dies könne den Fluch hindern. des Volkes.