Hosea 2

C. Israel, das ungetreue Weib. (V. 7) D. Strafen, welche dem ungetreuen Weibe angedroht werden. (V. 13) E. Verheißung des Heiles.

Und die Zahl der Söhne Israels soll dem Sande am Meere gleich werden, der nicht Maß noch Zahl hat, Doch es sagt vielleicht jemand: Was wird aus Gottes Verheißung an Abraham werden? Gottes Verheißungen werden durch die Bosheit der Menschen nicht vereitelt. Abraham soll nach der Verheißung der Vater vieler Völker werden [1Mos 17,5], und aus [2Mos 32,10] erhellt, wie Gott nach Verwerfung dieses Volkes andere erwecken kann, die wahrhaft Israeliten sind, wahre Nachfolger der Patriarchen. Vergl. [Roem 9,24.25]. - und an dem Orte, wo ihnen gesagt wird: Ihr seid Nicht-mein-Volk, wird zu ihnen gesagt werden: Söhne des lebendigen Gottes. Die fern waren von Gott, werden Söhne des lebendigen Gottes werden und bekannt werden: Staunend werden die Völker Gott den Lebendigen nennen, euch Kinder des lebendigen Gottes. - Und die Söhne Juda und die Söhne Israel werden sich zumal zusammenscharen und sich ein Oberhaupt setzen und aus dem Lande heraufziehen, denn gewaltig wird der Tag von Jezrahel sein. Die Rückkehr aus dem Exil ist ein Vorspiel und eine Vorbereitung auf die Erfüllung der höheren, messianischen Verheißungen, deshalb werden beide oft bei den Propheten vereinigt. Wie sie unter Zorobabel aus Babel zurückkehrend ein Reich ausmachten (Ephr., Cyr., Theoph.), so werden sie unter dem Hirten Gottes vereint werden. [Ez 34,23] Hinaufziehen wird von dem Wege nach Jerusalem gesagt. Gewaltig wird der Tag sein, weil dieses Elend, das er mit sich bringt, die Vorbereitung eines besseren Loses ist. Voll wird die Verheißung erst zur Zeit des Evangeliums erfüllt. [Roem 9,29] Sprechet zu euern Brüdern: Mein Volk! und zu eurer Schwester: Begnadigte! Dieser Vers gehört dem Sinne nach zum vorigen Kapitel. Beide Geschlechter werden genannt, um die Allgemeinheit des Heiles zu kennzeichnen. Zu den Brüdern aus allen Völkern sprechet mit Frohlocken: Wir sind nicht mehr Gott entfremdet! - Rechtet mit eurer Mutter, rechtet, Der Prophet kehrt zur Wirklichkeit zurück, die von jenem idealen Ziele noch so weit entfernt ist. - denn sie ist nicht meine Gattin und ich bin nicht ihr Mann. So sehr ist eure Mutter befleckt, dass sie nicht einmal von euch, wenn ihr richtet, freigesprochen werden kann. Gott ist nicht mehr der Bräutigam der Synagoge, sondern der Rächer der verletzten Treue. - Lasset sie ihre Buhlereien von ihrem Angesichte hinwegschaffen und ihre Ehebrüche aus ihres Busens Mitte, Gott zeigt den Weg. - dass ich sie nicht nackt ausziehe und sie hinstelle wie am Tage, da sie geboren ward, In Ägypten. Das Bild wird bei [Ez 16] weiter ausgeführt. - und sie der Wüste gleichmache, dass sie dastehe wie ein unwegsames Land, und ich sie vor Durst sterben lasse. Die vollkommenste Beraubung von allen Guten und die Überhäufung mit allem Bösen wird durch einen dreifachen Vergleich gesteigert: Die Wüste, Bild der Verwüstung und des Schreckens, das trockene Land (hebr.) Bild der Verlassenheit und Entbehrung allen Segens, bis das Elend durch den schrecklichsten Tod beschlossen wir. - Auch ihrer Kinder werde ich mich nicht erbarmen, Steigerung des Elendes durch Schilderung des Schicksals, das jedem einzelnen bevorsteht. - denn es sind Kinder der Buhlereien, Sie haben dem Beispiele der Mutter folgend Götzendienst getrieben. - denn ihre Mutter hat gebuhlt; Ursache der Strafe und Erklärung zu V. 2. Die Mutter hat Götzendienst getrieben. - die sie empfangen hat, ist mit Schande bedeckt, denn sie sprach: Ich will meinen Buhlen Den Götzen und im Gefolge des Götzendienstes Bündnisse mit fremden Völkern. - nachgehen, die mir mein Brot und Wasser Alles, was ich zum Lebensunterhalte brauche. - spenden, meine Wolle und mein Linnen, Jede Art von Kleid und Bedeckung. - mein Öl Wohlriechendes Öl und Salben. - und meinen Trank. Wein. Bisweilen erfreute sich das Volk ungeachtet seiner Gottlosigkeit eines zeitlichen Wohlstandes, z.B. unter Jeroboam II. - Darum, siehe, will ich deinen Weg mit Dornen umzäunen und ihn mit einer Mauer versperren, dass sie ihre Pfade nicht finden soll. Gott wird ihr den Weg durch Dornen schwer und unzugänglich machen, ihr den Weg selbst durch eine Mauer versperren. Seine Strafe soll voll des Erbarmens sein, wohin zielend, ihrer Bosheit ein Ende zu machen. (Theod., Theoph.) - Sie wird ihren Buhlen nachlaufen, aber wird sie nicht erreichen; sie suchen, aber nicht finden, und sie wird sprechen: Ich will hingehen und zu meinem ersten Manne zurückkehren, denn damals ging es mir besser als jetzt. Sie soll durch die Not gezwungen zu ihrem Manne zurückkehren. Gott hat das Volk nicht verworfen [Jes 50,1], er ist stets ihr Gemahl geblieben und hat sie durch die Propheten zur Rückkehr eingeladen. Gilt nicht ähnliches für jede Seele, der Gott versagt, was sie wünscht, und durch Heimsuchungen zu sich zurückführt? (Hier.) - Jene wusste nicht, Wiederum stellt er die Verbrechen der Ungetreuen vor Augen und verheißt, sie durch Züchtigungen zur Besserung zu führen. Das erste ist Staunen über ihre Torheit. Sie wollten nicht wissen. - dass ich dir das Getreide, den Wein und das Öl gespendet, ihr Silber und Gold in Menge gegeben habe, und sie haben es für Baal verwendet. Zu Statuen, Altären usw. Vergl. [Ez 16,17] und [2Chr 24,7]. - Darum will ich mein Getreide zu seiner Zeit wieder nehmen Wie in vergangenen Zeiten. Vergl. [Rich 6,1-10; Rich 10,9] Zu seiner Zeit: so ist die Strafe größer, wenn die Hoffnung schlimmer getäuscht wird. - und meinen Wein zu seiner Frist und meine Wolle und mein Die Wiederholung des Wortes mein und die Einzelaufzählung macht die Drohung gewichtiger. - Linnen, mit denen sie ihre Scham bedeckte, wegnehmen. Latein.: Befreien. Gottesgaben werden von den Gottlosen gleichsam gefangen gehalten. - Und nunmehr will ich ihre Torheit Frevel, nach anderen: Unsauberkeit. - vor den Augen ihrer Buhlen Der Völker, deren Bündnis sie gesucht hat. - aufdecken und niemand soll sie aus meiner Hand retten. All ihrer Lust will ich ein Ende machen, Er beschreibt das zukünftige Unglück des Volkes genauer, mit dem Allgemeinsten beginnend. - ihren Festen und Neumonden, ihren Sabbaten und allen ihren Festtagen. Als Feste versteht der heilige Hieronymus die drei großen: Ostern, Pfingsten, Laubhüttenfest. Die Juden feierten außer den von alters her ihnen überlieferten Festen noch andere zu Ehren der Götzen. - Und ich will ihre Weinberge und Feigenbäume Die Hauptfrüchte Palästinas neben dem Ölbaum. - verwüsten, von denen sie sprach: Das ist mein Buhllohn, den mir meine Liebhaber gegeben haben; Auch diese, beziehungsweise deren Ertrag sieht sie als Geschenk jener Götter an, und zwar wird es Buhlgabe genannt, weil sie ihnen dafür jene unerlaubte Liebe schuldig zu sein glaubt. Wenn jene, zu deren Göttern und Götzenbildern sie ihre Zuflucht genommen haben, sie gebührend durch Verwüstung des Landes strafen, werden sie es mit Händen greifen, wie töricht es war, den Götzen die Fruchtbarkeit des Landes zuzuschreiben. - und ich will sie zu einer Waldung machen, dass die Tiere des Feldes sie verzehren. Und ich werde an ihr die Tage der Baale heimsuchen, da sie ihnen Räucherwerk darbrachte und sich mit Ohrgehängen und Halsgeschmeide schmückte und ihren Liebhabern nachging, meiner aber vergaß, spricht der Herr. Deshalb, Wie V. 6 lässt Gott auf die Schilderung der Sünden und des Elendes erbarmungsvoll das Heilmittel folgen, das er anwenden will. Deshalb: Also weil jene in den Abgrund gestürzt ist? - siehe, will ich sie locken und in die Wüste führen Wie ich einst getan, als ich das Volk aus Ägypten geführt, es auf den Besitz des verheißenen Landes vorzubereiten. Vergl. [Ez 20,35]. Wüste der Völker, Exil. In der Wegführung, wenn sie die Größe ihrer Versündigungen fühlen, will ich zu ihnen reden, so dass sie meinem Willen folgen. - und ihr zu Herzen sprechen. Und ich will ihr ihre Winzer von dort aus zuteilen Hebr.: Ich will sie ihre Weinberge geben von dort aus. – Von dort, von jener Einsamkeit aus will Gott ihnen ihre Weinberge zurückstellen, die er zuvor gedroht, ihnen hinwegzunehmen. V. 9, 12 d.i. er will denen, die jene Wüste verlassen, Winzer geben, solche, welche die verlassene Erde von neuem bebauen. Gott verspricht also die Rückkehr. - und das Tal Achor zur Hoffnungspforte, Anspielung auf [Jos 7,26] und die Bedeutung des Namens Achor: Verwirrung, Heimsuchung. Einst zogen sie, nachdem Achors Frevel gesühnt, von dem Orte, der Zeuge ihrer Heimsuchung gewesen, mit neuen Gunstbezeigungen Gottes bereichert aus, das heilige Land in Besitz zu nehmen; so soll auch jetzt das Tal der Trübsal die Pforte der Hoffnung werden. - daselbst soll sie singen wie in den Tagen ihrer Jugend, wie in den Tagen, da sie heraufzog aus dem Lande Ägypten. Und an jenem Tage, spricht der Herr, wird sie mich nennen: Hebr.: antworten, wie einst, als Gott das Volk aus Ägypten berief. Singen: ein Jubellied, wie [2Mos 15,2]. - Mein Gemahl! und nicht mehr wird sie mich: Mein Baal! nennen! Sie wird zur Treue und zur Liebe gegen den wahren Gott zurückkehren. Sie wird das Wort Baal nicht mehr zur Bezeichnung Jahves gebrauchen, weil durch diese Redeweise die Verehrung Gottes mit dem Namen, die Heiden der Gottheit geben, in Zusammenhang gebracht wird. – Die Zeit nach dem Exil war wahrhaft ein Beginn und Vorbereitung der messianischen Erneuerung. – Kraft des Bundes mit Gott wird ihnen alles freundlich entgegentreten und die durch die Sünde gestörte Ordnung (V. 12) wiederhergestellt werden. Der äußere Friede soll das Abbild des Friedens mit Gott sein. - Dann werde ich die Namen der Baale aus ihrem Munde verschwinden lassen und fortan wird sie des Namens derselben nicht mehr gedenken. Und ich werde an jenem Tage einen Bund mit ihnen schließen, mit den Tieren des Feldes, den Vögeln des Himmels und dem Gewürme der Erde und werde Bogen, Schwert und Krieg aus dem Lande hinwegtilgen und sie in Sicherheit ruhen lassen. Und Von den mehr äußeren Gütern geht Gott zur höchsten Quelle aller Güter über. - ich werde dich mir auf ewig verloben, ich werde dich mir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Erbarmung. Ich werde dich mir verloben Dreimal wiederholt er dies gleichsam triumphierend. Die Vermählung soll 1. Eine ewige sein, anders als die mit den Synagogen geschlossene, 2. In Gerechtigkeit: der Braut wahre Heiligkeit und Gerechtigkeit geben durch den Messias. [Ps 71,3.7; Jes 11,4.5] u.a. 3. Zugleich Gericht haltend über die Feinde. Vergl. [Mt 16,18]. 4. In Gnade und Erbarmung: in zärtlicher Liebe. Diese wird zweimal zum Ausdruck gebracht, um die Fülle derselben zu kennzeichnen. 5. In Treue. Gott nimmt seine Gaben nicht zurück. Das letzte Glied greift auf das erste zurück. - in Treue und du sollst erkennen, dass ich der Herr Jahve, der wahrhaft Seiende. - bin. Und es wird an jenem Tage geschehen, da werde ich erhören, spricht der Herr, ich werde die Himmel erhören und die Himmel sollen die Erde erhören. Die Geschöpfe flehen gleichsam selbst zum Herrn, er möge ihnen reich die ihnen eigenen Gaben spenden, damit sie dieselben den Menschen mitteilen können. Wie die Erde gleichfalls die Wirkung der Sünden getragen [1Mos 3,17; Roem 8,20], so soll ihr Aufblühen die Heiligkeit begleiten und zieren. [3Mos 26,3-11; 5Mos 28,3-14] - Die Erde aber soll Getreide, Wein und Öl erhören Auch zeitlicher Güter will Gott seinem Volke in Fülle verleihen. Eine Ursache hängt nach der Ordnung Gottes von der anderen ab. - und diese sollen Jezrahel erhören. Der früher Unheil bedeutende Name wird jetzt Same, Pflanzung Gottes und Heil. Dasselbe Volk, das Gottes Fluch erfahren, soll, wenn es sich bekehrt, seines Segens teilhaftig werden. Die äußere Wohlfahrt, welche dem Gesamtcharakter der Verheißungen gemäß [3Mos 26; 5Mos 28] hier vor Augen gestellt wird, ist Anzeichen der inneren Heiligkeit. - Und ich werde sie Die Braut. - mir im Lande ansäen Sorge für sie tragen, ihr Gedeihen geben. Im Lande: die Rückkehr nach Palästina ist der Beginn einer besseren Lage. Vorbildlich ging dies unter Zorobabel, wahrhaft und voll zur Zeit und im Reiche des Messias in Erfüllung. (Theod., Theoph.) - und mich über die erbarmen, die Ohne-Erbarmen hieß, und zu Nicht-mein-Volk sagen: Mein Volk bist du! Wie die Sünde und ihre Folge mit unheilvollen Namen, so werden die jenen entgegengesetzten geistigen Güter mit glückverheißenden Namen bezeichnet. - und dieses wird sagen: Mein Gott bist du! Hebr.: Mein Gott!

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