Philipperbrief 2

b. Die Philipper möchten insbesondere vollkommene Eintracht, die Frucht der Demut und Selbstverleugnung bewahren. (V. 4) Nach dem Beispiele Christi (V. 5) und dem Vorbilde seiner Demut und seines Gehorsams, durch welche er die Herrlichkeit erlangte (V. 11) c. Wie unter den Augen des Apostels, so sollen sie jetzt in seiner Abwesenheit eifrig ihr Heil wirken, eingedenk dessen, dass Gott ihr Helfer ist (V. 13), wie Leuchten in der Finsternis sein und so dem Apostel eine Ursache des Ruhmes am Tage des Gerichtes werden, dass er nicht umsonst gearbeitet. (V. 18) 3. Empfehlungen betreffs seiner Genossen (V. 19 – 30): Des Timotheus, den er zu ihnen zu senden verheißt (V. 24), des Epaphroditus, der krank gewesen und den er jetzt schon sendet.

Wenn es also irgend einen Zuspruch in Christus gibt, Die Häufung der Voraussetzungen zeigt, wie sehr ihm dies am Herzen liegt und wie er es nicht genug empfehlen kann (Chrys.). - wenn irgend einen Trost der Liebe, wenn irgendwelche Gemeinschaft des Geistes, wenn irgend herzliches Erbarmen, so machet meine Freude voll, Euer Zustand ist erfreulich, machet ihn, wie meine Freude vollkommen. - dass ihr gleichgesinnt seiet, indem ihr gleiche Liebe habet, einmütig, eines Sinnes, Beweis der gleichen Liebe. Eines Sinnes in der Beurteilung und Behandlung jeder Sache. Wie das geschehen soll, gibt V. 2 – 4 an. Eines Sinnes: Griech.: Das eine in's Auge fassend, also die Sache Christi, euer Heil. - dass ihr nichts aus Streitsucht noch aus eitler Ehrsucht tuet, sondern in Demut einer den andern für höher achtend als sich selbst, Da die rechte Eintracht aus der wahren und vollkommenen Demut hervorwächst, empfiehlt der Apostel diese besonders. Aber wie kann man andere als höhere ansehen? Niemand ist so gut, dass an ihm keine Unvollkommenheit wäre, wenn dieselbe auch verborgen ist. Zudem hat der Nächste vielleicht etwas, was ihn über unsere offenbaren Vorzüge stellt (Aug.). Endlich kennt der, der sich selbst kennt, seine Untreue und schätzt sich deshalb gering. - dass nicht jeder auf das Seinige sehe, sondern auf das, was der andern ist. Mit der Demut muss die Opferwilligkeit verbunden sein. - Denn so sollt ihr gesinnt sein, wie auch Christus Jesus gesinnt war, Um seinen Mahnungen größeren Nachdruck zu geben, stellt Paulus (V. 5 – 11) das Beispiel des Herrn vor Augen, der in seiner Menschwerdung, in seinem Gehorsam und endlich im Tode am Kreuze ein unerreichbares Vorbild der Selbstentäußerung und Opferwilligkeit gegeben hat. - welcher, da er in Gottes Gestalt war, Die Form ist eigentlich das Gleiche wie die Gestalt. In der zweiten Person gewann Gott gleichsam Gestalt, sofern er sich selbst schaut. Nun ist aber alles Sein in Gott Wesen, also auch dieses Bild. Trägt dies Bild Gottes Wesenheit, so setzten die griechischen Väter an dieser Stelle mit Recht den Ausdruck Natur dafür ein (Chrys., Theod., Ökum.). Die Worte „Gott gleich“ stellen die Wesenheit in den Vordergrund. Da Christus als das ewige Wort in der Gestalt Gottes, das Prinzip aller Offenbarung nach innen und nach außen war, hielt er sein Gottgleichsein nicht für etwas Angemaßtes, sondern für ihn von Natur zukommend. Aber im Bewusstsein seiner gottgleichen Wesenheit und Herrlichkeit entäußerte er sich, und zwar der göttlichen Gestalt bei der Menschwerdung, indem er Knechtsgestalt annahm. Knechtsgestalt wird die menschliche Natur im Gegensatze zu Gott genannt, weil dieser der Herr aller Geschöpfe, sie ihm gegenüber also Knechte sind, doch fehlt wohl nicht die Anspielung auf das A. T. – Einen schönen Gegensatz bildet die Selbstentäußerung zur unrechtmäßigen Aneignung fremden Eigentums: Raub. - es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein; sondern sich selbst entäußerte, Wie entäußerte er sich? Indem er annahm, was er zuvor nicht wahr; nicht indem er verlor, was er gewesen, sondern indem er dies verbarg. Er erniedrigte sich; da er Gott war, erschien er als Mensch (Aug.). - indem er Knechtsgestalt annahm, den Menschen gleich Nicht dass er kein wahrer Mensch war, sondern weil er kein bloßer Mensch, weil er ein Gottmensch war. Zudem hatte er nicht alles mit und gemeinsam, nicht die Art der Herkunft, nicht die Sünde (Chrys.). - geworden und im Äußeren Durch die äußere Erscheinung und den Wandel bewies Christus, dass er ein Mensch, wenn er auch wahrer Gott war. Das „als“ bezeichnet, wie die entsprechende hebräische Partikel, die Wahrheit: Als wahrer Mensch. Vergl. [Joh 11,14]. - als ein Mensch erfunden ward. Er erniedrigte sich selbst, indem er gehorsam ward Nämlich Gott den Vater. Hätte Christus gelitten, aber nicht aus Gehorsam, so wäre dies nichts so Großes gewesen wie jetzt, wo zu dem Leiden der Gehorsam hinzutritt (Thom.). Als Beweis des Gehorsams wird wie [Hebr 5,8] die höchste Stufe desselben erwähnt. Der Tod war für ihn noch viel mehr als für uns, die wir in Adam gesündigt, etwas der Natur Widerstreitendes. Mit dem Tode am Kreuze war zudem die Ausstoßung aus der Gottesgemeinde verbunden. - bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuze. Darum Dem demütigen Gehorsame folgt die Erhöhung der menschlichen Natur, denn als Gott besaß Christus stets die Herrlichkeit und wird sie besitzen. Durch seinen Gehorsam erwarb Christus nicht nur uns, sondern auch sich Verdienste: die Verklärung seines Leibes, die Auffahrt zum Himmel, sein glorreiches Sitzen zur Rechten Gottes. - hat ihn auch Gott hoch erhoben, und ihm einen Namen Der Name, mit dem wir den Herrn bezeichnen, drückt nun etwas Höheres aus als irgendein Name, mit dem ein Geschöpf benannt wird. Der Name Gottes ist im A. T. Gott, soweit er sich der Welt offenbart. Hier also ist mit dem Ausdruck Name die hohe, alles überragende Würde des Heilandes bezeichnet, welche er vom Vater erhalten. - gegeben, der über alle Namen ist, auf dass in dem Namen Auf Grund des Namens. Was der her als Mensch auf Erden getan, ist Grund dieser Verehrung. Vergl. [Offenb 5,12]. - Jesu sich jedes Knie beuge aller Wesen Die Absicht, in der Gott Christus über alle Wesen erhoben hat, ist, damit ihm von allen Geschöpfen Huldigung und Anbetung dargebracht werde, wofür die Kniebeugung der Ausdruck ist. [Eph 3,14] Also auch den Menschen Christus dürfen und sollen wir anbeten, weil die menschliche Natur mit der zweiten Person der Gottheit hypostatisch vereint ist. Vergl. [Jes 45,23]. Unter der Erde sind die Abgeschiedenen gedacht. - im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und jede Zunge Alle Geschöpfe müssen bekennen, dass Christus der Herr aller geschaffenen Wesen ist. - bekenne, dass Jesus Christus der Herr zum Preise Gottes, des Vaters ist. Griech.: Dass Jesus Christus der Herr sei zur Verherrlichung Gottes des Vaters. Da Gott dem Herrn diese Herrschaft gegeben, ist die freudige Anerkennung derselben eine Verherrlichung des Vaters. Das Reich Gottes ist jetzt das Reich Christi geworden, und wir können uns Gott nur nahen, indem wir Christus nahen. Die Verehrung des Heilandes ist der Gottesdienst, der den Vater ehrt. Das Reich Christi begann mit der Erhöhung des Herrn nach seinem Tode und währt, bis der letzte Feind überwunden ist und der Herr dem Vater alles zu Füßen legt. - Demnach, meine Geliebten! (wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid), lasset es nicht bewenden bei dem, was in meiner Anwesenheit geschehen, Die Gegenwart des Apostels war den Philippern ein großer Sporn gewesen, der Tugend nachzustreben, jetzt, wo er fern ist, bedarf es einer noch größeren Anstrengung, um festzustehen. Der Vers bezieht sich auf [Phil 1,27] zurück. Der Zusatz: „Wie in meiner Anwesenheit“ nimmt der Mahnung die Bitterkeit. - sondern wirket noch viel mehr jetzt, bei meiner Abwesenheit, mit Furcht und Zittern Wie sollten wir ohne Furcht je zum Heile gelangen, wo der Kampf so groß, die Hindernisse so viele sind? Weder das Wollen, noch das Vollbringen liegt in euren eigenen Kräften, erklärt der heil. Augustin, sondern Gott ist es, der beides durch seine Gnade in euch wirkt. So ist also stets zu besorgen, er möchte seine Gnade entziehen und euch eurer Ohnmacht überlassen. Also für das Wollen, wie für das Vollbringen, ist Gottes zuvorkommende Gnade erforderlich. Andererseits aber darf diese nicht unbenützt bleiben, sondern der Mensch soll die höchste Ehre und Auszeichnung erlangen, mit Gott durch die von diesem erlangte Kraft mitzuwirken (Trid. Konz. Sitz 6, Kap. 5). - euer Heil. Denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen wie das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen. Gnädigen Beschluss, Wohlwollen. Gott ist ihnen gegenwärtig, wenn Paulus auch fern ist. - Tuet alles ohne Murren und Zaudern, Ohne Murren gegen Gott, wegen der Strenge seiner Gebote, der Verfolgungen usw. Ohne Vernünftelei und Zweifel, hinter denen der ungehorsam sich zu verbergen sucht. Gott fordert willigen Gehorsam und volle Hingebung. - damit ihr tadellos und lautere Kinder Gottes seiet, unsträflich inmitten eines verderbten und verkehrten Geschlechtes, unter denen ihr leuchtet Christus ist gleichsam die Sonne der geistigen Welt. Wer seine Wahrheit, die das Leben gibt, in sich aufnimmt, wird selbst Licht. Die Gläubigen sind gleichsam die Sterne, welche in das Dunkel der Welt hineinleuchten und ihr den Weg zur Rettung weisen. - wie Gestirne in der Welt, indem ihr am Worte des Lebens festhaltet, mir zum Ruhme auf den Tag Christi, dass ich nicht vergeblich gelaufen bin und nicht vergeblich gearbeitet habe. Die Verdoppelung: Gelaufen, gearbeitet, sowie die Wiederholung des „vergeblich“ sind Zeichen der großen Freude, welche der Apostel erhofft. - Aber wenn ich auch hingeopfert werde zu der Opfergabe und dem Dienste eures Glaubens, Die Ausdrücke sind vom jüdischen Opferkultes hergenommen. Nach [4Mos 15,5ff] war zu den Schlachtopfern noch ein Trankopfer von Wein darzubringen. Der Glaube ist ein Opfer: vermittels desselben bringen sich die Christen Gott dar als Eigentum, so dass sie das Opfer sind, und vermöge desselben üben sie eine heilige Tätigkeit, ein priesterliches Amt. Nach anderen freut sich der Apostel, sein Blut für den Glauben vergießen zu dürfen, welcher durch ihn die von ihm Bekehrten Gott zu eigen gegeben hatte. - so freue ich mich und frohlocke mit euch allen. Über eben dies freuet auch ihr euch und frohlocket mit mir. Ich hoffe aber im Herrn Jesus, Jesus wird dies durch seine Gewalt ermöglichen. - den Timotheus bald zu euch senden zu können, damit auch ich guten Mutes sei, indem ich erfahre, wie es um euch steht. Indem der Apostel die Hoffnung ausspricht, von den Philippern gute Nachrichten zu erhalten, weckt er ihren Eifer und tröstet sie, da sie sehen, wie sehr sie ihm am Herzen liegen. - Denn ich habe keinen an Sinnesart ihm Gleichstehenden, In der Verkündigung des Evangeliums und der Sorge um die Philipper. - der mit herzlicher Teilnahme für euch besorgt sei. Denn alle suchen das Ihrige, nicht das, was Jesu Christi ist. Außer Timotheus hat der Apostel niemand, der die Reise übernehmen wollte, die doch ein Dienst Christi ist, sondern jeder suchte das Seine. So hat Timotheus eine einzigartige Selbstlosigkeit gezeigt. Lukas und andere waren wohl damals nicht in Rom, wie das Fehlen der Grüße am Ende des Briefes zeigt. - Wie bewährt er aber ist, sollt Die indikative Form: ihr wisst, wäre vorzuziehen, da der Apostel sich so auf die Kenntnis der Philipper bezieht. - ihr daran erkennen, dass er, wie ein Sohn seinem Vater, mit mir gedient hat für das Evangelium. Der heil. Paulus wollte eigentlich sagen: Er hat mir gedient wie ein Kind dem Vater. Doch wendet er den Satz so, dass Timotheus nicht als ihm dienend, sondern als sein Genosse, er aber als Diener des Evangeliums hingestellt wird. - Ihn also hoffe ich zu euch zu senden, sobald ich meine Lage absehen kann. Ich habe aber die Zuversicht im Herrn, dass ich auch selbst bald zu euch kommen werde. Die Sendung des Timotheus ist noch nicht alles, was der Apostel tun will; er will auch selbst kommen, wenn der Herr es so will. - Indes habe ich für notwendig erachtet, den Epaphroditus, meinen Bruder, Mitarbeiter und Mitstreiter, euren Abgesandten und Diener meiner Bedürfnisse, Die zarte Rücksicht, mit der Paulus den Epaphroditus verteidigt und in den Augen der Philipper hebt, hat ein Gegenstück nur in der Fürsorge für Onesimus. (Brief an Philem.) Die Rückkehr des Epaphroditus ist das Werk des Paulus. Notwendig: Ihr habt gehört, dass er in Rom krank geworden ist, dies aber, dass ihr von seiner Krankheit erfahren, hat den Kranken beunruhigt, die Krankheit ward lebensgefährlich. So wehrt Paulus jeden Vorwurf ab, als ob Epaphroditus den Apostel aus Bequemlichkeit verließ. - zu euch zu senden, da er sich nach euch allen sehnte und bekümmert war, weil ihr gehört hattet, dass er krank sei. Denn wirklich war er dem Tode nahe; aber Gott hat sich seiner erbarmt, nicht allein aber seiner, sondern auch meiner, dass ich nicht Betrübnis über Betrübnis hätte. Zur Betrübnis über seine eigene Lage sollte nicht die Trauer über Epaphroditus kommen. - Um so eiliger also sende ich ihn, damit ihr euch seines Wiedersehens freuet, und ich keine Griech.: weniger. - Betrübnis habe. Heißet ihn denn willkommen im Herrn Als solchen, der Christus angehört. - mit aller Freude und haltet solche Männer in Ehren. Denn um des Werkes Christi willen Sei es durch apostolische Tätigkeit, sei es, was wahrscheinlicher, durch die Paulus geleisteten Dienste. - ist er dem Tode nahe gekommen, indem er sein Leben auf's Spiel setzte, um das zu ersetzen, was von eurer Seite fehlte an der Dienstleistung für mich. Da ihr selbst nicht zugegen seid.

Zitiert in 337